02-07-2024, 23:08 - Wörter:
In inniger Zweisamkeit saßen die beiden Ziehgeschwister nebeneinander auf der Bank und genossen den prachtvollen Sternenhimmel. Gareth konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal so mit Muirín zusammengesessen hatte, seit sie Kinder gewesen waren. Irgendwann war jeder seinen eigenen Weg gegangen, auch wenn sie noch immer unter einem Dach lebten. So war ihm nicht bewusst, mit welchen schweren Gedanken sich die Ältere plagte. In seinen Augen war Muirín die Selbstbewusste - vielleicht ein bisschen oberflächlich und flatterhaft - die keinerlei Anstalten machte, heiraten zu wollen, was den Fürsten zur Weißglut brachte. Dies hatte Gareth großen Respekt abgerungen, denn es erforderte viel Mut, Tiarnans Wut zu trotzen. Dass Rory seiner Schwester nun auch zusetzte und ihr einen passenden Mann suchen wollte, hatte Gareth nur am Rande mitbekommen. Glücklicherweise ging ihn das nichts an, und er hielt sich aus solchen Themen heraus. Er hatte angenommen, dass Muirín die Männer ihrer Familie gut unter Kontrolle hatte und sich nichts vorschreiben ließ, stattdessen ihre Freiheit genoss – was er durchaus nachvollziehen konnte. Für Gareth war an der Entscheidung, sich nicht binden zu wollen und stattdessen die Vorzüge einer unverheirateten Frau zu genießen, nichts Verwerfliches.
Als Gareth von jenem Abend erzählte, als sie mit Grian auf der Wiese saßen und den Sternenhimmel beobachteten, konnte er Muiríns Lächeln zwar nicht sehen, weil er nach oben blickte, doch ihre Stimme verriet, dass sie sich ebenfalls daran erinnerte. Er lachte leise, als sie erwähnte, dass er versucht hatte, den Mädchen Angst einzujagen, und drehte den Kopf zu ihr, als sie leise quietschte. Seine blauen Augen funkelten vor Belustigung, als ihm die Situation wieder einfiel. „Ana hatte solche Angst, dass sie sich unter der Decke verkroch und nicht mehr herauswollte. Grian musste sie dann mit der Decke über dem Kopf reintragen, und sie war sehr ungehalten, weil ich der Kleinen solche Angst gemacht hatte. Ich glaube, Ana hat den Rest der Nacht unter der Decke verbracht. Du warst nicht so leicht zu erschrecken.“
Gareth grinste seine Ziehschwester breit an und wurde dann wieder ernster, als Muirín von Rorys Eigenheiten sprach. Er musterte sie nachdenklich. Zwar hatte er nicht im Detail mitbekommen, was zwischen den Geschwistern vorgefallen war, aber dass sie momentan nicht gut aufeinander zu sprechen waren, war auch ihm nicht entgangen. „Hm, ich glaube, da lastet eine Menge Druck auf ihm, alles richtigzumachen und seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Und die sind schon recht hoch.“
Als Muirín dann über ihre Gefühle in Bezug auf ihre Mutter sprach, hielt Gareth inne und lächelte schwach. „Weißt du, Muirín, ich habe deine Mutter wie meine eigene geliebt. Sie war eine unglaubliche Frau, voller Liebe und Weisheit. Sie hat mich aufgenommen und mir das Gefühl gegeben, wirklich Teil der Familie zu sein. Ihr Verlust hat mich tief getroffen, und ich vermisse sie jeden Tag“, gab er ehrlich zu und spürte, wie sich ein Kloß in seinem Hals bildete. Erst jetzt fiel ihm auf, wie wenig sie über Grian gesprochen hatten, seit sie gestorben war. Der Schock und die Trauer über ihren frühen Tod saßen tief in den Herzen der Henaghens, und so war es leichter, zu schweigen, als sich immer wieder an ihren Verlust zu erinnern.
Gareth erwiderte Muiríns Lächeln und ihren Blick, der plötzlich so viel tiefer ging, als er es normalerweise von seiner Ziehschwester gewohnt war. Für einen Augenblick verlor er sich in ihren Augen und hätte fast ihre Frage überhört. Er blinzelte und räusperte sich, bevor er antwortete. „Ich habe immer geglaubt, dass ich mein eigenes Schicksal schmieden kann. Dass ich meine eigene Zukunft bestimme. Aber je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass es Kräfte gibt, die größer sind als wir. Meine Mutter spricht von Prophezeiungen und Zeichen, und vielleicht hat sie recht. Vielleicht ist mein Weg vorbestimmt. Dass ich als Druide im Heiligtum leben soll. Vielleicht ist das mein unausweichliches Schicksal.“
Der Sohn der Hohepriesterin wandte den Blick ab, um die Emotionen zu verbergen, die in ihm aufstiegen, und sah erneut nach oben in den Himmel. Wie sehr wünschte er sich, die Zeit anhalten und für immer hier sitzen bleiben zu können. Und der junge Mann erkannte erneut, dass er noch nicht bereit war, sein Schicksal anzunehmen. Doch es fiel ihm schwer, seine leibliche Mutter davon zu überzeugen.
