Facing the Storm
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from privileged to plundered - Eleanor Cherrington - 03-04-2024

Normalerweise wäre es für Eleanor nicht in Frage gekommen, allein zum Schneider zu gehen. Doch ihre Schwester Effie war derart in einen Streit mit Constance vertieft gewesen, dass Eleanor schließlich doch alleine gegangen war. Das Dumme war nur, dass es ohne Effie eigentlich gar keinen Anlass mehr gab, überhaupt den Schneider zu besuchen. Schließlich schien Eleanors Wachstum bereits abgeschlossen - und sie war bescheiden genug, um nicht ständig ein neues Kleid zu brauchen. Im Gegenteil - meist trug sie die alten Kleider von Hortense oder Constance noch einmal auf. Also gab es wohl doch einen Grund, zum Schneider zu gehen. Denn es gab ein paar Änderungen vorzunehmen und kleine Makel auszubessern. Eleanor fühlte sich dabei sehr erwachsen, sehr vernünftig und sehr gottgefällig.

Und somit war sie auch äußerst zufrieden, als sie aus der Schneiderei kam - ganz ohne ein großes Paket mit einem neuen Kleid. Nein, sie hatte ihr Paket mit den zwei auszubessernden Kleidern dort gelassen. Für einen Augenblick blieb Eleanor in der heißen Sommersonne stehen. Obwohl es August war und die Sonne wirklich ganz prächtig schien, war es hier in Spring's Court immer noch sehr angenehm. Eine kühlende Brise wehte durch die Straßen der immer geschäftigen Hauptstadt und Eleanor nahm sich vor, noch einen Spaziergang zur Baustelle der Kathedrale für Heofader anzutreten. Sie tat dies sogar alleine, obwohl sie ja durchaus ein kleines bisschen paranoid sein konnte. Doch an einem schönen Tag wie diesem - was gab es da schon zu streiten? Obwohl Eleanor wusste, dass es aktuell keine Kampfhandlungen ihres Landes gab, stellte sie sich trotzdem vor, wie alle Armeen und Söldner und Unholde an einem herrlichen Tag wie diesem ihre Waffen niederlegten um endlich Frieden zu schließen. Die Zeichen dafür standen sehr gut, die Sterne schienen die richtigen Konstellationen zu haben, die Vögel flogen nur weit über ihrem Kopf und nicht zu tief und wenn sie noch weitere Orakel befragt hätte, so hätten diese ihr ganz gewiss zugestimmt.

Die Brünette, die zwar von ganz niedrigem Adel, aber in der Hauptstadt trotzdem nicht weiter bekannt war, nickte sich selbst kurz zu, blinzelte nochmal in die Sonne und bog dann nach rechts ab um der Hauptstraße ins Innere der Stadt zu folgen. Natürlich war sie dabei auch zu Fuß. Als Tochter eines zu Land gekommenen Ritters wäre es ihr möglich gewesen, auf einem Pferd daher zu kommen, doch es kam ihr viel schöner vor, jegliche Wege zu Fuß anzutreten. Sie fühlte sich dann noch enger mit der Erde verbunden ... und damit auch mit dem himmlischen Vater. Es fühlte sich richtig an und manchmal überlegte Eleanor, ob es nicht vielleicht doch auch ihre Bestimmung war, in ein Kloster zu gehen. Sie konnte sich durchaus vorstellen, im ruhigen Reigen anderer Frauen ihren Frieden zu finden. Zumal Klöster - aus ihrer Sicht - üblicherweise auch bei Kriegen ausgespart wurden. Ja... wenn alle Stricke rissen, dann konnte dies vielleicht doch noch ein Ausweg für sie sein.

Als sie um die Ecke einiger schöner Zunftgebäude trat, erhob sich vor ihren Augen die gigantische Baustelle der Kathedrale. Wieder blieb Eleanor stehen und betrachtete die vielen weiß leuchtenden Steine, die in den Himmel ragten. Wenn Heofader nicht auf dieses Bauwerk stolz war, ... dann wusste sie auch nicht, was Menschen ansonsten noch hätten tun können!
Während sie sinnierend dastand und vollkommen frei und losgelöst wurde, merkte Eleanor nicht, wie man sie zuerst beobachtete und dann plötzlich geradezu umrannte. Zwei junge Burschen - vermutlich in ihrem Alter, kamen ihr entgegengerannt, stellten die Ellenbogen zur Seite raus und warfen sie einfach um. Erschreckt fiel Eleanor seitlich um und versuchte, keinen allzu großen Widerstand zu leisten. Sie wehrte sich auch nicht, als man ihr das schöne Handtäschchen vom Arm zerrte und die beiden jungen Kerle sich auf und davon machten. Sie war sogar so überrumpelt und perplex, dass sie nicht mal aufschrie oder um Hilfe rief. Aber sie zitterte wie Espenlaub und versuchte, sich so schnell wie möglich wieder aufzurichten, da sie kein allzu großes Aufsehen erregen wollte. Man... man hatte sie überfallen! Am helllichten Tag! Mitten in der Innenstadt!


RE: from privileged to plundered - Lester Stafford - 04-04-2024

In tough times, we all hope for knights in shining armor, or the cavalry, to show up and effect change.

Genauso, oder zumindest ähnlich, wie der Lady von Fairfield ging es auch dem jungen Kronprinzen. Normalerweise war er auch nicht allein in der Hautstadt unterwegs und natürlich hätte Freda ihren Goldjungen auch heute am liebsten begleitet und ihn umsorgt, aber auch eine Königin hatte nicht die Zeit, um ihr geliebtes Kind rund um die Uhr zu betüdeln. Und so hatte sie ihren Lester heute allein gehen lassen, aber auch nur, da dieser heute einen guten Tag hatte. Und einen Garanten für die Sicherheit ihres kleinen Engels hatte sie zumindest auch immer. Denn „allein“ bedeutete im Falle des Zehnjährigen ohne Mama oder Papa oder einer anderen verwandten, vertrauten Person, sondern ausschließlich in Begleitung der königlichen Garde zu sein. Was Freda dabei auch vergaß, war die Tatsache, dass Lester nicht das erste Mal „allein“ unterwegs war.

Zumindest bei einer Sache machte sie sich wenig Sorgen, denn während manch andere Kinder in Lesters Alter schon seit vielen Jahren kontinuierlich die Grenzen ihrer Eltern durch Taten ausloteten, tat ihr genügsamer Sohn dies seit jeher damit, indem er schlichtweg um Erlaubnis fragte. Zwar forderte Lester zu jedem „Nein“ auch eine Erklärung, doch reichte dem Kronprinzen meistens als Erklärung auch, dass seine Eltern sich mit dem, wofür er gerade um Erlaubnis bat, einfach nicht wohlfühlten, um ohne größeren Unmut seine Idee zu verwerfen. In selber Manier hatte er also auch seine Mama gefragt, ob er heute nach seiner Mittagspause in die Stadt dürfe, um den fleißigen Bauarbeitern der neun Kathedrale bei ihrer Arbeit zuzusehen, nachdem er sich eine Leckerei in der Patisserie gekauft hatte.

Sehr bewusst hatte er diese Frage in genau dieser Reihenfolge gestellt, denn sein erstes Ziel war das Geschäft, in dem er sein wohlschmeckendes Gebäck erhielt, das er dann bei seinen Beobachtungen verzehren durfte. Also bewegten sich Kronprinz samt Gefolge zunächst in Richtung der Konditorei, wobei sich der Zehnjährige dafür nur geringfügig selbst bewegen musste, denn das tat ja das stattliche Pferd auf dem er saß und jenes Reittier war im Falle eines Ausflugs in die Stadt auch noch niemals sein geliebter Artus, sondern der imposante Kaltblüter von Æðelstan Emerson, einem der Hauptleute der königliche Leibwache und zwar der, der primär für Lester zuständig war.

