09-06-2024, 18:25 - Wörter:
Eine Gesellschafterin war wie eine Nymphe. Sie war Quell der Freude und sollte Heiterkeit, Spaß und Losgelassenheit bringen und keineswegs kratzbürstig sein, Probleme bereiten oder gar Grund geben sich als Gast schlecht zu fühlen. Daher verlangte diese Position ein hohes Maß an diplomatischem Geschick, um selbst niemals zur Zielscheibe zu werden, und stets zu versuchen die aufgewühlten Wogen wieder zu glätten. Doch sie war froh gewesen, dass Vasim ihren Deut verstanden und sie nicht mit dem Mann alleine gelassen hatte, der sicherlich mit wiederholtem Auftreten dieser Art sein Privileg im Palast alsbald verwirken würde, und das auch ganz ohne Amiras zutun.
Selbst, als sich die Tür zu Tariks Zimmer geschlossen hatte, war es erst sein Hervortreten ins Licht gewesen, das innerlich einen Stein vom Herzen abfallen ließ. „Dieses Angebot nehme ich gerne an“, lächelte die junge Frau und überging die Lüge in seinen Worten ebenso wie die Frage, ob es ihm überhaupt erlaubt wäre seinen Posten für diese Entscheidung zu verlassen. Doch sie war nicht sein Hauptmann und es läge ihr kaum etwas ferner, gute Männer in Schwierigkeiten zu bringen und sie nicht gegebenenfalls selbst vor Konsequenzen zu schützen. Doch wer sollte um diese Uhrzeit schon Fragen stellen oder allzu genau hinsehen, dass unter einem Torbogen gerade kein Gardist seinen Speer hielt?
Amira wollte gar nicht zurück zu dem Fest und blickte voraus auf einen Spaziergang an der frischen Luft und mit guter Gesellschaft, was ihren Kopf klären und das Erleben gänzlich tilgen würde. Denn natürlich hatte sie das souveräne Auftreten behalten und mochte gar gegen seinen entspannten Elan, diese lockere Leichtigkeit gar streng wirken. Direkt amüsant, wenn man es von außen betrachten wollte, wäre es doch eigentlich zu erwarten gewesen, dass es genau anders herum sein sollte. Doch sie mochte das an ihm, und sie mochte die ehrlichen Worte und die Direktheiten darin. Auch, wenn sie diese nicht immer teilte. „Ihr hört sicherlich sehr selten einen Dank. Ich gebe ihn Euch gerne, genießt ihn“, zwinkerte sie ihm mit einem Schmunzeln auf den Lippen zu und würde auch in Zukunft nicht davon absehen das, was für andere übersehbar selbstverständlich war, durch Worte oder Taten zu honorieren.
Der leere Hof wirkte beinahe wie eine Oase der Ruhe. Viel zu selten, fand sie in diesem Augenblick, nahm sie sich die Zeit einfach nur durch die reichlich bewässerten und dicht gepflanzten Beete zu gehen, die einen vergessen lassen konnten sich mitten in einer Wüste zu befinden. Stattdessen waren Amiras Gedanken beinahe andauernd bei der Herrschaft, bei den Sorgen des Alltags und der Zukunft, manches Mal auch der Vergangenheit. Auch, wenn sie selbst keinen Handlungsspielraum besaß um darauf überhaupt einen Einfluss zu nehmen, beschäftigten sie die Probleme aller anderen um sie herum mindestens genau so sehr, wie ihre eigenen – wenn sie denn Zeit hätte welche zu haben.
