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Northwind - Erik Norrholm - 29-05-2025 Der typische, schneidend kalte Wind Norsteadings peitschte Erik ins Gesicht. In der Ferne heulte ein Wolf, begleitet vom heiseren Ruf eines Kauzes, der wohl nach seiner nächsten Mahlzeit Ausschau hielt. Die Nacht roch nach Eis, nach Holz und dem toten Wildschwein auf Thorins Rücken. Drei Tage war der Streit mit Leif nun her. Drei Tage, seit sie sich vor den Toren der Wolfsburg getrennt hatten – ohne ein weiteres Wort. Erik hatte seitdem reichlich Zeit zum Nachdenken gehabt, doch er hatte sich dabei redlich bemüht, keine Kopfschmerzen zu bekommen. Es war ihm nur mäßig gelungen. Was geblieben war, war ein Gefühl aus Enttäuschung – und Wut. Und mit jeder Stunde, die verstrich, schien sich beides tiefer in ihm zu verankern. Als Erik die schweren Tore der Burg seines Vaters durchschritt, kam ihm einer der Stallburschen entgegen. Mit einem höflichen Gruß nahm er ihm das Pferd ab. „Bring die Sau in die Küche, damit man sie verwerten kann“, sagte er ruhig, klopfte dem Tier ein letztes Mal sanft auf die Flanke und machte sich dann schnellen Schrittes auf den Weg in die Burg. Die alten Mauern, die stets seine Heimat gewesen waren, wirkten jetzt kalt und abweisend – seit dem Streit lastete eine ungewohnte Schwere auf ihnen, die sich tief in seinem Herzen widerspiegelte. Und allein dafür war er mindestens ebenso wütend auf Leif wie auf sich selbst. Die flackernden Feuerschalen warfen ein schwaches Licht auf die gewaltigen Flure der Burg. Es war fast lächerlich, daran zu denken, dass er eines Tages all das verwalten sollte. Es passte genauso wenig zu ihm wie der Titel, mit dem er geboren worden war. Doch anstatt sich den Zweifeln hinzugeben, wie er es so oft schon im Stillen getan hatte, befahl Erik einem der Bediensteten, ihm ein Bad einzulassen. Die vergangenen drei Tage im Wald – allein mit seinem Pferd und einem toten Wildschwein – waren auch an einem Erik Norrholm nicht spurlos vorübergezogen. Mit raschen Schritten erklomm er die breiten Stufen, die zu den Gemächern führten, die seiner Frau und ihm gehörten. Neben Wut und Enttäuschung hatte sich ein anderes Gefühl tief in seiner Brust eingenistet – eines, das all das zu überdecken vermochte: Sehnsucht. Er hatte sie vermisst. Mit jeder Faser seines Körpers. Hatte sich nach ihrem Leib, ihrem Duft, doch vor allem nach ihrem unverwechselbaren Wesen gesehnt. Sicher hätte sie seine Wut im Keim ersticken können – oder sie zumindest zu gleichen Teilen mit ihm geteilt. Reinka war für ihn zu einer unverzichtbaren Konstanten geworden, deren Wert ihm früher kaum bewusst gewesen war. Er wusste kaum, wie er ohne sie zuvor hatte bestehen können. So lächerlich es auch war, genau wie der Titel, mit dem er geboren worden war. Früher brauchte er nur sich selbst – vielleicht noch Met und gelegentlich Leif. Heute jedoch richtete sich sein ganzer Fokus auf sie: auf ihr Wohlbefinden und das Leben, das in ihr heranwuchs. Vor der Tür zögerte er einen Moment. Er stank, war verschwitzt und fror, doch er wollte sie wenigstens kurz sehen, bevor er ins Bad ging. Leise öffnete er die Tür und blickte in den dunklen Raum. Irgendwo aus der Richtung des Bettes hörte er ihren vertrauten, ruhigen Atem – sie schlief. Erik hielt kurz inne, zog langsam die groben, schmutzigen Kleider aus und warf sie achtlos vor dem Gemach auf den Boden. Dann trat er in den Raum, in der leisen Hoffnung, dass die unterste Kleidungsschicht nicht so stark nach Wildnis roch wie die äußere, die den ganzen Tag an seinem Körper gehangen hatte. Seine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit, während er leise zu ihrer Seite des Bettes trat. Aus einer Tasche zog er die Wildschweinhauer hervor und legte sie behutsam auf das kleine Beistelltischchen neben ihrem Kopfkissen. Für einen Moment verharrte er, kniete sich dann langsam hin, strich ihr eine dunkle Haarsträhne sanft aus dem Gesicht und hauchte ihr einen zärtlichen Kuss auf die weichen Lippen. Sie regte sich leicht, öffnete halb die Augen. "Ich bin wieder da", flüsterte er leise, "komme gleich ins Bett. Ich brauche erst ein Bad..." Noch einmal glitt seine Hand durch ihr Haar, ehe er sich vorsichtig aufrichtete RE: Northwind - Reinka Norrholm - 30-05-2025
Die Wärme des leise prasselnden Kaminfeuers ihres Schlafgemachs hatte Reinka schon vor Stunden in einen bleiernen Schlaf gelockt. Unter den schweren Fellen, die so vertraut nach Rauch, Winter und Heimat rochen, schlief Reinka tief – tiefer, als sie es von sich gewohnt war. Die Tage seit Eriks Aufbruch hatten sich gezogen wie Kälte durch alte Knochen. Sie war ungewohnt unruhig gewesen, hatte ihre Tage damit verbracht, in den Stallungen herumzulungern, bei ihren geliebten Pferden, ihre Bewegungen zu beobachten, ihre Gesichter zu zeichnen, um sich selbst daran zu erinnern, dass sie noch immer einen Platz in dieser Welt hatte. Mit dem feinen Unterschied, dass sie diesen Platz nicht länger auf dem Rücken eines noch rohen Pferdes oder im Turnierring fand.