Stets, wenn Lester in die Stadt ging, wollte er nicht selbst reiten. Das lag vor allem daran, dass es hier so viel zu sehen gab und er kaum wusste, wo er zuerst hinsehen sollte und ihm unzählige Gedanken in den Kopf schossen, dass er sich zu unsicher fühlte ein Pferd zu führen. Außerdem konnte man in der Stadt kaum von Reiten sprechen, denn ständig musste man Acht geben, dass man niemanden umritt und kam allgemein nur langsamer als gewöhnlich voran. Auch Emerson gefiel es, dass Lester es vorzog, vor ihm im Sattel zu sitzen. Das gab ihm einerseits die Möglichkeit, die Handlungen des Kronprinzen besser zu kontrollieren und ihn dadurch sicher zu wissen und andererseits sah er es als Privileg, denn sonst lies Lester sich von kaum jemanden in den Schoß nehmen. Und tatsächlich war der Junge auch schon ein paar Mal auf dem eigentlich kurzen Rückweg an ihn angelehnt eingeschlafen. Ein Zeugnis davon, dass die Stadt ihn erschöpfte aber Lester ihm gleichzeitig wirklich vertraute.

Lester konnte sich jedenfalls voll auf das konzentrieren, was es in der Stadt zu sehen gab und jedem Detail seine volle Aufmerksamkeit widmen. Auch wenn er dabei nur selten sprach, konnte man gut an seinem Gesichtsausdruck ablesen, ob das, was er gerade beobachtetet, entweder in die Kategorien interessant, seltsam, verwirrend oder erheiternd gehörte. In diesem Moment lies sein Blick sehr deutlich verlauten, dass etwas seltsam war. Und kaum hatte Emerson diesen Blick bemerkt, gab der sonst stille Junge plötzlich ein alarmierendes quengeln von sich und deutet mit ausgestrecktem Finger in die ruhige Seitenstraße, in die er eigentlich erst später wollte, da man von dort ungestört und unbemerkt das treiben der Menschen und den Bau der Kathedrale beobachten konnte.

Dass das Wörtchen „unbemerkt“ zwar Hoffnung machte, aber keine Sicherheit dafür war, dass man bei seinem Aufenthalt dort auch unbemerkt blieb, hatte der Kronprinz soeben bewiesen. Zügig tauschten seine berittenen Leibwächter einen Blick miteinander aus, bevor sich zwei von ihnen aus dem Tross lösten und dem unausgesprochenen Befehl des Kronprinzen Folge leisteten.

Nur wenige Sekunden, nachdem Eleanor zu Boden gefallen war, konnte sie ein Donnern vernehmen, das Donnern von Hufen, die den Eindruck vermitteln konnten, dass sie diesen unweigerlich zum Opfer fiele. Die Hufschläge wurden lauter, waren dann direkt bei ihr, umgaben sie wie ein Alptraum und entfernten sich dann doch wieder in die andere Richtung.

Das nächste was sie vernahm war ein weiteres, scheinbar großes, Pferd, das dieses Mal aber in ihrer Nähe zum stehen kam. Sie hörte wie jemand abstieg, gefolgt von einem beruhigenden, tiefen „Kein Grund zur Sorge.“, dass scheinbar noch an eine weitere Person oder aber auch nur an das Pferd gerichtet war. Schwere Schritte näherten sich ihr nun zügig und sorgten dafür, dass sich ein gerüsteter, hockender Mann in ihr Sichtfeld schob. „Mylady, keine Angst. Geht es euch gut?“, sprach er jetzt in einer ähnlichen, Sicherheit vermittelnden, Stimmlage wie kurz davor. Höflich den Handschuh ausgezogen, gab er der jungen Dame die Hand, um ihr beim Aufstehen zu helfen.

Vor Eleanor stand nun ein stattlicher mitte-dreißigjähriger, der nicht nur beinahe 1,90m maß, sondern auch ein Kreuz hatte, dass ihr, so nah an ihm stehend, in diesem Moment verbarg, was sich hinter ihm befand. Der Mann trug einen sauber geschnittenen kurzen Bart, der seinem zautraulichem Blick etwas gewissenhaft, ruhiges gab. Gekleidet war er in einer edlen Rüstung, die nicht nur einen Umhang in der Farbe des Königshauses zierte, sondern ihn durch ein Abzeichen auf der Brust auch eindeutig als Offizier der King’s Guard erkennen ließ und auch sonst ein gutes Vorzeigestück dafür abgab, wie eine gepflegte Rüstung auszusehen hatte. Auch der Federgeschmückte Morion machte seine Stellung klar. „Æðelstan Emerson, Hauptmann der Leibgarde des Thronfolgers.“, stellte sich der Ritter mit einer angedeuteten Verbeugung vor. Dabei musste es auf außenstehende wie die Szene eines Dramas wirken, die sich in diesem Moment abzuspielen schien und der angebliche Schutzbefohlene dieses Mannes war auch noch nicht zu sehen.

„Ihr seid…“, ertönte dann nach ein paar Sekunden der Stille aber eine klare, glockenhelle aber vor Schüchternheit getrübte Kinderstimme, die einem ebenso vorsichtigen kleinen Jungen, von vielleicht 8 oder 9 Jahren, gehörte, der sich jetzt hinter dem Mann vorschob. Da das zaghafte Bürschchen, dass zwar nicht wie der Mann vor ihm eine glänzende Rüstung, aber dafür umso edlere Kleider trug, ihr wiederum nur bis zum Bauchnabel ging, musste sie nun nicht mehr nach oben schauen, sondern in die ganz andere Richtung. Nämlich nach unten. „Ihr seid doch die Lady von Fairfield, Eleanor Cherrington.“, traute der Knabe sich dann festzustellen und sah sie unsicher an.




RE: from privileged to plundered - Eleanor Cherrington - 08-04-2024

Eleanor war gerade noch dabei, wieder zu sich zu kommen und sich selbst von der Straße aufzuheben, als sie auch schon das Donnern von Hufen näherkommen hörte. Ohne weiteres Nachdenken wusste ihr Körper, was zu tun war: Platz machen. Aus dem Weg gehen. So schnell sie das auf ihren Knien konnte, machte Eleanor Platz und flüchtete sich an den Rand der Straße. Doch bevor sie den nächsten Versuch unternehmen konnte, sich auf die Füße zu stellen, war schon ein weiteres Pferd bei ihr angekommen und jemand sagte ihr (jedenfalls nahm sie an, es gelte ihr), es bestehe kein Grund zur Sorge. Nagut! Eleanor hob den Kopf und sah an einem - aus ihrer Perspektive - gewaltigen Tier hoch.

Alles war so schnell gegangen, dass Eleanor die Situation noch nicht komplett erfasst hatte. Mit riesigen und zugegebenermaßen ziemlich eingeschüchterten Augen blickte sie in das Gesicht eines Gerüsteten, der sie im nächsten Moment auch schon mit angenehmer Stimme ansprach. Da sie doch tatsächlich noch unter Schock stand, ergriff sie ohne etwas gesagt zu haben, die Hand des Wachmannes (oder was auch immer er war) und ließ sich auf die Füße helfen. Sobald ihre Hände sich voneinander gelöst hatten, griff Eleanor an den Holzzaun einer Gartenumfriedung um sich für einen weiteren Augenblick fest zu halten. Ihre Knie fühlten sich weich an und sie musste sich noch kurz die Zeit nehmen, zu verarbeiten, was sie gerade erlebt hatte. Sobald sie sich wieder sicher genug fühlte, wollte sie sich mit ehrfürchtigem Dank an den Mann wenden, doch dieser kam ihr zuvor und stellte sich als Hauptmann der Leibgarde des Thronfolgers vor. Im ersten Moment war ihr überhaupt nicht klar, was das alles bedeutete. "Vielen Dank, ich habe mich nur erschreckt...
Ich denke, ich wurde bestohlen!"
, klärte sie ihre Lage auf, da sie nicht sicher war, ob der Hauptmann das auch wirklich beobachtet hatte. Dann fühlte Eleanor einen Luftzug an ihrem linken Knöchel. Oh nein... das bedeutete, dass sie ihr Kleid zerrissen hatte. Und tatsächlich. Ein Blick an ihr herunter und die Sache war bestätigt. Ihr Kleid hatte jetzt an der linken Seite einen etwa 20 Zentimeter langen Schlitz. Und das war ihr sehr, sehr unangenehm. Denn schließlich waren ihre Knöchel nun nicht mehr komplett verdeckt. Glücklicherweise war die Angelegenheit nicht zu anzüglich, doch so wirklich schickte sich sowas nicht für eine junge Lady!

