18-05-2024, 11:19 - Wörter:
So wie ihr Gegenüber aussah, schätzte Lovis ihn als hartarbeitenden Handwerker ein. Vielleicht ein Mitglied einer Zunft oder Gilde, denn er schien sich viel Essen und viel Bier leisten zu können. Es war nicht so, dass die Blondine sich an seinem Aussehen gestört hätte - mitnichten. Doch es fiel ihr einfach auf, ohne dass sie es hätte kommentieren wollen oder müssen. Das Aussehen eines Menschen zeigte ganz oft viel von seinem Lebenswandel. Und dass sie mit ihrer verharmlosenden Einschätzung nur ganz, ganz vage an der Oberfläche kratzte, konnte sie ja nun wirklich nicht ahnen. Der Mann jedenfalls lehnte entspannt in seinem Stuhl und rauchte eine Pfeife. Offenbar konnte er sich Tabak aus dem Sommerland leisten. Und somit war er wohl kein komplett armer Schlucker. Der Rauch hatte einen angenehmen Duft, doch Lovis begegnete solchen Dämpfen trotzdem so selten, dass es ihr automatisch in der Kehle zu kratzen begann. Sie schloss kurz die Augen um sich unter Kontrolle zu behalten, ehe sie den Kopf schief legte und das sachte Lächeln ihres Gegenübers offen erwiderte. Mit einem Tritt schob er ihr den Stuhl zurecht und Lovis nahm die wortlose Geste dankbar zur Kenntnis.
Bevor sie Platz nehmen konnte, musste sie sich aber noch von ihrem abartig ungemütlich aussehenden Holzreff trennen, das sie immer noch mit sich herumschleppte. Aufwendig, aber immerhin geübt, ging sie in die Knie, beugte den Rücken ein Stückweit nach hinten, bis sie fühlte, dass das Holzreff den Boden berührte. Rasch streifte sie dann die Lederriemen von den schmerzenden Schultern und schob ihre wertvolle Fracht vorsichtig über den Boden, sodass das Gestell in ihrer unmittelbaren Nähe stand und sie einen Blick darauf hatte. Für einen einfachen Dieb waren ihre Waren vermutlich wertlos - immerhin verschenkte sie ihre Medizin sowieso und erklärte auch noch, wie sie verabreichen musste. Dennoch konnte sie nicht riskieren, dass jemand etwas kaputt machte oder zu entwenden versuchte.
Danach ließ sie sich erschöpft gegenüber dem Fremden nieder. "Danke, dass Ihr den Tisch mit mir teilt...", zeigte sie sich zunächst einmal erkenntlich und verzichtete noch darauf, ihn zu duzen. Er tat dies ganz selbstverständlich, was auch vollkommen angemessen war. Doch solange sie nicht wusste, mit wem oder was sie es zu tun hatte, blieb Lovis gerne auf der Hut. Sie schien unheimlich naiv zu sein, gleichzeitig aber auch im Schlaf immer ein Auge offen zu behalten. Eine merkwürdige Mischung.
Lovis unterdrückte den Impuls, den Dunstnebel vor sich wegzufächeln und zuckte stattdessen mit einem Mundwinkel und einer Augenbraue. "Ja, da habt Ihr vollkommen Recht.
Ich bin Lovis, eine Wanderheilerin - solange der schwarze Schauer die Menschen nicht zur Ruhe kommen lässt, fällt es auch mir schwer, eine Pause zu machen...", erklärte sie in wenigen Worten wer sie war und warum sie noch unterwegs gewesen war. Für junge Frauen war das nämlich ganz und gar nichts Gewöhnliches. Die meisten waren daheim - bei ihren Vätern oder Ehemännern, längst im Bett - aber wenigstens gut versteckt. Und auf keinen Fall allein draußen auf der Straße. Schon gar nicht mit den vielen herrenlos herumlaufenden Sommerländern ... oder anderem Gesinde, das sich in Kriegszeiten auf der Straße tummelte. Dabei hatten die schweren Zeiten gerade erst angefangen - da war sie sicher.
