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You were dead. Yet, here you are.
12.10.1016 - 11:00
Hafen von magnushaven
Leif Stelhammer Asgrim Blutfjell

Commander of Wolves
Leif Stelhammer
Winterland - Admin
Alter 24
Beruf Kronprinz von Norsteading
Wohnort Wintergard, Norsteading
Stand Verheiratet
User Letha
#1





Es war nicht die Frage nach dem Ob, die sie alle im eisernen Griff hielt, sondern die Frage nach dem Wie lange. Je länger sie für die Kampagne brauchten, desto weniger Zeit blieb ihnen für ihre Vorbereitungen, aber wie viel Zeit genau, konnte ihnen niemand beantworten. Die Nachrichten über die Vorbereitungen Castandors erreichten sie spärlich, verstreut, durch verspätete und aufgehaltene Boten, deren Rückkehr nicht einmal garantiert war, weil sie täglich ihr Leben aufs Spiel setzten. Und was, wenn sie schon aufgebrochen waren und Leif hier zu lange Farce gespielt hatte, um irgendetwas auf die Beine gestellt zu bekommen? Dass sie so aufpassen mussten, damit Farynn den Braten nicht roch, ging ihm gehörig gegen den Strich, denn er hatte dem sicher nicht zugestimmt. Was störte Liam überhaupt so daran, dass sie aufrüsteten? Sicher tat er doch nichts anderes. Jeder, der glaubte, sich in Sicherheit zu wägen, nachdem der Stein mit Eastergold Meadow so richtig ins Rollen gekommen war, war töricht und naiv. Es gab keinen Frieden mehr. Sie hatten ihn eingerissen und nun mussten sie alle mit den Konsequenzen leben.

Müsste Leif die Reise nach Magnushaven nicht mit Lächerlichkeiten begründen (seine Familie aus der Hafenstadt hätte Aleena und ihm zu der Schwangerschaft schließlich genauso gut in Wintergard beglückwünschen können), würde er nicht den ersten Tag bei Festessen und Familienplauderei in der Burg verschwenden. Er könnte draußen offen über Angelegenheiten reden, die darauf schließen ließen, dass sie ihre Verteidigungsanlagen aufbauten und sich auf einen potentiellen Angriff vorbereiteten. Dieser Rundgang am Hafen, als würde er sich für die Aufmachung der Handelsschiffe interessieren und die Anzahl der Anlegestellen, wäre komplett hinfällig. Aber hier stand er, die Arme vor der Brust verschränkt, und zog sich Geschichten darüber rein, wann Magnushaven zum Handelsknoten geworden war.
“Und wie viele Schiffe haben wir momentan?”
, fragte er den Hafenmeister mit dem kahlen Kopf und blonden Vollbart, ein geschäftiger Mann mit kräftigen Armen und einem breiten Kreuz, dem man seinen Wohlstand jedoch in der Bauchgegend ansah. Dessen Stimme war freundlich, aber nicht überschwänglich, gesprächig für einen Winterländer, aber nicht ausartend. Dennoch konnte Leif nicht umhin, sich zu fragen, ob er überhaupt das Ausmaß von seinen Fragen verstand; warum er hier war und wissen wollte, womit sie zu arbeiten hatten.
Sie alle hatten keine Erfahrung im Krieg und das machte sich bemerkbar.
Gerade hier in Magnushaven schien mehr Arbeit auf sie zu warten, als sie erwartet hatten. “Fünfzehn etwa, Eure Hoheit. Zwei davon sind unterwegs nach Matariyya”, verkündete der Hafenmeister, ohne groß darüber nachzudenken, doch Leif brachte die Antwort zum Schweigen. Nur fünfzehn? Sein Blick schweifte über die Anlegestellen, größtenteils gefüllt mit kleinen Fischerbooten.
“Und wie lange braucht es, ein neues zu bauen?”
Der Hafenmeister überlegte. “Mit den Männern, die wir zur Verfügung haben… Etwa 2-3 Monate. Der Winter und wir haben hier schonmal mit Unwetter zu kämpfen, die einen Bau erschweren.” Das war nicht genug. Mit jeder Information, die sie austauschen, merkte Leif, dass er die Flottenarbeit deutlich unterschätzt hatte - und damit griesgrämig seinem Vater rechtgeben musste, der ihn davor gewarnt hatte. Wir sind nicht gerüstet für einen Krieg. Sie konnten nur hoffen, dass Castandor sich mit ähnlichen Problemen konfrontiert sah.
Mit einem Brummen hielt Leif den Hafenmeister dazu an, die Tour fortzusetzen. Sie stapften durch den Matsch, aufgewühlt von tausend Arbeitern, Händlern und von deren Schiffsbesatzung. An ihnen zogen Gesichter vorbei, selten bekannt, ein jeder zu beschäftigt mit seinem eigenen Ablauf, um Leif mehr als nur einen Blick zu schenken. Hier war er einer von ihnen; ein einfacher Mann in einem Leinenhemd und mit einem Schwert am Gürtel, was in Norsteading nicht weiter für Aufmerksamkeit sorgte. Man ging ihm aus dem Weg, hielt Abstand und ging seinen eigenen Tätigkeiten nach. Hier drückten sich Pferdehufe durch den Matsch, eine Frau fluchte, und dort-
Leif legte seine Hand auf die Schulter eines Mannes, der im Inbegriff war, an ihm vorbeizuziehen. Es war eine Reaktion, die er sich nicht erklären konnte. Eine Eingebung, als das Gesicht des Mannes kurz durch sein Blickfeld gehuscht war. Ein Erkennen, ohne ihn zu fokussieren. Leifs Griff war stark und unnachgiebig, weil er den Mann zum Stehen bewegen wollte, und dieses Mal betrachtete er ihn mit Ruhe, mit Zeit. Eine Mischung aus Unglauben und Schock mischte sich in seinen Blick, denn das Erkennen formte sich langsam zu Kennen.
“Asgrim?”
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Unregistered
Asgrim Blutfjell
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Stand
User
#2
Asgrim sah der Lindwyrm noch einen Moment nach, wie sie am Horizont unter einem schweren Himmel verschwand, ein schwärzlicher Punkt gegen das dunkler werdende Blau, der bald in der Ferne verglomm. Dann atmete er durch, griff nach dem Riemen seines Seesacks und wuchtete ihn über die Schulter.
Mit langsamen, festen Schritten bahnte er sich seinen Weg durch die geschäftige Menge. Stimmen vermischten sich, fremde Gerüche lagen in der Luft – aber Asgrim hörte nichts davon wirklich. Sein Kopf war zu voll.
Wolfsmark. Er musste zurück. Musste Gesichter sehen, die er jahrelang nur in Gedanken besucht hatte. Musste sich den Fragen stellen, die unausweichlich sein würden – und den Blicken, die ihn mustern würden, als wäre er ein Geist aus der Vergangenheit. Und dann…?

