04-06-2024, 21:16 - Wörter:
Ilyas bewegte sich auf seinem üblichen Seiltanz, der sich inzwischen zu seinem Lebensalltag entwickelt hatte. Naila lief dabei allerdings ausser Konkurrenz, wenn man so nennen wollte. Ridvan und Yasirah boten sich ihren ganz eigenen Krieg hinter verschlossenen Türen und was den Berater des Königs so schon Nerven und viele Abwägungen kostete wem er heute und wem er morgen sein Vertrauen schenkte, schloss sich bei Naila zu einem einzigartigen Problem zusammen. Die Tochter der Beiden mit ihrem ganze eigenen Kopf, noch dazu klug und umsichtig und damit etwas, was Ilyas zu schätzen wusste…blieb am Ende aber eben doch die Tochter seines Königs und dessen Frau, die ihre eigene Suppe zu kochen begonnen hatte. Drei Töpfe, jeder so heiss, das man sich nur daran verbrennen konnte und doch hatte Ilyas brav darin zu rühren und zu retten, dass es nicht zu salzig wurde.
Er kannte das Mädchen, das nur durch seinen Titel von anderen jungen Frauen zu unterscheiden war, seit es klein war. Sie war ihm gewissermaßen ans Herz gewachsen, weil sie schon immer neugierige Fragen gestellt hatte und es war nicht selten vorgekommen, dass der leidenschaftliche Wissenschaftler die junge Prinzessin mit Wissen aus seinem Privatbesitz gefüttert hatte…ihr Bücher lieh oder Dinge erklärte. Eine Vertrautheit, die er erst mit dem Erwachen ihrer Fraulichkeit nach und nach verringert, nie aber eingestellt hatte. Der El Mansouri hatte nur das Gefühl, dass es sich nicht mehr gehörte mit ihr alleine Zeit zu verbringen und so hatte das Mädchen irgendwann auf den Geschichtenerzähler, den Mann der Sterne und anderer spannender Dinge verzichten müssen - nur um jetzt ausgerechnet von ihm als Braut vor den Altar gebracht zu werden. Zu einem wichtigen Bündnis, fern ab ihrer Familie. Etwas, das Ilyas durchaus mit sehr viel Stolz erfüllte, ihm aber auch aufzeigte, wie dünn Bande zwischen Eltern und Kindern geknüpft sein konnten, wenn sie von Rang und Namen waren.
„Nein, das könnt Ihr nicht, aber jeder Versuch ist mehr wert als das bloße Unterlassen, Prinzessin“, wandte er ein und lächelte seitlich auf sie nieder. „In der Heimat darf die Sicherheit der Bevölkerung, ihr Hunger und ihrer Ängste…all das darf nicht vergessen sein, nur weil am andere Ende des Landes Krieg herrscht“, gab er seine Meinung kund, vertretbar wie er fand.
„Ihr möchtet sehen. Das verstehe ich, Hoheit. Ihr habt mein Wort, dass ich Euch diesen Einblick in das Geschehen bieten werde“, er verzichtete darauf ihr nun schon groß und breit zu untermalen wie er sich das vorstellte und das es mit Sicherheit auch nur so abliefe, wie er das gerne hätte, denn ihre Unversehrtheit war das höchste Gut.
„Besser?“, es war eine Rückfrage, die untypisch für den El Mansouri war, der fürgewöhnlich keine künstlichen Denkpausen mit solchen errichtete, weil ihm die Worte fehlten. Fehlen taten sie ihm auch zweifelsohne nicht, er war nur sehr bedacht darauf sie ihr gegenüber zu wählen. „Ich würde nicht sagen, dass es ihnen besser geht. Sie sind fern der Heimat, die von göttlicher Gewalt in die Knie gezwungen und bestraft wurde..so sehen es die einen. Ich sage, die eingetretene Katastrophe hält sie ihren Familien fern und verhindert ihre Mithilfe, die vieles einfacher machte, wären sie beteiligt. Doch auch die Menschen zu Hause sind stark und haben Mut…“, er hoffte nur inständig, sie würden ihn mit jedem Tag Hunger und Krankheiten in den zerstörten Straßen nicht verlieren. Er wusste es aber eigentlich bereits besser.
„Die Zeit in ihrer Überschneidung ist denkbar ungünstig und der Krieg wird seinen Tribut erst noch fordern, dass uns das Wasser wie eine kindliche Spielerei in einem Regenfass vorkommen wird“, raunte er.
