25-04-2024, 08:24 - Wörter:
Für einen kurzen Moment war Amira sogar eingedöst, als sie sich hingelegt und gewartet hatte, bis er zurückgekommen war. Beinahe schon vergessen all die Worte, die an diesem Abend zwischen ihnen gesagt worden waren, Bruchstücke von Erinnerungen und einzelne Fetzen an Phrasen, die ihr unkoordiniert in den Gedanken hingen. Der Körper war so schwer geworden, dass sie sich gar nicht mehr bewegen wollte, und der Kampf gegen den Schlaf war schwer zu gewinnen. Mehr unbewusst registrierte ihr Geist seine Anwesenheit, doch wahrhaftig erst, als die Hand auf ihrer Schulter lag. Die junge Frau blinzelte und wusste für einen kurzen Moment schon wieder nicht, worum es eigentlich gegangen war, doch es dämmerte ihr langsam. Gerade noch, als sie sich auf ihren Unterarm stützte um Salbe und Wolle entgegen zu nehmen, wandte sich Ilyas bereits wieder ab und schloss seine Augen. Genauso gut hätte er das Grabesdenkmal eines gefallenen Helden sein können, wie er absolut ungerührt da lag und verdeutlichte, Amira war ihm eine Fremde. Und sie waren fremd füreinander.
Die zahlreichen Beispiele der Fürsorge des Tages konnten nicht aufwiegen, wie klar sein Desinteresse an ihr immer wieder hervor trat. Nicht nur auf einer körperlichen Ebene, gar auf einer menschlichen hätten sie wohl die Stunden seit ihrer Hochzeit ohne Worte verbringen können, wenn sie nicht immer wieder versucht hätte, mehr von ihm zu erfahren und Fragen gestellt hätte. Er dachte für sie mit, er hatte sie in seine Planung eingebunden um ihr alles, was sie auf der Reise benötigte, zur Verfügung zu stellen – doch genau so gut hätte sie ein Auftrag für ihn sein können. Das waren keine liebevollen Aufmerksamkeiten, das waren Pflichterfüllungen. Ein Beruf, der Beruf eines Ehemanns. So wie es ihre Aufgabe gewesen wäre die Beine breit zu machen, wenn er es nun verlangt hätte. Doch er tat es nicht. Vielleicht wünschte er sich an ihrer Stelle einen Knaben herbei oder eine wahrhaftig Fremde, aber definitiv niemals sie. Es war nicht einmal nötig es mit Worten zu sagen, er ließ sie spüren, dass sie in dieser Position als seine Frau nicht erwünscht war.
Also bedankte sie sich nur leise um ihn nicht in seinem wohlverdienten Schlaf zu stören, der ihn womöglich gar nicht so schnell ereilt hatte, und trug die Salbe auf, wie er ihr geheißen hatte. Das hier war auch für sie ungewohnt, denn Ilyas hatte mit seiner Einschätzung recht. Zumeist waren ihre Intimitäten mit den höher gestellten Männern schnell und effektiv gewesen, die sich wenig um ihre Bedürfnisse bei der Sache gekümmert hatten, und niemals war explizit erwartet worden, die ganze Nacht den Schlafenden zu begleiten. Ihr war es möglich gewesen sich zurück zu ziehen um den Herrn somit die Illusion eines sommerländischen Traums zu geben, der keinerlei Verantwortung von ihnen verlangte. Ihr eigenes Bett war stets leer gewesen und bot ihr die Möglichkeit eigene Gedanken zu pflegen, ohne auf die Präsenz jemand anderes reagieren zu müssen. Das war nun anders, doch das Opium würde sehr gut dabei behilflich sein keine Probleme beim Ein- oder Durchschlafen zu verspüren.
Die Salbe an ihren Händen zog rasch in die weiche Haut ein und verströmte kaum einen Geruch, der in dem kleinen Zelt unangenehm hätte auffallen können. Das brennende Gefühl bei Berührung verschwand sehr rasch und ließ sie schließlich in Erleichterung lange ausatmen, die Wolle benetzte gut die verletzte Partie und hielt sich an Position. Diese simplen Bewegungen, sich selbst zu verarzten, schienen ungemein schwer auszuführen zu sein, da die Wirkung der Pfeife bereits stark ihre Sinne dämpfte und verlangte zur Ruhe zu kommen. Somit legte sich Amira zurück, wie sie sich zuvor positioniert hatte, und rutschte dann doch heimlich ein Stück näher heran. Die Wärme, die er ausstrahlte, war wie ein Magnet. Ein wenig seitlich gedreht, legte sie ihr Gesicht nahe an seine Schulter, und ihre Hand an sein Handgelenk. Sanft streichelte der Daumen einmal, zweimal über seinen Handrücken in einer langsamen Bewegung, ehe sie hinab glitt bis der Ellbogen am Zeltboden angekommen war. Amira selbst hatte gar nicht bemerkt, wie schnell sie eingeschlafen war.