Die Dienerschaft wisperte leise, wenn sie glaubten, sie höre es nicht. Flatterten um sie herum wie Motten um eine Kerze. Jeder wollte ihr abnehmen, was sie einst mit Stolz selbst getan hatte – selbst das Striegeln ihres Wallachs wurde ihr aus der Hand genommen. Und das Einreiten der Remonten? ’Aber doch nicht in Eurem Zustand, Herrin.’ Reinka hatte mehr als einmal den Wunsch verspürt, einen Eimer Wasser nach der nächsten besorgten Magd zu werfen, die ihr mit diesen Worten entgegen trat. Sie war schwanger, nicht krank! Und wie an jedem Tag der vergangenen Wochen war es ihr auch heute schwergefallen, diese verfluchte Müdigkeit abzuschütteln. Diese lähmende Erschöpfung, die sich stets wie ein schwerer Mantel auf ihre Schultern legte, sobald die Sonne sich gen Horizont aufmachte. Am Vormittag hatte sie sich noch übergeben müssen – zum dritten Mal diese Woche – und ihr karges Mittagessen hatte sie in ihren Gemächern eingenommen, damit niemand ihre schwankende Stimmung sah. Denn nur wenn das Feuer knisterte und die Schatten an den Wänden zu tanzen begannen, fühlte sie sich wieder wie sie selbst. Zumindest ein wenig. Aber selbst das war trügerisch. Sie war nicht mehr dieselbe Frau, die einst mit blutiger Schläfe stand ihr Schwert umklammerte und lachend die stärksten Männer in die Knie zwang. Und sie schlief einfach viel zu viel. Jetzt lag sie also da, das zerzauste Haar halb aus der kunstvollen Flechtfrisur gelöst, der Atem ruhig und gleichmäßig. Die immerwährende winterländische Kälte, die durch die Ritzen der Fenster drang, kühlte ihre vom Schlaf geröteten Wangen, die unter den weichen Fellen hervorlugten. Und ihr Leib, noch nicht rund, aber merklich weicher, spannte sich unter dem schlichten Nachtgewand aus weichem, hellen Leinen, die Schnürung am Brustbein lose. Der Stoff schmiegte sich an ihre Haut, warm vom Feuer, schmeichelte der Form ihrer Hüften, aber verbarg die sanften Anzeichen dessen, was in ihr heranwuchs. Sie bemerkte seine Nähe, ehe sie ganz erwachte – der vertraute Geruch von Leder, Wild und Erik selbst drang in ihr Bewusstsein, ehe seine Fingerspitzen ihre Stirn berührten. Ein Kuss, sanft wie fallender Schnee. Sie blinzelte, schmiegte sich tiefer in die Felle, als wolle sie den Moment bewahren. Eine friedliche Ruhe stieg in ihr auf – und eine Welle stummer Erleichterung. „Mmmh...“ Ein Laut, kaum mehr als das, verließ ihre Lippen. Die Müdigkeit haftete ihr noch an, aber ihr träger Blick suchte ihn bereits im Halbdunkel ihres Gemachs – und fand ihn. Groß. Breit. Der hünenhafte Schatten eines Mannes, den sie mit jedem Atemzug mehr vermisst hatte, als sie es je zugegeben könnte. Ihre Finger streckten sich langsam nach ihm aus, streiften seine schwielige Handfläche. “Du bist zurück“, murmelte sie verschlafen, doch er war längst fort – nicht weit, aber genug, dass sie die Kälte in der Luft spürte, wo eben noch seine Wärme gewesen war. Erst jetzt bemerkte sie die Hauer auf ihrem Nachttisch. Groß. Sorgsam glatt poliert. Ein sanftes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Natürlich hatte er an sie gedacht. Erik konnte ein wahrhafter Idiot sein – ein lauter, ungezogener, freiheitsliebender Idiot. Aber nie vergaß er sie. Langsam schob sie sich unter den Fellen hervor und erhob sich bedächtig. Ihr Unterleib schmerzte leicht, wie so oft in letzter Zeit, und ein leiser Laut der Unzufriedenheit entwich ihr, als sie die Beine aus dem Bett schwang und ihre Füße den kalten Steinboden berührten. Sie griff nach einem wärmenden, gewebten Umhang, schlang ihn sich um die Schultern, und tappte gemächlich durch den halbdunklen Raum, hin zum mächtigen Kamin. Die Dienerschaft hatte ein ausgeklügeltes System eingerichtet: Mit heißem Stein gewärmte Wasserkrüge, in dicke Filzdecken gehüllt, bereit für die frühen Morgenstunden, falls der Herr oder die Herrin ein Bad wünschten. Eigentlich wurde nun von ihr erwartet, dass sie in diesem Fall eine Leibmagd zu wecken hatte, doch heute würde sie sich allein um ihren Ehemann kümmern. Schweigend trug sie den ersten Krug zum Zuber, goss das heiße Wasser hinein. Der Dampf stieg auf, umspielte ihr Gesicht, ließ ihre Wangen noch röter erscheinen. Dann griff sie nach einem zweiten Krug, goss kaltes Wasser dazu, um die Mischung zu mildern. Ihre Bewegungen waren sicher, präzise – ganz Reinka. „Wie war die Jagd?“ Ihre Stimme war leise, brüchig fast. Sie wollte nicht neugierig wirken, und doch war sie es. Bevor sie den nächsten Krug holte, warf sie Erik einen prüfenden Blick zu. Er wirkte angespannt, seine Schultern trugen mehr als nur die Last der Jagd. Und Reinka spürte mit jeder Faser ihres Körpers, dass er etwas mit sich trug, das schwerer war als das Wildbret, das morgen die Burg sättigen würde. Sie sagte nichts weiter. Fragte nicht nach. Tat, als wäre die Kunde über das hitzige Gefecht von Leif und Erik noch nicht bis zu ihr gedrungen. Noch nicht. Aber sie hoffte, dass er ihr gleich erzählen würde, was sie wissen musste – nicht als künftige Fürstin, nicht als Schwester des Kronprinzen, sondern als Frau, die ihn liebte. RE: Northwind - Erik Norrholm - 31-05-2025 Es war nicht Eriks Absicht gewesen, Reinka aus dem Schlaf zu reißen, und doch machte sein Herz einen kleinen Sprung, als seine Frau sich aus den warmen Fellen schälte und sich zu ihm gesellte. Seine blauen Augen glitten über ihren Körper – als wäre er so lange fort gewesen, dass nun erste Anzeichen ihrer Schwangerschaft zu erkennen wären. Doch dem war natürlich nicht so. Er hielt vielleicht viel von sich, aber selbst ein Erik Norrholm bekam so etwas nicht hin.
