20-05-2024, 17:30 - Wörter:
Fast war das Ankommen bei Asleif schlimmer, als der Abschied. Zumindest fühlte Lovis sich manchmal bei einem Wiedersehen ungleich sentimentaler, als wenn es hieß, wieder des Weges zu gehen. Lovis war ein tüchtiger Mensch, der seine Aufgabe äußerst ernst nahm. Sie fühlte sich dazu geboren und verpflichtet, vor die Tür zu gehen und für die Menschen aller Länder da zu sein. Und dieser Arbeit stellte sie sich unfassbar gerne. Wie sehr sie ein sesshaftes Leben vermisste, merkte sie erst, seitdem es ein Heikommen zu Asleif gab. Ein Ort, an dem sie ausnahmsweise mal nicht für andere da sein musste, sondern ebenfalls umsorgt wurde. Nicht, dass Lovis ein fauler Hausgast war - mitnichten. Sie packte genauso an. Doch es war etwas anderes, wenn man nicht die Verantwortung dafür trug. Mit diesem Gedanken betrachtete Lovis ihre Ziehmutter, als diese die Umarmung auflöste und ihr aufmunternd über die Oberarme streichelte. Vermutlich würde Asleif immer für sie da sein und umgekehrt galt das genauso. Wie immer legte Lovis einen innerlichen Schwur ab, dass sie diesem Ort niemals vollkommen den Rücken kehren würde. Sie würde immer wieder zurückkommen. Und immer nach Asleif sehen - gerade auch dann, wenn sie ins Alter kommen und Hilfe brauchen würde.
Es blieb nur zu hoffen, dass Hailey bis dahin selbständig genug war, um gegebenenfalls alleine das Reff zu nehmen und ihr Wissen ebenfalls an eine Andere weitergeben würde.
Lovis' schwere Gedanken wurden von den heiteren Worten Asleifs unterbrochen, die zugab, sich schon über das Gejucke gewundert zu haben. Hailey lachte mit ihrer glockenhellen Stimme unbedarft los und auch Lovis hielt sich mit einem Lacher nicht zurück. "Hättest Du das wirklich tun müssen...?", fragte Lovis dann keck nach... wobei eine Spur von Ernst trotzdem in ihrer Stimme lag. Ja, ... als junge Wanderheilerin konnte man sich wahrlich keinen Mann an seine Seite ranlachen. Doch Asleif führte nun ein ruhiges, sesshaftes Leben. Es hätte Lovis daher gut gefallen, wenn ihre Ziehmutter einen guten Gefährten an ihrer Seite gehabt hätte. Vielleicht war das aber auch nur ihr eigener, frommer Wunsch für die Zukunft.
"Hundemüde!", bestätigte Hailey energisch, drehte sich trotzdem nochmal um, hob ihr Holzreff wieder vom Boden auf und trug es herein. Gut so, denn Lovis wollte ihr nicht erklären müssen, dass das unbequeme Holzgestell ihr wertvollstes Hab und Gut war, das man nicht einfach so im Gras liegen ließ.
Dann gingen die drei Frauen eine nach der anderen in die kleine Holzhütte. Hailey und Lovis stellten ihr Gepäck in eine Ecke und ganz als wäre sie daheim ging Lovis direkt rüber zu der Feuerstelle um den Kessel mit Wasser selbst zu holen und den Tee aufzusetzen. Ihre Ziehmutter musste sie schließlich nicht bedienen.
Und als es daran ging, von ihren Reisen zu berichten, war Hailey natürlich sofort zur Stelle. "Heofader, wir haben SO VIEL gesehen und erlebt!", fing sie ganz aufgeregt an. "Lovis wollte unbedingt ins Herbstland, obwohl wir davon hörten, dass es dort einen Drachen gibt!" Lovis nahm den Faden auf, um die Geschichte ein wenig zu relativieren. "Nunja, es gab Gerüchte ... doch weder sind wir jemandem begegnet, der den Drachen jagen wollte, noch haben wir tatsächlich irgendwelche Anzeichen-" Hailey unterbrach sie und fuhr fort. "Es gab sehr wohl Anzeichen. Viele Leute haben davon gesprochen! In Ishcateslieve wurde Lovis ganz rüde von einem Adligen weggescheucht. Wir wissen aber nicht, warum. In der Nähe von Westgate sind wir dann plötzlich im Sumpf stecken geblieben. Das war vielleicht ein Schrecken! Und auf dem Rückweg wurden wir auch noch von Wölfen überfallen. Aber ein sehr stattlicher Krieger hat uns aus der Patsche geholfen. Musste genäht werden, aber das hat Lovis gern gemacht!", plapperte Hailey wie ein Wasserfall. Lovis lief ein bisschen rot an, denn es war ihr unangenehm, ihr Mündel so überhaupt nicht im Griff zu haben. Sie bauschte diese Geschichten auch so sehr auf... hoffentlich würde Asleif das erkennen. "Du übertreibst maßlos, Hailey...", sagte Lovis dann auch noch tadelnd während sie versuchte, ein paar Schüsseln zu finden, damit sie den Tee trinken konnten.
