07-05-2024, 16:10 - Wörter:
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07-05-2024, 17:01 von Devan Naharis.)
Vasim Nezain | Ende 20 | Königsgardist

Dabei lag der Blick des Gardisten schon länger auf den Sternen, als würde er feststellen wollen, ob sie sich bewegten und die Zeit verrieten. Mit seinem Turban und dem Tuch um Mund und Nase bekam er nur am Rande seines peripheren Sichtfelds mit, wie einer der Gäste aus den Innenräumen hinaustrat, gefolgt von einer Frau in die Gärten hinein. Unsichtbar für die hohen, reichen Schichten standen zusammen mit Devan genau fünf weitere Gardisten unter den offenen Torbögen, welche den Innenhof in einer einfachen Rautenform umrahmten, aber es war nicht weiter verwunderlich, dass man sie als Accessoire und Inventar abtat, wenn der Mann in den kostbaren Gewändern damit aufgewachsen war, Menschen um sich zu haben. Für diese Schicht war eine Konversation privat genug, wenn zwei Paar aufmerksamer Ohren lauschte und gleichzeitig zum Schweigen angehalten war, aber die meisten verwechselten diese Unsichtbarkeit damit, dass sie in Randfällen nicht eingreifen würden. Mittlerweile beobachteten ein Paar brauner, dunkler Augen den Händler, der, kaum dass er die Schatten zum Garten übertreten hatte, nach dem Handgelenk seiner Begleitung griff, die sich allerdings dagegenstemmte. Das Licht der Fackeln flackerte und malte Bilder auf den ebenen Steinboden. Eine Brise wehte gegen das Feuer und beleuchtete die leere Stelle neben dem Torbogen, wo eben noch Devan gestanden hatte.
Stattdessen schraubten sich lange Finger um die Hand des Händlers und übten Druck auf das empfindliche Nervenbündel am Gelenk aus, dass er den schmalen Hals mit einem Schnaufen wieder losließ. Entgeistert starrte der Mann die Hand, dann den dazugehörigen Gardisten an, dessen Züge unter dem Tuch und im Schatten der Fackeln kaum erkennbar waren – nur die Augen blitzten auffällig auf und forderten den Händler fast schon belustigt heraus. „Wie kannst du es wagen, mich anzufassen!“, blaffte er. Devan zog nur seine Hand zurück und nahm seinen Speer wieder in die Rechte, jetzt erst auffällig machend, dass er eine gute Distanz zu dem Höherstehenden eingehalten hatte. „Das Königshaus legt Wert darauf, dass man die Regeln einhält. Ich bin hier, um für die Sicherheit aller Gäste zu sorgen.“ Gedämpft hinter dem Stoff schien der Gardist nicht nur mit dem Händler zu reden, was vor allem bei den nächsten Worten offensichtlich wurde. „Seid Ihr verletzt?“ Seine Stimme war hell und jugendlich, seine Haltung gegenüber des Händlers offen, aber nicht zwingend entspannt, so, wie die Augen des anderen sprühten und er vermutlich am liebsten auf ihn losgegangen wäre. Aber selbst betrunkene Menschen besannen sich eines Besseren, wenn sie damit konfrontiert wurden, nicht allein zu sein. Zumindest überdachten sie ihre Entscheidungen und rieben ihre Faust lieber unruhig in der Hand, statt mit ihr auszuholen. „Was unterstellst du mir. Wir schnappen nur frische Luft. SIE hat danach gefragt!“ Ein kräftiger, kurzer Finger zeigte auf Amira und Devans Blick richtete sich endlich auf die Begleitung, deren Namen er kannte. Sie, die er erkennend und wissend ansah, bewegten sie sich doch fast auf Augenhöhe. Da war der kleine, sprühende Funken in seinem Braun, der sie wissen ließ, dass er auf ihr Wort hören würde, nicht auf das des Gastes, der vermutlich selbst außerhalb der Palastmauern nichts in Menschenleben, sondern nur in Geld und Profit wog.
