09-05-2024, 15:03 - Wörter:
Alys atmete hörbar aus. Mit zunehmendem Alter tat sie dies immer öfter. Oder aber mit zunehmender Resignation, was ihre Tochter betraf. Die Hohepriesterin verstand immer weniger, was ihre Tochter eigentlich wollte. Sie warf ihr Vieles vor, forderte Vieles ein und war doch niemals zufrieden zu stellen. Alys konnte und wollte dies einfach nicht verstehen. Woher kamen dieser Unfrieden und diese Undankbarkeit? Woher der Drang, etwas Anderes sein zu wollen?
Was hätte sie anders machen sollen oder können? Was man auch tat - Glynis stieß es von sich. Vermutlich, weil sie so uneins mit sich selbst war. So gespalten in ihrer Person. Vielleicht - hoffentlich - würde auch dies sich bessern, wenn ihr Bruder wieder an ihrer Seite war. Wenn er dem Weg der Vernunft folgte und sich als Druide in ihren Reihen eingefunden hatte. Dann würde Glynis erkennen, dass dies auch für sie der richtige Weg war. Schon immer gewesen war.
Alys' Hand fiel ins Leere, hing kurz schlaff an ihrer Seite. Doch dann hob sie beide Hände vor ihre Mitte und legte sie kunstvoll ineinander. Die vollkommene Würde ausstrahlende Haltung einer Hohepriesterin - was auch sonst?
Ihrer Tochter standen derweil wieder die Tränen in den Augen. Sie zuppelte hektisch an ihren Haaren herum und kam ihr wie ein einziges Nervenbündel vor. Den Tee... sie musste den Tee trinken. Doch noch ehe Alys ihr die Schale erneut vorhalten konnte, rauschte ihre Tochter schon wieder auf die Tür zu - war so schnell fort wie ein Berggewitter und Alys blickte ihr verständnislos und entrückt nach.
Sie atmete abermals schwer, als Glynis erklärte, sie lägen nicht im Streit. Die Hohepriesterin ließ den Kopf kurz hängen, schloss die Lider fest über den Augen und blickte dann fest wieder auf. Der wütende Hohn, der ihr entgegen schlug, brachte auch Alys langsam zur Weißglut. Glynis war ihre Tochter - doch das hieß nicht, dass es für sie überhaupt keine Grenzen gab. Alys öffnete schon den Mund für eine wütende Erwiderung, kam mit stechendem Schritt näher, als Glynis behauptete, ebenfalls wichtige Aufgaben zu haben. Doch die Göttin war schneller. Sie strafte Glynis mit einer Unachtsamkeit. Die Tür stieß gegen die Knie der Jüngeren, ihr Gewand fand seinen eigenen Weg um Knöchel und Schuhwerk, doch die Hohepriesterin war da, um den Fehler auszugleichen. Doch ihre Geste war nicht sanft. Bestimmt legte sie der Priesterin eine schwere Hand auf die Schulter und glich ihr Ungleichgewicht damit wieder aus, verhinderte ein Stürzen. "Die Göttin zürnt, Priesterin. Ihre Geduld ist allmählich erschöpft. Du wagst es - wieder und wieder - die Gebote der Gemeinschaft zu verachten und ihren Zorn heraufzubeschwören."
Diesmal war Glynis selbst schuld. Sie hatte jede mütterliche Geste von sich gestreift, alles mit Füßen getreten, das man ihr hatte zukommen lassen wollen. Sie beleidigte die Aufgaben der Hohepriesterinnen, verkannte ihre Wertigkeit und log, um ihren minderen Willen durchzusetzen. "Du wirst Dich einem Schweigegelübde unterziehen - so lange, bis Gareth hier ist und ich Dir anderes gestatte!", entschied die Hohepriesterin - die zwar körperlich nicht überlegen sein mochte. Doch wie immer - wenn sie ihre Taten in den Dienst der Göttin stellte - wirkte sie ungleich größer, raumfüllender, raumgreifender und mächtiger. Als spreche die Göttin selbst aus ihrem Munde.
