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windmills of your mind
21.08.1016 - 17:00
Straße in Richtung King's Portal
Belisarius Caderitor Elithea Trakas

Unregistered
Elithea Trakas
Alter
Beruf
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Stand
User
#8
Allmählich kehrte Ruhe in ihren Körper ein und doch hielt der Beigeschmack von zu viel Sonne ihren Kopf in einem festen Griff, als würden sich Schraubzwingen immer enger um ihre Stirn schließen. Und mit jedem Pochen hinter ihren Schläfen meinte die junge Prinzessin ihr inneres Licht mehr und mehr erlöschen zu spüren. Die Strapazen der letzten Tage lagen ihr schwer auf dem Gemüt, erdrückender, als sie es vielleicht geahnt und niemals zugegeben hätte. All die Erwartungen und Ansprüche, die man ihr auf die Schultern geladen hatte in dem Bestreben die Familie moralisch bei Laune zu halten, was scheinbar nur an ihrem Einsatz gelingen oder scheitern würde, zwangen Elithea nun endgültig in die Knie. Ein Flackern, das kaum mehr erhellte als ein schwaches Zündholz, so kraftlos und ohnmächtig fühlte sie sich im Kampf gegen die Schrecken der Finsternis.

War es da nicht geradezu widersinnig, dass es der Schattenmeister selbst war, der das zaghafte Flämmchen – ob bewusst oder unbewusst – schützte und pflegte? Denn genau dieser Schatten war es, der mit einer beinahe schon erschreckend präzisen Besonnenheit und stillen Selbstsicherheit genau das richtige tat und ohne viel Worte sich einfach nur neben sie setzte. Er war da. Denn wo Licht war, dort musste es auch Schatten geben. Und wo Schatten fiel, war das Licht nicht weit. Ganz fälschlich aber ist die Annahme, dass der Schatten Feind des Lichts ist oder das Licht Gegenspieler des Schattens. Nein, es verhält sich nämlich anders. Der Schein des Lichts nährte den Schatten, war mit ihm eins und tanzte mit ihm. Der Schatten aber umringt das Licht, hält von diesem die Gräuel der verzehrenden Dunkelheit fern, legt sich um das Licht wie eine feste Mauer der Verteidigung gegen die Mächte der ewigen Finsternis.

Und so war es auch mit dem schattenreichen Kriegsfürsten und der lichtgleichen Fürstentochter. Gerade in diesem Moment konnte ihre Flamme der Güte und des Mitgefühls nur überleben, weil sein Schatten sich schirmend um sie legte und mit seiner Stärke ihre Schwäche ausglich, jetzt wo sie ihn am nötigsten hatte. Er wusste es, ohne dass viele Worte zwischen ihnen gewechselt werden mussten. Er wusste es und bestätigte diesen unausgesprochenen Bund zwischen ihnen mit einer einzigen Aussage “Ich bin für euch da“. Belisarius war der erste Mensch, der sie sah. Nicht nur ihr Aussehen und ihre bloße Anwesenheit, nein, er sah ihre Seele, ihren Wert, ihren Geist und ihre Zukunft. Sein Blick streifte nicht nur ihr Äußeres, nein, seine Augen lagen auf ihr und drangen bis in ihre Seele vor. Er nahm sie wahr, er erkannte sie als den Menschen, der sie war und mehr noch, als den Menschen, der sie sein konnte, sein wollte. Er war der Einzige, der ihr Bedeutung beimessen wollte, der ihr Leben für wichtig erachtete. Und diese Zuversicht war es, die ihrer Seelenflamme Leben einhauchte, die ihr flackerndes Licht heller und wärmer scheinen ließ, einfach nur, weil er ihr die Freiheit gab, ohne Zwang und Einschränkung. In seinen Augen war sie nicht nur die Tochter eines gefallenen Fürsten. Für ihn war sie nicht nur das mittlere Kind, unwichtig und übersehen, eingezwängt zwischen der Erstgeborenen und ihrem Potenzial am Heiratsmarkt und dem Jüngsten, der als Nachfolger und Titelerbe alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie wollte nicht klagen über ihre Kindheit oder ihre Familie, das wäre ungerecht und auch nicht wahr. Und dennoch spielte sie als zweite Tochter bisher keine Rolle. Erst die Flucht und das Zusammentreffen mit dem Heerschergen änderte diesen Umstand. Endlich konnte sie strahlen, sich entwickeln und ihren Platz im zermürbenden Zahnrad des Weltgeschehens selbst definieren. Belisarius gestand ihr zu, dass sie es selbst in der Hand hatte, welchen Weg sie einschlagen wollte, dass es eine Auswahl gab, nicht nur ein vorgefertigtes, ihr unbekanntes Ziel, auf das sie keinen Einfluss hatte. Er hatte ihr einen kleinen Ausblick auf die Wahrheit eröffnet, unverblümt und schonungslos und damit brutal ehrlich.