Ehe sie sich in ein Gespräch mit ihrem Gegenüber vertiefen konnte, versuchte sie abermals, die Aufmerksamkeit einer der Schankmädchen auf sich zu lenken. Doch mit sachtem Handheben und dezentem Winken kam sie ganz offensichtlich nicht weiter. Also ließ sie es zunächst gut sein.. und gab dem Ganzen noch ein wenig Zeit.
"Seid Ihr ein Einheimischer?", erkundigte sie sich behutsam, denn sein Akzent ließ etwas Anderes vermuten. Nichts, was ihr negativ aufgefallen wäre - sie war ja ganz offensichtlich auch nicht von hier: sondern sogar aus Feindesland. Doch es interessierte sie. Sehr.
Bevor sie Platz nehmen konnte, musste sie sich aber noch von ihrem abartig ungemütlich aussehenden Holzreff trennen, das sie immer noch mit sich herumschleppte. Aufwendig, aber immerhin geübt, ging sie in die Knie, beugte den Rücken ein Stückweit nach hinten, bis sie fühlte, dass das Holzreff den Boden berührte. Rasch streifte sie dann die Lederriemen von den schmerzenden Schultern und schob ihre wertvolle Fracht vorsichtig über den Boden, sodass das Gestell in ihrer unmittelbaren Nähe stand und sie einen Blick darauf hatte. Für einen einfachen Dieb waren ihre Waren vermutlich wertlos - immerhin verschenkte sie ihre Medizin sowieso und erklärte auch noch, wie sie verabreichen musste. Dennoch konnte sie nicht riskieren, dass jemand etwas kaputt machte oder zu entwenden versuchte.
Danach ließ sie sich erschöpft gegenüber dem Fremden nieder. "Danke, dass Ihr den Tisch mit mir teilt...", zeigte sie sich zunächst einmal erkenntlich und verzichtete noch darauf, ihn zu duzen. Er tat dies ganz selbstverständlich, was auch vollkommen angemessen war. Doch solange sie nicht wusste, mit wem oder was sie es zu tun hatte, blieb Lovis gerne auf der Hut. Sie schien unheimlich naiv zu sein, gleichzeitig aber auch im Schlaf immer ein Auge offen zu behalten. Eine merkwürdige Mischung.
Lovis unterdrückte den Impuls, den Dunstnebel vor sich wegzufächeln und zuckte stattdessen mit einem Mundwinkel und einer Augenbraue. "Ja, da habt Ihr vollkommen Recht.
Ich bin Lovis, eine Wanderheilerin - solange der schwarze Schauer die Menschen nicht zur Ruhe kommen lässt, fällt es auch mir schwer, eine Pause zu machen...", erklärte sie in wenigen Worten wer sie war und warum sie noch unterwegs gewesen war. Für junge Frauen war das nämlich ganz und gar nichts Gewöhnliches. Die meisten waren daheim - bei ihren Vätern oder Ehemännern, längst im Bett - aber wenigstens gut versteckt. Und auf keinen Fall allein draußen auf der Straße. Schon gar nicht mit den vielen herrenlos herumlaufenden Sommerländern ... oder anderem Gesinde, das sich in Kriegszeiten auf der Straße tummelte. Dabei hatten die schweren Zeiten gerade erst angefangen - da war sie sicher.
Ehe sie sich in ein Gespräch mit ihrem Gegenüber vertiefen konnte, versuchte sie abermals, die Aufmerksamkeit einer der Schankmädchen auf sich zu lenken. Doch mit sachtem Handheben und dezentem Winken kam sie ganz offensichtlich nicht weiter. Also ließ sie es zunächst gut sein.. und gab dem Ganzen noch ein wenig Zeit.
"Seid Ihr ein Einheimischer?", erkundigte sie sich behutsam, denn sein Akzent ließ etwas Anderes vermuten. Nichts, was ihr negativ aufgefallen wäre - sie war ja ganz offensichtlich auch nicht von hier: sondern sogar aus Feindesland. Doch es interessierte sie. Sehr.
