12-05-2024, 20:43 - Wörter:
Es war wohl zu erwarten gewesen, dass die beiden Jünglinge ihr Training nicht mehr ganz so gewissenhaft ausüben würden, wenn sie sein Gegenwart wahrnahmen. Öfters im Hause Sutherland zu Gast, hatte Sebastian nicht nur einmal derer Übungsstunden beigewohnt und war auch bereit als Vorzeigeobjekt zu dienen, wenn ein neuer Schritt das Vorstellungsvermögen der Zwillinge überstieg. Herzlich drückte er die Jungs für den Moment der Begrüßung und wurde beinahe überfallen von den Anklagen an deren Vater oder den Anspruch, den er sicherlich mit sich brachte. Dabei war Willard sicherlich geduldiger mit seinen eigenen Sprösslingen, die schließlich noch so jung an Jahren waren, was aber die Anforderung an Gewissenhaftigkeit nicht schmälerte. „Ihr werdet ihm eines Tages noch dafür dankbar sein. Strengt euch gut an, es ist die Mühe wert“, versuchte er sie ein wenig zu motivieren und verwuschelte Coopers Haar, der sich protestierend wegduckte.
Es war unerwartet gewesen die beiden Jungen hier zu treffen, auch wenn er Willards Entscheidung dazu verstehen konnte. Wochen der Trennung hatten wohl die Sehnsucht nach seiner eigenen Familie obsiegen lassen, Sebastian war jedoch Realist genug bereits Bedenken im Hinterkopf zu haben, ob es die richtige Entscheidung gewesen war. Mochte die Stadt auch schnell eingenommen werden, Castandor würde auf einen Rückschlag sicherlich nicht warten, und ein Kriegsgebiet war definitiv das falsche Umfeld für die Kinder.
Begrüßend klopfte Sebastian ihn auf die Schulter, als der starke Arm des Hauptmanns ihn zum Gruß umfasst hatte. „Danke, Willard. Ich freue mich, dich hier wohlauf zu sehen. Sebastian ist mehr als ausreichend“, schmunzelte er und fand einen derartigen Titel in Zusammenhang mit seinen Namen immer noch befremdlich. Zwar war er bereits in der Stadtwache der Hauptstadt im Rang aufgestiegen, aber mitunter fühlte sich das eigene Leben mit all seiner Verantwortung noch etwas surreal an. Als könne er nicht glauben, dass ihm all diese Errungenschaften wahrhaftig zustanden.
Bereitwillig nahm er das Holzschwert entgegen und wog es erst in der einen Hand, dann mit einem drehen des Handgelenks in der linken Hand. Wenn schon die Jünglinge zusahen, dann könnte er ihnen vielleicht auch neue Ideen mit ins Gepäck liefern. Für die Vorschau der Übung jedoch lag das Schwert selbstredend in Sebastians rechter Hand. Er positionierte seine Füße im festen Stand und führte die gewünschte Bewegung absichtlich langsam aus, dass die Zwillinge ihnen gut folgen konnten. Eines Tages würde ihnen schon der Knopf im Kopf aufgehen und sie wüssten, worauf es ankäme. Aller Quengelei zum Trotz waren es aufgeweckte Jungs, die glücklicherweise nicht schwer von Begriff waren, lediglich ungeduldig. Und das konnte man ihnen in diesem Alter nun wirklich nicht verübeln.
Nach einer angedeuteten Verbeugung an die zwei jungen Herren, die eines Tages sicher einen Ritterschlag auf ihren Schultern spüren würden, reichte er Brandan das Übungsschwert. „Es lohnt sich“, wiederholte er mit einem Augenzwinkern, als würde es sich um eine geheime Verschwörung handeln, die sich erst noch ergründen würde lassen müssen. Wer weiß. Manches Mal halfen ganz andere Blickrichtungen um den Ehrgeiz zu wecken, wenn schon Titel und Macht nicht Grund genüg wären. Selbst ein ruhiges Leben musste mit dem Schwert verteidigt werden können.
