18-05-2024, 16:40 - Wörter:
Das Grundmisstrauen seines Sprösslings hätte Alastair – wäre er einer der Väter, die ihren Kindern regelmäßig Komplimente zukommen ließen – möglicherweise sogar gelobt. Vertraue niemandem, nicht einmal dir selbst, und entsprach das heutzutage nicht mehr und mehr der Wahrheit? Problematisch nur, dass es den älteren Fielding nicht im mindesten interessierte, was Jasper tatsächlich dachte. Nun. Ganz richtig war dies nun auch wieder nicht. Inkompetenz hin oder her, Alastair liebte jedes einzelne seiner Kinder, verbrachte allerdings – vor allem seit dem Tod seiner Frau – kaum Zeit damit, sich wirklich um sie zu kümmern. Mit den Fieldings war es wie mit einem Freizeitpark. Schön und gut, wenn man einmal im Jahr kam und Achterbahn fuhr, aber ein täglicher Ritt und es wurde irgendwann langweilig. Außerdem tendierten Kinder auf Achterbahnen schrecklicherweise dazu, sich zu übergeben. Hätte Alastair in einer Zeit voller Loopings das Licht der Welt erblicken müssen – nun, der Fielding wäre bei dem Namen Disneyland möglicherweise einer allergischen Reaktion zum Opfer gefallen.
Erneut: Misstrauen der eigenen Umwelt, ja, sogar der eigenen Familie gegenüber, war, in den Augen des Fieldings, durchaus gesund. Was brachte einem ein erstgeborener Ritter, wenn er am nächsten Morgen in sein Frühstück kippte, weil er am Abend zuvor gutgläubig fremden Wein getrunken hatte? Immer erst die anderen trinken lassen, das war Alastairs Devise. Vielleicht auch die Becher tauschen. Wenn am Ende der König derjenige war, der mit dem Gesicht voran in seinen Haferbrei fiel – naja, schade drum, aber zum Glück war er es nicht selbst. Letztendlich lief es darauf hinaus, dass die gehobene Augenbraue des Sohnes genau das bleiben sollte. Eine Augenbraue, ein simpler Ausdruck jugendlicher Skepsis, die sich nicht weiter auf elterliche Pläne auszuwirken hatte. Und solange Jasper dieser unausgesprochenen Anforderung weiterhin nachkam, würde es keine Probleme geben. Hoffentlich.
„Die Stadt“, sprach Alastair schließlich und winkte einen Diener herbei, „erfüllt ihren Zweck. Du tust gut daran, ihre Sicherheit, unsere Sicherheit zu gewährleisten, doch ich ermahne dich, dich vorerst mit den Prioritäten zu befassen. Eine Taverne mag der allgemeinen Stimmung durchaus zuträglich sein, aber ich bezweifle, dass wir König Augusto im Ernstfall mit trunkener Fröhlichkeit Einhalt gebieten können.“ Der Unmut des Volkes weckte generell nur bedingt Alastairs Interesse, obgleich er Jasper zumindest in einem Punkt zustimmen musste: ihr Einfluss war labil. Im Moment standen die Fieldings auf den wackligen Pfeilern eines Neubeginns und das Volk zu etwas mehr Frohsinn zu bewegen, war ihrer Sache unabdinglich. Eine Revolution in Kriegszeiten wäre… unschön. Und auch wenn Alastair seinen Kindern nie die Liebe hatte zuteilwerden lassen, die sie verdienten, wäre er der Aussicht auf eine öffentliche Exekution ebenjener durchaus abgeneigt.
„Was die Rechtsprechung betrifft, so müssen wir uns dieser Sache eines anderen abends widmen.“ Alastair warf seinem Sohn einen Blick zu und fischte nach einer weiteren Traube. „Viel wichtiger, finde ich, sind die Themen, welche die direkte Zukunft unserer Familie betreffen. Deine Zukunft, mein lieber Jasper.“ Und die Zukunft der nächsten Generation an Fieldings – hoffentlich.
Erneut: Misstrauen der eigenen Umwelt, ja, sogar der eigenen Familie gegenüber, war, in den Augen des Fieldings, durchaus gesund. Was brachte einem ein erstgeborener Ritter, wenn er am nächsten Morgen in sein Frühstück kippte, weil er am Abend zuvor gutgläubig fremden Wein getrunken hatte? Immer erst die anderen trinken lassen, das war Alastairs Devise. Vielleicht auch die Becher tauschen. Wenn am Ende der König derjenige war, der mit dem Gesicht voran in seinen Haferbrei fiel – naja, schade drum, aber zum Glück war er es nicht selbst. Letztendlich lief es darauf hinaus, dass die gehobene Augenbraue des Sohnes genau das bleiben sollte. Eine Augenbraue, ein simpler Ausdruck jugendlicher Skepsis, die sich nicht weiter auf elterliche Pläne auszuwirken hatte. Und solange Jasper dieser unausgesprochenen Anforderung weiterhin nachkam, würde es keine Probleme geben. Hoffentlich.
„Die Stadt“, sprach Alastair schließlich und winkte einen Diener herbei, „erfüllt ihren Zweck. Du tust gut daran, ihre Sicherheit, unsere Sicherheit zu gewährleisten, doch ich ermahne dich, dich vorerst mit den Prioritäten zu befassen. Eine Taverne mag der allgemeinen Stimmung durchaus zuträglich sein, aber ich bezweifle, dass wir König Augusto im Ernstfall mit trunkener Fröhlichkeit Einhalt gebieten können.“ Der Unmut des Volkes weckte generell nur bedingt Alastairs Interesse, obgleich er Jasper zumindest in einem Punkt zustimmen musste: ihr Einfluss war labil. Im Moment standen die Fieldings auf den wackligen Pfeilern eines Neubeginns und das Volk zu etwas mehr Frohsinn zu bewegen, war ihrer Sache unabdinglich. Eine Revolution in Kriegszeiten wäre… unschön. Und auch wenn Alastair seinen Kindern nie die Liebe hatte zuteilwerden lassen, die sie verdienten, wäre er der Aussicht auf eine öffentliche Exekution ebenjener durchaus abgeneigt.
„Was die Rechtsprechung betrifft, so müssen wir uns dieser Sache eines anderen abends widmen.“ Alastair warf seinem Sohn einen Blick zu und fischte nach einer weiteren Traube. „Viel wichtiger, finde ich, sind die Themen, welche die direkte Zukunft unserer Familie betreffen. Deine Zukunft, mein lieber Jasper.“ Und die Zukunft der nächsten Generation an Fieldings – hoffentlich.