Normalerweise war ihr ein sehr leichter Schlaf zu eigen, der sich über die Jahre der alleinigen Bettruhe ausgeprägt hatte, und somit war es ungewöhnlich, dass sie selbst dann nicht aufwachte, als sich Bewegung neben ihr regte. Nach einer ganzen Weile öffneten sich erst schläfrig die Augen und es benötigte Zeit sich zu orientieren. Ein sachtes Pochen zwischen den Schläfen, die Muskeln beleidigt und schmerzend, und nichts hätte sie lieber getan, als sich auf die andere Seite in eine Fötusposition zu rollen um wieder einzuschlafen, bis ihr Körper damit einverstanden war sich mehr zu bewegen. Waren es aber Geräusche gewesen oder aber die von Sonnenstrahlen lockende Wärme, die von der Zeltwand ausgeströmt wurde, die Amira zum Aufstehen forderten. Erst, als sie sich ein wenig aufrichtete, bemerkte sie das Schwindelgefühl in ihrem Kopf und presste die Hand an die Schläfe, als würde es damit besser werden. Verschwommen und unklar war der letzte Abend, als hätte sie sich dem Wein in einer Form hingegeben, wie es für sie nicht üblich war. Es wunderte sie aber nicht, alleine aufzuwachen.
Amira pflügte die Wolle von ihrem Körper und bemerkte, dass der Berührungsschmerz deutlich nachgelassen hatte, ehe sie sich wieder anzog. Die Dupatta nur über die Schulter geworfen und noch nicht gebunden, kroch sie mit steifen Bewegungen aus dem Zelt und blinzelte dem Licht entgegen, das ihr trotz der frühen Tageszeit zu grell schien. Viel zu grell. Selbst der Versuch zwischen den Fingern hervor zu blinzeln konnte kaum Linderung bringen, stattdessen bestärkte der Reiz an ihren Augen noch die Kopfschmerzen. „Haben wir noch ein wenig Wasser?“ Vielleicht würde sie sich dann besser fühlen. Aber nach wie vor saß sie hier im Sand vor dem Zelt und war überzeugt davon, bei dem Versuch aufzustehen nur sogleich wieder umzufallen. Amira band ihre Dupatta wie am Tag zuvor und zog auch sogleich das Tuch über ihren Kopf und wenn es nur aus dem Grund war, dass der überstehende Stoff einen kleinen Schatten auf ihre Augen werfen konnte, die sich noch immer weigerten sich der Helligkeit vollständig auszuliefern.
Die zahlreichen Beispiele der Fürsorge des Tages konnten nicht aufwiegen, wie klar sein Desinteresse an ihr immer wieder hervor trat. Nicht nur auf einer körperlichen Ebene, gar auf einer menschlichen hätten sie wohl die Stunden seit ihrer Hochzeit ohne Worte verbringen können, wenn sie nicht immer wieder versucht hätte, mehr von ihm zu erfahren und Fragen gestellt hätte. Er dachte für sie mit, er hatte sie in seine Planung eingebunden um ihr alles, was sie auf der Reise benötigte, zur Verfügung zu stellen – doch genau so gut hätte sie ein Auftrag für ihn sein können. Das waren keine liebevollen Aufmerksamkeiten, das waren Pflichterfüllungen. Ein Beruf, der Beruf eines Ehemanns. So wie es ihre Aufgabe gewesen wäre die Beine breit zu machen, wenn er es nun verlangt hätte. Doch er tat es nicht. Vielleicht wünschte er sich an ihrer Stelle einen Knaben herbei oder eine wahrhaftig Fremde, aber definitiv niemals sie. Es war nicht einmal nötig es mit Worten zu sagen, er ließ sie spüren, dass sie in dieser Position als seine Frau nicht erwünscht war.
