15-02-2026, 10:15 - Wörter:
Ihr Blick brachte seine Kontrolle ins Wanken. Es war nichts Offensichtliches darin, kein Lächeln, keine Geste, die sich festhalten ließ und doch traf er ihn mit einer Präzision, auf die er nicht vorbereitet war. Den ganzen Tag über hatte er an sie denken müssen. An ihre Stimme, an die Art, wie sie ihn ansah. Diese Gedanken waren gekommen wie ein stetiger Tropfen auf Stein, leise, aber unerbittlich und sie hatten ihn reizbar gemacht. Seiner Schwester gegenüber war er schroffer gewesen als nötig. Freunden hatte er knapper geantwortet, als sie es verdienten. Selbst die Winterländer, denen er heute begegnet war, hatten seine Ungeduld zu spüren bekommen. Er hatte es bemerkt und doch nichts dagegen tun können. Er wusste, dass es falsch war, derart starke Gefühle für die Freundin seiner Schwester zu empfinden. Es war unklug und unangebracht.
Und dennoch.
In der vergangenen Nacht war etwas in ihm geschehen, das sich nicht mehr zurücknehmen ließ. Sanna hatte mit wenigen Worten, mit ihren Berührungen die Mauer seiner Selbstbeherrschung erschüttert, eine Mauer, die er über Jahre Stein für Stein um sich errichtet hatte. Nun lag sie nicht völlig in Trümmern, aber sie war rissig. Durch diese Risse drang etwas, das er nicht länger ignorieren konnte.
Er war dankbar für den Themenwechsel, als Sanna auf Einar zu sprechen kam, der offenbar mehr vor Helvis wachsamer Aufmerksamkeit als vor irgendeiner wirklichen Gefahr floh. Veith musste sich eingestehen, dass er seinen Schwager in gewisser Hinsicht verstand. Ein leises Schmunzeln legte sich auf seine Lippen - selten genug, dass es auffiel. Sanna hatte mit ihrer Bemerkung ins Schwarze getroffen. „So ergeht es leider einigen verheirateten Winterländern“, sagte er ruhig. „Du darfst diesen Männern keine Vorwürfe machen. Die Frauen hier im Norden sind nicht gerade dafür bekannt, sich mit halben Antworten zufriedenzugeben“, fuhr er fort. „Sie sind aufmerksam und sie vergessen nichts.“
Die unverfängliche Unterbrechung währte nicht lange. Kaum war das Lächeln verklungen, veränderte sich etwas zwischen ihnen. Es war kein sichtbarer Bruch, kein ausgesprochenes Wort, sondern eher ein kaum greifbares Kippen der Luft. Dieses vertraute, unausgesprochene Ziehen kehrte zurück, spannte sich lautlos zwischen ihnen wie ein Faden, der weder riss noch sich lösen ließ. Der Krieger war fast schon dankbar für die kleine, lebendige Barriere zwischen ihnen - für Valda, die mit ernster Miene das Pony musterte und mit kindlicher Entschlossenheit dessen Mähne ordnete. Das Tier schnaubte leise, scharrte mit dem Huf, als wolle es ebenfalls seinen Teil dazu beitragen, die Spannung zu erden. Veith ließ den Blick einen Moment auf dem Kind ruhen, dann auf dem Pony. Es war leichter, sich auf das Offensichtliche zu konzentrieren. Schwieriger war es, diesem anderen Gefühl keinen Raum zu geben. Jenem leisen Brennen unter der Oberfläche, das nur darauf wartete, sich auszudehnen, wenn man es ließ.
Im Hinterhof von Helvis Haus angekommen, hob Sanna Valda aus dem Sattel und stellte sie behutsam auf den Boden. Mit ein paar Worten schickte sie das Mädchen voraus in die Küche, wo bereits Licht und ein warmes Feuer auf sie warteten. Kaum war sie außer Hörweite, wandte sich Sanna ihm zu und sprach aus, was den ganzen Tag unausgesprochen zwischen ihnen gestanden hatte. Die Jägerin war mutiger als er. Fand Worte für das, was er nur mit sich herumgetragen hatte wie eine Glut unter der Haut. Sie bereute die vergangene Nacht nicht. Genauso wenig wie er. Doch Veith sah sie nur an und sagte nichts. Allerdings lag in seinem Schweigen keine Leere, sondern ein Ringen. Ihre Worte trafen ihn tiefer, als sie ahnen konnte. Das leise Brennen in seiner Brust flackerte auf und gewann an Schärfe. Aus dem Inneren des Hauses drang Helvis Stimme. Sie wies Sanna darauf hin, dass Veith gewiss keine Hilfe beim Abladen der Ware benötigte. Der Moment drohte zu zerbrechen. Sanna wollte sich bereits zum Gehen wenden, doch Veith reagierte schneller. Seine Hand schloss sich um ihr Handgelenk, nicht grob oder fordernd, nur bestimmt genug, um sie aufzuhalten. Er zog sie einen Schritt zurück in den Schatten der Mauer, wo das Licht aus der Küche sie nicht ganz erreichte. „Ich bereue es ebenso wenig“, sagte er leise. Seine Stimme war tiefer als zuvor, rauer am Rand. Mit der freien Hand hob er die Finger und strich ihr über die Wange. Die Berührung war zart, beinahe vorsichtig, und doch lag darin mehr, als er zeigen durfte. Seine Finger verweilten kaum länger als einen Atemzug, dann ließ er sie los. Er wusste, dass hier und jetzt nicht der Ort war, weiterzugehen. Nicht mit Helvi nur wenige Schritte entfernt. Nicht nachdem sie in der vergangenen Nacht mehr gesehen hatte, als ihr vermutlich entgangen sein sollte. Sein Blick blieb noch einen Herzschlag auf Sanna ruhen, dann trat er zurück in den Schein des Lichts, das aus der offenen Tür auf den Schnee fiel und ließ Sanna ins Haus gehen. Veith wandte sich dem Wagen zu und begann, die Felle abzuladen, dankbar für die einfache Arbeit, die seine Gedanken für einen Moment in ruhigere Bahnen lenkte.
