28-06-2024, 23:10 - Wörter:
Was war schon Zeit? Was war sie schon wert? Belisarius betrachtete die vorbeiziehenden Felder, während sein Blick immer wieder zu seinen Gästen wanderte - und hier insbesondere bei Elithea verweilte. Der Wind spielte seine eigene Melodie, huschte vorbei, suchte seinen eigenen Ort und gab der Zeit in diesem Augenblick einen seltsamen Glanz, fast so, als ob sie in einem halbvergessenen Traum existierten. Von Augenblick zu Augenblick zogen sie ihre Wege in einem endlosen Tunnel, der sich nur Welt nannte. Der Gestank des Misthaufens verlor an Bedeutung für den Kriegsherren, auch wenn er seine Wirkmacht behielt. Die sanfte Berührung der Zuversicht, welche er mit der Prinzessin teilte, gab auch ihm einen Glanz, den er sonst vermisste. Belisarius war nur noch ein Fragment dessen, was hätte sein können. Zeit spielte ihre Spiele, zeichnete Gesichter neu und erlaubte sich einen tieferen Witz, dass sie eine Gestalt der Ungnade einem Wesen der Gnade gegenüberstellte. Belisarius suchte seine Gedanken, seine Ideen, wollte sich ihrer vergewissern, doch auch sie flossen immer langsamer und verhungerten in ihrer Absicht. Immer wieder kreisten sie aber endeten genauso bedeutungslos, wie sie begonnen hatten. Zeit schien immer langsamer zu vergehen, immer mehr Details zu verlieren, gleichzeitig seltsame Details betonend. Belisarius verstand die Welt anders als andere, sah sie vielleicht klarer und doch kam mit dieser Klarheit nicht zwingend Zuversicht und Hoffnung. In dieser merkwürdigen Magie umschloss ihn eine traurige Gewissheit, dass Elithea mit ihrer Güte, die sie so schön zeigte, in dieser Welt verloren sein würde. Ihre Berührungen seiner Hände, der Ausdruck ihrer geteilten Nähe, hier auf dem Wagen, ließ nur einen Schluss zu, dass sie verloren war. Nicht, weil sie verloren sein musste, sondern weil die Welt Mitgefühl stets verurteilte. Immer wenn er selbst gehofft hatte, damals als Kind, hatte er die blutigen Schläge seines Vaters gespürt, immer wieder, bis auch ihm klar war, dass Mitgefühl nicht wichtig war, sondern nur eine politische Waffe. Umso mehr tat Elithea ihm leid, dass sich ihre Wege derart darstellen mussten. Die Gnade der vermeintlich guten Geburt waren nun ihr Schicksal, so dass ihre Gefangenschaft im Stand sie unfrei machte. Doch niemand war wirklich frei, dass wusste Belisarius ebenso.
Doch Elithea hatte es verdient, mehr zu sein, als eine Gefangene von politischen Interessen. Ihre Güte, ihr Wesen, stand in einem solchen Kontrast zu ihm selbst, dass er wusste, dass die Welt Elithea mehr brauchte, als vielleicht ihn selbst. Der Kriegsmeister war ein Unmensch aber kein solcher Unmensch, dass er Güte nicht sehen konnte. Doch alles war bereits verloren, so verloren, da er höchstselbst den Krieg entfesseln würde, der alle Güte und alles Mitgefühl zu besonderen Schätzen machen würde. Elithea war besonders für ihn, sich dies einzugestehen, war schwer für einen Mann, der Bindungen vermied, weil sie einen letztlich verwundbar machen würden. Er hatte schon zu viele Wunden erlitten und wollte keine weiteren ertragen. Denn er war nur noch ein Fragment dessen, was einst ein Mensch gewesen war. In ihren Augen wollte er Gewissheit finden, doch in diesem Moment, wich sie seinem Blick aus; wagte es nicht, eine gemeinsame Gewissheit zu firmieren. Die Dunkelheit lungerte, wie ein Schatten um ihn herum, wartend, hungernd, bis der letzte Rest seiner Maske verbrannt war. Doch etwas hielt sie zurück, ließ nicht zu, dass er gänzlich Teufel war. Es war ihre Hand, die noch immer seine Hand hielt. Noch immer hielt sie seine Hand, strich mit ihrem Daumen über diese. Egal, was Belisarius war, so war Elithea hier und suchte ihn, seine Worte, seine Nähe und umhüllte ihn mit ihrem Licht. Sie hielt die Dunkelheit fern, die ihn stets befiel und so unheilig machte. "Ich habe so manches auf meinen Reisen gesehen, Prinzessin. Ich möchte euch sagen, dass ...," wollte er etwas formulieren aber brach dann ab. Was sollte er schon als Unhold, als dunkler Hauptmann und Teufel einer Lichtgestalt verantworten? Er wollte sich ihr offenbaren, sich ihr als das zeigen, was er in Wahrheit war und sein wollte; und doch endeten seine Worte abrupt. Er konnte ihr nichts gestehen, sich ihr übereignen und ihr erklären, was wirklich vor sich ging. Doch er würde er helfen, immer und allseits, da sie jene Lichtgestalt für ihn geworden war, die er selten auf seinen Reisen gefunden hatte.
