03-05-2024, 15:14 - Wörter:
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03-05-2024, 15:14 von Muirín Henaghen.)
Die Sonne neigte sich dem Horizont zu, wie eine alte Freundin einem Freund. Der Himmel färbte sich in seinen schönsten Orangetönen, während nur ein paar vereinzelte Wolken vorbei zogen. So ein Sonnenuntergang war ein seltenes Schauspiel in Ishcateslieve, nachdem es hier die meiste Zeit regnete und der Wind wie verrückt durch die Felsen blies. Oft sah es so aus, als würden die Gebirge die Wolken aufreißen und als wäre das der Grund, weshalb sich der Regen so konstant über hielt, als würde man sie für etwas bestrafen wollen. In ihren dunkelsten Träumen kamen ihr die tadelnden Blicke der Hohepriesterin und die verärgerten Worte ihres Vaters wieder in den Sinn und sie fragte sich manchmal, ob sie vielleicht dafür verantwortlich war, dass sie so durch das Wetter gestraft wurden. Ehrlicherweise fehlte der Rothaarigen das nötige Wissen, um darauf eine Antwort zu finden. Sie hatte keine Ahnung wie Regen zustande kam. Sie wusste nichts über Wolken, die Sonne, den Wind und die Wettervorhersagen, die manche Orakel von sich gaben. In den letzten Jahren hat Muirín sich für sehr wenig interessiert, was außerhalb ihrer Selbst passiert war. Andere Menschen waren austauschbar, hatten sich nie bewiesen. Hatten vor allem nie bewiesen, dass sie für die rothaarige Prinzessin von Bedeutung waren. Nicht, nachdem ihre Mutter gestorben war. Obwohl sie faktisch nicht alleine war, war sie es irgendwie doch. Nicht nur alleine, sondern vor allem auch einsam. Selten war es komplett ruhig in ihrem Anwesen - sei es, weil irgendwelche Zofen oder Hausmädchen durch die Gänge eilten, doch eine wahre Freundin hatte sie hier nicht. Und einen Verbündeten erst recht nicht. Und es war schwer. Auch wenn man es ihr die meiste Zeit über nicht ansah, weil sie es perfektioniert hatte eine Maske aus Arroganz und Lust aufzusetzen, doch wenn man die Zeilen in ihrem ledergebundenen Tagebuch las, dann verstand man, dass in ihrem hübschen Köpfchen so viel mehr los war, als es ihr Bruder ihr immer wieder unterstellte.
Seufzend blickte die Prinzessin gen Himmel. Sie genoss die farbigen Töne, in die der Himmel getaucht wurde und wünschte sich, dass dieses Farbenspiel einen Moment länger anhalten möge. Für einen kurzen Augenblick hatte sie sogar darüber nachgedacht Ana bescheid zu sagen, damit sie dieses Spektakel mit ihren Farben einfangen konnte. Dann hätte Muirín sich immer wieder dieses Bild ansehen können, doch leider war eine Momentaufnahme nicht möglich. Sie musste sich dieses Bild selber einprägen, musste sich die Farben und die dazugehörigen Emotionen merken. Musste damit klar kommen, dass sie in wenigen Minuten unter einem dunkelblauen Himmel saß, an dem im besten Fall nur noch ein paar kleine Sterne funkelten. Denn auch diese waren nicht oft zu sehen, wenn die Wolken den Nachthimmel verhangen.
Die Hände im Schoß gefaltet saß sie auf einer Bank vor dem eigentlichen Anwesen ihrer Familie. Ein dicker Wollumhang wärmte sie, nachdem sie wusste, wie schnell die Wärme des Tages die Erde verließ, nachdem die Sonne es ihr gleichgetan hatte. Und als ihr Blick gen Himmel wanderte, fragte sie sich, wie alleine sich ein Mensch eigentlich fühlen kann.
Seufzend blickte die Prinzessin gen Himmel. Sie genoss die farbigen Töne, in die der Himmel getaucht wurde und wünschte sich, dass dieses Farbenspiel einen Moment länger anhalten möge. Für einen kurzen Augenblick hatte sie sogar darüber nachgedacht Ana bescheid zu sagen, damit sie dieses Spektakel mit ihren Farben einfangen konnte. Dann hätte Muirín sich immer wieder dieses Bild ansehen können, doch leider war eine Momentaufnahme nicht möglich. Sie musste sich dieses Bild selber einprägen, musste sich die Farben und die dazugehörigen Emotionen merken. Musste damit klar kommen, dass sie in wenigen Minuten unter einem dunkelblauen Himmel saß, an dem im besten Fall nur noch ein paar kleine Sterne funkelten. Denn auch diese waren nicht oft zu sehen, wenn die Wolken den Nachthimmel verhangen.
Die Hände im Schoß gefaltet saß sie auf einer Bank vor dem eigentlichen Anwesen ihrer Familie. Ein dicker Wollumhang wärmte sie, nachdem sie wusste, wie schnell die Wärme des Tages die Erde verließ, nachdem die Sonne es ihr gleichgetan hatte. Und als ihr Blick gen Himmel wanderte, fragte sie sich, wie alleine sich ein Mensch eigentlich fühlen kann.