Der Krieg. Der Ruf nach den alten Kräften, nach den einstigen Waffenbrüdern. Er würde sich einen Überblick verschaffen müssen. Alte Bande neu knüpfen. Oder sollte er sich überhaupt einmischen? Wie stand es eigentlich um Norsteading? Er hatte nur Gerüchte gehört – von Trainingslagern, einen Kampf um Eastergold Meadow. Vieles war undeutlich geblieben, schwer zu greifen, wie Nebel zwischen den Fingern. Vielleicht hatte er auch nicht genauer nachgefragt. Und jeder Schritt, den er nun machte, schien ihn in ein Netz aus Vermutungen, Versprechen und Vorsicht zu führen.

Zu viele Variablen.
Zu viele offene Fragen.
Und viel zu wenig Klarheit.

Er blieb einen Moment stehen, ließ den Blick über den Hafen gleiten, über die fremden Gesichter und vertrauten Muster. Seine Finger krallten sich fester um den Riemen des Seesacks. Er war zurück. Aber wofür – und für wen? Doch vor allem: Was, bei allen Göttern, sollte er ihnen sagen? Was sagte man nach all den Jahren? Nach dem Schweigen?

Asgrim biss die Zähne zusammen, seine Kiefer mahlten unbewusst. Die Vergangenheit ließ sich nicht abschütteln wie Staub auf der Schulter. Er richtete sich ein wenig auf, als könnte er das Gewicht der bevorstehenden Begegnungen mit bloßer Haltung schultern. Noch nicht sicher, was er tun würde – aber bereit, den ersten Schritt zu gehen.
Also setzte er sich wieder in Bewegung.
Er würde in die Ställe gehen – ein Pferd musste her, wenn er zügig nach Wolfsmark gelangen wollte. Doch kaum hatte sich sein Entschluss in erste Schritte verwandelt, spürte er einen festen Griff an der Schulter. Asgrim hielt inne. Sein Blick klärte sich, die Gedanken an Vergangenheit und Zukunft schoben sich in die hinteren Winkel seines Verstands zurück, wo sie vorerst verstummen mussten. An ihre Stelle trat eine kühle Skepsis, wie ein Reflex, geformt in Jahren voller Vorsicht.

Was wollte der Knabe? Und woher kannte er seinen - richtigen - Namen? Gut, der Bursche mochte zwei, vielleicht drei Zentimeter größer sein – aber das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sein Gesicht noch nicht das Alter der Härte kannte. Zu glatt, zu jung, zu ungeschliffen. Asgrim musterte ihn mit der Ruhe eines Mannes, der gelernt hatte, jeden Menschen erst in seine Einzelteile zu zerlegen, bevor er ein Urteil sprach. "Und du bist...?" Asgrims Stimme war ruhig, aber durchzogen von einer gewissen Schärfe, die selten Gutes verhieß. Er hörte, wie der Hafenmeister neben ihm leise nach Luft schnappte. Etwas an ihm... war vertraut. Also an dem Jungen. Diese kühlen, blauen Augen, die dunklen Locken – ganz wie Ariald. Das scharfe Kinn, das einen Hauch von Frigga in sich trug.