"Ich bin für euch da," erklärte er also aber blickte sie dabei schwermütig an; fast so, als ob es ihm sehr schwer fiel und gleichzeitig mit einer Trauer umfing. Belisarius war nicht nur dankbar, sondern verehrte ihre Güte, da er sie selbst nicht besaß. Sie sollte sich wohl fühlen, auch wenn sie sich gerade in keinem guten Zustand befand. Die Prinzessin sollte wissen, dass sie einen Verbündeten gefunden hatte, der er nicht nur die Wege und Entscheidungsmöglichkeiten zeigen würde, sondern sie auch beschützen würde. Sie raunte ein Danke und der Kriegsherr lächelte kurz, fast ungewohnt menschlich, da Elithea genau jene Menschlichkeit in ihm wecken konnte. Doch plötzlich sollte er den Wagen anhalten. Ihre Bewegung, ihre hastiges Drücken an seiner Hand, zeigte ihm, dass es eilig war. Er hielt an, so dass die Prinzessin hastig über ihn hinab klettert und den Wagen verließ. Belisarius erahnte bereits, dass es ihre körperlichen Funktionen waren, die jetzt ihren Tribut fordern würde. Diesen Anblick kannte er und er hatte genug Truppen ins Feld geführt, um zu erkennen, wenn sie derartiges regen würde. Nicht entfernt vom Wagen musste sie würgen und recken, doch außer gelbem Magensaft war kaum etwas aus ihr entkommen. Belisarius stieg selbst hinab, versicherte davor jedoch dem Ochsen, dass Ruhe notwendig war und ging dann ruhigen Schrittes zu Elithea. Die Prinzessin stützte sie sich am Holz der Karrenrückseite ab, bis sich ihre Situation beruhigte. Belisarius beobachtete, wie sie erschöpft, am hinteren Rad hinab sackte und sie sich kauernd im Schatten des Wagens, sein kühles Tuch ins Gesicht presste. Gemäßigt trat er zu ihr, senkte sich vorsichtig hinab und setzte sich neben die Prinzessin, um ihr durch Anwesenheit zu zeigen, dass er sie wahrnahm und unterstützte. Er saß nur da und ließ sie gewähren, bis sie sich wieder ansprechbar fühlen würden. Er deutete ihre Geste als Zeichen eines Wunsches nach Ruhe, so dass er nichts sagte. Er verweilte nur neben ihr, bot ihr seine Hand an, und würde ihre greifen, sobald sie bereit war. Das Erbrochene ignorierte er, da es ohnehin nicht unter dem Gestank des Wagens sonderlich hervortrat und Elitheas Zustand wichtiger war.
