17-05-2024, 23:05 - Wörter:

Doch genau das hatte der Ritter vorgehabt, denn er war der Meinung, wer richtig reiten lernen wollte, musste auch im Sattel bleiben können, wenn das Pferd einmal durchging. Das war zwar bei Artus nicht wirklich der Fall, dennoch dachte Alden, dass es nicht schaden könnte, ein wenig den Galopp zu üben. Immerhin hatte Lester noch ein langes Leben vor sich und würde vielleicht irgendwann ein anderes Pferd reiten als den lammfrommen Artus.
So waren die beiden schon früh unterwegs über die Wiesen und Felder. Anfangs ließ Alden die Pferde in einem sanften Trab laufen, damit sie sich warmliefen und nicht gleich überanstrengt wurden. Am Rand des Waldes zügelte er sein Pferd in einen langsameren Schritt, sodass er mit Lester auf gleicher Höhe ritt. Er wandte den Kopf zu seinem Schützling und lächelte. „Was hältst du davon, wenn wir hier den Waldweg entlang galoppieren? Ich habe dir ja schon gezeigt, wie du die Zügel halten musst, damit Artus anfängt zu galoppieren, nicht wahr? Also, dann üben wir jetzt den Übergang von einer niedrigeren Gangart in die höhere. Erst antraben und dann in den Galopp übergehen. Schau mir zu, wie ich das mache, und folge mir dann nach.“
Alden nickte dem Jungen zu, drückte die Waden gegen das Pferd, sodass es in den Trab verfiel, und ließ die Zügel dann locker. Nach einer Weile im Trab gab er ihm einen Impuls mit dem rechten Bein zum Angaloppieren. Der Hengst reagierte auf den kleinsten Impuls und verfiel sofort in einen Galopp. Der Wald flog nur noch an ihnen vorbei und der Ritter hoffte, dass Lester folgen würde. So drehte er den Kopf nach hinten, um über die Schulter zu blicken, wo sich der Junge auf seinem Pferd befand, gerade als der Waldweg eine Biegung machte. So sah Alden nicht, dass in diesem Moment eine Frau aus dem Wald auf den Weg trat.
In diesem Augenblick wäre es besser gewesen, wenn Aldens Pferd sich erschreckt und gescheut hätte. Doch das ausgebildete Schlachtross war so trainiert, dass es sich vor nichts und niemandem erschreckte, denn es musste seinen Reiter ja auch durch dichtes Kampfgetümmel tragen können. Es sprang sogar durch Feuer und lief einfach so lange weiter, bis es einen neuen Impuls seines Reiters bekam. So galoppierte der Hengst weiter den Waldweg entlang, ungeachtet dessen, ob sich ihm ein Hindernis in den Weg stellte oder nicht.
Der Ritter drehte gerade den Kopf nach vorne, als er aus den Augenwinkeln etwas sah, was sein Pferd soeben überrannt hatte. „Bei Heofader!“ Alden stieß einen schrillen Pfiff aus, woraufhin das Tier sofort langsamer wurde und schließlich zum Stehen kam. Er sprang bereits aus dem Sattel, als das Pferd noch nicht mal richtig angehalten hatte und lief zurück zu der Person, die dort am Boden lag. Er kniete sich neben der Frau nieder, stellte erleichtert fest, dass sie noch lebte, und suchte besorgt mit den Augen ihren Körper ab, ob etwas offensichtlich gebrochen war. Dann zog er seinen Handschuh aus, beugte sich über sie und strich ihr über die Wange. „Verzeiht mir, ich habe Euch nicht gesehen, meine Dame. Geht es Euch gut? Tut Euch etwas weh?“ Alden wollte sie nicht gleich nach oben ziehen, denn er wusste ja nicht, wie schwer sie möglicherweise verletzt war, und ob es deswegen besser war, dass sie vorerst liegen blieb.
