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A finder's fee is a nice thing - Druckversion

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A finder's fee is a nice thing - Ronan Mag Mell - 06-08-2025

Dann und wann…so trug es sich zu… fielen die wüstesten Dinge vom Wagen. Mal war es wertvoller Schmuck oder aber kostbare Gewürze, in Kriegszeiten war sogar ein Sack Mehl teils heißbegehrt und dann gab es da noch Waffen, allerlei verbotenes Zeug, hübsche Mädchen ohne zu Hause, die niemand vermisste und die für Brot, Wurst und Käse ihr letztes Hemd gaben. Das war praktisch, denn das brauchten sie eigentlich dann sowieso nicht mehr..
Es war nicht so, dass ständig Frauen vor Ronans Füße fielen, nicht aus Kutschen oder Karren jedenfalls und auch Aurora war zum Glück nicht aus etwas derartigem gefallen, dafür aber ein in Leder eingebundenes Büchlein, das beim Einstieg in einer der nobleren Gasse der großen, überfüllten Stadt einfach aus ihrer nicht ordentlich zugezogenen Beuteltasche gepurzelt war. Man durfte zwar inzwischen davon ausgehen, dass Ronan heutzutage selten oder eher gar nicht selbst in die Situation kam reichen Menschen etwas auf offener Straße zu entwenden, sondern seine vielen kleinen Helferlein das sonst übernahmen, aber wenn es ihm schon regelrecht vor die Füße fiel, dann ließ er sich nicht zweimal bitten. Natürlich hatte ein Blick auf das Gefährt ihm verraten, dass jemand von Rang oder Namen oder beidem eingestiegen sein musste und egal was derjenige hier verloren hatte, bei wohlhabenden Menschen wog sogar ein Furz schwer!

Das Lederbuch war schneller aufgehoben und in der eigenen Tasche verstaut, als man blinzeln konnte und selbst wenn Aurora aufgefallen wäre, dass ihr Beutel nun leichter war als zuvor, sobald sie sich draußen auf der staubigen Straße umsah, fände sie diese nur noch leer vor.
Ronan aber ging seinem Tagwerk nach..spaziergehen und Leute beobachten.
Erst am Abend saß er an seinem Tisch, die Füße auf selbigem, der schwere, dunkle Rotwein im Becher und er blätterte sich durch die Seiten. Ihgitt. Der Untergrundkönig machte dem Grinch definitiv Konkurrenz als er sich durch den Herzschmerz der jungen Frau wühlte und nur die schlüpfrigen Details entlockten ihm ein kleines Grinsen. Soso…hochwohlgeboren oder was auch immer sie war, definitiv jedenfalls verheiratet, hatte also verbotene Träume. Und alles was als verboten galt, liebte Ronan…das war nur noch getopt von Gold und wenn eines schwer in Gold aufzuwiegen war, dann sein Schweigen.
So galt es aber erstmal eine Woche des Entsetzens verstreichen zu lassen. Die junge Frau war sicher schon mürbe alleine davon zu wissen, dass es jemandem in die Finger gefallen sein könnte..und da es für niemandes Augen bestimmt war, spielte es eigentlich keine Rolle wer es gefunden hatte..sobald der Umstand eingetreten war, befand sich ihr Geheimnis vielleicht im Umlauf und was dann?!
Wie gut, dass Aurora in geschwungenen Lettern ihren Namen vorne eingetragen hatte, mit Blumen verziert, mit teurer Tinte geschrieben. Es hatte wirklich nicht viel Recherche gebraucht rauszufinden wer genau sie war und noch weniger, wo sie denn wohnte. Exakte 7 Tage später stand er vor dem unerwartet unspektakulären Stadthaus und konnte seine Enttäuschung kaum verbergen. Irgendwie hatte er angenommen die entfernte Cousine eines Kronprinzen würde einen fetteren Vogel abschießen als das was dieses Haus hier vermuten ließ. Nun denn.. das Vergnügen in ihr Gesicht zu sehen, würde zwar den Goldbatzen nicht aufwiegen, aber wäre definitiv ein Anfang.
Klopf, klopf…machte es also und vor der Tür fände ihr Dienstmädchen den reichsten armen Schlucker von ganz King´s Portal…nein, Castandor und darüber hinaus. In abgewetzten Hosen, einem mehrfach geflickten Hemd, einer löchrigen Weste und wildem Bart..mehr als Landstreicher oder Wandergeselle, der dringend ein Bad nötig hatte. „Gegrüßt seist du Schönheit…ist deine Herrin da?“, er fand zwar nicht, dass sie in der Reihe weit vorne gestanden hatte als es Schönheit zu verteilen gab, aber wenn er eines wusste, dann dass Frauen bei Komplimenten schon mal schnell den Kopf vor lauter Schmeicheleien abstellten. Diese hier könnte ihn seiner Meinung nach wahlweise aber auch gerne abschrauben..



