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Planta quae saepius transfertus non coalescit
17.08.1016 - 08:00
Das Schloss des Fürsten von Bardon Pass
Elithea Trakas Belisarius Caderitor

Unregistered
Elithea Trakas
Alter
Beruf
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Stand
User
#7
Standfestigkeit wurde im Leben der jungen Prinzessin bisher noch nicht oft abverlangt. Es hatte seine Vorteile das mittlere Kind zu sein, denn niemand achtete großartig darauf, ob man anwesend war oder sich der Aufmerksamkeit großer Zusammenkünfte entzog, bevor das Getose der Menschenmassen einen überrannten. Trotz aller Erwartungen, die als Fürstentochter in sie gesetzt wurden, war sie weder wichtig genug als Ehekandidatin gehandelt zu werden, noch war sie Teil der Nachfolge, die ihrem Bruder einst zufallen würde. Sie hing dazwischen, ewig wartend, ewig hoffend. Es war fast eine Ironie des Schicksals, dass die Moral der Familie nun auf ihrer Schulter ruhte, die doch nicht dafür gemacht waren Verantwortung zu tragen. Das schicksalsschwere Gewicht drückte das Mädchen immer mehr in die Knie, presste mit unerbittlicher Kraft auf die zarte Gestalt herab und zwang sie fest in den Boden. Der Atem ging ihr schwer, kämpfte an gegen den überhastigen Herzschlag in ihrer Brust. Wie gern hätte sie sich einfach zurück gezogen, allen anderen, Wichtigeren ihrer Familie den Vortritt überlassen, vor allem um dieser dröhnenden Stille zu entgehen, die sich nun ausbreitete, nachdem die meisten Beistehenden die Halle nach dem grausamen Mummentanz verlassen hatte. Ob einer von ihnen klug genug gewesen wäre die Familie Trakas zusammen zu rufen und Elithea aus ihrem Elend zu befreien? Das Echo hunderter Schritte vibrierte durch die steinernen Gänge wie in einem eifrigen Ameisenhaufen.

Unruhe ergriff sie, die er Unsicherheit nur noch mehr Feuer gab, sodass sie aufloderte wie ein glimmender Schwelbrand. Seine Augen waren fesselnd, lagen auf ihr voller Intensität, die sie nicht gewohnt war. Er sah nicht durch sie hindurch, er sah nicht an ihr vorbei, er sah nicht über sie drüber. Er sah sie genau an, in sie hinein. Er sah sie. Als würde sie nackt vor ihm stehen, aller Geheimnisse freigelegt, wie ein offenes Buch. Sein Blick sprach eine ganz eigene Sprache, so wortreich wie eine dieser ledergebundenen Enzyklopädien in der Bibliothek von Bardon Pass, die Elithea kaum allein aus dem Regal wuchten konnte. Jeder Versuch diesem Redeschwall seiner Blicke zu folgen wäre verlorene Liebesmüh, so schnell änderte sich deren Glanz und Schimmer, von denen Elithea nicht einmal die Hälfte wirklich deuten konnte. Wiederum nur ein all zu offensichtlicher Hohn auf ihre Unwissenheit, das Ergebnis einer viel zu behüteten Erziehung, die nur darauf zugeschnitten war ansehnlich zu sein, liebenswürdig und sanft, doch bloß nicht zu aufmerksam oder gar wach in eigenen Gedanken und Überlegungen. Sie konnte ihm nicht standhalten, dem war sie nicht gewachsen. Jeder weitere Moment, den sie der Maskerade der Erhabenheit opferte, nagte an ihrer eigenen Kraft, von der ohnehin kaum noch etwas übrig war. Wie gut tat da die ungefragte, nicht unliebsame, aber unerwartete Berührung dessen, der sich bisher nur als ihr überlegenes Monster präsentierte. Der sachte Hauch von Zuneigung und Trost reichte aus um über ihr ein bodenloses Fass an Erinnerungen an ihren Vater auszugießen, sie in den Bildern väterlicher Umarmungen zu ertränken, sie in seinem lautlosen Lachen untergehen zu lassen. Schmerzgeplagt sackten ihre Schultern zusammen, als sämtliche Resilienz aus ihren Gliedern wich und die Knie wie Butter, die zu lange in der Sonne gestanden hatte, einknickten. Seine Worte, so ehrlich wie grausam, hämmerten sie noch weiter in Grund und Boden. Dass sie nach seinem Handschuh griff, war mehr eine Ablenkung als Ursache ihres Kniefalls. Nein, bei Gott, es stand ihr nicht frei, nichts stand ihr frei in diesem Leben, das sie ihr Eigen nennen musste und über das sie doch nicht Herrin war. Sie verharrte, bis die Wahrheit in seinen Worten sich in Erkenntnis wandelte. Dann würde sie spielen. Musste spielen. Dass er sie mit Vornamen ansprach, weckte in ihr eine unbekannte Seite, die sie mit dem Fremden auf eine Stufe zu stellen schien. Waren sie sich ähnlich?