Noch während Eleanor damit beschäftigt war, ihre vielen Gedanken zu sortieren, hörte sie eine weitere Stimme, die sich offenbar an sie richtete. Die Stimme eines Kindes, wenn sie nicht alles täuschte. Sie hob den Blick und suchte nach der dazugehörenden Person, entdeckte dann plötzlich den Kronprinzen höchstpersönlich vor sich. Ihre Lippen öffneten sich ungläubig und sie beeilte sich, einen tiefen Knicks zu machen. Er war weiß Gott nicht formvollendet, wie das sonst ihre Art war - dafür fühlte sie sich immer noch etwas zu wackelig auf den Füßen. "Eure Majestät!", sagte sie beinahe entsetzt und wagte dann den Blick in seine Richtung. Er erkundigte sich, ob sie die Lady von Fairfield sei. Aber ja.. eine von den vielen. Doch das konnte sie ihm natürlich nicht vorhalten. Außerdem war sie insgesamt doch sehr beeindruckt davon, dass er sie auf offener Straße, in so einer misslichen Situation überhaupt erkannt hatte. "Ja, damit habt Ihr vollkommen Recht!", bestätigte sie ihm, noch immer scheinbar nicht vollkommen bei sich. Zumindest war ihre Stimmlage ein wenig höher und affektierter, als das bei ihr üblich war. Die Situation war derart unwirklich, dass Eleanor für einen weiteren Moment von Sprachlosigkeit geschlagen war. Natürlich hatte sie es gerade so fertig gebracht, ihm zu antworten. Man musste schließlich antworten, wenn ein Mitglied des Königshauses einen ansprach.

Auf einmal wurde Eleanors Gesicht wieder ein wenig aufgeregter. "Seid wachsam, Majestät. Möglicherweise ist noch ein Dieb in der Nähe!", erklärte sie und deutete dann auf ihren Kleidersaum. Besser sie spielte gleich mit offenen Karten, als dass er sich darüber wunderte, in welchem Aufzug sie hier auf der Straße unterwegs war. "Ich wurde umgeworfen und kann meine Tasche nicht mehr finden..", erklärte sie das Malheur mit einfachen Worten. Offenbar war sie immer noch unter Schock und aufgelöster, als üblich. Normalerweise bestach sie eher durch ihre ruhige und ausgeglichene Art. Von dieser war im Moment nicht mehr viel übrig. Und sie fühlte sich, als brächte sie keinen vernünftigen Satz aus sich heraus.


RE: from privileged to plundered - Lester Stafford - 09-04-2024

Lesters Gesicht war Zeugnis seines Schreckens über diese Situation, von der er wusste, dass er sie nicht einschätzen konnte. Sein Ziel war die Patisserie und dann eben diese Gasse gewesen, um in dem angenehmen Gefühl, das die süßen Gebäcke in ihm auslösen würde mit seinem Fernrohr die mutigen und tüchtigen Arbeiter der Kathedrale zu bewundern. Einfach so, aus Freude und ohne tieferen Zweck – eben als eine Art des Spiels, ohne Worte und ohne Zutun. Er war nicht darauf vorbereitet gewesen, einer Lady zu begegnen, dabei zuzusehen, wie diese zu Boden gestoßen und bestohlen wurde. Er stand in dieser von in einer Mischung aus Fachwerk und Stein erbauten Wohngebäuden umringten, ansonsten menschenleeren Gasse, in der er eigentlich noch gar nicht hatte sein wollen. Und das angenehme, heitere, Gefühl im Bauch, dass er dabei erwartet hatte fehlte. Stattdessen fühlte es sich in seinem Bauch drückend eng an und er bestaunte gerade keine durch die Nachmittagssonne angestrahlte Kathedrale aus sicherer Distanz, sondern beäugte aus nächster Nähe eine junge Frau, die nicht nur der Schock, sondern auch ein düsterer Schatten der hohen Giebel traf. Er musste auch sprechen und seine Anwesenheit verfolgte plötzlich einen Zweck.

Die zwei Gestalten vor ihr konnten gerade nicht unterschiedlicher sein und doch ergänzten sie sich hervorragend zu einem recht gewöhnlich ungewöhnlichem Bild. Der Soldat hatte, im Gegensatz zu dem Kind, die Frau nicht in einem Ausdruck von Befangenheit in Empfang genommen, sein Blick hatte sie und das Umfeld trotz seiner ersten Freundlichkeit streng und professionell gemustert. Die Lippen eng aufeinandergepresst und die Brauen gesenkt, strahlte er noch immer Autorität und ein umfassendes Maß an Kontrolle über die Situation aus. „Ich bin zuversichtlich, dass meine Männer gleich mit eurem Besitz zurück sein werden, Mylady.“, übernahm er mit tiefer, sicherer Stimme, das Wort für Lester, als sie anmerkte, dass man sie bestohlen haben könnte. Den Handschuh hatte er wieder übergezogen und seinen linken Arm hielt er Selbstbewusst hinter seinem Rücken verschränkt und fasste dort im Verborgenen die Hand seines Schützlings. Eine gewohnte Haltung, aus der er ihn beruhigen und ihm Sicherheit geben und letztere bei Gefahr auch gewährleisten konnte, da er ihn bereits mit der Linken festhaltend hinter sich ziehen und gleichzeitig mit der rechten Hand Schwert oder Kriegsdolch zu ziehen vermochte.

Der Kronprinz trug ein weißes Hemd aus feinem Leinen, das von einer im Grün Walleydors gehaltenen Weste aus edlem Wollflanell, mitsamt Mao-Kragen und goldenen Ösenknöpfen, perfekt ergänzt wurde. Damit war natürlich das Potenzial dafür groß, dass ihm es negativ auffiel, dass nun eine Adlige ohne intakte Kleider vor ihr stand. Zum Glück interessierte das den Jungen im Allgemeinen wenig und ganz besonders in solch einer Situation würde er es sogar ungerecht finden, die Frau auch noch aufgrund ihrer Kleider zu beurteilen.

Nähme man an, Lester würde eine Liste darüber führen, was er nicht mochte, so würde man recht weit oben Feiern und Festlichkeiten finden. Unangenehmerweise brachte ihn sein Dasein als Königssohn nur zu oft in die missliche Situation, solchen Aktivitäten beiwohnen zu müssen. Die Welt der Erwachsenen fand er interessant, aber wieso einhundert Leute sich in einem Raum trafen und in diesem eine unaushaltbar laute und turbulente Stimmung schafften, in der sie angeblich spaß hätten, verstand er nicht. Anwesend sein musste er zum Teil dennoch. Dabei verbrachte er die meiste Zeit bei einem seiner Eltern auf dem Schoß oder hinter der Brüstung, durch diese hindurch man aus ein paar Metern Höhe die Menge beobachten konnte. Denn eigentlich konnte er auf solchen Veranstaltungen auch das tun, was er gern tat: Menschen beobachten. Dabei hatte er es perfektioniert, sich gemeinsam mit seiner Mama unauffällig über die Gäste auszutauschen. Freda nutze dies natürlich einerseits um ihren Sohn die Zeit, die er mindestens anwesend sein musste, erträglicher zu machen und andererseits dazu, ihm eben die Vasallen seines Papas näher zu bringen. Tatsächlich war Eleanor ihm in der Vergangenheit positiv aufgefallen, da sie diese Veranstaltungen auch nicht immer zu genießen schien. Außerdem hatte Freda ihm natürlich von der Geschichte erzählt, die seine und ihre Familie miteinander verband. Lester hatte sie also wiedererkannt und so legte sich für einen kurzen Moment ein beinahe unmerkliches Lächeln über das ansonsten verdatterte Gesicht des Kindes.

Der Hauptmann nickte die nächsten aufgeregten Worte der Frau bestätigend ab und sah nach ihren Erklärungen kurz abwartend zu seinem Schützling. „Jah.“, hauchte dieser nun kaum hörbar piepsig aus. Lester war noch genauso geschockt. „Seiner Majestät habt ihr zu verdanken, dass diese Tat keine Sekunde unbemerkt blieb.“, ergänzte er die Bestätigung seines äußerst schüchternen Mündels. Die Diebe waren zwar noch fort, doch Wachsam war er dennoch und trotzdem würde ihn das Folgende auf die Probe stellen.

