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windmills of your mind
21.08.1016 - 17:00
Straße in Richtung King's Portal
Belisarius Caderitor Elithea Trakas

Unregistered
Elithea Trakas
Alter
Beruf
Wohnort
Stand
User
#6
Und mit jeder Drehung des Windmühlrades verging ein wenig Zeit. Zeit, die so elendiglich dehnbar war, dass es fast den Anschein hatte, dass sie niemals ihr Ziel erreichen würden. Oder täuschte es Elithea nur in ihrem Schwindel, dass die Hoffnung auf die Ankunft an der Taverne immer weiter vor ihr zu entschwinden drohte. Das Haus, das am Horizont schon so verlockend vom Ende der Reise kündete, wurde einfach nicht größer, kam einfach nicht näher. Oder saß sie einer Fata Morgana auf? Die junge Prinzessin zweifelte allmählich an ihrer eigenen Wahrnehmung. Vielleicht spielten ihr ihre Augen auch nur einen Streich, angeheizt durch das immer lauter dröhnende Pochen hinter ihren Schläfen, das ihr wie tiefe Glocken in den Ohren hallte. Ihre Gedanken überschlugen sich, drehten sich im Kreis wie die Räder an dem mühsam dahin trottenden Wagen, der sich einfach nicht von der Stelle zu bewegen schien. Warum nur hatten sie sich kein schnelleres Gefährt ausgesucht? Oder zumindest einen zweiten Ochsen vorgespannt? Der Geruch des Misthaufens hinter ihnen hörte auch nicht auf wie Gift in ihre Nasen und sämtliche andere Poren zu kriechen und ihr immer mehr die Galle hoch steigen zu lassen.

In all den an ihr zehrenden Befindlichkeiten war es nun auch nicht sonderlich zuträglich, dass die beiden Männer links und rechts von ihr sich ein Wortgefecht über ihren Kopf hinweg lieferten. Streit konnte sie gerade gar nicht brauchen, nein, mehr noch, sie vertrug es einfach nicht. Die Animositäten, die vom Wind hin und her geblasen wurden, sie umwehten und an ihr zerrten, förderten nur das Unwohlsein, das sie eisern in seinen Fängen hielt. Ihr einziger Sicherheitsanker war seine Hand, die die ihre hielt, fest und bestärkend. Warm war seine Haut an der ihren, die trotz des erhitzten Gesichts eine alarmierende Kühle umhauchte. Ein rauer Gegensatz zu ihrer zarten Handfläche und doch ein Widerspruch, der sich in der Vereinigung komplimentierte und ergänzte. Sie hielt sich an ihm fest, verschränkte leicht ihre Finger in den Seinen, gleich einem Zeichen, das sie bereit war ihr Leben mit dem seinen zu verweben, unwiederlöslich verbunden. Ein wenig war die junge Trakas doch erstaunt darüber, dass der Condottiere, der bisher eine schier unerschütterliche Gleichgültigkeit an den Tag gelegt hatte, sich durch die beiläufigen Worte des Bruders derart aufregen ließ. Steckte da mehr dahinter? Seine Fassade der Unnahbarkeit schien zu bröckeln. Vielleicht war doch nicht alles nur Kalkül, Verstand und Logik? Nein, in diesem Moment war er aufgebracht, fast schon streitlustig und in Kampfeslaune. Und das nur wegen ein paar unbedachter Aussagen? Seine letzten Sätze ließen Elithea allerdings die Ohren spitzen. Dachte er wirklich so von ihr? Ganz und gar unbewusst drückte sie die Hand des Kriegsherren ein wenig fester, als wolle sie sich bei ihm bedanken? Oder suchte sie Bestätigung, dass sie diese Worte wirklich glauben durfte? Denn ihn anzusehen, um in seinem Blick Gewissheit zu finden, wagte sie nicht.