Es blieb nur zu hoffen, dass Hailey bis dahin selbständig genug war, um gegebenenfalls alleine das Reff zu nehmen und ihr Wissen ebenfalls an eine Andere weitergeben würde.
Lovis' schwere Gedanken wurden von den heiteren Worten Asleifs unterbrochen, die zugab, sich schon über das Gejucke gewundert zu haben. Hailey lachte mit ihrer glockenhellen Stimme unbedarft los und auch Lovis hielt sich mit einem Lacher nicht zurück. "Hättest Du das wirklich tun müssen...?", fragte Lovis dann keck nach... wobei eine Spur von Ernst trotzdem in ihrer Stimme lag. Ja, ... als junge Wanderheilerin konnte man sich wahrlich keinen Mann an seine Seite ranlachen. Doch Asleif führte nun ein ruhiges, sesshaftes Leben. Es hätte Lovis daher gut gefallen, wenn ihre Ziehmutter einen guten Gefährten an ihrer Seite gehabt hätte. Vielleicht war das aber auch nur ihr eigener, frommer Wunsch für die Zukunft.
"Hundemüde!", bestätigte Hailey energisch, drehte sich trotzdem nochmal um, hob ihr Holzreff wieder vom Boden auf und trug es herein. Gut so, denn Lovis wollte ihr nicht erklären müssen, dass das unbequeme Holzgestell ihr wertvollstes Hab und Gut war, das man nicht einfach so im Gras liegen ließ.
Dann gingen die drei Frauen eine nach der anderen in die kleine Holzhütte. Hailey und Lovis stellten ihr Gepäck in eine Ecke und ganz als wäre sie daheim ging Lovis direkt rüber zu der Feuerstelle um den Kessel mit Wasser selbst zu holen und den Tee aufzusetzen. Ihre Ziehmutter musste sie schließlich nicht bedienen.
Und als es daran ging, von ihren Reisen zu berichten, war Hailey natürlich sofort zur Stelle. "Heofader, wir haben SO VIEL gesehen und erlebt!", fing sie ganz aufgeregt an. "Lovis wollte unbedingt ins Herbstland, obwohl wir davon hörten, dass es dort einen Drachen gibt!" Lovis nahm den Faden auf, um die Geschichte ein wenig zu relativieren. "Nunja, es gab Gerüchte ... doch weder sind wir jemandem begegnet, der den Drachen jagen wollte, noch haben wir tatsächlich irgendwelche Anzeichen-" Hailey unterbrach sie und fuhr fort. "Es gab sehr wohl Anzeichen. Viele Leute haben davon gesprochen! In Ishcateslieve wurde Lovis ganz rüde von einem Adligen weggescheucht. Wir wissen aber nicht, warum. In der Nähe von Westgate sind wir dann plötzlich im Sumpf stecken geblieben. Das war vielleicht ein Schrecken! Und auf dem Rückweg wurden wir auch noch von Wölfen überfallen. Aber ein sehr stattlicher Krieger hat uns aus der Patsche geholfen. Musste genäht werden, aber das hat Lovis gern gemacht!", plapperte Hailey wie ein Wasserfall. Lovis lief ein bisschen rot an, denn es war ihr unangenehm, ihr Mündel so überhaupt nicht im Griff zu haben. Sie bauschte diese Geschichten auch so sehr auf... hoffentlich würde Asleif das erkennen. "Du übertreibst maßlos, Hailey...", sagte Lovis dann auch noch tadelnd während sie versuchte, ein paar Schüsseln zu finden, damit sie den Tee trinken konnten.