Die Zwillinge leisteten den Worten des Vaters wenig begeistert Folge, aber sie taten es. Sebastian sah ihnen noch einen Moment nach, ehe er schließlich erst die Lederhandschuhe von seinen Händen zog um sie in eine Tasche an seinem Gürtel zu stecken, und seine Aufmerksamkeit seinem Mentor zurück zu wenden. „Euphorisch und angespannt. Die eine Hälfte der Stadt befindet sich noch im Siegestaumel, die andere Hälfte beschwört das jüngste Gericht an den Tag. Doch in einem sind sich wohl alle einig, es wird nicht so bleiben.“ Die berüchtigte Ruhe vor dem Sturm, auch wenn wohl kaum von tatsächlicher Ruhe die Rede sein konnte, wenn man Gerüchten glauben wollte, dass Castandor die Streitkräfte seiner Verbündeten um sich scharte. Gerüchte der Hauptstadt, Sebastian und das Militär glaubten sie schon lange bestätigt zu wissen.
„Ich nehme sehr gerne Deine und Leanas Einladung an. Werden sie und die Zwillinge noch länger in Eastergold Meadow verweilen?“, wenn die Frage auch beiläufig klang, ließ sich die Sorge darin nicht gänzlich verstecken, wollte er auch gar nicht. Vermutlich würde Sebastian auf die Barrikaden steigen, wenn sich etwa einer seiner Schwestern entscheiden sollte, einen Fuß in die Grenzgebiete des Frühlings zu setzen. „Bei meinem Ritt durch die Stadt habe ich gesehen, dass einzelne Häuser zum Teil zerstört oder verlassen wurden. Ich bezweifle, dass sich Sir Fielding um diese Angelegenheit persönlich kümmert, kannst du mir sagen, wer für diese Schäden und die Weiterverteilung zuständig ist?“ Tatsächlich spekulierte er mit dem Gedanken, ob nicht so ein kleines Haus für ihn selbst womöglich abfallen könnte, aber keineswegs auf die Weise sich den fremden Besitz einfach zu nehmen. Die Kostenfrage blieb offen, aber vermutlich würden sich auch dafür bei Bedarf Mittel und Wege finden lassen.
Doch das war eigentlich eine private Angelegenheit und hatte wenig mit dem Ansuchen zu tun, weswegen er überhaupt Willard persönlich aufgesucht hatte. Unbestritten war Sebastian fremd in dieser Stadt und es fehlte noch an Kontakten um zu wissen, an wen sich für einzelne Belange zu wenden war. Nichtsdestotrotz griff der junge Mann in die Innentasche seines kurzen Gehrocks um eine Schriftrolle heraus zu nehmen. Beschämt bemerkte er, dass die Ecken einzelne Knicke durch die Reise abbekommen hatten, die er versuchte gerade zu kitten. „Können wir uns in Ruhe unterhalten?“, und meinte damit einen Raum, der ihrer Gesprächsinhalte angemessen wäre.
Es war unerwartet gewesen die beiden Jungen hier zu treffen, auch wenn er Willards Entscheidung dazu verstehen konnte. Wochen der Trennung hatten wohl die Sehnsucht nach seiner eigenen Familie obsiegen lassen, Sebastian war jedoch Realist genug bereits Bedenken im Hinterkopf zu haben, ob es die richtige Entscheidung gewesen war. Mochte die Stadt auch schnell eingenommen werden, Castandor würde auf einen Rückschlag sicherlich nicht warten, und ein Kriegsgebiet war definitiv das falsche Umfeld für die Kinder.
Begrüßend klopfte Sebastian ihn auf die Schulter, als der starke Arm des Hauptmanns ihn zum Gruß umfasst hatte. „Danke, Willard. Ich freue mich, dich hier wohlauf zu sehen. Sebastian ist mehr als ausreichend“, schmunzelte er und fand einen derartigen Titel in Zusammenhang mit seinen Namen immer noch befremdlich. Zwar war er bereits in der Stadtwache der Hauptstadt im Rang aufgestiegen, aber mitunter fühlte sich das eigene Leben mit all seiner Verantwortung noch etwas surreal an. Als könne er nicht glauben, dass ihm all diese Errungenschaften wahrhaftig zustanden.