Dem Druck allerdings folgte alsbald ein sanftes Streichen ihres Daumens über seine Haut, beruhigend und besänftigend. Während sie einen kurzen, bittenden Blick an ihren Bruder richtete. Eine andere Form diese Zwietracht zwischen dem Höllenhund und ihrem Bruder zu entschärfen, fand sie gerade nicht, denn jedes Wort des Einwandes, würde von ihrem Bruder nur als Verrat der Familie gegenüber ausgelegt werden oder auf der anderen Seite, so sie denn Endymion verteidigen würde, den Lebensretter erzürnen. Sie war nicht nur tatsächlich zwischen den beiden gefangen, sondern auch im übertragenen Sinne saß sie zwischen den Stühlen. Die zarte Geste aber sollte den Kriegsherren ein wenig von seinem Zorn abbringen, den er gegen ihren Bruder richtete. Er hatte schon recht, dass ihr Bruder in dieser Hinsicht über das Ziel hinausgeschossen hatte, doch auch dem Condottiere musste bewusst sein, in welch schwieriger Lage sich der Junge befand, der der führenden Hand des Vaters viel zu früh beraubt wurde. Auf ihm lasteten ebenso Ansprüche und Erwartungen, ob nun reell oder eingebildet. Auch er sah sich gefangen in dem Zwiespalt der adeligen Erziehung und der trostlosen Zukunft. Er war noch jung, vielleicht zu festgefahren in der Rolle des Erbprinzen, als dass er sich traute den Blickwinkel zu ändern. Elithea hatte es da leichter als mittleres Kind und zweite Tochter. Da waren die Zukunftspläne noch weit weniger gefestigt gewesen, als bei ihren Geschwistern, daher fiel es ihr auch nicht so schwer neues zu denken, anderes zu wagen. Und auch Endymion trauerte, war ohne neutrale Führung Beeinflussungen von allen Seiten ausgesetzt. Er wusste nicht anders als mit Worten um sich zu schlagen. Er wusste es einfach nicht besser, das wollte ihm zumindest seine Schwester zugutehalten.

Stille trat ein, erfüllt vom leisen Rascheln des Grases, das sich dem heiteren Tanz des Windes beugte. Scheinbar hatten ihre vermittelnden Gesten geholfen, das konnte sie nur hoffen, denn weder von links noch von rechts wurde das Thema weiter aufgegriffen. Endymion saß nur steinern neben ihr, fest die Lippen zusammengepresst, wie seine ganze Haltung verbissen und verhärmt wirkte, so wie er die Finger ineinanderschlang. Er tat ihr ein wenig leid, doch in diesem Augenblick konnte sie ihn nicht trösten, auch weil sie die Verbindung zu dem Lehrmeister an ihrer anderen Seite nicht lösen wollte. Ein Zeichen, vielleicht, dass längst entschieden war, wo ihre Loyalitäten lagen? Schwer wurde ihr der Kopf, leicht die Glieder, flau der Magen. Ein Gefühl, das sie so nicht kannte, das sie ängstigte und verunsicherte. Sie wollte nicht zur Last werden auf den letzten Metern der Reise, wollte nicht das schwächste Glied sein, wie man es von einem Mädchen denn erwarten würde. Doch ihr Mund wurde immer trockener, gleichsam mit jedem Schlucken drängte sie die aufkeimende Übelkeit hinab. Jeder Atemzug wurde zu einer Herausforderung den Schein zu wahren und sich nicht einfach ihrer Unpässlichkeit hinzugeben. So lange hatte sie bisher schon ausgeharrt und eine Fassade der Selbstsicherheit vorgeschoben, ein wenig länger noch, das würde sie doch aushalten. In der Einsamkeit der vier Wände eines Zimmers in der Taverne dann, dann könnte sie sich ergreifen lassen und aufgeben etwas vorzuspiegeln, doch nicht jetzt. Wenn es denn nicht so schwerfallen würde.