Und dennoch.
In der vergangenen Nacht war etwas in ihm geschehen, das sich nicht mehr zurücknehmen ließ. Sanna hatte mit wenigen Worten, mit ihren Berührungen die Mauer seiner Selbstbeherrschung erschüttert, eine Mauer, die er über Jahre Stein für Stein um sich errichtet hatte. Nun lag sie nicht völlig in Trümmern, aber sie war rissig. Durch diese Risse drang etwas, das er nicht länger ignorieren konnte.
Er war dankbar für den Themenwechsel, als Sanna auf Einar zu sprechen kam, der offenbar mehr vor Helvis wachsamer Aufmerksamkeit als vor irgendeiner wirklichen Gefahr floh. Veith musste sich eingestehen, dass er seinen Schwager in gewisser Hinsicht verstand. Ein leises Schmunzeln legte sich auf seine Lippen - selten genug, dass es auffiel. Sanna hatte mit ihrer Bemerkung ins Schwarze getroffen. „So ergeht es leider einigen verheirateten Winterländern“, sagte er ruhig. „Du darfst diesen Männern keine Vorwürfe machen. Die Frauen hier im Norden sind nicht gerade dafür bekannt, sich mit halben Antworten zufriedenzugeben“, fuhr er fort. „Sie sind aufmerksam und sie vergessen nichts.“
Die unverfängliche Unterbrechung währte nicht lange. Kaum war das Lächeln verklungen, veränderte sich etwas zwischen ihnen. Es war kein sichtbarer Bruch, kein ausgesprochenes Wort, sondern eher ein kaum greifbares Kippen der Luft. Dieses vertraute, unausgesprochene Ziehen kehrte zurück, spannte sich lautlos zwischen ihnen wie ein Faden, der weder riss noch sich lösen ließ. Der Krieger war fast schon dankbar für die kleine, lebendige Barriere zwischen ihnen - für Valda, die mit ernster Miene das Pony musterte und mit kindlicher Entschlossenheit dessen Mähne ordnete. Das Tier schnaubte leise, scharrte mit dem Huf, als wolle es ebenfalls seinen Teil dazu beitragen, die Spannung zu erden. Veith ließ den Blick einen Moment auf dem Kind ruhen, dann auf dem Pony. Es war leichter, sich auf das Offensichtliche zu konzentrieren. Schwieriger war es, diesem anderen Gefühl keinen Raum zu geben. Jenem leisen Brennen unter der Oberfläche, das nur darauf wartete, sich auszudehnen, wenn man es ließ.
Im Hinterhof von Helvis Haus angekommen, hob Sanna Valda aus dem Sattel und stellte sie behutsam auf den Boden. Mit ein paar Worten schickte sie das Mädchen voraus in die Küche, wo bereits Licht und ein warmes Feuer auf sie warteten. Kaum war sie außer Hörweite, wandte sich Sanna ihm zu und sprach aus, was den ganzen Tag unausgesprochen zwischen ihnen gestanden hatte. Die Jägerin war mutiger als er. Fand Worte für das, was er nur mit sich herumgetragen hatte wie eine Glut unter der Haut. Sie bereute die vergangene Nacht nicht. Genauso wenig wie er. Doch Veith sah sie nur an und sagte nichts. Allerdings lag in seinem Schweigen keine Leere, sondern ein Ringen. Ihre Worte trafen ihn tiefer, als sie ahnen konnte. Das leise Brennen in seiner Brust flackerte auf und gewann an Schärfe. Aus dem Inneren des Hauses drang Helvis Stimme. Sie wies Sanna darauf hin, dass Veith gewiss keine Hilfe beim Abladen der Ware benötigte. Der Moment drohte zu zerbrechen. Sanna wollte sich bereits zum Gehen wenden, doch Veith reagierte schneller. Seine Hand schloss sich um ihr Handgelenk, nicht grob oder fordernd, nur bestimmt genug, um sie aufzuhalten. Er zog sie einen Schritt zurück in den Schatten der Mauer, wo das Licht aus der Küche sie nicht ganz erreichte. „Ich bereue es ebenso wenig“, sagte er leise. Seine Stimme war tiefer als zuvor, rauer am Rand. Mit der freien Hand hob er die Finger und strich ihr über die Wange. Die Berührung war zart, beinahe vorsichtig, und doch lag darin mehr, als er zeigen durfte. Seine Finger verweilten kaum länger als einen Atemzug, dann ließ er sie los. Er wusste, dass hier und jetzt nicht der Ort war, weiterzugehen. Nicht mit Helvi nur wenige Schritte entfernt. Nicht nachdem sie in der vergangenen Nacht mehr gesehen hatte, als ihr vermutlich entgangen sein sollte. Sein Blick blieb noch einen Herzschlag auf Sanna ruhen, dann trat er zurück in den Schein des Lichts, das aus der offenen Tür auf den Schnee fiel und ließ Sanna ins Haus gehen. Veith wandte sich dem Wagen zu und begann, die Felle abzuladen, dankbar für die einfache Arbeit, die seine Gedanken für einen Moment in ruhigere Bahnen lenkte.