Der Hüne griff nach dem Leinenhemd, das seinen Oberkörper bedeckt hatte, zog es sich über den Kopf und warf es in einen der Flechtkörbe, die später vom Personal in die Waschräume getragen werden würden. Reinkas Frage war leise – und doch irgendwie bedeutungsschwanger. Vermutlich wusste sie etwas. Sie wusste immer etwas. Oder konnte es zumindest ahnen. Und Erik sah keinen Grund, ihr seine Gedanken vorzuenthalten. Sie war seine Frau – wenn nicht ihr, wem sonst konnte er vertrauen? Mit ruhigen Schritten trat er zu Reinka, legte seine großen Hände an ihre Hüften und zog sie sanft an sich. Für einen Moment schloss sich die Welt um sie beide. Dann küsste er sie – langsam, als müsste er sich vergewissern, dass sie wirklich da war. "Zuallererst…", murmelte er mit einem schiefen Lächeln, das endlich wieder wie sein Lächeln war – vertraut, warm, ein Stück von dem Erik, der in den letzten drei Tagen kaum zu finden gewesen war. "… habe ich dich vermisst." Seine Stirn ruhte kurz an ihrer. "Beim nächsten Mal schnalle ich dich auf Thorin, bevor ich losreite." Ein Grinsen huschte über sein Gesicht, bevor er sich noch einen Kuss stahl – einen, der nach mehr schmeckte als nur nach Wiedersehen. Dann löste er sich von ihr, griff selbst nach einem der Krüge mit heißem Wasser und goss ihn in den Zuber. Einen Moment lang blieb er stehen, die Hände am Rand, den Blick ins dampfende Wasser gerichtet. Dann schnaubte er leise, stellte den Krug mit einem hörbaren Klirren beiseite. "Dein Bruder und ich hatten einen Streit", sagte er schließlich, ohne sie anzusehen. Natürlich ließ ihn der Konflikt mit Leif nicht los. Auch wenn er sich wünschte, er könnte es einfach abschütteln. Vergessen. Er hatte alles, was er brauchte, hier auf Wolfsmark. Reinka. Ihr Kind. Ein Zuhause. Er brauchte Leif nicht an seiner Seite, um zu wissen, wie viel Glück er hatte – Glück, das er vermutlich nicht einmal verdiente. "Er hält mich für nicht besonders vertrauenswürdig", sagte Erik schließlich und griff nach dem nächsten Krug. Seine Miene war verhärtet – der Blick kühl, fast abwesend. Doch da war mehr. Eine Spur Enttäuschung schlich sich in seine Züge, kaum sichtbar vielleicht. Aber Reinka würde sie sehen. Ganz gewiss sogar. Sie kannte ihn zu gut, um sie zu übersehen. Er murmelte noch ein paar halbherzige Beleidigungen vor sich hin, ehe er mit der groben Hand durch das Wasser strich, um die Temperatur zu prüfen. Dann löste er das kleine Lederband, das seine Haare notdürftig zusammenhielt, und fuhr sich durch das helle Haar. "Ich weiß, dass ich sicher viel Mist ausplaudere, wenn ich getrunken habe…" Seine Stimme klang rau, fast trotzig. Er musste an das Beispiel denken das Leif angebracht hatte. Seine jämmerliche Entjungferung. "Aber es ging dabei nie um lebensbedrohliche Dinge. Und er tut, als wäre ich ein verdammter Verräter." Vielleicht war das melodramatisch. Aber genau so fühlte es sich an. Wieder stieß Erik ein Schnauben aus und begann, sich die lederne Hose von den Hüften zu schieben. "Als hätte ich ihm nicht mindestens einmal den Arsch aus der Schlinge gezogen... Aber nein warte, dafür wäre ich ihm jetzt im Krieg noch wichtig genug. Am Arsch." RE: Northwind - Reinka Norrholm - 01-06-2025
Reinka beobachtete schweigend, wie sich Erik das Hemd über den Kopf zog. Der Stoff glitt langsam über die breiten Schultern, enthüllte Stück für Stück seinen Oberkörper – kraftvoll, sonnengegerbt, durchzogen von Narben, die Geschichten erzählten, die sie beinahe alle kannte. Wie selbstverständlich verharrte ihr Blick auf ihm, einen Herzschlag zu lang, als wäre sie unfähig, ihn nicht anzusehen. Ihr Atem wurde flacher. Verfluchte Hormone.
Ihr Ehemann war schön. Nein – er war überwältigend. Nicht im Sinne zarter Poesie, sondern in dieser rohen, unbeugsamen Weise, wie nur Männer wie Erik es sein konnten. Reinka spürte, wie etwas in ihr zu pochen begann – tief in ihrem Leib, sehr vertraut. Eine Welle leiser Begierde, der sie instinktiv Einhalt gebot. Sie waren frisch verheiratet, ja – aber es war mehr als das. Es war ein Hunger, der sich mit jedem einzelnen Tag seiner Abwesenheit vertausendfachte. Ihre Finger schlossen sich um den Saum ihres Nachtgewands, als könnte sie ihn damit bannen. Denn sie sah alles: Die Schwere in seinen Schultern. Das angespannte Spiel seiner Kiefermuskeln. Er trug etwas mit sich, das nichts mit Müdigkeit und der langen Jagd zu tun hatte. Als er sich ihr zuwandte, seine Hände an ihre Hüften legte, war sie sofort ganz bei ihm. Erwiderte den Kuss, ohne zu zögern. Sie ließ sich in seine Nähe fallen wie in eine längst vergessene Wärme, ließ ihre Stirn gegen seine sinken, ihre Augen geschlossen, ihren Atem in seiner Nähe ruhiger werdend. Als er ihr sagte, dass er sie vermisst hatte, flatterte ein leises Ziehen durch ihren Brustkorb. „Ich dich auch …“, flüsterte sie kaum hörbar zurück. Es war nicht einfach, ihm dabei zuzusehen, wie er sich dann wieder abwandte. Sie sog seinen ureigenen Geruch tief ein, hielt ihn fest, als könne sie ihn in sich konservieren. Seine Worte über Thorin und seine Pläne, sie mitzunehmen, brachten ein glückliches Lächeln auf ihre Lippen, aber es verblasster rasch – ersetzt durch einen leisen Stich, als er von Leif sprach. Sie schwieg daraufhin. Hörte nur zu. Nahm jedes seiner Worte in sich auf wie Tropfen auf ausgedörrtem Boden. Es tat ihr weh, ihn so zu sehen – nicht gebrochen, nein. Aber getroffen. Und das von jemandem, dem er mit ganzem Herzen vertraute. Vertraut hatte. Jemandem, von dem sie selbst geglaubt hatte, er würde Erik blind vertrauen, wie es nur ein Bruder tun würde. Als Erik sich die Haare löste, wallte ein bittersüßer Schmerz in ihr auf. Ihre Finger zuckten – sie liebte es, durch dieses helle, dichte Haar zu fahren, doch jetzt war kein Platz für Zärtlichkeit. Stattdessen war da diese Unruhe. Das Unausgesprochene. Sie beobachtete, wie er begann, sich aus der Hose zu schälen, die Bewegungen fahrig, frustriert. Er war in Gedanken, seine Emotionen schlugen hohe Wellen, so wie sein Atem sie ahnen ließ. Und sie ließ ihn. Tat nichts, sagte nichts. Bis seine Hände an der ledernen Hose verharrten und er kurz innehielt. Reinka trat lautlos näher, ging vor ihm in die Knie. Ihre Finger lösten geschickt den letzten Haken an seiner Hüfte, dann half sie ihm, aus dem steifen Leder zu steigen. Ihre Bewegungen waren ruhig, wie eine sanfte Geste des Vertrauens – und vielleicht auch der Fürsorge. Kein Zeichen von Unterwürfigkeit, sondern das stille Angebot, da zu sein. Zu tragen, was er nicht in Worte fassen konnte. Sie richtete sich erst wieder auf, als das Kleidungsstück auf dem Boden lag. Ihre Hände legten sich sacht an seine Oberschenkel, als sie sich wieder erhob. In ihrem Innersten pochte die Wahrheit, die Leif ihr anvertraut hatte – diese eine Information, die Erik vermutlich nicht erfahren hatte. Sie war sich nicht sicher, wie weit ihr Bruder gegangen war. Ob er sich überhaupt geöffnet hatte „Wie seid ihr verblieben?