„Die…“, begann der stattliche Ritter gerade weitersprechen zu wollen, bevor ihn jedoch ein besorgtes Quengeln des Kronprinzen unterbrach. Darauf konnte auch schon jeder vernehmen, was der Auslöser Lesters verstärkter Unruhe war. Der Diebstahl und das Eingreifen der King’s Guard war nicht unbemerkt geblieben. „Seht! Der Prinz! “, ertönte die Stimme eines Knaben aus Richtung des großen Platzes vor der Kathedrale. „Dort wo der König im Großen für die Gerechtigkeit in unserem Land sorgt, tritt der Prinz schon im Kleinen in seine Fußstapfen!“, stimmte eine Männerstimme freudig ein. „Auf König und Kronprinz!“, rief ein weiterer.

Die Stimmung in Spring’s Court war schon die ganze letzte Woche aus gegebenem Anlass deutlich heiterer als üblich. Dem Kronprinzen gefielen die geschmückte Stadt und der Umstand, dass seine Familie den Rückhalt des Volkes genoss. Aber damit plötzlich so im Mittelfeld zu stehen, damit hatte er nicht gerechnet. Langsam bildete sich eine Menge an freudigen Bürgern an der Einmündung des großen Platzes in die Gasse, deren Zugang glücklicherweise wenigstens von noch einem weiteren Soldaten und seinem Pferd gedeckt wurde.

Und ebenso immer unruhiger wurde auch Lester. Er atmete hastig und sein quengeln wurde intensiver. Er wollte hier weg. Das alles überforderte ihn. Auf Feste konnte er sich vorbereiten und es gab einen Plan, was wann passieren sollte. Manchmal freute er sich sogar darauf, die Menschen beobachten zu können, die eher mit sich selbst und den anderen Gästen beschäftigt waren. Und in Momenten, in denen es ihm zu unangenehm werden sollte, konnte man ihn für einen Augenblick rechtzeitig herausbegleiten. Hier war er nun der von allen beobachtetet, er und seine Leibwache war die Hauptattraktion in diesem Moment, für den es keine Vorbereitung und auch keinen direkten Ausweg gab. Nur einen Notfallplan. Hauptmann Emerson, der genau diesen nun begann abzuarbeiten, sah noch einmal kurz prüfend auf die Adlige und dann hinter sich in die Menge und zu seinem Kollegen, nur zur Sicherheit. Punkt 1, sich einen Überblick über die Situation verschaffen, erledigt. Darauf ging er in die Hocke und hob seinen nun wirklich überforderten Schützling sanft an, um diesen in das weite Portal einer Tür zu versetzen und den Thronfolger dort auf seinem starken Oberschenkel Platz nehmen zu lassen. Noch in diesem Moment Pfiff er, was dazu führte, dass auch das mächtige Pferd sich näher stellte und so eine Barriere bot und damit auch Punkt 2, den Kronprinzen aus der Sichtlinie zu bringen, abschloss. Er hatte den einen Arm um Lester gelegt und mit der freien Hand hatte er auch die Lady mit in die steinerne Ausbuchtung gewunken und neben sich Platz für sie gelassen. So wäre sie ebenfalls geschützt, außerdem hoffte er darauf, dass Lester auch ihr vertraute. Das Volk war zwar sehr freudig gestimmt, jedoch gab es Erfahrungsgemäß auch in diesen Situationen immer Störer, die, zumindest bis die Stadtwache eintreffen würde, nur Emerson und sein Soldat fernhalten könnten. Da wäre es von Vorteil, wenn es noch eine weitere vertrauenswürdige Person, hier die Lady von Fairfield, gab, der man seinen Schützling zumindest sehr bedingt und nur für einen kurzen Moment übergeben konnte, wenn es brenzlig wurde.

Das Getöse am Ende der Gasse wurde immer freudiger und lauter. Man konnte annehmen, dass mittlerweile die meisten Menschen gar nicht mehr wusste, warum genau sie jetzt jubelten, sondern sich einfach von der guten Laune hatten mitreißen lassen. „Auf den Kronprinzen! „ “Lang lebe der König!“, hatte sich ein riesiger Kanon innerhalb der Menschen gebildet.

„Keine Angst.“, flüsterte er dem fast panischem Kind zu, das seinen angespannten kleinen Körper gegen ihn presste und sich die Ohren zuhielt. „Cherrington!“, stieß Lester vor Sorge ganz schrill zu seinem Hauptmann aus, in der Angst, sie würde noch ohne Schutz dastehen, sah er doch gerade nur den Umhang, den sein Leibwächter schützend um ihn gelegt hatte. Hauptmann Emerson schob einen Teil des Stoffes zur Seite und nickte der Lady zu, damit die Angerufene Lester sehen konnte und auch dieser nur seinen Kopf drehen müsste, um sie zu bemerken. Er selbst musste die Umgebung im Auge behalten, denn noch war es zwar relativ sicher, aber das konnte sich jederzeit ändern. Eleanor hingegen würde sich voll auf Lester konzentrieren können und so hoffte er, dass die junge Frau auch diese Initiative ergriff. Noch einmal nickte er ihr bestätigend zu und deutete auf den königlichen braunen Schopf, den er bis zu dem Moment seiner gestikulierten Bitte noch mit seiner eigenen Hand fürsorglich bedeckt hatte. Sie würden einige Zeit so ausharren müssen, bis zumindest die Stadtwache, die in seinen Augen nicht früh genug da sein konnte, eingetroffen war und die Gasse abgeriegelt hatte.


RE: from privileged to plundered - Eleanor Cherrington - 14-04-2024

Als der Hauptmann der Garde wieder sprach, hob Eleanor den Blick wieder in seine Richtung, weg von dem jungen Thronfolger. Sie sah beeindruckt an dem Hünen hoch und wusste offenbar noch immer nicht wirklich, was sie sagen sollte. Ihr Gesicht sprach dafür umso deutlicher. Wirklich?, sagten ihre großen Augen, der leicht geöffnete Mund und der schnelle Atmung, die sich an Hals und Schlüsselbeinen abzeichnete. Doch sie sprach die Frage nicht aus, sondern nickte seine Bemerkung ab. Dazu zog sie den rechten Mundwinkel in die Höhe und machte nochmal einen leichten Knicks. Scheinbar fing sie sich wieder langsam, denn die Einfachheit ihrer Mimik und Gestik wirkte auf einmal wieder vollkommen mühelos. Eben genau so, wie man es von einer jungen Lady erwartete, die wusste, was sich gehörte.
Dann erklärte der Hauptmann jedoch, dass Lester Stafford höchstpersönlich überhaupt erst auf ihr Missgeschick aufmerksam geworden sei. Ihr Mund öffnete sich wieder voller Erstaunen, ihre Augenbrauen zog es in die Höhe und mit großen Augen betrachtete sie den jungen Prinzen vor sich. "Das war sehr aufmerksam von euch!", sagte Eleanor verblüfft in Richtung des Kronprinzen. Ihr Lob war auf keinen Fall herablassend gemeint, dies stellte ihre Tonalität klar. Sie vermutete nur, dass ihr selbst sowas wohl vollkommen entgangen wäre. Ehrlich gesagt war ihr der Großteil ihres eigenen Malheurs ja auch entgangen. Sie war derart überrumpelt worden, dass sie vermutlich einfach nur betroffen und unglücklich nach Hause gegangen wäre, ohne irgendetwas gemeldet zu haben.
Noch ehe sie ihrer Bewunderung durch Worte des Dankes Ausdruck verleihen konnte, wurde der Ritter unterbrochen, da der Kronprinz irgendwie zu Quengeln begann. Verblüfft blickte sie ihn an, denn in ihrer Vorstellung war er ein wortgewandter und aufgeweckter Bursche, der in allen Situationen die Ruhe bewahrte und deutlich kommunizierte. Doch da Eleanor keine kleinen Jungen in seinem Alter kannte, hielt sie dies wohl für eine Fehleinschätzung. Sie versuchte, seinem aufgelösten Blick zu folgen und zu erkennen, was ihn beunruhigte.