Vasims Worte waren das, was sie immer waren: klar und direkt. Die Szene passierte Revue in ihrem Kopf und sie fragte sich, ob sie tatsächlich immer so beherrscht wirkte. „Er hat mich nicht beschädigt“, verwendete sie diesen Begriff nicht um sich selbst zu objektifizieren, sondern zu differenzieren. Denn er hatte sie verletzt und ihr wehgetan, er hatte sie eingeschüchtert und bedroht. Das einzige, was nicht geschehen war, war einen bleibenden Schaden zu hinterlassen. „Doch nehmt meine Beherrschung oder die eines anderen Mädchens nie als Anlass, nicht doch einzugreifen“, ergänzte die junge Frau nahtlos und warf ihm einen Seitenblick zu um sicher zu sein, dass sie seine Aufmerksamkeit hatte. Amira nahm ihre linke Hand und hielt sie waagrecht vor ihren Körper und dass diese sichtbar zitterte lag weder an dem ruhigen Schritttempo, noch an einer bewussten Bewegung ihrerseits. „Dem Herrn dafür die Hand abzuschlagen, erscheint mir ein wenig harsch.“
Auch wenn er es wieder tun würde, Amira war davon überzeugt. Der Alkohol würde ihn morgen das Geschehen vielleicht vergessen lassen, doch selbst bei Erinnerung daran hätte er sicherlich keine Lehre aus der Rüge gezogen. Doch so war es in dieser Gesellschaft nun einmal. „Seid nicht besorgt, Vasim. Vorfälle dieser Art kommen selten vor, denn die regelmäßigen Gäste des Palastes wissen sich zu benehmen. Ihr“, und damit meinte sie die gesamte Garde, „achtet sehr gut darauf, dass es so bleibt. Solcherlei Fehlverhalten wird nicht toleriert.“
Denn immerhin waren sie hier im Palast und keiner Nebengasse eines Straßenbordells, bei dem keine Wache die Mädchen zu verteidigen wusste. Amira hatte ihre Hand bereits wieder neben ihren Körper fallen gelassen und nutzte sie jetzt nur, um die Dupatta ein wenig mehr über die Schultern zu ziehen. Es war nicht kalt, sondern ganz im Gegenteil war diese kühle Frische genau das richtige. Fast schon genussvoll regte sie für einen kurzen Moment die Nase gegen die windstille Luft, als sie noch auf etwas zu sprechen kommen wollte, das ihr in seinen Worten aufgefallen war.
Zu schade, dass er nach wie vor beschlossen hatte sein halbes Gesicht zu verbergen, denn dies zusätzlich zur Dunkelheit machte es ihr schwer seine Mimik zu lesen. „Mein Verhalten ist Euch also aufgefallen... beobachtet Ihr mich aus einem bestimmten Grund?“ Natürlich warf sie niemals einem Gardisten vor seine Rolle ernst zu nehmen und vor allem die Mädchen gut im Blick zu haben, aber im Rahmen dieser Unterhaltung war sie aufgrund seiner expliziten Erwähnung neugierig geworden.
Selbst, als sich die Tür zu Tariks Zimmer geschlossen hatte, war es erst sein Hervortreten ins Licht gewesen, das innerlich einen Stein vom Herzen abfallen ließ. „Dieses Angebot nehme ich gerne an“, lächelte die junge Frau und überging die Lüge in seinen Worten ebenso wie die Frage, ob es ihm überhaupt erlaubt wäre seinen Posten für diese Entscheidung zu verlassen. Doch sie war nicht sein Hauptmann und es läge ihr kaum etwas ferner, gute Männer in Schwierigkeiten zu bringen und sie nicht gegebenenfalls selbst vor Konsequenzen zu schützen. Doch wer sollte um diese Uhrzeit schon Fragen stellen oder allzu genau hinsehen, dass unter einem Torbogen gerade kein Gardist seinen Speer hielt?
Amira wollte gar nicht zurück zu dem Fest und blickte voraus auf einen Spaziergang an der frischen Luft und mit guter Gesellschaft, was ihren Kopf klären und das Erleben gänzlich tilgen würde. Denn natürlich hatte sie das souveräne Auftreten behalten und mochte gar gegen seinen entspannten Elan, diese lockere Leichtigkeit gar streng wirken. Direkt amüsant, wenn man es von außen betrachten wollte, wäre es doch eigentlich zu erwarten gewesen, dass es genau anders herum sein sollte. Doch sie mochte das an ihm, und sie mochte die ehrlichen Worte und die Direktheiten darin. Auch, wenn sie diese nicht immer teilte. „Ihr hört sicherlich sehr selten einen Dank. Ich gebe ihn Euch gerne, genießt ihn“, zwinkerte sie ihm mit einem Schmunzeln auf den Lippen zu und würde auch in Zukunft nicht davon absehen das, was für andere übersehbar selbstverständlich war, durch Worte oder Taten zu honorieren.