Also bedankte sie sich nur leise um ihn nicht in seinem wohlverdienten Schlaf zu stören, der ihn womöglich gar nicht so schnell ereilt hatte, und trug die Salbe auf, wie er ihr geheißen hatte. Das hier war auch für sie ungewohnt, denn Ilyas hatte mit seiner Einschätzung recht. Zumeist waren ihre Intimitäten mit den höher gestellten Männern schnell und effektiv gewesen, die sich wenig um ihre Bedürfnisse bei der Sache gekümmert hatten, und niemals war explizit erwartet worden, die ganze Nacht den Schlafenden zu begleiten. Ihr war es möglich gewesen sich zurück zu ziehen um den Herrn somit die Illusion eines sommerländischen Traums zu geben, der keinerlei Verantwortung von ihnen verlangte. Ihr eigenes Bett war stets leer gewesen und bot ihr die Möglichkeit eigene Gedanken zu pflegen, ohne auf die Präsenz jemand anderes reagieren zu müssen. Das war nun anders, doch das Opium würde sehr gut dabei behilflich sein keine Probleme beim Ein- oder Durchschlafen zu verspüren.
Die Salbe an ihren Händen zog rasch in die weiche Haut ein und verströmte kaum einen Geruch, der in dem kleinen Zelt unangenehm hätte auffallen können. Das brennende Gefühl bei Berührung verschwand sehr rasch und ließ sie schließlich in Erleichterung lange ausatmen, die Wolle benetzte gut die verletzte Partie und hielt sich an Position. Diese simplen Bewegungen, sich selbst zu verarzten, schienen ungemein schwer auszuführen zu sein, da die Wirkung der Pfeife bereits stark ihre Sinne dämpfte und verlangte zur Ruhe zu kommen. Somit legte sich Amira zurück, wie sie sich zuvor positioniert hatte, und rutschte dann doch heimlich ein Stück näher heran. Die Wärme, die er ausstrahlte, war wie ein Magnet. Ein wenig seitlich gedreht, legte sie ihr Gesicht nahe an seine Schulter, und ihre Hand an sein Handgelenk. Sanft streichelte der Daumen einmal, zweimal über seinen Handrücken in einer langsamen Bewegung, ehe sie hinab glitt bis der Ellbogen am Zeltboden angekommen war. Amira selbst hatte gar nicht bemerkt, wie schnell sie eingeschlafen war.
Normalerweise war ihr ein sehr leichter Schlaf zu eigen, der sich über die Jahre der alleinigen Bettruhe ausgeprägt hatte, und somit war es ungewöhnlich, dass sie selbst dann nicht aufwachte, als sich Bewegung neben ihr regte. Nach einer ganzen Weile öffneten sich erst schläfrig die Augen und es benötigte Zeit sich zu orientieren. Ein sachtes Pochen zwischen den Schläfen, die Muskeln beleidigt und schmerzend, und nichts hätte sie lieber getan, als sich auf die andere Seite in eine Fötusposition zu rollen um wieder einzuschlafen, bis ihr Körper damit einverstanden war sich mehr zu bewegen. Waren es aber Geräusche gewesen oder aber die von Sonnenstrahlen lockende Wärme, die von der Zeltwand ausgeströmt wurde, die Amira zum Aufstehen forderten. Erst, als sie sich ein wenig aufrichtete, bemerkte sie das Schwindelgefühl in ihrem Kopf und presste die Hand an die Schläfe, als würde es damit besser werden. Verschwommen und unklar war der letzte Abend, als hätte sie sich dem Wein in einer Form hingegeben, wie es für sie nicht üblich war. Es wunderte sie aber nicht, alleine aufzuwachen.
Amira pflügte die Wolle von ihrem Körper und bemerkte, dass der Berührungsschmerz deutlich nachgelassen hatte, ehe sie sich wieder anzog. Die Dupatta nur über die Schulter geworfen und noch nicht gebunden, kroch sie mit steifen Bewegungen aus dem Zelt und blinzelte dem Licht entgegen, das ihr trotz der frühen Tageszeit zu grell schien. Viel zu grell. Selbst der Versuch zwischen den Fingern hervor zu blinzeln konnte kaum Linderung bringen, stattdessen bestärkte der Reiz an ihren Augen noch die Kopfschmerzen. „Haben wir noch ein wenig Wasser?“ Vielleicht würde sie sich dann besser fühlen. Aber nach wie vor saß sie hier im Sand vor dem Zelt und war überzeugt davon, bei dem Versuch aufzustehen nur sogleich wieder umzufallen. Amira band ihre Dupatta wie am Tag zuvor und zog auch sogleich das Tuch über ihren Kopf und wenn es nur aus dem Grund war, dass der überstehende Stoff einen kleinen Schatten auf ihre Augen werfen konnte, die sich noch immer weigerten sich der Helligkeit vollständig auszuliefern.