Sie musste sich erheben, jetzt, um kein Aufsehen zu erregen. Und auch wenn sie noch schwankte, so schaffte sie es doch wieder eine aufrechte Haltung vor ihm einzunehmen. “Ihr habt euren Handschuh fallen gelassen, Belisarius“ legte sie das Kleidungsstück in seine Hand, beließ die ihre für den Hauch eines wunderbaren Augenblicks in der Seinen. Zarte Finger auf rauer Haut. Eine Hand, die nie für harte Arbeit gedacht war, und eine, die sich nicht davor scheute die Welt aus den Angeln heben zu wollen. Elithea kam ein wenig näher auf ihn zu, sodass die Worte zwischen ihnen bleiben würden. “Welch eine Schande, dass nicht alle Spieler gleichermaßen mit den Regeln vertraut sind.“ Wo sie von Rosenduft und Lavendel umgeben war, umhüllte ihn der Geruch der ganzen Welt, staubig, erdig und doch voller Weite und Fernweh, das Elithea mit sich fortziehen wollte. Sie war ihm dankbar, dass er ihre Einladung nicht einfach ausschlug und damit ihrer Begegnung die Schärfe nahm. Gemeinsam waren die wenigen Schritte hin zum Tischchen bald getan. Elithea wollte am Liebsten den ganzen Becherinhalt auf einmal ihre wüstentrockene Kehle hinabstürzen. Der Alkohol würde sie beruhigen, sie erfüllen mit einem samtig weichen Schummern, als wäre sie in Watte gepackt. Und dann würde das Kopfweh kommen und mit ihm das flaue Gefühl im Magen. Besser nicht, wo sie doch bald aufbrechen sollten. Und solang er in ihrer Nähe war, brauchte sie einen wachen Geist und klaren Verstand. Denn seine Nähe verlangte ihr vollkommene Aufmerksamkeit ab um nicht Gefahr zu laufen durch seine wohlgewählten Worte auf einen gar schlüpfrigen Pfad geleitet zu werden, an dessen Ende wohl nicht unbedingt das größte Glück liegen würde.

Welch Schönheit doch in seinen Augen war, solch abgrundtiefe Schwärze voller Wissen und Klarheit gepaart mit einer höllischen Verschlagenheit, die ihr Angst machte und sie gleichermaßen faszinierend an ihn band. Sie stellten den Becher unangetastet auf das Tischchen zurück getrieben von dem Bedürfnis neuerlich an ihren Fingernägeln zu puhlen. Die kleinen Schmerzimpulse lenkten sie ab, gaben der Kümmernis in ihrer Seele einen Ort, den sie begreifen und bekämpfen konnte. Allmählich beruhigte sie ihr aufgebrachter Puls und auch das Dröhnen in ihrem Kopf nahm langsam ab. Waren seine Worte auch als Antworten gedacht, so warfen sie doch nur weitere Fragen auf, die aus der unterschiedlichen Sichtweise der Gesprächspartner erwuchsen. Während Belisarius Gleiches mit Gleichem vergelten wollte und in der Verbreitung von Furcht den Weg zu den gewünschten Ergebnissen sah, wählte Elithea lieber den Pfad von Sorgfalt, Mitgefühl und Besonnenheit. “Und wie lang wird diese gewisse Zeit wohl anhalten? Einen Tag, eine Woche? Lang genug um wirklich einen Unterschied zu machen?“ Wäre Abschreckung wirklich ein sinnvolles Mittel Missetäter von ihrem Vorhaben abzubringen, wäre die Kriminalität wohl nicht mehr ein so pressierliches Übel der Gesellschaft. Hinrichtungen, Bestrafungen, Kerkerhaft hatten scheinbar kaum noch jemanden an Schandtaten gehindert. “Versteht mich nicht falsch, Strafen sind unerlässliche Konsequenzen für das Brechen von Gesetzen, die unsere Gemeinschaft zusammenhalten. Allerdings gilt es doch auch zu ergründen, ob sie denn angemessen sind für die begangenen Verbrechen.“ Hastig nahm sie nun doch den Becher und tat einen Schluck vom Wein, schalt sich selbst ob der törichten Aussagen. Was verstand sie denn schon von Gesetzesbrechern? Dennoch wollte sie den meisten Mitmenschen zugutehalten, dass sie nicht per se geboren wurden um Schlimmes zu tun, dass die meisten dazu getrieben wurden durch äußere Umstände, die man doch ändern könnte, oder? War es denn so schrecklich, wenn sie an das göttlich Gute in den Menschen glaubte, dass nur durch teuflischen Einfluß korrumpiert wurde?

