21-06-2024, 17:21 - Wörter:

Das kratzende Gefühl in seinem Hals nahm zu und gerne hätte er was auf die folgende Frage erwidert, Ich hab euch und das reicht mir, aber leider musste ein Räuspern herhalten in der Hoffnung, den Frosch zu lösen. Als das nichts half, klopfte er sich selbst auf den Nacken und stellte erleichtert fest, dass sich das Gefühl in den Hintergrund drängte. Generell war er heute ungewöhnlich still, allerdings konnte man das auch so verstehen, dass er sich eben auf die Aufgabe vor sich konzentrierte. Wenn es nur so wär. Leider konzentrierte er sich vor allem darauf, den Schweiß nicht von seiner Stirn tropfen zu lassen.
“Mhm”, brummte er so leise wie möglich und beobachtete Zaras Hintern kurz dabei, wie er außer Reichweite wackelte, dann gab der Blonde sich einen Ruck und nickte in Richtung der zwei Wachen, die genauso abgelenkt zu sein schienen wie Ivar selbst. Khaled konnte das gut, dieses in den Schatten verschmelzen und der Söldner hätte eigentlich auch mit gerecktem Kinn von sich behauptet, dass er zumindest als passabler Dieb durchging. Allerdings war er mit jedem leise platzierten Schritt durch das plattgetretene Gras mehr damit beschäftigt, dem Bedürfnis zu husten nicht nachzugeben. Das Kratzen war mittlerweile zu einem ausgereiften Jucken in seiner Kehle herangewachsen und auch, wenn er schluckte, bescherte ihm das nur wenige Sekunden Ruhe. Eigentlich war der Plan einfach: Ivar stahl sich an den näheren Wachmann heran, der zu seinem Glück auch noch in der Nähe eines Wagens stand, Khaled machte sich seine Superkräfte zu nutzen und huschte auf die andere Seite. Eins gegen eins, möglichst leise, am besten gleichzeitig, wenn Ivar seine linke, gehobene Hand zur Faust ballte und seine rechte Hand mit dem gezogenen Dolch zum Einsatz brachte. Genau dann würde er den Dolch in der Schläfe des Wachmanns versenken, oder in seinem ungeschützten Hals, oder in einer kritischen Stelle, während er ihm von hinten den Mund zuhielt und ihn davon abhielt, zu schreien. Es gab so viele Möglichkeiten, die sich ihm offenbarten, so viele Pläne von A-Z, von denen Eneas immer schwärmte. Faule Scheiße, beiß dich durch. So schwer konnte das doch nicht sein.
Leider war das Jucken mittlerweile kein Jucken mehr, sondern es war zu einem Pochen in seinem Hals herangewachsen. Bevor er auch nur die Hand hinter dem ahnungslosen, bezirzten Wachmann heben konnte, brach es über ihn ein wie eine massive Welle (und Ivar konnte nicht schwimmen). Der Husten war so dermaßen laut, dass sein ganzer Körper mit der Vibration geschüttelt wurde. Er war so brutal, dass Ivar sich - drei Schritte vom Wachmann entfernt - selbst wegdrehen und in seine Ellenbeuge husten musste. “Warte”, krächzte er und hob den Zeigefinger seiner freien Hand in Richtung des Wachmanns, der seiner Überwältigung nur um wenige Sekunden entkommen war. Guter Versuch, auch wenn als Reaktion sofort der Schmerz in seinem Gesicht explodierte und Ivar die Wucht des Faustschlags aus dem Gleichgewicht riss. Schön, wenn man sich vorstellte, das Leben aus seinem Gegner zu pressen und stattdessen selbst auf dem Boden landete, weil die Knie zu weich waren, um sich ordentlich auf den Beinen zu halten. “Aah! Was hast du an ‘Warte’ nicht verst-” Der nächste Schlag war persönlich und ließ Ivars Gesicht den Boden küssen. Schön. Wirklich schön so.
