01-01-2025, 21:34 - Wörter:
Sie hörte dem Castellanos weiter aufmerksam zu. Seine Anmerkung, dass es darum gehen müsse, nötige Ausgleiche zu schaffen, war nicht uninteressant, überzeugte sie aber doch nicht vollständig. Natürlich war es möglich, dass die Familie eines Bauern oder Händlers die anfallende Arbeit erledigte während der Mann eine Reise unternahm, doch dies würde eine große Belastung für die betroffenen Familien bedeuten, so dass viele Männer davor zurückschrecken würden, an so einer Art großen Reichsversammlung teilzunehmen. Am Ende würden also nur jene zugegen sein, die es sich leisten konnten, längere Reisen zu unternehmen, wie etwa die Aristokratie oder wohlhabende Fernkaufleute, oder jener kleine Teil des Reiches, der in einem Umkreis von einer oder zwei Tagesreisen um den Versammlungsort lebte. Man könnte alternativ auch überlegen, dass jedes Dorf einen Vertreter entsendet, der es auf der Reichsversammlung vertritt. Aber das wäre dann auch in den allermeisten Fällen der wohlhabendste Dorfbewohner, der über genügend Arbeitskräfte auch über seine Familie hinaus verfügte, so dass seine Anwesenheit nicht dringend notwendig war. Damit wäre das einfache Volk aber auch nicht in der Form an der politischen Führung des Reiches beteiligt wie sich die radikalen Philosophen dies vorstellten. Sie kam allerdings nicht mehr dazu, ihre Einwände ausführlich darzulegen, da bereits ein anderes Thema zur Sprache gekommen war und sie schließlich die persönliche Frage des Castellanos beantwortete.
"Euer Gnaden, ich danke Euch sehr für diese Sorge um mein Befinden. Ich kann Euch versichern, dass ich die Zeit der akuten, lähmenden Trauer überwinden konnte, um mich nun wieder den Lebenden zu widmen, allen voran meinem Sohn und meinen Töchtern. Für mich selbst begehre ich nicht viel. Meine einzige Sorge ist, dass meine Töchter gut versorgt sind und mein Sohn, bis er sein Geburtsrecht zurückerlangt, seinen Wert am Hofe des Großkönigs unter Beweis stellen kann."Als sie auf ihre Redeweise angesprochen wurde verließ der ernste, schwermütige Tonfall ihre Stimme und ihr Mund verzog sich zu einem leichten Lächeln. "Nun, ich war schon in jungen Jahren immer sehr neugierig und durfte die Bibliothek meines Vaters nutzen wenn es mir beliebte. Meine Mutter war da etwas skeptischer. Sie befürchtete, dass die Heiratschancen einer junge Damen sinken, wenn sie zu belesen ist.
"Euer Gnaden, ich danke Euch sehr für diese Sorge um mein Befinden. Ich kann Euch versichern, dass ich die Zeit der akuten, lähmenden Trauer überwinden konnte, um mich nun wieder den Lebenden zu widmen, allen voran meinem Sohn und meinen Töchtern. Für mich selbst begehre ich nicht viel. Meine einzige Sorge ist, dass meine Töchter gut versorgt sind und mein Sohn, bis er sein Geburtsrecht zurückerlangt, seinen Wert am Hofe des Großkönigs unter Beweis stellen kann."Als sie auf ihre Redeweise angesprochen wurde verließ der ernste, schwermütige Tonfall ihre Stimme und ihr Mund verzog sich zu einem leichten Lächeln. "Nun, ich war schon in jungen Jahren immer sehr neugierig und durfte die Bibliothek meines Vaters nutzen wenn es mir beliebte. Meine Mutter war da etwas skeptischer. Sie befürchtete, dass die Heiratschancen einer junge Damen sinken, wenn sie zu belesen ist.