Als sich der Condottiere neben Elithea auf den Boden setzte, lehnte sie automatisch den schweren Kopf an seine Schulter und schloss die Augen, während die Hand mit dem Tuch in ihren Schoß sackte. Tiefe Atemzüge, bemüht ruhig und regelmäßig, wollten das leichte Zittern ihrer Glieder überdecken. Die Knie immer noch angezogen, schmiegte sich ihr Körper an seine Seite, formte sich an ihm ab, passte sich an ihn an. Ihre Hand fand den Weg unter seiner Achsel hindurch und verwob sich mit seinen Fingern ohne dass sie nach seiner Erlaubnis fragte. Wie schnell so eine einfache Berührung zu einer liebgewonnenen Gewohnheit wurde, deren Fehlen man schmerzlich vermisste. Es dauerte nicht lange, da nahmen ihre Atemzüge wieder an Normalität zu.

Ein Räuspern störte die Zweisamkeit. Achja, den Bruder, den hatte man fast vergessen. Auch Endymion war von der Kutschbank gesprungen, um nach seiner Schwester zu sehen. Auch wenn er es nicht zugeben würde, so hatten die strengen Worte des Kriegsmeisters doch einen gewissen Eindruck auf ihm hinterlassen. Sicherlich wollte er sich nicht nachsagen lassen, dass er seine Obsorgepflicht gegenüber seiner Familie vernachlässigen würde. “Geht es dir besser, Thea?“ ruhte sein Blick dennoch mit einer gewissen prüfenden Skepsis auf der intimen Szenerie, die sich ihm offenbarte. Doch er bemühte sich um eine gewisse brüderliche Nähe in seiner Stimme. Elithea hob den Kopf zu ihm und nickte, liebevoll lächelnd. “Danke, Endymion. Verzeih mir, aber die Sonne war wohl etwas zu viel für mich. Wir können gleich weiter.“ Der Bruder nahm ihre Worte zur Kenntnis, ohne eine großartige Regung, und beobachtete weiter. Er zweifelte nicht, dass der Tag anstrengend gewesen war, vor allem für ein schwaches Weibsgemüt. Dennoch, eigentlich gab es nur einen Grund, so hatte man es ihm gelehrt, warum Frauen sich erbrachen, wenn keine offensichtliche Krankheit zu erkennen war. Und so innig wie der Soldatenführer und seine Schwester sich präsentierten, musste er da nicht annehmen, dass hier vielleicht eine lasterhafte Schandtat Grund der Übelkeit war? Kannten sich die beiden länger, besser, als sie es zugaben? War seine Schwester schon längst nicht mehr so schamvoll, wie sie sich gab? Endymion presste die Lippen zusammen und verließ die Szenerie, die ihm so gar nicht gefallen wollte.

Elithea legte den Kopf wieder auf Belisarius Schulter zurück, so schwer und pochend war es einfach eine Anstrengung ihn gerade zu halten. “Entschuldigt bitte mein Verhalten. Ihr wolltet mir etwas erzählen und ich habe euch unterbrochen, das war unhöflich von mir.“ Ein paar Augenblicke noch, dann wäre sie sicherlich wieder fähig aufzustehen und die Reise in diesem gräßlichen Mistkarren endlich zu beenden. Sie musste, komme was wolle, sich zusammenreißen. Das Zwitschern der Vögel, das die tröstende Windbrise um sie herum zwirbelte, beruhigte sie, gaben ihr etwas, auf das sie sich konzentrieren konnte, abseits der dröhnenden Kopfschmerzen. “Danke, Belisarius, ich weiß eure Nähe sehr zu schätzen.“ wogen ihre Worte mehr als deren reiner, wörtlicher Sinn. “Habt ihr noch einen Schluck Wasser für mich? Wir sollten dann aufbrechen und endlich an der Taverne Rast finden.“ jetzt, wo die Übelkeit ihr nicht mehr die Kehle zuschnürte, fiel ihr das Sprechen wieder leichter, dennoch wollte sie den bitteren Beigeschmack fortspülen.
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windmills of your mind - von Belisarius Caderitor - 02-05-2024, 20:46
RE: windmills of your mind - von Elithea Trakas - 06-05-2024, 23:12
RE: windmills of your mind - von Belisarius Caderitor - 07-05-2024, 20:28
RE: windmills of your mind - von Elithea Trakas - 12-05-2024, 23:39
RE: windmills of your mind - von Belisarius Caderitor - 09-06-2024, 18:45
RE: windmills of your mind - von Elithea Trakas - 11-06-2024, 00:11
RE: windmills of your mind - von Belisarius Caderitor - 28-06-2024, 23:10
RE: windmills of your mind - von Elithea Trakas - 01-07-2024, 22:20
RE: windmills of your mind - von Belisarius Caderitor - 08-07-2024, 23:39
RE: windmills of your mind - von Elithea Trakas - 24-07-2024, 00:22

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