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RE: from privileged to plundered - Lester Stafford - 26-05-2024
Der Blick ihres milchbärtigen Gegenübers wandelte sich nun von neugierig fragend erneut zu einem grübelndem, in sich versunkenem träumen, als sie seine Frage beantwortet hatte. Das Postwesen war ein kompliziertes, gut getacktes und vor allem hochinteressantes Netzwerk aus Boten und ihren Stationen. Regelmäßig verkehrten die mit Briefen beladenen Männer und Frauen zuverlässig zwischen ihren Zielen. Und wenn man sich hin und wieder versetzen ließ, dann sah man reichlich viel von Arcandas. Vielleicht wäre der Zehnjährige ein Bote geworden, wäre er nicht schon der Kronprinz. Wobei es da noch mehr Gründe gegen diesen Beruf gab. Den Pferden ging es sicher nicht so gut, wie seinem Artus – das könnte er sicher besser machen. Aber wer schläft gern jeden Tag woanders? Und was wäre dann mit seinen Eltern? Nein, keine Option. Apropos Eltern: Sie hatte nach seinen Briefen aus dem Süden gefragt. Er sah sie etwas unglücklich an.
„Ja.“, antwortete er schließlich knapp, war das dann doch nicht sein Lieblingsthema. Zu den Briefen aus Eastergold hatte er nämlich ein sehr ambivalentes Verhältnis. Bereits kurz nach dem Eintreffen eines Briefes seines Papas wartete er nämlich schon sehnsüchtig auf den nächsten. Und dann wühlte ihn das Gelesene oft auf. Er legte jedes Wort auf die Goldwaage. Besonders, weil er fürchtete einen Hinweis darauf zu finden, dass sein Papa verletzt oder traumatisiert war. Freda hatte ihm die Briefe also weggenommen und las sie nur noch vor. Dafür musste sie sich vielleicht anhören, wie blöd und ungerecht sie doch war, aber das war ihr die Sache Wert. Einerseits war sie nach kurzer Zeit meist eh wieder die geliebte Mama und andererseits war ihr blöd und ungerecht zu sein – und dafür das geschriebene notfalls filtern und sorglos betonen zu können - lieber, als dabei zusehen zu müssen, wie Lester jedes Wort für sich selbst hinterfragte und in allem schwarzsah. Da war sie konsequent. „Von Papa.“, schob er hinterher und gab sich unmerklich einen Ruck, gegenüber Eleanor den artigen Kronprinzen zu geben. Ganz groß vor gleichzeitiger Verwirrung und äußerst positiver Überraschung wurden die prinzlichen Äuglein spätestens dann wieder, als niemand anderes als sein geliebter Ausbilder den Raum betrat. Den Ritter traf ein breites Lächeln und augenblicklich legte Lester seine linke Hand freudig neben sich auf dem Sofa ab und es war wieder klar, was er sich wünschte. Anstelle seines Wunsches bekam er jedoch ungefragt noch einmal eine Erzählung darüber zu hören, was denn geschehen war und dann eine Verbeugung des Hauptmannes, die er nur kurz zur Kenntnis nahm, bis er - diesmal mit lautlosem Klopfen – wieder Aldens Aufmerksamkeit gewinnen wollte. Als Alden dann endlich neben ihm saß, rückte Lester noch ein Stück heran, griff nach dessen Hand und lehnte sich zur Begrüßung einen längeren Augenblick an, während er ihm einen, nur für ihn erkennbaren, aber vielsagenden Blick zuwarf. Spätestens jetzt, konnte der Ausbilder die Lage wohl gut einschätzen und hatte eine Antwort auf seine Frage erhalten. Sein Zögling schien auf den ersten Blick zwar wohlauf zu sein, war aber definitiv erschöpft von der Szene, die sich gerade eben noch vor der Tür abgespielt hatte und wollte eigentlich erstmal wieder mit seiner Hilfe etwas herunterkommen. Sein Bedürfnis nach Nähe und Rückzug konnte er aber gerade gut zurückstellen und sich mit dem zufrieden geben, was er von Alden bekommen konnte, ohne dass es dabei für Fremde sonderlich auffällig war. Feinfühlige Personen hätten aber durchaus spüren können, dass Lester gerade emotional