Nach einer Weile der Stille zwischen ihnen drehte Gareth erneut den Kopf und sah Muirín an. „Würde es dir etwas ausmachen, wenn ich gehen müsste?“, fragte er leise. „Würdest du mich vermissen?“
Als Gareth von jenem Abend erzählte, als sie mit Grian auf der Wiese saßen und den Sternenhimmel beobachteten, konnte er Muiríns Lächeln zwar nicht sehen, weil er nach oben blickte, doch ihre Stimme verriet, dass sie sich ebenfalls daran erinnerte. Er lachte leise, als sie erwähnte, dass er versucht hatte, den Mädchen Angst einzujagen, und drehte den Kopf zu ihr, als sie leise quietschte. Seine blauen Augen funkelten vor Belustigung, als ihm die Situation wieder einfiel. „Ana hatte solche Angst, dass sie sich unter der Decke verkroch und nicht mehr herauswollte. Grian musste sie dann mit der Decke über dem Kopf reintragen, und sie war sehr ungehalten, weil ich der Kleinen solche Angst gemacht hatte. Ich glaube, Ana hat den Rest der Nacht unter der Decke verbracht. Du warst nicht so leicht zu erschrecken.“
Gareth grinste seine Ziehschwester breit an und wurde dann wieder ernster, als Muirín von Rorys Eigenheiten sprach. Er musterte sie nachdenklich. Zwar hatte er nicht im Detail mitbekommen, was zwischen den Geschwistern vorgefallen war, aber dass sie momentan nicht gut aufeinander zu sprechen waren, war auch ihm nicht entgangen. „Hm, ich glaube, da lastet eine Menge Druck auf ihm, alles richtigzumachen und seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Und die sind schon recht hoch.“
Als Muirín dann über ihre Gefühle in Bezug auf ihre Mutter sprach, hielt Gareth inne und lächelte schwach. „Weißt du, Muirín, ich habe deine Mutter wie meine eigene geliebt. Sie war eine unglaubliche Frau, voller Liebe und Weisheit. Sie hat mich aufgenommen und mir das Gefühl gegeben, wirklich Teil der Familie zu sein. Ihr Verlust hat mich tief getroffen, und ich vermisse sie jeden Tag“, gab er ehrlich zu und spürte, wie sich ein Kloß in seinem Hals bildete. Erst jetzt fiel ihm auf, wie wenig sie über Grian gesprochen hatten, seit sie gestorben war. Der Schock und die Trauer über ihren frühen Tod saßen tief in den Herzen der Henaghens, und so war es leichter, zu schweigen, als sich immer wieder an ihren Verlust zu erinnern.
Gareth erwiderte Muiríns Lächeln und ihren Blick, der plötzlich so viel tiefer ging, als er es normalerweise von seiner Ziehschwester gewohnt war. Für einen Augenblick verlor er sich in ihren Augen und hätte fast ihre Frage überhört. Er blinzelte und räusperte sich, bevor er antwortete. „Ich habe immer geglaubt, dass ich mein eigenes Schicksal schmieden kann. Dass ich meine eigene Zukunft bestimme. Aber je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass es Kräfte gibt, die größer sind als wir. Meine Mutter spricht von Prophezeiungen und Zeichen, und vielleicht hat sie recht. Vielleicht ist mein Weg vorbestimmt. Dass ich als Druide im Heiligtum leben soll. Vielleicht ist das mein unausweichliches Schicksal.“
Der Sohn der Hohepriesterin wandte den Blick ab, um die Emotionen zu verbergen, die in ihm aufstiegen, und sah erneut nach oben in den Himmel. Wie sehr wünschte er sich, die Zeit anhalten und für immer hier sitzen bleiben zu können. Und der junge Mann erkannte erneut, dass er noch nicht bereit war, sein Schicksal anzunehmen. Doch es fiel ihm schwer, seine leibliche Mutter davon zu überzeugen.
Nach einer Weile der Stille zwischen ihnen drehte Gareth erneut den Kopf und sah Muirín an. „Würde es dir etwas ausmachen, wenn ich gehen müsste?“, fragte er leise. „Würdest du mich vermissen?“
