Facing the Storm
Say what you want and I'll keep it a secret - Druckversion

+- Facing the Storm (https://facingthestorm.de)
+-- Forum: Was einst geschah (https://facingthestorm.de/forumdisplay.php?fid=24)
+--- Forum: Was längst vergessen war (https://facingthestorm.de/forumdisplay.php?fid=32)
+---- Forum: Inplay (https://facingthestorm.de/forumdisplay.php?fid=37)
+----- Forum: September 1016 ndV (https://facingthestorm.de/forumdisplay.php?fid=88)
+------ Forum: Matariyya - Das Sommerland (https://facingthestorm.de/forumdisplay.php?fid=108)
+------ Thema: Say what you want and I'll keep it a secret (/showthread.php?tid=370)



Say what you want and I'll keep it a secret - Ismeth Abd al-Azim - 04-06-2024

Das elegante Fellbündel streckte sich in der Mittagssonne und suchte sich ein Platz im Schatten, die Mittagssonne auch mit ihrem weißen Fell viel zu brennend heiß und ihre kleinen, blauen Augen hielten jetzt aus einer Nische nahe einem der königlichen Brunnen Ausschau nach Beute. Ismeths dunkle Augen taten es ihr gleich, auch wenn er bezweifelte nach derselben Leckerei Ausschau zu halten wie die edle Katze. Nein, seinen Sinnen stand es mehr danach, sich an den weiblichen Rundungen einer ganz bestimmten Dame satt zu sehen. Auch wenn dies so unmöglich war wie den Mond einzufangen und ihn ihr als Geschenk zu präsentieren. Der Händler seufzte und spielte, noch in Gedanken vertieft, mit einem der goldenen Ringe an seinem Finger. Yasirah war eher wie die Sonne, so wunderschön, es tat weh sie zu lange anzuschauen. Und genau da lag das größte Problem des heutigen Tages, denn egal wie sehr er sich nach ihr verzehrte, es gab zu viele Besprechungen und Sitzungen und Treffen und sonstige Diskussionen, die es ihnen kaum ermöglichten mehr, als nur ein kurzes Nicken auszutauschen und die Aufmerksamkeit der Königin in Beschlag nahmen und ihn zurückließen. Er hätte sein Augenlicht gegeben, für einen Moment ihrer Zuneigung. Doch wie die Sonne und der Mond schienen sie sich immerzu an gegensätzlichen Orten aufzuhalten und der junge Berater gab sich missmutig geschlagen. Vielleicht morgen. Morgen ganz bestimmt.

Mit einem weiteren Seufzen erhob er sich von der steinernen Bank, die von grazil geschwungenen Bäumen gesäumt und im Windschatten eines Brunnens eine gelungene Abkühlung dargestellt hatte und streckte seine alten Knochen. Nun gut, heute fühlte er sich alt. Alt und unnütz. Etwas, mit dem er nun wirklich nichts anfangen konnte und sein genervter Blick tat sein Übriges, um die Bediensteten und anderen Besucher aus dem Weg zu scheuchen, als er sich ins Vestibül begab. Die Luft stagnierte hier, doch es war deutlich kühler und vor allem gab es Getränke für die Gäste, an denen sich Ismeth jetzt gütlich tat. Da er Alkohol nicht viel abgewinnen konnte, griff er lieber zu einem Gläschen gesüßtem Tee und verlagerte seine Aufmerksamkeit zu den anderen Menschen, die hier durch die Gänge und Räume gingen. Manche schlenderten als würden sie nur der kunstvollen Architektur wegen hier sein, manche schienen schnellen Schrittes am liebsten ungesehen bleiben zu wollen, andere marschierten mit wehenden Umhängen dramatisch an ihm vorbei – sicherlich auf dem Weg zu einem unglaublich wichtigen Termin. Ismeth schnaufte, schüttelte den Kopf und überlegte sich bereits in seine eigenen Gemächer zurückzuziehen, als ihm Ilyas auffiel.

Endlich. Endlich jemand der seinen Geist anregen würde und es wert war seine schlechte Laune für den Augenblick zur Seite zu schieben. Ismeth behagte es nicht das Wort Mentor zu nutzen um den königlichen Berater zu beschreiben, auch wenn dieser älter war, die Position bereits viel länger inne hatte und ihm gerade zu anfangs enorm half sich zurechtzufinden im Palast. Lieber bezeichnete er ihn, mittlerweile, als einen Freund, einen intelligenten Gesprächspartner, dessen Stolz und Entschlossenheit definitiv Eindruck hinterließen, bei Freund und Feind gleichermaßen. Nur beim Thema der lieben Stubentiger waren sie nie einer Meinung, aber niemand konnte perfekt sein. Abgesehen von seiner Königin natürlich.

“Ilyas.” Mit einem freundlichen Kopfnicken, dem der Oberkörper zu einer angedeuteten Verbeugung folgte, begrüßte er den Mann und legte ihm seine freie Hand auf die Schulter. “Leiste mir Gesellschaft.” Es war ebenso sehr eine strikte Aufforderung wie eine sanfte Bitte, irgendwo zwischen seinem Kampf gegen die Sehnsucht und seinem Bedürfnis nach Ablenkung. Wenn er einwilligte, könnten sie sich einen Happen zu essen bringen lassen und den neuesten Klatsch und Tratsch teilen. Oder eine Runde durch die königlichen Gärten laufen, wenn es pikantere Details gab, die nicht in alle Ohren dringen sollte.