Der Wein schmeckte resch und bitter. So gehörte es sich wohl, aber er war gar nicht für Elitheas Zunge gemacht. Unschlüssig behielt sie den Becher in ihren Händen, drehte ihn mal hin mal her, während sie ihm lauschte und seine Worte in sich wirken ließ. “Glaubt ihr wirklich, dass sich hier in Bardon Pass sich noch weitere Attentäter verstecken? Wie wollt ihr sie daran hindern uns zu folgen?“ Sie würden den Ort hier doch noch heute verlassen. Die Reaktion auf seine Aktion würden sie doch nicht mehr miterleben, oder? Der Hinweis auf den ermordeten Vater hatte den wohl gewünschten Effekt, denn Elitheas Blicke füllten sich mit einer Mischung aus Trauer und Trotz. Ob Rache wirklich der richtige Weg war, lag nicht in ihrer Entscheidung, aber davonkommen konnte man den frühlingsländischen König damit nicht lassen. Auch er musste mit den Konsequenzen seiner Handlungen leben lernen. Belisarius wusste ganz genau, welchen Tonfall er wählen musste, mit welcher Wortwahl er genau erreichte, was ihm im Sinn stand. Jede seiner Wortwogen brach sich an den Gestaden ihrer gegensätzlichen Ansichten, unterspülten das Ufer bis es in sich zusammen brach und von seinen Sturmwellen überschwemmt wurde. Sie hätte wohl anders gehandelt, sie hätte es anders angegangen, sie hätte gern nachgefragt, sie hätte es gern ergründet, sie hätte… doch sie verstand. Sie musste verstehen. “Verzeiht mir, es steht mir nicht zu die Anordnungen des Großkönigs oder eure Taten zu hinterfragen. Seht es mir nach, ich bitte euch, dass ich eure Erfahrung bezweifelt habe.“ versuchte sie die Wogen wieder zu glätten. “Doch lasst mich einen Vergleich mit der Medizin treffen, erlaubt mir den Gedanken. Denn, ist es nicht nur eine Symptombehandlung die Verräter aus dem Weg zu räumen, ohne die Ursachen zu kennen, warum sich dieser Bazillus einnisten und ausbreiten konte? Wenn man dem Tyrannenkönig die Möglichkeit nimmt, neue Meuchelmörder zu rekrutieren, weil es diese Ursachen eben nicht mehr gibt, wäre die Krankheit dann nicht schneller ausgelöscht?“ warum klang das alles nur immer komplizierter, als es in ihren Augen war? Blendete sie die jugendliche Naivität und das großherzige Wohlwollen ihrer Mitmenschen gegenüber? Dass ein solch blutrünstiger Akt in ihrem Namen vollzogen werden musste, noch dazu ohne, dass sie, oder besser ihre Familie, irgendein Mitspracherecht oder gar nur eine Aufklärung zugestanden bekamen, erfasste ihr Gemüt mit einer tieftristen Trübnis. Aus welchem Grund denn war ihr Leben mehr wert als das der Dienerin?

“Condottiere, ich möchte euch nicht weiter ermüden. Auf euch lastet eine ungeheure Verantwortung. Sagt mir, wie ich euch dienlich sein kann, damit wir alsbald aufbrechen können.“ klang die Frage unschuldig und doch lag in ihr ein weitaus tiefgreifenderes Angebot. Denn dienlich wollte sie ihm sein damit, dass sie verstehen lernen wollte das Spiel zu spielen, auf dessem Brett sie beide als Figuren von weitaus höheren Mächten hin und her geschoben wurden. Wenn sie die Regeln kannte, nach denen die Züge gesetzt wurden, wenn sie selbst die Figuren bewegen lernte, so nahm sie ihm zumindest ein wenig etwas von der Verpflichtung sie beschützen zu müssen. Die Vorahnung dessen, was er ihr beibringen könnte, ließ in Elithea neue Lebenskraft aufkeimen, die zu einer Hoffnung heranwachsen sollte, über das doch so fremdbestimmte Leben einen gewissen Einfluss ausüben zu können. Es dämmerte ihr, dass hier vor ihr wohl der beste Lehrmeister stand, der ihr die Augen vor der Welt öffnen könnte, in die sie nun so brutal geworfen wurde.
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Planta quae saepius transfertus non coalescit - von Elithea Trakas - 27-03-2024, 17:22
RE: Planta quae saepius transfertus non coalescit - von Belisarius Caderitor - 28-03-2024, 22:39
RE: Planta quae saepius transfertus non coalescit - von Elithea Trakas - 01-04-2024, 18:34
RE: Planta quae saepius transfertus non coalescit - von Belisarius Caderitor - 09-04-2024, 21:00
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RE: Planta quae saepius transfertus non coalescit - von Elithea Trakas - 30-04-2024, 23:09
RE: Planta quae saepius transfertus non coalescit - von Belisarius Caderitor - 02-05-2024, 20:47

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