17-06-2024, 14:46 - Wörter:
I see magic in her
Even though she denies it

Ihr Lächeln war verblasst, als auch die letzte ihrer Gesellschafterinnen die Tür hinter sich geschlossen hatte und sie mit Imani, ihrem Schatten, allein ließ. Mit den sich entfernenden Schritten hinter der Tür entfernte sich auch die Freude, die Naila bis eben noch empfunden hatte. Sie wusste gar nicht, woher das auf einmal kam und warum ihr der Gedanke auf einmal so zusetzte. Der letzte Abend. Es war beinahe so, als unterschreibe sie das Unvermeidliche. Vieles würde sich nicht einmal ändern, weder ihre Rituale noch die Menschen, mit denen sie sich am liebsten umgab. Wenn man es so wollte, dann hatte sie einfach ein Stück Heimat mit in ein fremdes Land genommen, und doch… Und doch fühlte es sich so an, als würden diese bekannten Kleinigkeiten ab morgen in einem anderen Licht stehen. Als würde sie heute zum letzten Mal ihre Haare gebürstet bekommen als sommerländische Prinzessin. Als würde sie den Schmuck zum letzten Mal im Zeichen ihrer Heimat tragen. Als würde sie zum letzten Mal denken wie eine Sommerländerin, bevor sie sich ihrer neuen Heimat und ihrem Ehemann anzupassen hatte. Geistesabwesend strich Naila über die trockene Farbe der Hennabemalung auf ihrem Arm, während ihr Blick noch immer auf der Tür lag, lange nachdem man sie mit ihrer Leibdienerin allein gelassen hatte.
Erst nach einer ganzen Weile schien sich ihr Blick zu klären und es war das erste Mal, dass sie Imani wirklich wahrzunehmen schien, nachdem sie sich von der Tür abwandte und aus der Mitte des Raumes in Richtung des Raumteilers lief. Das Lächeln, das sie ihr schenkte, war dafür ehrlich. Ein wenig zögerlich und ausgelaugt, aber ehrlich. “Heute war ein langer Tag”, fing sie an und zog sich das einseitig platzierte Tuch von der Schulter. Geduldig wartete Naila, dass Imani ihr die Ösen am Rücken öffnen würde, damit sie sich aus dem sommerländischen, fliederfarbenen Festtagsgewand schälen konnte. “Wenn ich morgen umziehe, dann hast du es nur noch halb so weit zu deiner Schlafkammer.” Es sollte aufheiternd gemeint sein, aber sie beide machten sich etwas vor, wenn sie behaupteten, Nailas Stimme klänge auch nur annähernd amüsiert. Es war nur eine Frage der Zeit, bis aus ihr herausplatzen würde, in was für einem Ausmaß sie die vergangenen und noch folgenden Tage eigentlich beschäftigten. Bestimmt lag es daran, dass sie nicht so gerne im Mittelpunkt stand und allein der heutige Tag sie schon viele Nerven gekostet hatte. Oder weil sie seit einer Woche nicht mehr richtig hatte schlafen können. Ja, bestimmt lag das nicht an dem selben Grund, der sie dazu veranlasste, den Stoff unruhig zwischen ihren Fingern zu reiben.
