24-04-2024, 21:34 - Wörter:
So gut es sich auch anfühlte, dass sich Alys auf sie zu bewegte, sich gar fast mütterlich gab, so wusste Glynis doch, dass dies nur von geringer Dauer sein würde. Sie war eben keine gute Mutter, nie gewesen und auch ihre Versuche machten die Dinge meistens schlimmer, als sie wirklich retten konnten. Glynis spürte jenen Zweifel deutlicher, als Alys sprach und Worte wählte, die so bewusst gewählt waren, so gezielt, dass sie ihre Wahrheit in ihren Schatten nicht verbergen konnten. Alys hatte Hintergedanken, das war ihr jetzt offensichtlich. Glynis fühlte, wie der Zweifel, eine Enttäuschung wurde, so dass erneut ihre Augen mit glasigem Kummer gefüllt wurden. Alys vergaß zu oft, dass die Tochter sehr wohl verstand und den Menschen Alys sehr gut kannte. Nicht als fürsorgliche Mutter aber eben als die Hohepriesterin, die ihren fanatischen Glauben über die sozialen Bedürfnisse aller stellte. Glynis kannte Alys über die ganzen Jahre, hatten sich auch von ihr drängen und anleiten lassen, um jetzt auch eine Priesterin zu sein. Doch Glynis hegte inzwischen auch an dieser Tatsache Zweifel, ob sie Priesterin sein wollte. Es war nicht der Glauben, der ihren Zweifel nährte, sondern Alys selbst. Ihr Leben war so fanatisch gebunden, so unfrei und doch immer getrieben, so dass Glynis sehr wohl sah, dass es ihren eigentlichen Wünschen widersprach. Die junge Frau träumte von Welten, von Abenteuern und von etwas, was nicht vorgegeben war. Überraschungen, die nicht planbar waren, die nicht bewahrt und gelenkt wurden. Alys war das alles nicht. Dieser ganze Ort war das nicht. Glynis betete oft zur großen Mutter, ihr einen Weg zu zeigen, mehr zu sein als nur eine Priesterin, etwas anderes, was ihre Träume möglich machte aber sie erhielt nie eine Antwort. Die Priesterin erhielt nie eine Antwort. Nur diese endlose Stille, die sie stets deuten musste. Rituale mochten in ihrer Wiederholung Sicherheit vermitteln, Relikte mochten Tradition greifbar machen aber letztlich blieb immer nur die Deutung und Auslese der gegebenen Darstellungen. Doch Glynis hatte nie Darstellungen, Wunder oder auch nur irgendeine göttliche Eingebung erhalten. Ihr blieb nur Stille, so dass sie den fanatischen Eifer der eigenen Mutter und gleichsam Hohepriesterin nicht nachvollziehen konnte. Glynis glaubte nahbarer, bodenständiger und versuchte Anleitung darin zu sehen, nicht Führung. Deswegen trafen die Worte von Alys auf Widerstand, der spürbar wurde, weil sich Glynis von Alys zwei Schritte zurückzog, so denn auch die gefundene Wärme und besorgliche Umgebung der Mutter aufgeben musste. Ihr guten Handlungen, wie das Abtupfen der Tränen, die Küsse auf die Wangen und auch jenes Halbvertrauen, verloren sich nun, da Glynis Ahnung, dass Alys wieder einmal ein doppeltes Spiel spielte, ihren deutlichen Tribut forderte.
Mit einer dezenten Bewegung nahm sie Hand von Alys von ihrer Schulter, hielt diese kurz fest und ließ sie dann ins Nichts fallen. Glynis war traurig, dass sah man auch;- aber auch ihren festen Trotz in den von Tränen geschönten Augen. Alys konnte ihre Spiele mit anderen spielen aber nicht mit Glynis, die sich verteidigen wollte. Es ging hier nicht mehr nur um Gareth, den sie binden und gefangen nehmen wollte, sondern auch darum, dass Alys es sich so einfach machte und glaubte mit dieser Formulierung zu gewinnen. Sie versicherte nicht, dass sie gemeinsam aufbrachen und sie versicherte nichts, was Glynis wirklich wollte. Sie ging wieder einmal nur von ihrer Sichtweise aus und die Worte zeigten Glynis dies so deutlich, dass sie grimmig auf ihre Unterlippe biss, um nichts Böses zu sagen. Was verstand Alys denn nicht? Sie hätte doch nur anbieten müssen, zusammen zu reisen, wirklich gemeinsam zu agieren und nun gab es wieder halbverlogene Weisungen. Glynis hatte genug, so dass sie nervös mit ihren Haaren spielte, immer wieder hektisch ihre Strähnen zog, um einen klaren Gedanken zu finden, der die Enttäuschung erträglich machen würde. Das Knistern des Feuers untermalte ihre traurig-wütenden Augen, fast hätte sie mit dem Fuß aufgestampft, um diese Verlogenheit zu zerbrechen, die sie bei Alys glaubte. Sie wollte sie nicht verachten, nicht hassen und gab sich Mühe, sie zu verstehen aber auch dieses Verständnis ließ nur diese kalte Enttäuschung zurück. Glynis brummte, wischte sich selbst mit dem Handrücken die Tränen aus den Augenwinkeln, seufzte dann und räusperte sich aufgesetzt. Mit einem auslegenden Hüftschwung bewegte sie sich wieder zur Tür.
