10-07-2024, 17:56 - Wörter:
Was Diana bisher noch an intrinsischer Zuversicht gefehlt hatte, wurde ihr von außen eingegeben. Belisarius versicherte mehrmals, wer sie war. Diana und sie war Zuhause. Sie nickte ihm mit nur ganz leichter Bewegung zu, während er ihr diese Rückversicherung gab. Ja, sie war überzeugter mit jedem Atemzug.
Auch ihre unklare Geschichte darüber, was passiert war, wurde bestätigt. Belisarius war dort gewesen, hatte alles gesehen - und sie dann heim gebracht. Außerdem holte er etwas hervor, das Diana schon fast verloren geglaubt hatte: die Erinnerungen an Daphne. Ihre andere Identität. Der Name, unter dem sie mit einigen anderen Gauklern durch die Weltgeschichte reiste. Vollkommen gebannt betrachtete sie Belisarius, der sich ihre Verwirrung ebenfalls nicht abschließend erklären konnte. Diana fühlte sich elend. Nicht nur wegen der letzten Nachwirkungen des Gifts, das ihr Körper noch zu verarbeiten hatte. Und nicht nur wegen ihres grollenden Hungers, ihrer Ohnmacht und allem, was sie heute erlebt hatte. Sie fühlte sich auch elend, weil sie glaubte, versagt zu haben. Zwar erklärte Belisarius ihr, dass es so manchem schon passiert sei, doch Diana gefiel das ganz und gar nicht. Sie war schließlich nicht so mancher. Auch als Daphne war sie schon eine eitle, stolze Diva gewesen. Zwar hatte Belisarius diese Seite ihres Charakters nicht kennenlernen können, doch dafür zeigte sich ihre kalte Willensstärke nun umso deutlicher. Verbisschen versuchte sie, sich von Belisarius' Hand zu lösen und selbständig sitzen zu können. Sie wollte sprichwörtlich ab jetzt wieder die Starke sein. Auf eigenen Beinen stehen. Keine Schwäche zeigen. "Ich glaube, mich daran zu erinnern, etwas Wohlschmeckendes, Seltsames getrunken zu haben...", versuchte sie, sich zu erinnern. "Das muss mein großer Fehler gewesen sein...", sinnierte sie mehr für sich selbst.
Gleichsam lauschte sie weiter seiner Stimme, jedem Wort und jedem Wohlklang. Diese Stimme und diese Hand waren eigentlich alles, woran sie im Leben noch glaubte. Und darum durfte ihr nicht das kleinste Bisschen entgehen. Er wiederholte, was ihre Aufgabe gewesen war und Diana nickte eifrig, ... als würde es ihr gerade wieder einfallen. Alle Schwäche musste abgelegt und verdrängt werden - gerade gegenüber ihrem Auftraggeber, ihrem einzigen Vertrauten.
Zwar gab er ihr mit einer Geste zu verstehen, dass sie sich nicht zu schämen brauchte - doch zu spät. Sie schämte und ärgerte sich über sich selbst. Fühlte sich als Versagerin, der man alles mehrmals erklären musste.
Sie bemerkte Belisarius' Lächeln und auch wenn es sie irgendwo erleichterte, konnte sie es doch nicht erwidern. Noch nicht. Dafür saßen Scham und Ärger noch zu tief.
Mit einem wehmütigen Blick sah sie ihm schließlich nach, doch verstand sie natürlich, dass es nun wichtig war, dass Rabia nochmal nach ihr sah.
Abermals blieb Diana erst einmal nichts weiter übrig, als sich mit dem Rücken gegen die Wand zu lehnen und auszuharren. Das war gut, denn es gab ihr noch einmal Zeit, über alles gesprochene nachzudenken, es sacken und einsinken zu lassen. Außerdem konnte sie sich kurz ausruhen, ohne die Starke spielen zu müssen.
***********************************
Zugegebenermaßen hatte Rabia nicht mehr damit gerechnet, heute einen weiteren Einsatz zu haben. Die Nacht war mittlerweile weit fortgeschritten und ihre Heilerstube war belegt. Darum hatte sie sich an einem anderen Ort zum Schlafen zurückgezogen. Doch natürlich wurde sie von einem herbeieilenden Soldaten geweckt und zurück geschickt. Ein Blick aus dem offenen Fenster in den Nachthimmel gab ihr Aufschluss darüber, dass nicht so viel Zeit vergangen war, wie sie angenommen hatte.
Doch dies spielte keine Rolle - sie wurde erwartet und so begab sie sich - zugegebenermaßen in aller dem Alter gebührenden Ruhe - zurück zu ihrer Heilstube, vor der Belisarius bereits auf sie wartete. Er wirkte nicht sonderlich aufgeregt, sodass es kein Indiz dafür gab, dass etwas schief gegangen war.
Rabias Lippen zogen sich zu einem zähnezeigenden Lächeln auseinander und sie legte vollkommen ruhig die Hände ineinander. "Es ist also getan?, fragte sie rhetorisch und legte den Kopf in den Nacken. Durch die Nase sog sie die Umgebungsluft ein - geradezu so, als könne sie riechen, ob es also getan war. Dann erst ergriff sie wieder das Wort. "Ich hätte nicht gedacht, dass Du mich so schnell wieder brauchen würdest...", erklärte sie. In der Tat - die meisten derer, die das Gift zu sich nahmen, hatten oft stundenlang mit Episoden zu kämpfen - wieder und wieder und wieder. Doch das hier ... schien einfach gewesen zu sein. Ohne innerlichen Widerstand.