“ Ihre Stimme war leise, tastend. Sie trat einen Schritt näher an den Zuber heran und ließ sich daneben auf die Knie sinken, wartend, dass Erik seinen Weg in das warme Wasser fand. Dann senkte sie den Blick auf ein paar muskelentspannende Kräutersalze, die sie dem Bad zusetzte und sagte fast tonlos, aber bestimmt: „Du weißt, dass du kein Verräter bist.“ Reinka kannte keinen loyaleren Menschen als ihren Ehemann. Ihre Brust hob sich schwer, als sie die nächste Stille aushielt. „Mein Bruder hatte kein Recht, dich so zu behandeln.“ Ihre Finger zupften unruhig an ihrem Umhang. Der Impuls, sich wutschnaubend auf die Suche nach Leif zu machen, der heute außerhalb von Wolfsmark weilte, um ihn zur Rede zu stellen – ihn zur Hölle zu wünschen –, saß ihr im Nacken wie ein Zucken zwischen den Schulterblättern. Sie kannte ihren Bruder. Wusste, wie er um sich geschlagen haben musste, um Erik so sehr zu verprellen. Und sie wusste, wem sie in diesem Moment zu glauben hatte. Wut und Resignation verdunkelte für einen Augenblick ihre Züge, aber sie zwang sich, ihre Miene zu klären und Erik ein ermunterndes Lächeln zu schenken. Sie nahm seinen Schmerz in sich auf wie ihren eigenen, um es irgendwie besser zu machen. Sie ließ weiches Leinentuch ins angenehm warme Wasser gleiten, brach die Oberfläche in angenehme Wellen und sah Erik aufmunternd an. “Komm, lass mich dir helfen.“ RE: Northwind - Erik Norrholm - 02-06-2025 In einer anderen Situation hätte Erik die Blicke seiner Frau sofort bemerkt – hätte seine Gedanken fortgejagt und ihr, ihrem Körper, der ihm so vertraut wie heilig war, die Aufmerksamkeit geschenkt, die sie verdiente. Doch diesmal war es anders. Eine bleierne Müdigkeit hing an seinen Gliedern, schwer wie der Tag selbst, und so ließ er sich – beinahe widerstandslos – aus der Hose helfen, ohne ein Wort, ohne den Schalk, der ihn sonst oft begleitete. Seine Finger streiften kurz ihren Arm – ein stummes Danke – doch mehr brachte er nicht hervor. Wie er und Leif verblieben waren? Erik zuckte mit den Schultern, als wolle er das ganze Thema am liebsten von sich abschütteln. "Nach dem Streit wollte er mir wahrscheinlich entgegenkommen und fragte, ob ich’s denn unbedingt wissen wolle... Ich hab’s mir dann aber geschenkt." Seine Stimme klang nüchtern, fast schon gleichgültig – doch wer ihn kannte, hörte das Grollen zwischen den Zeilen. Die Sturheit der Winterländer war kein Geheimnis, und Erik war da sicher keine Ausnahme. "Hat sich nicht so angefühlt, als würde er’s wirklich sagen wollen. Eher so, als wär’s der einfachste Weg, damit ich endlich die Klappe halte." Er wedelte mit der Hand in einer wegwerfenden Geste, als könne er damit auch die Gedanken verscheuchen, die sich noch immer hartnäckig hielten. Dann wandte er sich dem Zuber zu, schob sich ohne großes Zögern in das dampfende Wasser und ließ sich mit einem tiefen, fast tonlosen Seufzen hineingleiten. Das heiße Wasser brannte auf seiner Haut – fast so, als wolle es ihn läutern. „Du weißt, dass du kein Verräter bist.“ Erik bemerkte die Veränderung in ihrer Stimme und ihrem Blick sofort. Diese leise Strenge, dieses kaum merkliche Grollen unter der Oberfläche – als würde sie am liebsten höchstpersönlich ihrem kleinen Bruder die Fresse polieren. Er kannte diesen Tonfall. Und er wusste auch, was er bedeutete. Doch genau das war nicht sein Ziel. Er hielt einen Moment inne und holte tief Luft. "Reinka..", murmelte er, eher weich als beschwichtigend, während er sich etwas im Wasser zurücklehnte. "Ich möchte das hier nicht zwischen euch treiben." Er sah kurz zu ihr auf, sein Blick ernst, aber nicht schwer. "Was zwischen Leif und mir ist… das ist unser Ding. Ich werde ihm noch eine reinhauen, aber erst wenn ich Lust habe seine dämliche Visage zu sehen." Denn so groß sein Frust auch war – Reinka liebte ihren Bruder. Und Erik liebte Reinka. Und manchmal bedeutete das, Dinge nicht noch größer zu machen, als sie ohnehin schon waren. Wann er den zukünftigen König von Norsteading jedoch wieder sehen würde, stand noch in den Sternen - und das war Erik auch ganz recht. Seine blauen Augen ruhten auf ihr, länger als nötig vielleicht, aber voller Wärme. Ein schwaches Lächeln umspielte seine Lippen, während er die vom Badewasser glänzende Hand hob. Für einen Herzschlag wirkte es, als wolle er ihr zärtlich über die Wange streichen – doch stattdessen schnippte er ihr frech ein paar Tropfen ins Gesicht. "Du siehst aus, als könntest du das gebrauchen", neckte er sanft, seine Stimme deutlich leichter als zuvor. Er zwang sich, das Thema hinter sich zu lassen – auch wenn es in seinem Innersten weiter nagte. Er wollte nicht, dass Reinkas Zorn sich an ihrem Bruder entlud. Kannte ihren Beschützerinstinkt, diese Wildheit, mit der sie für die kämpfte, die sie liebte. Und so tat er, was er am besten konnte: Ablenken. Umleiten. Platz schaffen für ein Lächeln, selbst wenn es ihm schwerfiel. "Du weißt, wie du mir helfen könntest." Schalk blitzte in seinen Augen auf, während er sich etwas im Zuber aufrichtete. Tropfen rannen von seiner Schulter hinab, sein Blick wanderte kurz in das Gesicht seiner Frau – und dann ruckartig auf Reinkas Bauch. "Ist sie eigentlich in den letzten drei Tagen gewachsen?" fragte er mit einer Mischung aus Neugier und kindlicher Faszination. Erik wusste nicht, warum er immer von einem Mädchen sprach. Vielleicht, weil der Gedanke an eine kleine Version von Reinka ihn gleichermaßen belustigte wie rührte. Stur, entschlossen, mit denselben blitzenden Augen. Eine, die ihm später widersprechen würde, wie ihre Mutter. Er lächelte bei der Vorstellung – und streckte dann eine Hand nach ihr aus. RE: Northwind - Reinka Norrholm - 02-06-2025
Reinka lauschte mit angehaltenem Atem, als würde sie andernfalls etwas verpassen – einen Zwischenton, eine Regung, ein Brechen in seiner Stimme. Doch da war nichts außer dieser gefassten, nüchternen Bitterkeit. Und genau das ließ es in ihr brodeln. Nicht, dass er tobte oder laut wurden – so, wie man es Erik Norrholm zusprechen würde. Nein, er blieb so kontrolliert, nahm es hin. Er hatte sich entschieden, den Schmerz zu schlucken, statt zurückzuschlagen.