Bereitwillig nahm er das Holzschwert entgegen und wog es erst in der einen Hand, dann mit einem drehen des Handgelenks in der linken Hand. Wenn schon die Jünglinge zusahen, dann könnte er ihnen vielleicht auch neue Ideen mit ins Gepäck liefern. Für die Vorschau der Übung jedoch lag das Schwert selbstredend in Sebastians rechter Hand. Er positionierte seine Füße im festen Stand und führte die gewünschte Bewegung absichtlich langsam aus, dass die Zwillinge ihnen gut folgen konnten. Eines Tages würde ihnen schon der Knopf im Kopf aufgehen und sie wüssten, worauf es ankäme. Aller Quengelei zum Trotz waren es aufgeweckte Jungs, die glücklicherweise nicht schwer von Begriff waren, lediglich ungeduldig. Und das konnte man ihnen in diesem Alter nun wirklich nicht verübeln.
Nach einer angedeuteten Verbeugung an die zwei jungen Herren, die eines Tages sicher einen Ritterschlag auf ihren Schultern spüren würden, reichte er Brandan das Übungsschwert. „Es lohnt sich“, wiederholte er mit einem Augenzwinkern, als würde es sich um eine geheime Verschwörung handeln, die sich erst noch ergründen würde lassen müssen. Wer weiß. Manches Mal halfen ganz andere Blickrichtungen um den Ehrgeiz zu wecken, wenn schon Titel und Macht nicht Grund genüg wären. Selbst ein ruhiges Leben musste mit dem Schwert verteidigt werden können.
Die Zwillinge leisteten den Worten des Vaters wenig begeistert Folge, aber sie taten es. Sebastian sah ihnen noch einen Moment nach, ehe er schließlich erst die Lederhandschuhe von seinen Händen zog um sie in eine Tasche an seinem Gürtel zu stecken, und seine Aufmerksamkeit seinem Mentor zurück zu wenden. „Euphorisch und angespannt. Die eine Hälfte der Stadt befindet sich noch im Siegestaumel, die andere Hälfte beschwört das jüngste Gericht an den Tag. Doch in einem sind sich wohl alle einig, es wird nicht so bleiben.“ Die berüchtigte Ruhe vor dem Sturm, auch wenn wohl kaum von tatsächlicher Ruhe die Rede sein konnte, wenn man Gerüchten glauben wollte, dass Castandor die Streitkräfte seiner Verbündeten um sich scharte. Gerüchte der Hauptstadt, Sebastian und das Militär glaubten sie schon lange bestätigt zu wissen.
„Ich nehme sehr gerne Deine und Leanas Einladung an. Werden sie und die Zwillinge noch länger in Eastergold Meadow verweilen?“, wenn die Frage auch beiläufig klang, ließ sich die Sorge darin nicht gänzlich verstecken, wollte er auch gar nicht. Vermutlich würde Sebastian auf die Barrikaden steigen, wenn sich etwa einer seiner Schwestern entscheiden sollte, einen Fuß in die Grenzgebiete des Frühlings zu setzen. „Bei meinem Ritt durch die Stadt habe ich gesehen, dass einzelne Häuser zum Teil zerstört oder verlassen wurden. Ich bezweifle, dass sich Sir Fielding um diese Angelegenheit persönlich kümmert, kannst du mir sagen, wer für diese Schäden und die Weiterverteilung zuständig ist?“ Tatsächlich spekulierte er mit dem Gedanken, ob nicht so ein kleines Haus für ihn selbst womöglich abfallen könnte, aber keineswegs auf die Weise sich den fremden Besitz einfach zu nehmen. Die Kostenfrage blieb offen, aber vermutlich würden sich auch dafür bei Bedarf Mittel und Wege finden lassen.
Doch das war eigentlich eine private Angelegenheit und hatte wenig mit dem Ansuchen zu tun, weswegen er überhaupt Willard persönlich aufgesucht hatte. Unbestritten war Sebastian fremd in dieser Stadt und es fehlte noch an Kontakten um zu wissen, an wen sich für einzelne Belange zu wenden war. Nichtsdestotrotz griff der junge Mann in die Innentasche seines kurzen Gehrocks um eine Schriftrolle heraus zu nehmen. Beschämt bemerkte er, dass die Ecken einzelne Knicke durch die Reise abbekommen hatten, die er versuchte gerade zu kitten. „Können wir uns in Ruhe unterhalten?“, und meinte damit einen Raum, der ihrer Gesprächsinhalte angemessen wäre.