Und natürlich erkannte sie die Menschen, die mit dem Finger auf ihn zeigten und ihn lobpreisten. Ehrlich gesagt hätte ihr das auch Angst gemacht. Natürlich war sie selbst in Spring's Court keine Unbekannte. Doch musste sie mit weitaus weniger Trubel um ihre Person leben, als der Kronprinz. Offenbar.
Nachdem sie sich selbst einen Überblick verschafft hatte und das Agieren eines weiteren Soldaten bemerkt hatte, beruhigte ihre Stimmung sich sofort wieder ein wenig. Die Männer schienen alles unter Kontrolle zu haben. Doch Lester Stafford kam ihr vollkommen aufgelöst vor. Hilflos betrachtete sie den Jungen, denn was sollte sie auch tun? Sie standen einander nicht nah genug, als dass sie ihn hätte trösten und an sich drücken können, wie sie das mit ihrer kleinen Schwester getan hätte.
Glücklicherweise wusste der Hauptmann, was zu tun war. Er hob den Kronprinzen auf und ging ein paar Schritte mit ihm unter das breite Portal eines Gebäudeeingangs. Hätten... hätten sie nicht einfach hineingehen können? Er war doch quasi der künftige König. Für einen Augenblick stand Eleanor verunsichert im Freien und wusste nicht, was sie tun sollte. Vermutlich winkte der Hauptmann sie deshalb hinter sich her, bevor der "Zugang" zu ihrem Versteck durch das Pferd verstellt wurde.

Eilig und wieder einigermaßen geistesgegenwärtig beeilte sie sich, zu dem Hauptmann und seinem Schützling aufzuschließen, der nunmehr unter dem Umhang des Älteren fast versteckt und unsichtbar war. Eleanor fühlte Mitleid in sich aufwallen. Niemals hätte sie erwartet, dass dieser Trubel einen Zehnjährigen derart aus der Bahn werfen konnte. Sie hörte, wie er ihren Nachnamen sagte und nahm Blickkontakt mit ihm auf, sobald sich die Gelegenheit dazu ergab. "Ich bin hier, eure Majestät!", sagte sie ihm schnell und rückversichernd und legte ein behutsames Lächeln auf. Die Situation war für ihr Befinden ziemlich entschärft - zumindest fühlte sie sich selbst aus der Schussbahn genommen. Daher gelang es ihr auch, mittlerweile eine ihr üblicherweise innewohnende Ruhe auszustrahlen. "Wollt.. wollt ihr vielleicht meine Hand halten?", fragte sie vollkommen unbedarft und streckte ihm ihre offene, leere Handfläche vorsichtig entgegen.
"Ich bin mir sicher, dass Eure Männer den Tumult gleich aufgelöst haben. Und sicherlich wird die Stadtwache auch ganz schnell hier sein und sie unterstützen. Mein Bruder reitet mit der Stadtwache, wisst Ihr...?", erzählte sie und hoffte, damit eine beruhigende Wirkung auf ihn zu haben.


RE: from privileged to plundered - Lester Stafford - 17-04-2024

Es machte ganz den Eindruck, als hätte Lester sich nicht nur selbst gerade in einer Situation wiedergefunden, die er nicht einschätzen konnte und ihm daher Angst machte, sondern sich dabei auch noch gleichzeitig Sorgen um das Wohlbefinden der Ritterstochter gemacht. Davon zeugte zumindest die Tatsache, dass er etwas erleichtert wirkte, als er auf seinen hochfrequenten Ausruf eine Rückmeldung der Lady erhalten und so sein Kopf zu dieser gedreht hatte und nun sie anstelle der Portalwand mit geweiteten Augen betrachtete. Lester machte sich vor und während derartiger Situation stets unzählige Gedanken um das, was alles passieren könnte, wobei er das in den seltensten fällen freiwillig tat. Es war einfach sein Wesen, dass er sich sein Köpfchen über Eventualitäten zerbrach und es so eine willkommene Abwechslung bot, als in das ängstlich-nachdenkliche Gesicht ein Hauch der Verwunderung trat, als Eleanor ihm ihre Hand entgegenstreckte. Was sie dabei gesagt hatte, hatte er unter seinen zugehaltenen Ohren nicht verstehen können, wodurch die Intention der Frau für ihn nicht wirklich ersichtlich war und sich daher stattdessen fragte, ob sie ihm nicht ihre Hand hinhielt, da sie sich selbst unwohl fühlte. Vielleicht hatte sie Angst, dass Æðelstan sie übersehen würde, wenn sie sich nicht körperlich an das Gespann anschloss. Egal was es auch war, er legte seine kleine Hand in die ihm angebotene. Als sie dann weitersprach und er sie nun auch durch das eine offene Ohr verstehen konnte, brachte ihn das aber auch schon zu einer neuen Frage, die tatsächlich dazu zu führen schien, dass seine Sorge weniger wurde. Mit Sicherheit war es auch einfach die Wärme der gehaltenen Hand und der ruhige Ton, in dem sie sprach, der ihm Sicherheit vermittelt, doch im Grunde genommen hatte Eleanor gerade genau das getan, was auch Freda mit ihm in solchen Momenten hin und wieder tat. Sie hatte ihn kognitiv herausgefordert und ihm sogar, genauso wie seine Mutter auf Festen, etwas zu einer anderen Person erzählt. Sein von Angst gezeichnetes Gesicht, dessen Augen nun aber irgendwas in Eleanor suchten, machte deutlich, dass der Fokus gerade auf ihr lag.

Wäre der jungen Adligen dieser Blick nun unangenehm gewesen, hätte sie diesen jedoch kaum länger als einen Atemzug ertragen müssen. Denn kaum hatte ihre Frage richtig einsickern können und den Kronprinzen von seinen in diesem Fall negativen Gedankenspielen abgebracht, wurde Lester schon wieder aus der Ruhe gerissen. Eine Art Klopfen war an der Tür in der Rückwand des Portals erklungen und hatte damit nicht nur Lester beunruhigt, sondern auch die Aufmerksamkeit seines Leibwächters auf sich gezogen, der sowieso noch in Habachtstellung gewesen war. "Vorsicht, die Tür!", warnte Emerson. Zügig hatte er seinen Schützling von seinem Knie geschoben und diesen wieder hinter sich an der Hand postiert, während er sich der Tür zugewandt und den Knauf des geschiedenen Kriegsdolches umgriffen hatte. Kurz knarrte die Holztür, als sie langsam den Blick ins Innere Freigab und brachte eine ältere Dame hervor, die sich augenblicklich vor dem großen Soldaten erschreckte. Im Gegensatz zu Lester, den das sicherheitsbewusste Handeln des Hauptmannes natürlich wieder beunruhigt hatte, blieb der Schreck im Gesicht der etwa Mittesechzigjährigen nur so lange stehen, bis sie den Kronprinzen mit seiner Angst bemerkt hatte. „Bei Heofader!“, sagte sie ergriffen. „Kommt doch herein, junger Prinz.“, fuhr sie fort und machte augenblicklich mit einer in das Gebäude weisenden Handbewegung Platz. Der große Soldat, der sie bis eben noch bereit seine Waffe zu ziehen gemustert hatte und nun in Richtung der Lady nickte, hob nun seinen verwirrten Schützling hoch und beschloss, das Angebot anzunehmen, war es gerade wohl die beste Option, die sie hatten.

„Eure Majestät,“, wandte sie sich an die Überraschungsgäste, nachdem sie die Tür hinter diesen wieder verriegelt und einen ihr fortgeschrittenes Alter noch zulassenden Knicks ausgeführt hatte, „geht doch schon einmal herauf. Ich komme nach.“ Sie senkte einen Moment respektvoll das Haupt, deutetet dabei die Treppe hinauf und entfernte sich nicht weniger ehrerbietig erst, als der Soldat sich mit dem Thronfolger im Arm gemeinsam mit Eleanor daran machte, dem Angebot zu folgen. „Vielen Dank“, quittierte Emerson zügig und erklomm die Stufen, denen sich oben ein Flur anschloss, von dem wiederum eine bereits offene Tür in ein geräumiges Wohnzimmer führte. Das Gesellschaftszimmer des grundsätzlich zumindest wohlhabend eingerichteten Hauses wartete mit verschiedenen wertigen Möbeln, von denen ein Klavier, eine große Schrankwand mit einer Vitrine für Schmuckstücke und Antiquitäten, eine Spielecke für Kinder samt Laufgitter sowie ein Schachtisch nur einen Teil darstellten, auf den hohen Besuch. „Du brauchst dir keine Sorgen mehr zu machen.“, sagte der Hauptmann ruhig zu seinem Schützling und legte ihm eine Hand an die Schulter, nachdem er diesen fürs erste auf der lange Seite des Sofas abgesetzt hatte und versuchte dann durch eines der großen Fenster die Menschentraube auf dem großen Platz zu erspähen.