Der leere Hof wirkte beinahe wie eine Oase der Ruhe. Viel zu selten, fand sie in diesem Augenblick, nahm sie sich die Zeit einfach nur durch die reichlich bewässerten und dicht gepflanzten Beete zu gehen, die einen vergessen lassen konnten sich mitten in einer Wüste zu befinden. Stattdessen waren Amiras Gedanken beinahe andauernd bei der Herrschaft, bei den Sorgen des Alltags und der Zukunft, manches Mal auch der Vergangenheit. Auch, wenn sie selbst keinen Handlungsspielraum besaß um darauf überhaupt einen Einfluss zu nehmen, beschäftigten sie die Probleme aller anderen um sie herum mindestens genau so sehr, wie ihre eigenen – wenn sie denn Zeit hätte welche zu haben.
Vasims Worte waren das, was sie immer waren: klar und direkt. Die Szene passierte Revue in ihrem Kopf und sie fragte sich, ob sie tatsächlich immer so beherrscht wirkte. „Er hat mich nicht beschädigt“, verwendete sie diesen Begriff nicht um sich selbst zu objektifizieren, sondern zu differenzieren. Denn er hatte sie verletzt und ihr wehgetan, er hatte sie eingeschüchtert und bedroht. Das einzige, was nicht geschehen war, war einen bleibenden Schaden zu hinterlassen. „Doch nehmt meine Beherrschung oder die eines anderen Mädchens nie als Anlass, nicht doch einzugreifen“, ergänzte die junge Frau nahtlos und warf ihm einen Seitenblick zu um sicher zu sein, dass sie seine Aufmerksamkeit hatte. Amira nahm ihre linke Hand und hielt sie waagrecht vor ihren Körper und dass diese sichtbar zitterte lag weder an dem ruhigen Schritttempo, noch an einer bewussten Bewegung ihrerseits. „Dem Herrn dafür die Hand abzuschlagen, erscheint mir ein wenig harsch.“
Auch wenn er es wieder tun würde, Amira war davon überzeugt. Der Alkohol würde ihn morgen das Geschehen vielleicht vergessen lassen, doch selbst bei Erinnerung daran hätte er sicherlich keine Lehre aus der Rüge gezogen. Doch so war es in dieser Gesellschaft nun einmal. „Seid nicht besorgt, Vasim. Vorfälle dieser Art kommen selten vor, denn die regelmäßigen Gäste des Palastes wissen sich zu benehmen. Ihr“, und damit meinte sie die gesamte Garde, „achtet sehr gut darauf, dass es so bleibt. Solcherlei Fehlverhalten wird nicht toleriert.“
Denn immerhin waren sie hier im Palast und keiner Nebengasse eines Straßenbordells, bei dem keine Wache die Mädchen zu verteidigen wusste. Amira hatte ihre Hand bereits wieder neben ihren Körper fallen gelassen und nutzte sie jetzt nur, um die Dupatta ein wenig mehr über die Schultern zu ziehen. Es war nicht kalt, sondern ganz im Gegenteil war diese kühle Frische genau das richtige. Fast schon genussvoll regte sie für einen kurzen Moment die Nase gegen die windstille Luft, als sie noch auf etwas zu sprechen kommen wollte, das ihr in seinen Worten aufgefallen war.
Zu schade, dass er nach wie vor beschlossen hatte sein halbes Gesicht zu verbergen, denn dies zusätzlich zur Dunkelheit machte es ihr schwer seine Mimik zu lesen. „Mein Verhalten ist Euch also aufgefallen... beobachtet Ihr mich aus einem bestimmten Grund?“ Natürlich warf sie niemals einem Gardisten vor seine Rolle ernst zu nehmen und vor allem die Mädchen gut im Blick zu haben, aber im Rahmen dieser Unterhaltung war sie aufgrund seiner expliziten Erwähnung neugierig geworden.