Auch ihre unklare Geschichte darüber, was passiert war, wurde bestätigt. Belisarius war dort gewesen, hatte alles gesehen - und sie dann heim gebracht. Außerdem holte er etwas hervor, das Diana schon fast verloren geglaubt hatte: die Erinnerungen an Daphne. Ihre andere Identität. Der Name, unter dem sie mit einigen anderen Gauklern durch die Weltgeschichte reiste. Vollkommen gebannt betrachtete sie Belisarius, der sich ihre Verwirrung ebenfalls nicht abschließend erklären konnte. Diana fühlte sich elend. Nicht nur wegen der letzten Nachwirkungen des Gifts, das ihr Körper noch zu verarbeiten hatte. Und nicht nur wegen ihres grollenden Hungers, ihrer Ohnmacht und allem, was sie heute erlebt hatte. Sie fühlte sich auch elend, weil sie glaubte, versagt zu haben. Zwar erklärte Belisarius ihr, dass es so manchem schon passiert sei, doch Diana gefiel das ganz und gar nicht. Sie war schließlich nicht so mancher. Auch als Daphne war sie schon eine eitle, stolze Diva gewesen. Zwar hatte Belisarius diese Seite ihres Charakters nicht kennenlernen können, doch dafür zeigte sich ihre kalte Willensstärke nun umso deutlicher. Verbisschen versuchte sie, sich von Belisarius' Hand zu lösen und selbständig sitzen zu können. Sie wollte sprichwörtlich ab jetzt wieder die Starke sein. Auf eigenen Beinen stehen. Keine Schwäche zeigen. "Ich glaube, mich daran zu erinnern, etwas Wohlschmeckendes, Seltsames getrunken zu haben...", versuchte sie, sich zu erinnern. "Das muss mein großer Fehler gewesen sein...", sinnierte sie mehr für sich selbst.
Gleichsam lauschte sie weiter seiner Stimme, jedem Wort und jedem Wohlklang. Diese Stimme und diese Hand waren eigentlich alles, woran sie im Leben noch glaubte. Und darum durfte ihr nicht das kleinste Bisschen entgehen. Er wiederholte, was ihre Aufgabe gewesen war und Diana nickte eifrig, ... als würde es ihr gerade wieder einfallen. Alle Schwäche musste abgelegt und verdrängt werden - gerade gegenüber ihrem Auftraggeber, ihrem einzigen Vertrauten.
Zwar gab er ihr mit einer Geste zu verstehen, dass sie sich nicht zu schämen brauchte - doch zu spät. Sie schämte und ärgerte sich über sich selbst. Fühlte sich als Versagerin, der man alles mehrmals erklären musste.
Sie bemerkte Belisarius' Lächeln und auch wenn es sie irgendwo erleichterte, konnte sie es doch nicht erwidern. Noch nicht. Dafür saßen Scham und Ärger noch zu tief.
Mit einem wehmütigen Blick sah sie ihm schließlich nach, doch verstand sie natürlich, dass es nun wichtig war, dass Rabia nochmal nach ihr sah.
Abermals blieb Diana erst einmal nichts weiter übrig, als sich mit dem Rücken gegen die Wand zu lehnen und auszuharren. Das war gut, denn es gab ihr noch einmal Zeit, über alles gesprochene nachzudenken, es sacken und einsinken zu lassen. Außerdem konnte sie sich kurz ausruhen, ohne die Starke spielen zu müssen.
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Zugegebenermaßen hatte Rabia nicht mehr damit gerechnet, heute einen weiteren Einsatz zu haben. Die Nacht war mittlerweile weit fortgeschritten und ihre Heilerstube war belegt. Darum hatte sie sich an einem anderen Ort zum Schlafen zurückgezogen. Doch natürlich wurde sie von einem herbeieilenden Soldaten geweckt und zurück geschickt. Ein Blick aus dem offenen Fenster in den Nachthimmel gab ihr Aufschluss darüber, dass nicht so viel Zeit vergangen war, wie sie angenommen hatte.
Doch dies spielte keine Rolle - sie wurde erwartet und so begab sie sich - zugegebenermaßen in aller dem Alter gebührenden Ruhe - zurück zu ihrer Heilstube, vor der Belisarius bereits auf sie wartete. Er wirkte nicht sonderlich aufgeregt, sodass es kein Indiz dafür gab, dass etwas schief gegangen war.
Rabias Lippen zogen sich zu einem zähnezeigenden Lächeln auseinander und sie legte vollkommen ruhig die Hände ineinander. "Es ist also getan?, fragte sie rhetorisch und legte den Kopf in den Nacken. Durch die Nase sog sie die Umgebungsluft ein - geradezu so, als könne sie riechen, ob es also getan war. Dann erst ergriff sie wieder das Wort. "Ich hätte nicht gedacht, dass Du mich so schnell wieder brauchen würdest...", erklärte sie. In der Tat - die meisten derer, die das Gift zu sich nahmen, hatten oft stundenlang mit Episoden zu kämpfen - wieder und wieder und wieder. Doch das hier ... schien einfach gewesen zu sein. Ohne innerlichen Widerstand.