In ihr jedoch loderte dafür ein Feuer. Mit jedem seiner Worte wuchs es. Sie kannte Leif – kannte seine trotzige Verschlossenheit, seine Unfähigkeit, sich nachzugeben, auch wenn es das einzig Richtige gewesen wäre. Aber dass er es wagte, Erik zu demütigen – Erik, der ihm so nahe war wie ein leiblicher Bruder –, brannte in Reinka wie heiße Kohlen auf nackter Haut. Dass sie selbst schwieg, ein eigenes Wissen in sich trug, das wie Blei in ihrem Magen lag, machte es nur schlimmer. Sie barg Leifs Geheimnis wie einen Splitter im Herzen – für ihn, für die Familie, für das fragile Gleichgewicht des Landes. Und jetzt … jetzt hatte sie das Gefühl, Erik verraten zu haben, weil sie schwieg. Es war wie ein Schlag in die Magengrube, zu wissen, dass sie Teil einer Wahrheit war, die ihr Ehemann nicht kannte. Dass sie, seine Frau, nicht offen war in einer Sache, die ihn so tief traf. Als er sich in den Zuber gleiten ließ, folgte ihr Blick ihm nur flüchtig. Normalerweise wäre da diese Hitze gewesen, die sich von ihren Wangen bis tief in ihren Leib hinabzog, wenn sie Zeugin wurde, wie sich seine Muskeln unter Wasser spannten, sein Rücken im goldenen Licht der nahen Flammen glänzte. Doch jetzt war da nur Zorn. Enttäuschung. Und dieses nagende Gefühl, dass sie hätte mehr tun müssen. Erik las sie wie ein offenes Buch. Wie immer. Er merkte es, natürlich – wie ihre Gedanken an Schärfe gewannen, wie sich ihre Schultern versteiften, ihre Lippen zu einer feinen Linie pressten. Als er ihren Namen sagte, war es fast ein Flüstern. Eine zarte Mahnung. Eine Bitte. „Ich weiß“, murmelte sie, während sie das weiche Tuch vom Grund des Zubers aufhob, auswrang und es sanft über seinen Oberarm strich. Ihre Bewegungen waren ruhig, beinahe rituell – aber jeder Griff trug die Wärme ihrer Zuneigung, ihre Bereitschaft, ihm jeden Zentimeter dieser Last abzunehmen. „Aber ich bin nicht zwischen euch, Erik. Ich bin mit dir.“ Ihre Stimme war ruhig, fast sachlich – aber in ihrem Inneren grollte weiter der Sturm. „Wenn jemand dich verletzt, so verletzt er auch mich. Da gibt es kein Dazwischen.“ Sie ließ das Tuch über seinen Rücken gleiten, fuhr die Wirbel entlang, ihre Finger ganz nah an seiner Haut, aber nie aufdringlich. Doch die Nähe – die Intimität dieser Geste – ließ sich nicht verleugnen. Sie wollte ihn nicht verführen. Aber sie liebte ihn. Und das bedeutete, in den Momenten zu bleiben, wenn es am schwersten fiel. Als er ihr Wasser ins Gesicht schnippte, blinzelte sie überrascht – und dann, ganz unerwartet, entglitt ihr ein Laut, den man fast für ein Schnauben hätte halten können. Ihre Finger schlugen spielerisch gegen seine Brust, und für einen winzigen Moment schimmerte das Mädchen durch, das sie einmal gewesen war. Damals, als sie viel zu ernst für ihr Alter gewesen war, viel zu schweigsam – und er der Einzige gewesen war, der sie zum Lächeln bringen konnte. Der ihre Mauern durchbrach, ohne es je gewollt zu haben. „Ungezogen“, murmelte sie nur und schüttelte leicht den Kopf, aber ein Funkeln tanzte in ihren Augen. Als er andeutete, wie sie ihm helfen könne, zog sie eine Braue hoch – ein unmissverständlicher Ausdruck zwischen Spott und Interesse. „Ist das so?“, fragte sie leise, während ihre Finger über seine Brust glitten, ihn sanft mit dem Leinen reinigten, dabei fast zärtlich in der Bewegung verharrten. Es war keine Einladung. Und doch konnte niemand behaupten, ihre Augen seien gleichgültig gewesen. Als er dann seine Hand ausstreckte, kam sie ihm ohne zu zögern entgegen. Nahm sie in die ihre, führte sie an ihren Bauch, der sich unter dem Stoff ihres Nachtgewands in dieser Position kaum noch verbergen ließ. Sein Kind. Ihr Kind. Ihre Wangen färbten sich leicht, als seine warme Handfläche ihre ihr Ziel erreichte. Die Berührung war fest, sicher – und etwas in ihr entspannte sich. Sein Staunen war ehrlich, so ungekünstelt wie ein Kind, das einen Vogel aus nächster Nähe beobachten darf. Und es war schön. „Vielleicht ein halben Fingerbreit mehr“, flüsterte sie, als würde eine nüchterne Erklärung das Wunder in Eriks Augen zerstören. „Nicht genug, um neue Kleider zu brauchen – aber mittlerweile genug, um mich nachts nicht mehr auf den Bauch legen zu können.“ Seine nächste Bemerkung – ‘sie’ – entlockte ihr ein halb genervtes, halb gespieltes, tiefes Seufzen. Es war ihr kleines Spiel geworden, und obwohl sie wusste, dass es ihm schlicht um den Gedanken ging, eine Tochter zu haben, bestand sie jedes Mal auf ihrem Punkt. „Es wird ein Junge“, sagte sie, als sei es eine unumstößliche Wahrheit. Ihr Blick lag auf seinem Gesicht – forschend, weich. „Er wird deine Nase haben und meine unerschütterliche Geduld.“ Sie schwieg kurz, ließ ihn weiter fühlen, ließ zu, dass sich die Atmosphäre zwischen ihnen veränderte – dichter wurde, intensiver. Da war Wärme im Dampf, Vertrautheit in der Geste, Nähe in jedem Tropfen, der über seine Haut rann. Die Finger ihrer Linken glitten weiter über seine Schultern, hielten einen Moment lang an seiner Narbe inne, als wollten sie sie heilen, während ihre rechte Hand über der seinen an ihrem Bauch verharrte. „Aber wenn es ein Mädchen wird …“, begann sie, und diesmal war ihre Stimme kaum hörbar, „… dann wird sie dich um den Finger wickeln. Und du wirst jede ihrer Launen ertragen, als wäre sie Gesetz.“ Die Wärme in ihrem Blick wich nicht. Und diesmal war es sie, die ihn zuerst anlächelte – ehrlich, aber zart. Ein Lächeln, das nur für ihn bestimmt war. RE: Northwind - Erik Norrholm - 02-06-2025 „Aber ich bin nicht zwischen euch, Erik. Ich bin mit dir.“
Erik betrachtete seine Frau einen langen Moment schweigend, nachdenklich. Ihre Worte trafen einen wunden Punkt in seinem Herzen, ließen ihn für einen Moment innehalten. Alles in ihm drängte danach, zu widersprechen, sich schützend zwischen sie und die aufkommende Wut auf ihren Bruder zu stellen. Er wollte nicht der Keil sein, der sich zwischen die Geschwister schob – auch wenn er ahnte, dass selbst ein Streit sich mit der Zeit wieder legen würde. Aber vielleicht blieb trotzdem etwas zurück, etwas Ungesagtes, das sie später nicht mehr so leicht aus der Welt schaffen konnten. Dennoch nickte Erik schließlich und lehnte sich ein Stück nach vorn, damit Reinka sich nicht so weit über den Zuber beugen musste, um seinen Rücken zu erreichen. "Du weißt doch, ich bin ein großer Freund familiärer Harmonie...", brummte er mit einem schiefen Lächeln, ehe er sich eine Handvoll warmes Wasser ins Gesicht warf. "Also wenn du das mittlerweile nicht weißt, dann..." Er ließ den Satz in der Luft hängen, begleitet von einem schwachen Schmunzeln, das mehr verriet, als Worte es hätten tun können. Ihre Berührungen auf seiner Haut waren wie leise Stromstöße, kaum spürbar und doch kraftvoll genug, um unter seiner Haut ein Knistern zu entfachen. Unwillkürlich spannten