Die Wände des Gebäudes dämpften den von der Straße dringenden Lärm einigermaßen gut ab und gaben dem Kronprinzen so eine Möglichkeit sich neu zu orientieren, denn so richtig wusste er noch nicht, was gerade passiert war oder noch passierte. Jedenfalls saß er nun in einem fremden Haus auf einem fremden Sofa und begann sich besser zu fühlen. Sein Blick fiel dabei zu Eleanor, während seine Hand auf der Sitzfläche rechts von ihm ruhte und eine Form der Einladung – oder auch Aufforderung - sich neben ihm zu setzen darstellte, die man bei einigen, in der Regel jüngeren Kindern, oft beobachten konnte. Auch wenn sein Blick dabei, im Vergleich zu jenen jüngeren, weder bettelnd war noch auf das Polster klopfte, schien er noch immer ein Freund dieser Geste in ihrer ruhigen Ausprägung zu sein, die für ihn schlichtweg effizient war. An Tagen, an denen er Schweigsamkeit vorzog, ersparte sie ihm Worte im Allgemeinen und in Momenten wie diesem, bot es ihm die Möglichkeit, parallel etwas anderes sagen zu können. „Meint ihr Sebastian?“, fragte er nämlich unvermittelt, nachdem er scheinbar kombiniert hatte, welchen Bruder sie meinte.


RE: from privileged to plundered - Eleanor Cherrington - 28-04-2024

Zu ihrer großen Überraschung und Freude, streckte der Kronprinz tatsächlich seine Hand aus und legte sie vertrauensvoll in ihre Hand. Ihre Lippen zogen sich zu einem dankbaren Lächeln auseinander, doch ihre Augen strahlten auch weiterhin diese angenehme und geerdete Ruhe aus, die die Lady häufig umgab. Behutsam und mit einer langsamen Bewegung hob sie auch ihre andere Hand noch an und legte sie auf seinen Handrücken, sodass sie seine Hand nun mit ihren beiden umschloss. Sie glaubte, ihm damit noch mehr Halt und Sicherheit geben zu können. Zumindest hatte ihr das immer geholfen, wenn sie in einer aufgewühlten Lage gewesen war. "Keine Angst", wiederholte sie freundlich und zuversichtlich. Am liebsten hätte sie seinen Handrücken gestreichelt oder zumindest getätschelt. Doch irgendwie traute sie sich nicht. Sie wollte den armen Kronprinzen schließlich nicht belästigen. Daher begnügte sie sich damit, seine Hand einfach nur zu halten und mit ihrer gesamten Mimik und Körperhaltung wohltuende Ruhe auszustrahlen.

Erst als es von der anderen Seite unerwartet Klopfte, zuckte ihr Körper sicht- und spürbar zusammen. Eleanor hob erschrocken den Blick und drehte den Kopf kurz entsetzt in Richtung des Klopfens. Der Hauptmann stieß eine Warnung aus und Eleanor ließ die Hand des Kronprinzen los, als der Hauptmann ihn wieder hinter sich verfrachtete. Der Mann legte seine Hand auf einen Dolch, was Eleanor dazu veranlasste, ebenfalls eine Position hinter ihm aufzusuchen, soweit denn noch Platz dafür war. Sobald sie an Lesters Seite angekommen war, hielt sie ihm erneut wortlos ihre Hand hin - naja, nur, falls er wollte natürlich. Die Tür wurde geöffnet und eine fremde Dame stand davor, die sich offenbar über den Besuch genauso erschrocken hatte, wie umgekehrt.
Doch der Hauptmann gab mit einem Nicken Entwarnung, hob den Kronprinzen hoch und betrat, gefolgt von Eleanor das Anwesen.
Nun war es an Eleanor, sich reichlich unwohl zu fühlen. Sie war in einem ansprechenden Haus angekommen, hatte einen nicht mehr intakten Rocksaum und war zudem noch in der Rolle eines ungebetenen Gastes. Ihre Tasche hatte sie ebenfalls noch nicht wieder bekommen... aber insgesamt, so entschied sie, war das nicht allzu wichtig. Sie hatte ohnehin keine Reichtümer mit sich geführt. Und ihre Sicherheit war ja wohl deutlich wichtiger, nicht wahr?
Die ganze Entourage marschierte nach oben - und Eleanor machte keine Ausnahme. Sie fühlte sich fast in Trance, als sie den anderen folgte.

Der Hauptmann blickte aus dem Fenster und auch Eleanor versuchte, einen Blick aus einem der anderen Fenster zu riskieren. Sie fühlte sich offenbar nicht wohl in dieser fremden Umgebung und als ungeladener Gast. Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als der Kronprinz sie ansprach und sich nach Sebastian erkundigte. Eleanor drehte den Kopf in seine Richtung und schaute ihn verblüfft an. Es dauerte einen winzigen Augenblick, bis sie sich daran erinnerte, dass sie selbst es gewesen war, die ihren Bruder ins Spiel gebracht hatte. Noch ehe sie antworten konnte, fiel ihr die einladende Geste seiner Hand auf und sie kam wieder näher um neben ihm Platz zu nehmen - selbstverständlich in gebührendem Abstand. "Ja, Majestät. Ganz recht. Ich bin sehr stolz auf ihn und ich glaube, dass er sich in der Stadtwache sehr gut macht. Sicherlich habt Ihr ihn mal bei einer Gelegenheit gesehen und kennenlernen dürfen. Durch seine ungewöhnlichen, blauen Augen vergisst man ihn normalerweise nicht!", erzählte sie voll Schwesternstolz und geriet dabei schon beinahe ins Plappern.


RE: from privileged to plundered - Lester Stafford - 30-04-2024

Die nächsten Worte der edlen Dame ergründeten dann seine Fragestellung danach, wer gerade von wessen Trost profitierte. Sie hatte ihm also ihre Hand angeboten, damit er sich nicht fürchten musste. Mit Erfolg, wie die Lady an seinem Gesicht ablesen konnte, auch wenn es wohl erst die Versprechungen um ihren Bruder waren, die ihn merklich zur Ruhe brachte. Und das auch nicht, weil er wohl bald hier sein könnte, sondern weil Lester jetzt etwas zum Nachdenken hatte.

Lieber hätte er wieder nach Eleanors Hand gegriffen, das wäre deutlich angenehmer, als von seinem Hauptmann festgehalten zu werden. Es schien zwar mehr unangenehm als schmerzhaft für den Kronprinzen zu sein, wie er gezwungen wurde hinter dem Leibwächter zu bleiben, doch war es etwas, das er definitiv nicht mochte, aber über sich ergehen lassen musste. Auch aus dem Grund, dass man Angst hatte, er würde wegrennen. Ja, er würde gern dieser Situation entfliehen, doch was waren die Alternativen? Das wäre unlogisch. Er wusste jedoch auch, dass er nicht nur einmal – und auch nicht nur vor Schreck - weggerannt war, als er noch jünger war. Aber jetzt war er doch alt genug, oder? Scheinbar dachten die Erwachsenen anders. Seine zweite Hand verblieb deshalb auch am Arm seines Leibwächters, der gern wissen durfte, dass er nicht vor hatte zu türmen. Zum Glück hatte Lester dieses Mal nicht lange in jener Position verharren müssen, denn kaum hatte er genug Zeit gehabt, sich ausgiebig darüber Gedanken zu machen, wer Sebastian war, wie er aussah, wo er sich gerade befand und in welchem Verhältnis er zu Eleanor stand, saß er schon auf dem Sofa des scheinbar fremden Hauses.

Achtsam folgten seinen Augen den Bewegungen der Lady und der Fokus verstärkte sich noch einmal, als er dann ihr Gesicht sah. Jetzt traf ein verwunderter Blick jeweils auf den anderen, verstand er doch nicht, warum sie ihn jetzt so ansah. Hatte er etwas Falsches gesagt? Vielleicht war ihrem Bruder im Krieg etwas zugestoßen und sie hatte sich gerade erst wieder daran erinnert. Oder er verwechselte ihn mit Julian. Nein, die Verwechslung war ausgeschlossen. Sie setzte sich neben ihm. Wieder war er etwas irritiert, hatte er doch mit seiner Hand eindeutig angezeigt, wo er sie bat, sich zu setzen. Sie saß aber so weit weg, dabei fand er sie so nett, dass sie nicht so weit weg sitzen musste. Sonst kamen Menschen ihm immer näher, als es ihm lieb war, aber die Lady tat es nicht. Er musste sie wirklich verärgert haben.

