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The Wolves
07.10.1016 - 21:00
Burg von Wolfsmark, Eriks Schlafgemach

Commander of Wolves
Leif Stelhammer
Winterland - Admin
Alter 24
Beruf Kronprinz von Norsteading
Wohnort Wintergard, Norsteading
Stand Verheiratet
User Letha
#11
Fast zwei Jahre hatte es also gebraucht, bis sie hier standen und wieder den Jugendlichen entsprachen, die mit zerfleddertem Schuhwerk durch den tiefen Schnee der Einöde gestapft waren. Ohne Worte, weil sie keine brauchten, um sich zu verstehen, gebunden durch das einfache Ziel, diese verdammte Eiswüste zu überleben. Hatte sich ihre Welt so verändert in den letzten Jahren? Die zu überwindenden Berge waren komplexer geworden, die Stürme unberechenbarer, nicht mehr mit einfacher Willensstärke bezwingbar, sondern verlangten Feingefühl für Politik und Strategie. Das Ziel war nicht mehr das einfache Überleben eines Einzelnen, sondern zog sich über die Familie, das Land, ihre Landsleute… ihre Kinder. Und Leif war eingeschüchtert gewesen. Ein törichter Junge hatte damals gedacht, er könnte es mit der Welt aufnehmen, nur um sich auf einmal einem Leben gegenüber zu sehen, das an seine Aktionen gebunden war, einen Menschen in seinen Armen zu halten, dessen Herzschlag davon abhing, welche Entscheidungen er traf. Er hatte die Last allein zu tragen, hatte er sich eingeredet. Seine Scham. Seinen Fehler. Also tat er das Einzige, was ihm vernünftig erschien: Er schwieg, um ein Leben zu schützen; nicht nur vor seiner Familie, sondern auch vor seinem Bruder. Wie dumm er doch gewesen war.

Denn Erik war eine Kreatur von Loyalität und familiärer Liebe, die keine Grenzen kannte. Leif sah es in seinen Augen, die im Feuerschein warm schimmerten, in seinem Lächeln, als er ihm versicherte, dass er gerne eine Ausrede war, wenn sein Waffenbruder dafür seine Tochter hatte sehen können. Sein Handgriff auf Leifs Schulter war zuversichtlich und gab ihm mehr Halt, als er sich eingestehen wollte. Und seine Entschuldigung reichte tiefer, als Leif zeigen wollte.
“Und woher meine Tochter ihren Biss haben wird.”
Gut. Sie wird es brauchen.
Leif war es nicht gewohnt, über seine Tochter zu sprechen. Das stolze, warme Gefühl in seiner Brust war ihm neu und ließ ihn unter Eriks Pranke fast etwas kleiner werden, kleiner, seine Schultern senken. Gleichzeitig huschte ein Schatten über seine Miene auf die Gedanken, die ihn seit Tagen begleiteten. Und wenn sie nie eine Chance haben wird, ihren Biss zu zeigen?

“Und ich für dich”
, meinte er ehrlich auf die Worte seines Bruders, gefolgt von einem leisen, geschlagenen Seufzen. Natürlich würde er Erik nicht auf die Suche schicken, denn wie ihm selbst waren dem Wolf die Hände gebunden. Krieg, Familie, sie führten beide Leben, die sich nicht einfach so aufs Spiel setzen ließen, und ihr Verschwinden würde auffallen. Bestimmt, aber nicht abweisend, schälte Leif sich aus Eriks Griff und wandte sich langsam dem brennenden Kamin zu.
“Ich habe zwei Söldner hinterher geschickt, noch am selben Tag. Die blonde Winterländerin und Eneas, hat gegen mich beim Wettkampf verloren. Warst vermutlich zu hacke, um dir sein Gesicht zu merken?”
Nichts erwartete er von seinem Bruder, der auf die Schwangerschaft seiner Frau so viel gesoffen hatte, dass er nicht einmal zum Wettkampf zugelassen worden war. Idiot. Leif konnte darüber nur den Kopf schütteln, tat es aber nicht, weil er seinen Idioten liebte.
“Im Nachhinein wars vermutlich ein Fehler, aber ich wusste nicht, wen ich sonst schicken sollte… Eneas hat für einen Söldner erstaunlich viel Ehrgefühl und das Weibsmaul war mit meinem Bogen zu stopfen.”
Hatten sie sich an ihre Abmachung gehalten? Die Abwesenheit des Briefes machte sich in Leifs leeren Händen bemerkbar und in der dunklen Anspannung, die er wie einen Wolfspelz trug.
Gab es noch etwas zu sagen? Auch wenn Leif nicht mit Empathie glänzte, spürte er die stumme Anteilnahme seines Bruders, das geteilte Leid, das nur noch halb so schwer auf seinen Schultern ruhte.
“Kannst du mir einen Gefallen tun?”
, fragte er schließlich.
“Sollte ein Brief für mich ankommen, wenn ich nicht mehr hier bin. Schick deinen loyalsten Vasallen zu mir.”
Leifs blaue Augen wurden von dem Feuer erwärmt, das im Kamin tanzte.
“Du kannst ihn lesen, wenn du willst”
, räumte er ein, weil er wusste, dass Erik genauso viel Aufklärung brauchte wie er selbst. Sie hatten damals nicht umsonst in der Einöde überlebt, als Worte aufgebraucht gewesen waren und sie nur noch ein Herz miteinander teilten, das für dieselben Menschen schlug.
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Winterland
Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
Beruf Prinz von Wolfsmark
Wohnort Wolfsmark
Stand Verheiratet
User Natsch
#12
Erik wusste nicht mehr, wann ihre Leben begonnen hatten, so unerquicklich und verworren zu werden. Wann die einfachen Gesetze, nach denen sie einst gelebt hatten, brüchig geworden waren wie Eis im Tauwetter, und er begonnen hatte, sich ihnen zu beugen. Stattdessen lasteten sie nun auf ihm, forderten Entscheidungen, Opfer, Haltung. Und Erik wusste, dass dieses Thema – alles, was untrennbar daran hing – ihn fortan begleiten würde wie ein Schatten im Schnee: leise, beständig, unausweichlich. Es war ein Nachhall, der ihn zwang, genauer hinzuhören, schärfer zu sehen, selbst dort, wo er früher achtlos vorbeigegangen wäre.