sich seine Muskeln unter ihren Fingern an – nicht aus Abwehr, sondern aus einem inneren Aufbegehren gegen das Verlangen, das sie mühelos in ihm auslöste. Sanft strich seine Hand über die Wölbung von Reinkas Bauch. Mittlerweile konnte man - oder er - es nicht mehr übersehen und für Erik lag darin das größte aller Versprechen. Manchmal fiel es ihm schwer zu begreifen, wie jemand wie er – mit all seinen Fehlern und Zweifeln – imstande sein konnte, gemeinsam mit Reinka ein kleines Wunder zu erschaffen. Nicht, dass er nicht wusste, wohin körperliche Nähe führen konnte. Aber dies... das war etwas anderes. Etwas, das sich dem Verstand entzog und das Herz weit machte. Die Vorstellung, dass in ihr ein neues Leben wuchs – ihrer beide Kind – verlieh allem, was zuvor selbstverständlich gewesen war, eine ungeahnte Tiefe. Als Reinka ihre Stimme leise erhob, hob Erik kurz den Blick zu ihr, ehe seine Augen wieder zu seiner eigenen Hand glitten – als würde er Maß nehmen an dem Leben, das unter ihrer Haut wuchs. "Na gut", murmelte er mit einem schiefen Grinsen, "nicht, dass du sie sonst erdrückst." Seine Stimme war leise, fast neckend, doch in seinen Augen lag ein stilles Staunen. Dann glitt seine Hand an ihre Hüften, zog sie näher heran an den Zuber, und er beugte sich vor, um ihrer kleinen Wölbung einen Kuss zu schenken – andächtig, als würde allein diese Geste das Kind schon willkommen heißen. Das Thema des Geschlechts war schon mehr als einmal zwischen ihnen aufgetaucht – oft zwischen Tür und Angel, manchmal mitten in der Nacht, wenn die Gedanken zu laut wurden. Erik hielt unbeirrbar an der Vorstellung fest, dass es ein Mädchen werden würde, während Reinka felsenfest auf einen Sohn pochte. "Wir werden sehen", sagte er jetzt, mit einem schmalen Grinsen, das mehr versprach als es sagte. In seiner Stimme lag ein Hauch von Spott – nicht boshaft, sondern fast schon herausfordernd, als würde er sich leise über ihren unerschütterlichen Glauben lustig machen. Wie ein Kind, das sich sicher ist, beim nächsten Würfeln eine Sechs zu haben. "Und natürlich wird sie das. Und ich werde sie genauso vergöttern wie ihre Mutter schon jetzt." Seine Stimme war weich, doch der Griff an ihrer Hüfte wurde fester – besitzergreifend, aber liebevoll. "Und jetzt", fuhr er fort, während sein Blick an ihr hinaufwanderte, "gebe ich dir noch genau drei Sekunden, um dein Gewand auszuziehen und zu mir zu kommen… oder du musst in Stoff hier rein. Deine Entscheidung." RE: Northwind - Reinka Norrholm - 09-06-2025
Reinka spürte seine Hand auf ihrem Leib – warm, fordernd und dennoch voller Ehrfurcht. Nicht nur ihr galt diese Zärtlichkeit, sondern dem kleinen Wesen unter ihrem Herzen, das ihr Leben bereits mehr verändert hatte, als sie es je für möglich gehalten hätte. Ein weiches, kaum sichtbares Lächeln legte sich auf ihre Lippen, während sich ihre Gedanken forttrugen, zurück zu jenen frühen Morgenstunden, die ihr nun seit drei langen Tagen fast schmerzhaft fehlten.
Seit jenem Tag, an dem sie von ihrem Zustand erfahren hatten, war Erik jeden Morgen noch vor dem ersten Licht erwacht, als hätte sein Körper sich bereits auf dieses neue Kapitel eingestellt. Und dann hatte er sich zu ihr geneigt – nackt, mit zerzaustem blonden Haar, manchmal noch mit dem Duft des Schlafs auf der Haut – und hatte seinen Tag mit einem Kuss auf ihren Bauch begonnen. Ein feierlicher Gruß, stets begleitet von seiner tief vibrierenden Stimme, in der so viel mehr lag als bloße Worte. Er erzählte ihrem ungeborenen Kind von seinen Plänen, von Dingen, die getan werden mussten, von Gesprächen und Entscheidungen, die ihm bevorstanden. Manchmal brummte er, manchmal lachte er leise – und immer wieder versicherte er diesem kleinen, unsichtbaren Leben, wie sehr es geliebt wurde. Oder vielmehr, wie sehr sie geliebt wurde. Oft hatte Reinka ihn belächelt – ein leises, fast spöttisches Spiel auf ihren Lippen –, hatte ihn geneckt, ihn gefragt, ob er seinem Kind wirklich erzählen wolle, wie viele Eber er heute vorhatte zu schießen, an welchen Waffen er heute gedachte zu üben. Aber sie hatte ihn nie unterbrochen. Meist schwieg sie. Hörte nur zu, die Augen noch geschlossen, das Herz weit. Und in den letzten Tagen – jenen Tagen, in denen er sich abgewandt hatte, verletzt und verbittert durch die Sturheit ihres Bruders – hatte sie diesen Moment am meisten vermisst. Mehr als die gemeinsamen Mahlzeiten, mehr als sein dröhnendes Lachen, sein betörendes Lächeln. Sie hatte vermisst, wie er zu dem sprach, was sie gemeinsam erschaffen hatten. Als er nun mit gespieltem Ernst die Stirn runzelte und murmelte, sie könne das Kind erdrücken, wenn sie auf dem Bauch läge, hob sie langsam eine Braue. „Wenn ich mich recht entsinne, hattest du nie etwas gegen meine liebste Schlafposition einzuwenden.“ Ihre Stimme war leise, trocken – ein Hauch neckender Zweideutigkeit lag darin, kaum mehr als ein flüchtiger Streif. „Nun bleibt mir wenig anderes, als mir Alternativen zu suchen, um zur Ruhe zu kommen..“ Ihre Finger ruhten noch immer über den seinen, die Wärme seiner Hand ließ sie nicht los – und obwohl ihre Worte wie beiläufig klangen, pochte in ihrem Innersten ein feiner Nerv. Eine Sehnsucht. Eine Ahnung. Seine folgenden Worte – so weich, so offen – trafen sie vermutlich nur deswegen tiefer, als sie es sich eingestehen wollte. Es war ein warmer Strom, der sich in ihr ausbreitete, ein Gefühl von Anerkennung und Zärtlichkeit, das sie kaum zu fassen wusste. Erik liebte mit einer Klarheit, die fast erschreckend war. Ohne Taktik. Ohne Berechnung. Und obwohl sie, die Tochter ihres Vaters, gelernt hatte, dass Gefühle gefährlich, angreifbar, unpraktisch seien, hatte Erik ihr gezeigt, dass wahre Stärke oft dort begann, wo man sich verletzlich zeigte. Reinka spürte, wie sich ihre Wangen färbten – nicht grell, nicht sichtbar für die Welt, aber spürbar für sie selbst. Sie wandte das Gesicht leicht ab, hob das Kinn nur ein Stück. „Du hattest schon einmal klügere Ideen“, murmelte sie, gerade so laut, dass er es hören konnte. Ihre Stimme war fest, doch der Anflug eines Schmunzelns verriet, dass sie seiner sanften Drohung sehr wohl Folge leisten würde. Langsam richtete sie sich auf, spürte, wie ihre Glieder zogen, wie das Gewicht ihres Körpers sich verlagert hatte. Ihre Bewegungen waren nicht mehr so geschmeidig wie einst – sie wusste es. Das Training, die Kraft, die sie ausgemacht hatte, war verschwunden. Die Muskeln unter ihrer Haut, einst fest gespannt, hatten sich zurückgezogen. Ihr Körper war weicher geworden. Mütterlicher. Und obwohl sie das Gefühl dieser Veränderung draußen, unter den Blicken der Welt, kaum ertrug – hier, vor Erik, war es anders. Er sah sie nicht mit dem Blick eines Mannes, der das Alte suchte, das Vertraute. Er sah sie wie ein Mann, der Schönheit fand in dem, was