"Wir liegen nicht im Streit," log sie und man merkte deutlich, dass sie log, da ihre Stimme sich dabei seltsam überschlug. Glynis wollte streiten, wirklich streiten und gewinnen. Sie ließ sich nicht so einfach vorführen und noch dazu(!) mischte sich Alys in ihre Erscheinung ein. Glynis liebte ihre Nagelfarben so sehr, dass sie diese nicht aufgeben würde. Wirr sprangen die Gedanken hin und her, konnten sich nicht entscheiden, welcher Vorwurf gegen Alys größer war. So wurde es am Ende kein Vorwurf, sondern schlicht ein Ausruf: "Wichtige Aufgaben!" Es war fremd, unpassend und auch kein Satz, der irgendwie passen wollte. Glynis war irgendwie verloren, konnte ihre Wut beherrschen aber nicht ihr Sprachzentrum. So schwang auch etwas Hohn in ihrem Ausruf mit. Die junge Priesterin packte den Griff der Tür, wandte sich dabei halb zurück. "Ich habe jetzt auch noch wichtige Aufgaben, Mutter," sagte sie mit einem selbstgerechten Ausdruck im Gesicht, indem sie fast einen Entenschnabel mit ihren Lippen formte. Glynis riss die Tür auf, um sehr theatralisch abzutreten aber durch ihre Unachtsamkeit schlug sie die Türkante genau gegen ihr Knie, so dass sie einen starken Schmerz verspürte. "Bei allen Flüchen... Verdammte Schweinemistsoße...," schimpfte sie, wie ein Rohrspatz und torkelte ihr Knie haltend zurück in den Raum. Dabei drohte sie auch über den Saum ihres doch hübschen Kleides zu stolpern, dass bedrohlich um ihre Füße sowie dem Absatz ihrer rechten Sandale wehte, der sich schon anschickte, sich an einem groben Faden zu verfangen.
Mit einer dezenten Bewegung nahm sie Hand von Alys von ihrer Schulter, hielt diese kurz fest und ließ sie dann ins Nichts fallen. Glynis war traurig, dass sah man auch;- aber auch ihren festen Trotz in den von Tränen geschönten Augen. Alys konnte ihre Spiele mit anderen spielen aber nicht mit Glynis, die sich verteidigen wollte. Es ging hier nicht mehr nur um Gareth, den sie binden und gefangen nehmen wollte, sondern auch darum, dass Alys es sich so einfach machte und glaubte mit dieser Formulierung zu gewinnen. Sie versicherte nicht, dass sie gemeinsam aufbrachen und sie versicherte nichts, was Glynis wirklich wollte. Sie ging wieder einmal nur von ihrer Sichtweise aus und die Worte zeigten Glynis dies so deutlich, dass sie grimmig auf ihre Unterlippe biss, um nichts Böses zu sagen. Was verstand Alys denn nicht? Sie hätte doch nur anbieten müssen, zusammen zu reisen, wirklich gemeinsam zu agieren und nun gab es wieder halbverlogene Weisungen. Glynis hatte genug, so dass sie nervös mit ihren Haaren spielte, immer wieder hektisch ihre Strähnen zog, um einen klaren Gedanken zu finden, der die Enttäuschung erträglich machen würde. Das Knistern des Feuers untermalte ihre traurig-wütenden Augen, fast hätte sie mit dem Fuß aufgestampft, um diese Verlogenheit zu zerbrechen, die sie bei Alys glaubte. Sie wollte sie nicht verachten, nicht hassen und gab sich Mühe, sie zu verstehen aber auch dieses Verständnis ließ nur diese kalte Enttäuschung zurück. Glynis brummte, wischte sich selbst mit dem Handrücken die Tränen aus den Augenwinkeln, seufzte dann und räusperte sich aufgesetzt. Mit einem auslegenden Hüftschwung bewegte sie sich wieder zur Tür.
"Wir liegen nicht im Streit," log sie und man merkte deutlich, dass sie log, da ihre Stimme sich dabei seltsam überschlug. Glynis wollte streiten, wirklich streiten und gewinnen. Sie ließ sich nicht so einfach vorführen und noch dazu(!) mischte sich Alys in ihre Erscheinung ein. Glynis liebte ihre Nagelfarben so sehr, dass sie diese nicht aufgeben würde. Wirr sprangen die Gedanken hin und her, konnten sich nicht entscheiden, welcher Vorwurf gegen Alys größer war. So wurde es am Ende kein Vorwurf, sondern schlicht ein Ausruf: "Wichtige Aufgaben!" Es war fremd, unpassend und auch kein Satz, der irgendwie passen wollte. Glynis war irgendwie verloren, konnte ihre Wut beherrschen aber nicht ihr Sprachzentrum. So schwang auch etwas Hohn in ihrem Ausruf mit. Die junge Priesterin packte den Griff der Tür, wandte sich dabei halb zurück. "Ich habe jetzt auch noch wichtige Aufgaben, Mutter," sagte sie mit einem selbstgerechten Ausdruck im Gesicht, indem sie fast einen Entenschnabel mit ihren Lippen formte. Glynis riss die Tür auf, um sehr theatralisch abzutreten aber durch ihre Unachtsamkeit schlug sie die Türkante genau gegen ihr Knie, so dass sie einen starken Schmerz verspürte. "Bei allen Flüchen... Verdammte Schweinemistsoße...," schimpfte sie, wie ein Rohrspatz und torkelte ihr Knie haltend zurück in den Raum. Dabei drohte sie auch über den Saum ihres doch hübschen Kleides zu stolpern, dass bedrohlich um ihre Füße sowie dem Absatz ihrer rechten Sandale wehte, der sich schon anschickte, sich an einem groben Faden zu verfangen.