Ihre Hände pressten sich fest, schmerzhaft ineinander während sie ihrer Tochter diese Last auferlegte. Sollte sie sich nun nicht zurück auf den Pfad der Demut finden, würde sie mit dem Verlust weiterer Privilegien zu rechnen haben.
Was hätte sie anders machen sollen oder können? Was man auch tat - Glynis stieß es von sich. Vermutlich, weil sie so uneins mit sich selbst war. So gespalten in ihrer Person. Vielleicht - hoffentlich - würde auch dies sich bessern, wenn ihr Bruder wieder an ihrer Seite war. Wenn er dem Weg der Vernunft folgte und sich als Druide in ihren Reihen eingefunden hatte. Dann würde Glynis erkennen, dass dies auch für sie der richtige Weg war. Schon immer gewesen war.
Alys' Hand fiel ins Leere, hing kurz schlaff an ihrer Seite. Doch dann hob sie beide Hände vor ihre Mitte und legte sie kunstvoll ineinander. Die vollkommene Würde ausstrahlende Haltung einer Hohepriesterin - was auch sonst?
Ihrer Tochter standen derweil wieder die Tränen in den Augen. Sie zuppelte hektisch an ihren Haaren herum und kam ihr wie ein einziges Nervenbündel vor. Den Tee... sie musste den Tee trinken. Doch noch ehe Alys ihr die Schale erneut vorhalten konnte, rauschte ihre Tochter schon wieder auf die Tür zu - war so schnell fort wie ein Berggewitter und Alys blickte ihr verständnislos und entrückt nach.
Sie atmete abermals schwer, als Glynis erklärte, sie lägen nicht im Streit. Die Hohepriesterin ließ den Kopf kurz hängen, schloss die Lider fest über den Augen und blickte dann fest wieder auf. Der wütende Hohn, der ihr entgegen schlug, brachte auch Alys langsam zur Weißglut. Glynis war ihre Tochter - doch das hieß nicht, dass es für sie überhaupt keine Grenzen gab. Alys öffnete schon den Mund für eine wütende Erwiderung, kam mit stechendem Schritt näher, als Glynis behauptete, ebenfalls wichtige Aufgaben zu haben. Doch die Göttin war schneller. Sie strafte Glynis mit einer Unachtsamkeit. Die Tür stieß gegen die Knie der Jüngeren, ihr Gewand fand seinen eigenen Weg um Knöchel und Schuhwerk, doch die Hohepriesterin war da, um den Fehler auszugleichen. Doch ihre Geste war nicht sanft. Bestimmt legte sie der Priesterin eine schwere Hand auf die Schulter und glich ihr Ungleichgewicht damit wieder aus, verhinderte ein Stürzen. "Die Göttin zürnt, Priesterin. Ihre Geduld ist allmählich erschöpft. Du wagst es - wieder und wieder - die Gebote der Gemeinschaft zu verachten und ihren Zorn heraufzubeschwören."
Diesmal war Glynis selbst schuld. Sie hatte jede mütterliche Geste von sich gestreift, alles mit Füßen getreten, das man ihr hatte zukommen lassen wollen. Sie beleidigte die Aufgaben der Hohepriesterinnen, verkannte ihre Wertigkeit und log, um ihren minderen Willen durchzusetzen. "Du wirst Dich einem Schweigegelübde unterziehen - so lange, bis Gareth hier ist und ich Dir anderes gestatte!", entschied die Hohepriesterin - die zwar körperlich nicht überlegen sein mochte. Doch wie immer - wenn sie ihre Taten in den Dienst der Göttin stellte - wirkte sie ungleich größer, raumfüllender, raumgreifender und mächtiger. Als spreche die Göttin selbst aus ihrem Munde.
Ihre Hände pressten sich fest, schmerzhaft ineinander während sie ihrer Tochter diese Last auferlegte. Sollte sie sich nun nicht zurück auf den Pfad der Demut finden, würde sie mit dem Verlust weiterer Privilegien zu rechnen haben.