wurde. Als sie den Umhang von den Schultern gleiten ließ, folgte ihr Nachtgewand. Langsam. Bedacht. Nicht kokett – aber bewusst. Ihre Haut, von der Kälte der kühlen Luft gezeichnet, glänzte im Schein des Feuers. Der Bauch, sanft gewölbt, ließ keine Zweifel mehr zu, was in ihm heranwuchs. Ihre Brüste, einst kaum nennenswert, zunehmend schwerer. Die Rundungen ihrer Hüften weicher, voller. Sie war nicht mehr das starke Mädchen, das sie einst war. Aber in seinen Augen – in seinem Blick, der sie verschlang – war sie schöner denn je. Sie trat an den Zuber, hob ein Bein über den Rand, stützte sich ab – nicht unbeholfen, aber vorsichtiger als noch vor wenigen Monden. Das Wasser umfing sie mit seiner Wärme, und sie seufzte leise, als sie sich zwischen Eriks gespreizte Schenkel sinken ließ. Seine muskulösen Glieder gaben ihr Halt, und sie schmiegte sich mit dem Rücken an seine Brust. Dort war es sicher. Dort war es gut. Ihr Kopf lehnte sich instinktiv an seine Schulter, die Augen halb geschlossen, während ihre Finger sacht über seine Oberschenkel strichen – nicht fordernd, nicht planend, sondern einfach nur spürend. Das warme Wasser zwischen ihnen, seine Haut gegen ihre, der langsame, kräftige Schlag seines Herzens gegen ihren Rücken – es ließ ein leises Beben in ihr aufkommen. Kein Drängen, nur dieses tiefe, ruhige Bewusstsein, dass sie geliebt wurde. Ein leiser Laut entwich ihren Lippen – nicht deutbar, vielmehr ein Zittern in ihrer Kehle. Die Hitze des Wassers, die Nähe seines Körpers, der Duft seiner Haut – all das weckte etwas in ihr, das geschlummert hatte, seitdem er die Wolfsburg verlassen hatte. Etwas Weibliches, Sinnliches. Etwas, das sie nicht benennen musste, um es zuzulassen. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch, als sie sprach – ein einziges Wort, fast verloren im Dampf. „Danke.“ Für seine Geduld. Für seine Liebe. Für die Art, wie er sie ansah – als wäre sie noch immer die Kriegerin, die sie einst war. RE: Northwind - Erik Norrholm - 09-06-2025 Er fand sie einfach schön. Er hatte sie schon immer schön gefunden – auf diese schroffe, unnahbare Art, die ihn zuerst gereizt und dann restlos in den Bann gezogen hatte. Doch in den vergangenen Wochen war etwas dazugekommen. Etwas Leuchtendes. Sie strahlte, ohne es zu wollen – oder gerade deswegen. Selbst jetzt, wo sich ihr Körper veränderte, wo jede Linie ein neues Leben versprach, konnte Erik nicht aufhören, sie zu bewundern. Zu begehren. Manchmal musste er sich selbst kneifen, wenn er neben ihr lag, nur um sicherzugehen, dass es kein Traum war. Dass Reinkas Vater ihm tatsächlich erlaubt hatte, sie zu ehelichen – trotz allem, was dagegen gesprochen hatte. Sein Verhalten, sein übermäßiger Konsum von allem was schön war. Was als (Wett-)Kampf begonnen hatte, war zu etwas Kostbarem geworden. Zu dem wertvollsten Schatz, den Erik je besessen hatte – und den er mit Klauen und Zähnen verteidigen würde, sollte es je nötig sein.
Ruhig, aber mit unverkennbarer Sehnsucht ruhte Eriks Blick auf Reinkas feingliedriger Gestalt. Seine Augen folgten jeder Linie ihres nackten Körpers, als sie vorsichtig über den Rand des Zubers stieg. Er reichte ihr eine Hand, und sie ließ sich langsam zwischen seine Beine ins warme Wasser sinken. Sanft strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht – eine, die schwer von Feuchtigkeit auf der Oberfläche trieb – ehe sich seine starken Arme um ihren Körper legten und sie näher an sich zogen. Er vergrub die Nase in ihrem dunklen Haar, atmete tief ein. Dieser Duft – vertraut, beruhigend – war ihm inzwischen mehr Heimat geworden als jede Mauer der Wolfsburg. Seine linke Hand glitt ins Wasser, fand Halt auf der Wölbung ihres Bauchs – jener leisen, stolzen Rundung, in der neues Leben heranwuchs. Und während er spürte, wie ihr Herz unter seinem angewinkelten Arm schlug, wurde ihm einmal mehr bewusst, wie sehr sie, aber auch dieses ungeborene Kind ihn bereits veränderte. Seit Reinkas Schwangerschaft hatte sich seine Sicht auf den Krieg verschoben. Die Furcht war neu – leise, aber stetig. Keine Angst um sein Leben, sondern um das, was danach kam. Um das, was er verlieren würde, sollte alles scheitern: Sie. Ihr Kind. Eine Zukunft, die mehr bedeutete als Ruhm oder Rache. Er presste sie ein wenig fester an sich, als könne er sie so vor allem beschützen, was draußen lauerte – vor dem Krieg, vor Verlust, vor einer Zukunft, die er nicht kontrollieren konnte. Wenigstens für diesen einen Moment wollte er die Welt draußen halten. Er wollte nicht, dass sie wusste, wie sehr er sich sorgte. Wie ihn der Gedanke quälte, dass er ihr Kind vielleicht niemals würde aufwachsen sehen. Dass sein Name auf dem Grabstein eines Vaters stehen könnte, den das Kind nie gekannt hatte. Und noch mehr – dass sie nach ihm vielleicht erneut lieben würde. Nicht aus Eifersucht. Nicht aus Groll. Aber der bloße Gedanke, sie könnte jemand anderen so ansehen, wie sie es bei ihm tat – voller Vertrauen, Wärme, dieser stillen Nähe – schnürte ihm die Kehle zu. Selbst wenn er längst unter der Erde lag, war er sich sicher: Sein ruheloser Geist würde sich daran aufreiben. Würde toben, wenn ein anderer dort stand, wo jetzt er stand – an ihrer Seite, mit ihrem Herzen in den Händen. Sanft platzierte er einen Kuss hinter ihrem Ohr, seine Lippen nur ein Hauch auf ihrer Haut, während seine Hand langsam über das warme, gespannte Schlüsselbein glitt. Das leise Wort, das über ihre Lippen kam – kaum mehr als ein Flüstern – ließ ihn kurz innehalten. Dankbarkeit. Erik blinzelte gegen die aufsteigende Wärme in seiner Brust an, doch etwas daran ließ ihn auch zögern. Unsicherheit, ein seltener Gast in ihm, regte sich – denn er wusste nicht, wofür sie sich bedankte. Seine Lippen verweilten über ihrer Haut, er atmete ihren vertrauten Duft ein, tief, fast ehrfürchtig. "Wofür?", fragte er schließlich, seine Stimme leiser, als er es beabsichtigt hatte. Ein Hauch von Verletzlichkeit schlich sich in den Tonfall, und er machte keine Anstalten, sie zu vertreiben. Erik küsste sie erneut – zärtlicher diesmal – als wolle er mit jeder Berührung ergründen, was sie meinte. Ein seltenes Geschenk. Und ein stiller Triumph, den er ihr gerne überließ – wenn er sie schon im Zweikampf geschlagen hatte. RE: Northwind - Reinka Norrholm - 09-06-2025
Reinka spürte, wie sich seine starken Arme noch ein wenig fester um sie legten, kaum merklich, und doch war es ihr, als hätte sich die ganze Welt für einen Herzschlag verändert. Sie kannte ihn gut – so gut, dass selbst das kleinste Zucken in seinem Griff eine Welle dunkler Gedanken verriet, die an seiner Fassade kratzten. Doch er sagte nichts. Erklärte nichts. Aber er musste nicht sprechen. Sein Körper sprach für ihn, seine Nähe, der sanfte Druck seiner Finger auf ihrem Bauch, sein Herzschlag gegen ihren Rücken.
