21-07-2024, 18:34 - Wörter:
Dass er bald etwas alte Heimat wieder entdecken würde, damit rechnete er nicht; er rechnete auch nicht damit, dass er auf diese Art und Weise passierte. Insgesamt rechnete er mit wenig davon, was in den nächsten Minuten passieren sollte. In jedem Fall entschloss er sich dazu, auf die letzten Kilometer hin noch einmal eine Pause einzulegen. Etwas abseits der Wege band er sein Ross an und trat dann mit zögernden Schritten über den Boden des Waldes. Grundsätzlich würde er sich als geschickt und vorsichtig bezeichnen, nicht umsonst hatte er seinen Ruf, doch irgendetwas ließ ihn unvorsichtig werden; er wusste nur nicht gänzlich, was es war. Glaubte er, sicher zu sein? Oder fühlte er sich draußen schon immer sicherer als in der Stadt, was zugleich zur Fehleinschätzung der Situation führte.
Wälder hatten etwas Beruhigendes. Zwischen Blätterrascheln und zwitschernden Vögeln gab es jedoch auch Menschen, die vorsichtiger waren. Das war jedenfalls sein erster Gedanke, der ihm in den Kopf schoss, als ein Seil ihn am Bein hochzog und er plötzlich die Welt aus einer Perspektive sah, die ihm unbekannt war: Kopfüber. Der Schreck war schnell vorüber; nicht jedoch die Sorge, wer ihn eingefangen hatte und wie er hier wieder rauskommen sollte. Mit einer ziemlichen Muskelkraft schaffte er zwar, das Seil zu erreichen, nachdem er seinen Dolch aus der Scheide zog, doch das durchzutrennen, würde vermutlich Stunden dauern. Obwohl er kurz überlegte, nach dem Verantwortlichen zu rufen, tat er es nicht. Faktisch wäre dies genauso unvorsichtig, oder nicht? Noch hatte er eine Chance, zu entfliehen - wie auch immer er das schaffen wollte.