Und wieder traf Irritation sein Gesicht, als sie dann so ausgelassen von ihrem Bruder zu sprechen begann. Sie schien doch nicht verärgert zu sein. Jetzt lächelte Lester unmerklich. Auch seine Mama hatte Sebastian damals anhand seiner Augen beschrieben, als sie ihn Lester das erste Mal auf einem Fest aus sicherer Entfernung gezeigt hatte. Nun konzentrierte sich sein Blick wieder beobachtend auf ihr Gesicht und es war wieder so, als würde er etwas in ihr suchen und verharrte buchstäblich einen Augenblick in dieser durchaus niedlich charmanten Haltung, der man ansehen konnte, wie sich die Gedanken in seinem Kopf wieder überschlugen. Sie hatte dunkle Augen. Aber das war gar nicht das, was für ihn gerade wichtig war. Es war etwas anderes, das er wissen wollte, als er noch immer über Sebastian nachdachte.

„Eure Majestät, edle Dame,“ durchbrach die Stimme der älteren Dame die Ruhe genau in dem Moment, in dem Lester seine Frage stellen wollte. In der Hand hielt sie ein Silbertablett, dass sie für ihr Alter recht geschickt durch den Raum manövrierte und auf dem Couchtisch absetzte. „fühlt euch wie zuhause.“ Behutsam nahm sie zuerst die Teller mit den Kuchenstücken von dem Tablett und platzierte jeweils einen vor Eleanor und Lester. Es folgten Besteck, eine Tasse Milch für Lester sowie eine mit Tee für die Lady und noch ein Teller Kekse, den sie in der Mitte des Tisches stellte.

„Keine Scheu, ihr müsst sicher erschöpft von dem Tumult sein.“, wandte sie sich an Eleanor, bevor sie etwas näher an Lester herantrat. „Eure Majestät, verzeiht die Frage einer alten Frau,“ sprach sie ihn respektvoll an, „aber könnte ihr mir sagen, wie es Alden geht? Ich sorge mich etwas um ihn, wo sein Bruder noch immer im Krieg ist.“ „Er hat heute frei.“, entgegnete Lester recht kühl, wusste er nicht so recht, wie er auf die Sorge der Frau reagieren sollte. „Vielen Dank, eure Majestät. Unglücklich, dass ihr dann gerade heute in solch eine Situation geraten seid. Wäre er nur hier.“, fuhr sie dann fort, wobei sie vom Prinzen nicht die Antwort bekommen hatte, die sie erwartete hatte. Ja, wäre er nur hier. „Nun lasst euch von mir nicht länger stören.“, verabschiedete sie sich wieder und lies ihre nun bewirteten Gäste wieder allein.

„Isolde Prescott“, merkte Lester ungefragt an, nachdem die ältere Dame wieder aus dem Raum war. Als er sie gerade nochmal gesehen hatte, war ihm erst bewusst geworden, wo sie eigentlich waren. Im Haus der Stieftante von Alden, das zufällig in seiner Lieblingsgasse lag, aus der er immer die Bauarbeiten bestaunte. Er war nicht das erste Mal hier. Sein Leibwächter sah den Jungen kurz irritiert an, nachdem dieser scheinbar der einzige war, der wusste, in wessen Haus sie sich befanden, wollte aber keine Fragen stellen, da sich sein Schützling scheinbar wohlfühlte.

Lester setze sich jetzt wieder sehr aufrecht auf die Kante des Sofas und griff nach seiner Milch. Während er trank, fiel ihm wieder ein, dass er etwas wichtiges Fragen musste. Zügig, aber noch immer höchst etikettiert, bis auf die Tatsache, dass jenes Getränk nicht gerade erwachsen galt und soeben auch noch einen seichten Milchbart hinterlassen hatte, setzte er die Tasse wieder ab und sah zu Eleanor. „Hat er euch Briefe gesendet?“, wollte er von Eleanor wissen. Wenn sie sich so gut verstanden, so musste er ihr doch regelmäßig geschrieben haben, wie es auch sein Papa tat.



RE: from privileged to plundered - Alden Sutherland - 01-05-2024

Als Alden die Augen öffnete, war der Nachmittag bereits weit fortgeschritten. Doch an diesem Tag störte ihn das nicht weiter, denn er hatte keinen Dienst. In der vergangenen Nacht hatte er ohnehin kaum geschlafen, dank der bezaubernden Frau, die neben ihm lag. Er wandte den Kopf und betrachtete sie, wie sie ruhig schlief, ihre tiefen Atemzüge und entspannten Gesichtszüge verrieten ihre momentane Unwissenheit über die Welt um sie herum. Seine Augen glitten über ihre wohlgeformten Konturen, und er konnte nicht umhin, immer wieder über die Vollkommenheit ihres Wesens zu staunen und Heofader dafür zu danken, dass er solche bezaubernden Geschöpfe erschaffen hatte. Wenn er ein Maler wäre, würde er diese Schönheit auf Leinwand verewigen, oder ihr ein Loblied singen, hätte er das Talent eines Barden. Wie auch immer, man musste sie einfach lieben und verehren.

Ein zufriedenes Lächeln umspielte seine Lippen, als er sanft über ihren Rücken strich, was sie leise aufseufzen ließ, doch sie erwachte nicht. Einen Moment lang überlegte Alden, ob er sie weiterschlafen lassen oder zu einem weiteren Abenteuer ermuntern sollte, als ihn plötzlich Geräusche durch die geschlossenen Fenster erreichten, lauter als der übliche Straßenlärm. Seine Stirn runzelte sich vor Sorge, und er richtete seinen Blick zum Fenster. "Wann hat dein Mann gesagt, dass er zurückkommt?", fragte er seine Bettgenossin ein wenig beunruhigt, doch sie murmelte nur etwas Unverständliches.

Entschlossen stand Alden auf, zog seine Hose über, trat zum Fenster, das zur Straße hinausging und öffnete es. Die kühle Brise ließ seinen erhitzten Körper frösteln, aber er beugte sich hinaus, um die Straße zu inspizieren. Beim letzten Mal hatte die plötzliche Rückkehr des Ehegatten seiner Geliebten zu einer überstürzten Flucht durch dieses Fenster geführt, was einen recht schmerzhaften Aufprall auf den Boden zur Folge gehabt hatte. Glücklicherweise hatte sich Alden damals nur leicht den Knöchel verstaucht, aber aus diesem Grund keine Lust, das unbedingt zu wiederholen.

Er atmete erleichtert auf, als er feststellte, dass niemand sich dem Haus näherte, aber die Straße war merkwürdig leer für eine Hauptstraße in Spring’s Court. Der Lärm, der ihn erreichte, kam also von woanders. Alden lauschte und hörte einen Menschenauflauf in der Nähe. Rufe und Jubel drangen an sein Ohr. Einige Wortfetzen wurden klarer, darunter "Majestät" und "Kronprinz", und seine Augen weiteten sich alarmiert.

Der Ritter beeilte sich, sich anzuziehen und in seine Stiefel zu schlüpfen. "Was ist los? Was machst du da?", murmelte die junge Frau schlaftrunken, als Alden seine Jacke anzog. "Keine Sorge, meine Liebe. Ich muss nur kurz etwas erledigen, schlaf ruhig weiter. Ich bin bald wieder da." Mit einem Kuss auf ihren Scheitel verließ er das Haus. Sein Pferd ließ er im Stall stehen, denn bei einem Menschenauflauf würde er zu Fuß schneller vorankommen.

Die Rufe und der Jubel der Menschen führten ihn in die nächste Gasse, die überfüllt war, als gäbe es etwas umsonst. Der Ritter drängte sich durch die Menge, die sich reckte und aufgeregt plapperte. Immer wieder hörte er Rufe nach dem Kronprinzen, doch Alden konnte ihn nicht sehen. Also fragte er einen der Zuschauer, was los sei. Der Mann wusste nicht viel, nur dass der Kronprinz wohl hier sein sollte und alle ihn sehen wollten.