Sie atmete ruhig – oder versuchte es zumindest. Ihre Brust hob sich langsam, senkte sich wieder, während ihre Gedanken begannen, in eine Richtung zu treiben, die sie selten zuließ. Wann würde sie das Kind zum ersten Mal spüren? Ein Flattern, ein leises Beben gegen die zarte Wand ihres Inneren. Ein Beweis für Leben, für Hoffnung. Würde Erik dabei sein? Würde es in einem solch intimen Moment geschehen, wie dem jetzigen? Würde ihr Gemahl neben ihr sitzen, wenn es geschah – mit zerzaustem Haar und diesem jungenhaften Lächeln voller überschäumender Begeisterung, das sie nie laut beschrieb, aber mit jeder Faser ihres Körpers liebte? Würde er es sehen – das Glitzern in ihren Augen, die ungläubige Freude auf ihren sonst so ernsten Zügen, wenn sie endlich spüren durfte, dass aus ihnen mehr geworden war als zwei verwandte Seelen, die irgendwie zueinandergefunden hatten? Der Gedanke schnürte ihr kurz die Kehle zu. Denn so sehr sie Erik auch vertraute– das Leben hatte sie gelehrt, dass man nichts behalten konnte, was einem lieb war. Dass der drohende Krieg keine Variable war, die man unterschätzen sollte. Und dennoch, sie lehnte sich weiter in seine Berührung, ließ seine glühende Wärme zu ihrer werden. Natürlich brauchte sie ihn nicht. Zumindest nicht so, wie andere Frauen Männer zu brauchen schienen. Nicht, um zu stehen, zu atmen, zu denken, schon gar nicht, um zu kämpfen. Ihr Leben lang war sie allein zurechtgekommen – hatte sich gewehrt, sich behauptet, sich über Wasser gehalten mit nichts als ihrer Entschlossenheit und ihrer Klugheit. Doch jetzt, in diesem Moment, erkannte sie, dass es einen Unterschied gab zwischen brauchen und annehmen. Und was Erik ihr anbot – mit jeder Geste, jedem lodernden Blick, jedem liebevollen Atemzug gegen ihre Haut – war mehr, als sie je gewagt hätte zu verlangen. Ein Versprechen. Ein Zuhause. Ein Bleiben. Ihre Finger glitten liebevoll über seine Hand, die noch immer auf ihrem sanft gerundeten Leib lag. Die feine Wölbung, unter der neues Leben schlummerte, war wärmer geworden durch seine Berührung. Sie malte mit ihren Fingern nach, was seine dort hinterließ, wie ein stilles Echo auf der Oberfläche ihres Bauchs. Dann spürte sie seinen Kuss – dort, wo ihr Puls schneller schlug, kaum verdeckt von den feuchten Strähnen ihres dunklen Haares. Ein Ort, den er kannte. An dem ihre sorgsam gehütete Gelassenheit ins Wanken kam, wenn seine Lippen ihn fanden. Sie sog scharf Luft ein, ihr Rücken verspannte sich unter der plötzlichen Hitze, die durch ihren Körper rann wie flüssiges Feuer. Ihre Antwort kam langsamer, heiserer, tiefer als zuvor. „Weil du bleibst.“ Mehr Worte brauchte es nicht. Nicht für sie. Nicht für ihn. Sein zweiter Kuss kam wie eine Verheißung des Ersten – ruhiger, vielleicht, aber tiefer, sinnlicher. Und diesmal entwich ihr ein Ton, den sie nicht mehr zurückhalten konnte. Keine Worte, nur ein Laut, geboren aus dem Körper, nicht aus dem Kopf. Ihre Brustspitzen richteten sich auf, während sich ihre Schenkel unter Wasser unwillkürlich bewegten – suchend, fordernd, lebendig. Sie drehte sich leicht, gerade so viel, dass sie mehr von ihm spürte – mehr Haut, mehr Wärme, mehr Halt. Ihre Wange legte sich an seine Brust, und einen Augenblick lang war da nichts außer seinem Duft. Holz. Leder. Etwas Wildes, das sich zwischen all dem verbarg. Reinka sog ihn tief ein, als wäre er die Luft, die sie brauchte, um alles Bevorstehende zu überstehen – und mehr noch: um zu leben. Ihr Kopf hob sich, ihr Kinn glitt sacht über seine Haut, bis ihre Lippen das sanfte Tal seiner Kehle fanden. Dort, wo seine Stimme geboren wurde, wo seine Schwächen verborgen lagen. Sie küsste ihn mit einer Ruhe, die nicht weniger verlangend war – mit einem Respekt, den nur er ihr entlockte. Und mit einer Zärtlichkeit, die sie nicht erklären musste. Ihr Körper hatte sich in seinen Schoß geschmiegt, ihre Beine zogen sich sacht an, sodass ihre Rundungen sich an ihn legten wie ein flüsterndes Versprechen. Keine Aufforderung, kein Spiel. Nur das stille Bedürfnis, näher zu sein. Noch näher. Und dann noch ein wenig mehr. Sie sagte nichts mehr, musste es nicht. Ihr Körper sprach für sie, ihr Atem, der sich seinem anpasste. Ihr Schweigen war ein Lied aus Vertrauen und aus einem Begehren, das wie alles an ihr: kontrolliert, stark – und gefährlich war, wenn es sich löste. Für ihn, und nur für ihn. |