Neben ihm stand Leif. Still wie ein Grenzstein, den der Winter selbst gesetzt hatte. Er sagte nichts, und doch war seine Präsenz schwer und wahrhaftig, wie die Stille vor einem Sturm. Erik musste ihn nicht ansehen, um zu wissen, dass auch Leif verstand. Dass er diesen Wandel erkannte, vielleicht schon lange, bevor Erik selbst dazu bereit gewesen war.

Der Name Erik Norrholm hatte einst für Unbeschwertheit gestanden, für ein Lachen, das selbst dem Frost getrotzt hatte. Und vielleicht würde ein Teil davon immer in ihm bleiben – ein Funke, tief unter Asche begraben. Doch Erik begriff nun, dass dies nicht länger genügte. Dass es an der Zeit war, einen Schritt aus dem alten Leben hinauszutreten, fort von den warmen Schatten der Vergangenheit, und sich den Verantwortungen zu stellen, vor denen er sich schon vor einem Winter, vielleicht vor zweien, gedrückt hatte.

Nicht aus bloßer Pflicht.
Sondern weil es kein Zurück mehr gab.

Dass Leif zwei Söldner entsandt hatte, zeigte Erik zweierlei: wie wenig Vertrauen sein Freund in die eigenen Gefolgsleute setzte – und wie viel Macht sie sich womöglich versprochen hätten, wäre dieses Geheimnis an ihre Ohren gelangt. Erik erkannte die Ehre, die ihm damit zuteilwurde, und sie wog schwerer als jedes ausgesprochene Wort. Er würde Leif nicht enttäuschen. Nicht noch einmal.
Dass er selbst zu betrunken gewesen war, um sich an die Söldnerin zu erinnern, erfüllte ihn zum ersten Mal tatsächlich mit einem Anflug von Scham. Dass ihm die Erinnerung fehlte, sagte mehr, als Worte es je könnten. Der dumpfe Nachgeschmack der Nacht, die Leere zwischen den Gedanken, dort, wo ein Gesicht hätte sein sollen. Sein Mund verzog sich zu einem Lächeln, schief und bitter, beinahe spöttisch gegen sich selbst gerichtet. Leif hatte recht.
„Wenn ein Brief kommt, werde ich ihn dir weiterleiten.“
Er nickte dabei und überlegte kurz, wem er diese Aufgabe anvertrauen konnte – doch am liebsten hätte er sie selbst übernommen. Er wollte weder das Mädchen noch dessen Mutter oder Leif in Schwierigkeiten bringen, nur weil er auf das falsche Pferd gesetzt hatte.
„Ich freue mich auf den Tag, an dem ich deine Tochter kennenlernen werde“
, sagte er schließlich. Er trat an das Feuer, stieß die Glut erneut an, und die Funken tanzten kurz in der kühlen Luft, als wollten sie ein Versprechen in den Raum tragen. Es war mehr als eine Vorfreude – es war ein Schwur, still und unverrückbar, dass auch er über das Kind wachen, es beschützen und seinen Teil der Verantwortung tragen würde, komme was wolle.

ENDE
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