Belisarius‘ scharfem Verstand war ihr kläglicher Zustand allerdings nicht entgangen. Wie hätte sie auch denken können einen gewieften Weltmenschen wie ihn täuschen zu wollen? Lächerlich. Er hatte schon mehr gesehen und erlebt, als Elitheas Fantasie wohl jemals erträumen konnte. Rasch hatte er die Situation erfasst und ein Tuch mit kühlem Nass getränkt, das er ihr nun zureichte. „Danke“ raunte sie und musste nun doch seine Hand loslassen. Die Trennung der Finger durchzuckte sie mit einem fröstelnden Schauer wie tausend Nadelstiche, die fast einen schmerzvollen Beigeschmack hatten. Erst begrub sie ihr Gesicht in dem erfrischenden Tuch, ließ den zarten Geruch nach sandiger Erde und warmem Leder, der wie ein Abendhauch an dem Stoff haftete, auf sich wirken. Eine willkommene Abwechslung zum Güllegestank. Sein Duft. Bodenständig und herb. Ein paar Atemzüge noch, dann rollte sie das Tuch zusammen und legte es sich in den Nacken. Es half zumindest ein wenig, was sie mit einem wohligen Seufzen quittierte. Endlich fanden ihre Finger wieder die seinen und nahmen wieder ihren Platz ein, als wäre er seit jeher für sie vorbestimmt gewesen. Entspannter nun lehnte sie sich ein wenig zurück, bis sie die Antwort auf seine Frage formulieren konnte. Zum Glück schien sie ihm zu gefallen, wobei… nun, da schwang etwas mit, eine tiefere Bedeutung, die sich ihr nicht offensichtlich erschließen wollte, zumindest nicht in ihrem augenblicklichen Zustand. Sie sollte arbeiten, um neue Wege zu gehen, nun, das konnte einiges umfassen, und nicht alles davon mochte ihr vielleicht gefallen. So unschuldig bestärkend die Worte auch klangen, so schnell ließen sie sich auch als verführerisches Locken interpretieren, das sie in eine Welt ziehen wollte, deren Schatten sie verschlingen konnten. Neue Zeiten, meinte er denn nur den neuen Umstand ihrer Situation als entthrontes Adelshaus oder bahnten sich noch ganz andere Neuerungen an auf dem großen Spielbrett der Politik? Wäre sie nur versierter darin Zweideutigkeiten zu erkennen, wenn sie ihr gegenüberstanden. So aber blieb ihr nichts anderes übrig als aufmerksam zuzuhören und das Gehörte in ihrem Herzen zu bewahren, darüber nachzudenken und es wieder hervorzuholen, wenn die Gelegenheit eines nächsten Schachzuges es verlangte. Müde schloss sie die Augen und ahnte doch unterschwellig seinen Versuch einer Umarmung, die er mitten in der Ausführung abbrach. Schon wollte sie sich wiederum ein wenig an ihn schmiegen, an seiner Seite Halt und Schutz finden, doch ihr gemeinsamer Tanz endete in einer etwas unglücklichen Bewegung, die beide wohl eher sehnsüchtig nach ihrer Vollendung zurückließ.

Zum Glück sah sie den strafenden Blick aus den Augenwinkeln ihres Bruders nicht, der sich gänzlich missverstanden und übergangen an den Rand der Karrenbank drückte. Erst das heftige Rumpeln riss sie aus ihrer Konzentration, ihren aufgewühlten Körper irgendwie bis zur Ankunft an der Taverne in Zaum zu halten. Das unsanfte Schaukeln allerdings brach all die mühvoll errichtete Kontrolle. Harsch und hastig presste sie ihre Finger um die Hand des Heerführers. „Bleib stehen.“ hauchte sie tonlos und wartete kaum ab, dass er ihrer Bitte Folge leistete. Selbst ihre recht informelle Anrede war ihr nicht aufgefallen. Der Ochs trabte ohnehin mit einer fast schneckengleichen Geschwindigkeit, die nur wenig schneller war als würden sie schon stehen. Fahrig waren ihre Bewegungen, als sie dringlich über Belisarius kletterte, kaum darauf achtend, wo sie hin stieg, und schließlich taumelnd vom Kutschbock stolperte. Es gelang ihr gerade noch hinter den Karren zu verschwinden, ehe die aufgestaute Galle ihren Weg nach draußen fand. Ein paarmal musste sie würgen und recken, doch außer gelbem Magensaft war kaum etwas aus ihr rauszubekommen. Kein Wunder, sie hatten den ganzen Tag auch eher sparsam gegessen. Mit der Hand, die krampfhaft das Tuch festhielt, stützte sie sich am sperrigen Holz der Karrenrückseite ab, bis endlich ihr Magen aufhörte zu rebellieren. Schwach und erschöpft, doch auch erleichtert, dass nun zumindest dieser Drang sie nicht mehr quälte, sackte sie am hinteren Rad hinab und kauerte sich die Knie eng angezogen in den Schatten des Wagens, das kühle Tuch nun neuerlich ans Gesicht gepresst. Ein paar tiefe Atemzüge, alles andere ausblenden, nur sein Geruch und das sanfte Wehen des Windes, das ihr fernes Vogelgezwitscher ans Ohr trug.
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windmills of your mind - von Belisarius Caderitor - 02-05-2024, 20:46
RE: windmills of your mind - von Elithea Trakas - 06-05-2024, 23:12
RE: windmills of your mind - von Belisarius Caderitor - 07-05-2024, 20:28
RE: windmills of your mind - von Elithea Trakas - 12-05-2024, 23:39
RE: windmills of your mind - von Belisarius Caderitor - 09-06-2024, 18:45
RE: windmills of your mind - von Elithea Trakas - 11-06-2024, 00:11
RE: windmills of your mind - von Belisarius Caderitor - 28-06-2024, 23:10
RE: windmills of your mind - von Elithea Trakas - 01-07-2024, 22:20
RE: windmills of your mind - von Belisarius Caderitor - 08-07-2024, 23:39
RE: windmills of your mind - von Elithea Trakas - 24-07-2024, 00:22

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