angedockt hatte. Eigentlich hätte er jetzt Alden erzählt, was passiert war oder würde auf dessen Frage danach warten, doch Emerson hatte ja bereits berichtet, in welche unbehagliche und für Eleanor aber gleichzeitig erleichternde und erdende – beides zumindest buchstäblich – Situation sie gerade gekommen waren. Auch wenn der Hauptmann ihm vielleicht sehr vorbildlich die Berichterstattung abgenommen hatte, so gab es da jedoch etwas, dass er schlichtweg vergessen hatte. Oder hatte er es absichtlich ausgelassen die beiden anderen einander vorzustellen? Immerhin hatte Alden sie darauf mit Mylady angesprochen, da lag es nahe, dass Emerson gewusst hatte, dass dieser die Dame bereits kannte. Eleanor hatte wiederum ohne Titulatur gegrüßt. Es gab für den Ablauf dieser Begrüßung genau zwei Erklärungen. Erstere war, dass beide sich gut kannten, was das „Guten Tag!“ der Lady rechtfertigte. Bei Alden konnte man eh nicht viel auf die Art geben, wie er Personen ansprach. „Seine Majestät“, hatte er nämlich gesagt, schon wieder. Zweitere war, dass beide sich noch nicht kannten und Eleanor davon ausging, dass er ein bürgerlicher war, saßen sie doch in einem bürgerlichen Haus, deren Besitzerin ihn gerade familiär begrüßt hatte. Was Alden anging, galt es wieder, dass auf dessen Anreden wenig Verlass war. Umso größerer Verlass war aber eigentlich stets auf Emerson, der so großen Wert auf das ganze Zeremoniell legte und es wohl kaum vergessen würde zwei Adlige einander vorzustellen, was natürlich für die erste Erklärung sprach. Überlegend sah das Prinzlein abwechselnd von links nach rechts, war ihm der Ablauf dann doch suspekt gewesen. „Das ist Eleanor Cherrington, Lady von Fairfield“, erklärte er seinem Mentor nach einigem hin- und hersehen dann, wer die gutaussehende Dame zu seiner rechten war. „Das ist Alden Sutherland, Lord von Hazelbrook und Ausbilder des Kronprinzen.“, stellte er auch der jungen Cherrington den eindrucksvollen Mann zu seiner linken vor. Lester war es dann egal gewesen, welche der Erklärungen nun stimmte. Es hatte sich für ihn seltsam angefühlt und es hatte etwas – wenn vielleicht auch nur für ihn - gefehlt, dass er einfach selbst erledigen musste, um heute Nacht gut schlafen zu können. Wobei es sich genauso seltsam anfühlte, von sich in der dritten Person zu sprechen. Aber richtig war nun mal richtig. Am Ende würde er je nach Reaktion der Vorgestellten aber zumindest erfahren, welche seiner Erklärungen nun korrekt war. Eines fehlte aber noch, das er so nicht stehen lassen konnte. Recht ungeniert – der Anlass ließ keine weitere Verzögerung zu und außerdem war er ein kleiner Junge – drehte und kniete er sich - wobei die Füße dennoch nicht den Stoff berührten - auf dem Sofa so, dass er an das Ohr seines Ausbilders reichte. „Ich heiße Lester.“, flüsterte er fordernd und etwas aufgebracht das, was man nur mit gutem Gehör aus Eleanors Entfernung hätte hören können. Das war auch der Grund, weshalb er nicht viel auf Aldens Anreden gab. Jedwede Reaktion auf seine Beanstandung wäre von einem Naserümpfen unterbrochen worden. „Das riecht fast so wie Mamas Altes. Aber in schlecht.“, rutschte ihm zwar noch flüsternd aber durch seinen Ekel auch für Eleanor kaum zu überhören heraus. Er setzte sich wieder, wog einen Moment ab, wie viel Distanz er zwischen sich und dieser Geruchsbelästigung bringen wollte und entschied sich, weniger mit dem Kopf aber dafür seicht mit seinem Ellenbogen Alden berührend sitzenzubleiben. Dabei roch das Damenparfüm gar nicht mal schlecht, nur war es Lester, dem die falschen Parfüms in der Nase kniffen und auch Kopfweh bereiten konnten. Zumindest ersteres war anscheinend auch hier der Fall. |