RE: A finder's fee is a nice thing - Aurora Acilius - 21-08-2025

Verzweifelt vergrub Aurora ihr Gesicht in beide Hände, als sie ihre Tasche das gefühlt... 150. Mal ausgeleert hatte. Ihr Tagebuch. Ihr geliebtes Tagebuch, das für sie so viel wert war. Das ihr auch viel wert sein musste, denn die Dinge, die darin standen... nun ja. Es war auch sehr naiv von ihr, gewisse Dinge niederzuschreiben, daran bestanden keine Zweifel. Glücklicherweise ging sie dabei aber nie derart ins Detail, dass es wirklich (!) unangenehm werden konnte. Dennoch reichte es aus, dass das Buch in fremde Hände gelangte und ihre Geheimnisse auf einem Silberteller präsentierte. Aurora verstand einfach nicht, wann sie es verloren haben konnte. Gleichzeitig hatte dieser Tag aber wohl kommen müssen, denn sie ließ das Büchlein niemals einfach zu Hause liegen. Aufgrund der Angst, dass es ihr werter Gatte in die Hände bekommen könnte. Sie sollte sich für die Zukunft doch irgendein gutes Versteck in ihrem Haus suchen – sofern sie das Tagebuch wiederfand. Ganz klein war die Hoffnung noch vorhanden, dass es so blöd aus ihrer Tasche gerutscht war, dass es in irgendeiner Ritze steckte, wo sie es auf Anhieb nicht sah. Aber dem war nicht so. Aurora konnte auch nicht behaupten, dass in ihr langsam die Panik hochstieg, denn diese war schon längst da. Seit sie das erste Mal verzweifelt in ihrer Tasche danach gegriffen hatte und sie das Buch nicht erwischte. Weil es schlichtweg nicht da war. Das war nun schon ganze sieben Tage her und dennoch war da noch dieser kleine Funke an Hoffnung.

Neben der Hoffnung waren da aber auch Ängste. Sorgen, das Buch könnte jemanden zu fiesen Aktionen verleiten. Erpressung, Veröffentlichung, ... Aurora wollte sich eigentlich nicht allzu sehr darüber den Kopf zerbrechen, aber die Gedanken kamen ihr einfach. Und auch ihr Gatte hatte bemerkt, dass etwas mit der Rothaarigen nicht stimmte. Dass sie etwas beschäftigte. Bald würde Aurora keine Ausrede mehr einfallen, die ihn zumindest fürs Erste besänftigte. Lediglich, das Buch wieder in den Händen zu halten, würde sie beruhigen. Aber nach einer Woche schwand die Hoffnung bereits mit jedem Tag, der verstrich – der letzte Funke, der noch vorhanden war, hielt eisern durch. Die Frage war nur, wie lange noch.
Aurora saß im Teezimmer – zumindest war es in ihren Augen das Teezimmer. So wohlhabend waren sie und ihr Ehemann dann doch nicht, aber man konnte ja träumen und sich die Dinge schönreden. Wie eben dieses Teezimmer. Sie las in einem Buch, um auf andere Gedanken zu kommen. Zumindest fiel es ihr schon etwas leichter als in den letzten Tagen, dennoch fiel es ihr schwer sich zu konzentrieren.
Als es an der Tür klopfte, blickte sie kurz auf und konnte die Schritte ihres Dienstmädchens hören. Etwas, was für sie nach wie vor nicht für selbstverständlich hielt und Luxus glich, wie sie fand. Immer, wenn es an der Tür klopfte, hielt Aurora kurz inne. Wurde ihr Gatte benötigt oder doch sie? Dass ihr Dienstmädchen sogleich in der Tür stand, war Info genug und so erhob sich die Rothaarige, schlug das Buch zu und legte es auf einen kleinen Beistelltisch.
An der Haustür angekommen, blickte sie ein fremdes Gesicht und war bemüht, nicht allzu fragend dreinzuschauen. ”Ich grüße Euch, wie kann ich Ihnen helfen? Justus ist aktuell nicht hier..” erklärte sie sogleich nach ihrer Begrüßung. Sie konnte ja nicht ahnen, dass der Fremde wegen etwas ganz Anderem hier vor ihrem kleinen Haus stand. Viel mehr glaubte sie, er würde etwas von ihrem Ehemann benötigen, der aber aktuell im Hofe des Königs zugegen war. Wie eigentlich immer und in letzter Zeit noch viel öfter.