Hm.

Vielleicht war es auch bloß eine Laune des Gedächtnisses. Oder... Asgrim blinzelte. Ein Bild flackerte auf, eine Erinnerung – an zwei tollkühne Knaben, einer mit Verstand und Feuer, der andere mit zu viel Mut und zu wenig Hirn. Jungs, die er einst durch Matsch, Sturm und Schweiß getrieben hatte. "Leif?" Seine Stimme war jetzt ruhiger, beinahe irritiert. Eine Augenbraue hob sich skeptisch.
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Commander of Wolves
Leif Stelhammer
Winterland - Admin
Alter 24
Beruf Kronprinz von Norsteading
Wohnort Wintergard, Norsteading
Stand Verheiratet
User Letha
#3
Es dauerte, bis sich Erkennen in Kennen wandelte, aber keiner konnte Leif die Schönheit des Momentes absprechen, in dem sein alter Lehrer langsam begriff, wer da eigentlich vor ihm stand. Während Leif schon längst verstanden hatte und er sich mit jeder verstreichenden Sekunde sicherer wurde, nicht einfach einen Schatten seiner Vergangenheit anzuhalten, spielte sich in der eisernen Miene von Asgrim ein ganzes Leben ab. Ganz der Winterländer reagierte er fast gar nicht und sprach aus Misstrauen eines Fremden gegenüber, die Geradlinigkeit und der fehlende Titel so erfrischend, dass ein amüsierter Stich Leifs Eisblau durchstieß.
„Überleg mal ganz genau“
, entgegnete er nur, denn für ihn bestand kein Zweifel mehr; er sah sich auf einmal einer Schicksalswende gegenüber, die er nie hätte vorhersehen können. Wie er doch seinen Waffenbruder an seiner Seite vermisste. Mit ihm hätte er nun einen Blick ausgetauscht, wäre vielleicht in Gelächter ausgebrochen, hätte sich einen Spaß aus dem Unwissen einer Respektperson erlaubt, weil sie zu dritt schon mehr als bloßes Gelächter miteinander geteilt hatten. Blut, Schweiß und Schlamm ließen sich abwaschen, doch nicht die Verbindung zwischen zwei Schülern und einem Lehrer, der sie über ihre Grenzen getrieben hatte, damit sie über sich hinauswachsen konnten.
Da stand er nun. Groß, stolz, seine Statur das Ergebnis von jahrelangem stählernen Training, nachdem er seinen Lehrer totgeglaubt an die Einöde verloren hatte. Was ihn geformt hatte, all die Erfahrungen, die er mit Erik und seinen Gefährten gemacht hatte, Narben, die er von der Einöde trug, Kämpfe, die er gewonnen und verloren hatte, das alles hatte Asgrim nicht mehr erlebt. Doch er hatte die Grundlagen gelegt, auf der Leif hatte aufbauen können; er war für den Jungen immer der Fels gewesen, an den er sich lange erinnert hatte, auch nachdem sein Verschwinden längst verjährt war.
Beinahe sprudelnd im eigenen Stolz einer Person gegenüber, der er eigentlich Respekt entgegen bringen sollte, reagierte er auf seinen eigenen Namen mit einem Lachen. Sicher tat der Unglaube sein Übriges, die Erkenntnis, dass der Geist, den er hin und wieder über seine Schulter schauen gespürt hatte, nichts weiter gewesen war als ein Schatten, der ihn zum Narren gehalten hatte. Sein Lachen war laut und ungehalten, stand seinem Vater in nichts nach mit einer Spur von der Wildheit, die er nach all den Jahren immer noch behalten hatte. Selbst eine Krone vermochte den Wolf nicht zu zähmen, der damals seinesgleichen gesucht hatte.
„Und du denkst, einfach hier aufzutauchen, als wärst du nicht Jahrzehnte vom Erdboden verschluckt gewesen?“
, polterte er und legte endlich beide Pranken auf die Schultern von Asgrim, fest und erdend. Er betrachtete seinen Lehrer und stellte fest, dass er kleiner wirkte. Genauso kompakt und bodenständig, wie er ihn im Kopf behalten hatte, doch eine Last schien ihn nach unten zu drücken.
„Wir dachten, du wärst tot. Erik und ich haben nach deinen Überresten Ausschau gehalten und eine Kriegerbeerdigung für dich abgehalten.“
Mit etwas Glück verweilte der Steinhügel immer noch an der Klippe, wo sie Asgrims Körper vermutet hatten. Es war das Mindeste, was sie für einen verschollenen Lehrer hatten tun können, dessen Familienaxt nie hatte geborgen werden können.
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