Alden kämpfte sich durch die Menge, die immer dichter wurde, je weiter er vordrang. Als er fast am Ende der Gasse ankam, sah er das Pferd des Hauptmanns vor einem Haus stehen. Plötzlich wurde ihm klar, wo sich der Kronprinz befinden könnte. Warum auch immer, schien die Königin recht gehabt zu haben mit ihrer Sorge, dass ihr Sohn mit dem Hauptmann nicht sicher sei in Spring’s Court. Alden hatte das am Vortag als ihre übliche Überfürsorge abgetan, als sie ihm ihre Bedenken mitteilte, dass Lester mit Emerson in die Hauptstadt reiten sollte, ohne Alden, seinen Ausbilder. Er hatte angenommen, dass der Hauptmann die Situation schon im Griff haben würde.

Aber er war erleichtert zu wissen, dass sie sich anscheinend im Haus seiner Stieftante befanden und der Prinz somit in Sicherheit war. Alden klopfte an die Tür, ignorierte das Schreien der Menge, die wohl auf einen Blick auf den Thronfolger hoffte. Nach einer Weile wurde ihm geöffnet, und er wurde eingelassen, als der Diener ihn erkannte. Es schien, als sei er erleichtert, Alden zu sehen.

Er wurde rasch ins Wohnzimmer geführt, obwohl Alden den Weg gut kannte, da er oft bei Tante Isolde gewesen war, meistens zusammen mit seinem Bruder. Die Besuche waren jedoch seltener geworden, da Willard sich in Eastergold Meadow aufhielt und Aldens Terminkalender voll war. Die Begrüßung fiel herzlich aus, als er den Raum betrat und die alte Frau ihn entdeckte. Sie umarmte ihn, obwohl er sie um Längen überragte. "Alden! Heofader sei Dank bist du da, mein Junge. Gerade haben wir über dich gesprochen."

Mit einem Lächeln erwiderte Alden die Umarmung und hörte dann Emersons Bericht über das Geschehen. "Ihr hattet Glück, dass ihr euch in dieses Haus gerettet habt", kommentierte er stirnrunzelnd. "In Ordnung, ich übernehme jetzt hier. Geh nach draußen und schicke die Leute nach Hause. Es gibt nichts mehr zu sehen." Emerson nickte und verließ den Raum, während Alden sich dem Sofa näherte, auf dem sein Schützling und eine junge Lady, die er nicht kannte, bei Tee, Milch und Gebäck saßen. "Eure Majestät, Mylady", begrüßte der Ritter die beiden mit einer Verbeugung und musterte sowohl den Kronprinzen als auch die junge Frau. "Seid Ihr wohlauf?



RE: from privileged to plundered - Eleanor Cherrington - 18-05-2024

Das Minenspiel des jungen Kronprinzen verwirrte Eleanor ein wenig, doch sie versuchte, sich dies nicht weiter anmerken zu lassen. Ihre feinfühlige Art nahm aber auf jeden Fall Notiz davon. Eine Frage schien sich in ihm zu Formen und Eleanor betrachtete ihn aufmerksam und abwartend. Doch noch ehe er etwas sagen konnte, wurde das Gespräch (das noch nicht mal wirklich in Gang gekommen war) auch schon wieder unterbrochen. Die ältere Dame war mit einem Tablett beladen herein gekommen und richtete nun zum Tee an. Die Situation war für Eleanor derart skurril und unerwartet, dass sie mit leicht geöffnetem Mund dabei zusah, was gerade alles aufgetischt wurde. Kuchen, Kekse, Milch und Tee - nichts davon war ihr vollkommen fremd. Doch die Cherringtons waren nicht so gutbetucht, wie man das wohl von einer Rittersfamilie annahm. Nagut, arm waren sie natürlich auch nicht, doch es gab in Spring's Court auch zahlreiche Bürger, die deutlich betuchter waren, als die Cherringtons. Es gab kein großartiges Familiengeschäft, aus dem sie regelmäßige Einnahmen bezogen. "Wie überaus großzügig...", stellte Eleanor beeindruckt fest, nachdem man sie gebeten hatte, sich wie Zuhause zu fühlen.

Die Sache klärte sich ein wenig auf, als die ältere Dame damit begann, recht vertraulich mit dem Kronprinzen zu sprechen. Offenbar kannten sie sich - oder jemanden, der Alden hieß und beiden bekannt war. Aus dem weiteren Gespräch schloss die Lady, dass es sich offenbar um einen Leibwächter des Kronprinzen handeln musste. Zumindest musste es damit zu tun hatten, wenn explizit bedauert wurde, dass er ausgerechnet jetzt nicht hier war.
Freundlicherweise erklärte der Kronprinz - oder nannte zumindest einen Namen, der Eleanor jedoch leider nichts sagte. Da sie sich nicht zu Tode blamieren wollte, nickte sie ihm einfach nur zu. Möglicherweise würde sich ja später noch die Möglichkeit ergeben, Näheres zu erfahren. Der Kronprinz jedenfalls schien sich beruhig zu haben. Er kannte wohl den Hausherren. Und somit hatte er auch keine Scheu, sich direkt auf die Milch zu stürzen, die man ihm angeboten hatte. Eleanor zögerte noch mit ihrem Tee. Nicht, weil sie kein Vertrauen in die Dame gehabt hätte, ... sie fühlte sich noch zu aufgewühlt und fürchtete, ihre Hand könne zittern, wenn sie zu ungeschickt nach dem Tee griff. Sie würde noch einen Augenblick abwarten.
Obwohl der Kronprinz im Folgenden mit einem Milchbart zu ihr sprach, konnte dies die Lady nicht weiter aus der Ruhe bringen. Sie hatte jüngere Geschwister und war ohnehin zu sensibel, um jemand anderen zu verlachen. Vorallem bei einem Kronprinzen war ihr dies vollkommen fremd. "Aber ja, er schreibt mir gelegentlich. Er schreibt von der Kameradschaft mit den anderen Männern und davon, wie es ihnen in der neuen Stadt ergeht...", beschrieb sie vage. Nicht, weil sie etwas verheimlichen wollte, sondern einfach, da auch Sebastian eher vage formulierte. Vermutlich, um ihr sanftes Wesen zu schützen. "Ihr erhaltet doch sicherlich ebenfalls viele Schreiben aus dem Süden... nicht wahr?" Sie hoffte, dass diese Frage sich nicht als Fettnäpfchen herausstellen würde. Man konnte nie wissen. Zwar hatte Eleanor den König immer aus der Ferne beobachtet und bewundert, doch im Wesentlichen wusste sie rein gar nichts über ihn. Schon gar nicht über seine Ambitionen, seinem Sohn zu schreiben.

Erneut öffnete sich die Tür und diesmal betrat ein äußerst stattlicher Mann in den besten Jahren den Raum. Eleanor warf dem Kronprinzen einen Blick zu, denn seine Reaktion würde ihr Kompass sein, wie auf den Neuankömmling zu reagieren war. Auf den ersten Blick schätzte sie, dass es sich um den Sohn der Hausherrin handeln musste. Zumindest nannte die ältere Dame ihn ihren Jungen. Danach verfolgte Eleanor, wie besagter Alden Prescott ( - zumindest vermutete sie, dass dies sein Namen sein musste) mit Hauptmann Emerson sprach und ihn nach draußen schickte, um die Situation weiter zu klären. Als junge Frau, die im Lebtag noch nie eine wirkliche Entscheidung hatte treffen müssen, war sie unglaublich erleichtert über die verbindliche Art des vermeintlichen Ritters, der direkt das Kommando übernahm. So etwas imponierte ihr sehr und so kam sie kaum umhin, ihn nicht bewundernd anzublicken. Ebenso, wie sie das auch bei dem Hauptmann getan hatte. Dann kam der Fremde zu ihrer Sitzgelegenheit herüber und Eleanor sprang vom Sofa auf um ihn mit einem einfachen, aber formvollendeten Knicks zu begrüßen. "Guten Tag!", sagte sie mit ruhiger Stimme und nahm erst danach wieder ruhig neben dem Kronprinzen Platz. Obwohl die Frage nach dem Befinden an sie beide gerichtet war, drehte Eleanor nur den Kopf in Richtung des Kronprinzen. Es war an ihm, die erste Auskunft darüber zu geben, wie er sich fühlte. Sie selbst war ganz und gar nachrangig. Selbstverständlich.