Doch Elithea hatte es verdient, mehr zu sein, als eine Gefangene von politischen Interessen. Ihre Güte, ihr Wesen, stand in einem solchen Kontrast zu ihm selbst, dass er wusste, dass die Welt Elithea mehr brauchte, als vielleicht ihn selbst. Der Kriegsmeister war ein Unmensch aber kein solcher Unmensch, dass er Güte nicht sehen konnte. Doch alles war bereits verloren, so verloren, da er höchstselbst den Krieg entfesseln würde, der alle Güte und alles Mitgefühl zu besonderen Schätzen machen würde. Elithea war besonders für ihn, sich dies einzugestehen, war schwer für einen Mann, der Bindungen vermied, weil sie einen letztlich verwundbar machen würden. Er hatte schon zu viele Wunden erlitten und wollte keine weiteren ertragen. Denn er war nur noch ein Fragment dessen, was einst ein Mensch gewesen war. In ihren Augen wollte er Gewissheit finden, doch in diesem Moment, wich sie seinem Blick aus; wagte es nicht, eine gemeinsame Gewissheit zu firmieren. Die Dunkelheit lungerte, wie ein Schatten um ihn herum, wartend, hungernd, bis der letzte Rest seiner Maske verbrannt war. Doch etwas hielt sie zurück, ließ nicht zu, dass er gänzlich Teufel war. Es war ihre Hand, die noch immer seine Hand hielt. Noch immer hielt sie seine Hand, strich mit ihrem Daumen über diese. Egal, was Belisarius war, so war Elithea hier und suchte ihn, seine Worte, seine Nähe und umhüllte ihn mit ihrem Licht. Sie hielt die Dunkelheit fern, die ihn stets befiel und so unheilig machte. "Ich habe so manches auf meinen Reisen gesehen, Prinzessin. Ich möchte euch sagen, dass ...," wollte er etwas formulieren aber brach dann ab. Was sollte er schon als Unhold, als dunkler Hauptmann und Teufel einer Lichtgestalt verantworten? Er wollte sich ihr offenbaren, sich ihr als das zeigen, was er in Wahrheit war und sein wollte; und doch endeten seine Worte abrupt. Er konnte ihr nichts gestehen, sich ihr übereignen und ihr erklären, was wirklich vor sich ging. Doch er würde er helfen, immer und allseits, da sie jene Lichtgestalt für ihn geworden war, die er selten auf seinen Reisen gefunden hatte.
"Ich bin für euch da," erklärte er also aber blickte sie dabei schwermütig an; fast so, als ob es ihm sehr schwer fiel und gleichzeitig mit einer Trauer umfing. Belisarius war nicht nur dankbar, sondern verehrte ihre Güte, da er sie selbst nicht besaß. Sie sollte sich wohl fühlen, auch wenn sie sich gerade in keinem guten Zustand befand. Die Prinzessin sollte wissen, dass sie einen Verbündeten gefunden hatte, der er nicht nur die Wege und Entscheidungsmöglichkeiten zeigen würde, sondern sie auch beschützen würde. Sie raunte ein Danke und der Kriegsherr lächelte kurz, fast ungewohnt menschlich, da Elithea genau jene Menschlichkeit in ihm wecken konnte. Doch plötzlich sollte er den Wagen anhalten. Ihre Bewegung, ihre hastiges Drücken an seiner Hand, zeigte ihm, dass es eilig war. Er hielt an, so dass die Prinzessin hastig über ihn hinab klettert und den Wagen verließ. Belisarius erahnte bereits, dass es ihre körperlichen Funktionen waren, die jetzt ihren Tribut fordern würde. Diesen Anblick kannte er und er hatte genug Truppen ins Feld geführt, um zu erkennen, wenn sie derartiges regen würde. Nicht entfernt vom Wagen musste sie würgen und recken, doch außer gelbem Magensaft war kaum etwas aus ihr entkommen. Belisarius stieg selbst hinab, versicherte davor jedoch dem Ochsen, dass Ruhe notwendig war und ging dann ruhigen Schrittes zu Elithea. Die Prinzessin stützte sie sich am Holz der Karrenrückseite ab, bis sich ihre Situation beruhigte. Belisarius beobachtete, wie sie erschöpft, am hinteren Rad hinab sackte und sie sich kauernd im Schatten des Wagens, sein kühles Tuch ins Gesicht presste. Gemäßigt trat er zu ihr, senkte sich vorsichtig hinab und setzte sich neben die Prinzessin, um ihr durch Anwesenheit zu zeigen, dass er sie wahrnahm und unterstützte. Er saß nur da und ließ sie gewähren, bis sie sich wieder ansprechbar fühlen würden. Er deutete ihre Geste als Zeichen eines Wunsches nach Ruhe, so dass er nichts sagte. Er verweilte nur neben ihr, bot ihr seine Hand an, und würde ihre greifen, sobald sie bereit war. Das Erbrochene ignorierte er, da es ohnehin nicht unter dem Gestank des Wagens sonderlich hervortrat und Elitheas Zustand wichtiger war.
