10-08-2024, 20:30 - Wörter:
Seine Zeit könnte er sinnvoller nutzen. Finn war sich dessen schmerzlich bewusst. Sein Herz pochte gar in seiner Brust, strebte sehnsuchtsvoll nach dem Ort, von dem er wusste, dass er Abenteuer barg. Wenn es nicht der Drache war, der ihn erwartete, so war es wenigstens nicht Sevenwaters. Oder Westgate. Es waren nicht seine Brüder, die ihm den letzten Nerv raubten, und es war auch nicht sein Vater, der irgendeine krude Mission verfolgte, die sein weiteres Leben bestimmen würde. In Form einer Frau. Eines Weibes, welches er sich zu nehmen hatte, denn er war alt genug. Jünger als Eoan immer noch, und auch weniger bedeutend als nachgeborener Sohn, aber damit – so die Meinung seines Vaters – leichter formbar. Beeinflussbar. Was Eoan sich weigerte zu tun, sollte Finn austragen. Dies war ein Kampf, den er nicht gewinnen konnte. Dem er sich nicht gewachsen sah. Weshalb er ihn bisher gemieden hatte. Er hatte Vorwände gesucht und gefunden, die es ihm erlaubt hatten, sich bei seinem Vater zu entschuldigen. Sich bei einem gesamten Hofstaat zu entschuldigen. Jener nahm es ihm nicht krumm. Schließlich war er ja nur der nachgeborene Sohn. Niemand von Wichtigkeit. Und bei allen Sitzungen, die getätigt worden waren seither am Hof des Fürsten sogar ungemein entbehrlich.
Ohne sein Zutun ballte sich seine Hand zur Faust. Die Kutsche fuhr ein.
Er würde dem Ruf des Drachen nicht folgen können. Er würde… Ja, was eigentlich? Wenn eine adlige Familie geladen war, ein paar Tage auf Sevenwaters zu verbringen, dann geschah das nicht aus Zufall. Dies konnte sich selbst Finn ausrechnen. Er war abbestellt worden, die Besucher zu hofieren, und ganz besonders jene, die lange Beine und weiches Haar hatten. Von seiner besten, von seiner saubersten Seite sollte er sich zeigen. Er sollte sich an seine gute Kinderstube und an seine Manieren erinnern. Ruhm und Ehre, wie sie lediglich Höflinge einzuvernehmen wussten, sollte er für sein Haus erlangen.
Wie viel lieber wäre es ihm, man würde seinen Namen kennen, weil er Ruhm und Ehre durch das Töten eines Drachen erlang hatte?
Die Kutsche hielt. Es kam ihm vor wie ein Urteil. Nicht eines, das in einem Saal, vor einem Tribunal, gesprochen wurde, sondern eines, welches just in dem Moment, in welchem sich die Kutschtür öffnete, vollstreckt wurde. Finn straffte seinen Rücken. Wenigstens musste er nicht knien. Er trug lederne Kleidung, die bei dieser kleinen Veränderung seiner Position leise knirschte. Dann zwang er seine Hand, sich wieder zu öffnen. Mit seinen Fingern fuhr er sich durchs Haar. Eine Geste, die verriet, wie unsicher er war. Er wusste nichts mit sich anzufangen und er wäre versucht gewesen, an den ledernen Absätzen seiner Kleidung zu nesteln. So konnte er seinen Arm jedoch wieder sinken lassen. Lose baumelte er an seiner Seite.
Natürlich war sein Vater nicht zugegen. Das wäre ja noch schöner gewesen. Wie immer überließ er Sevenwaters sich selbst.
Wenigstens, so tröstete sich Finn, konnte er ihm gegenüber dann behaupten, dass er alles in seiner Macht Stehende getan hätte, um den Willen des Vaters zu erfüllen. Alles.
Für den Moment trat er vor und zwang sich ein Lächeln auf die Lippen, als das erste Gesicht an der Tür der Kutsche erschien. Ein Lakai war herangetreten und hatte seine Hand ausgestreckt, weshalb Finn lediglich übrigblieb, sich zu verbeugen, und eine Begrüßung zu säuseln, die nichts von seinen Gedanken und geheimen Wünschen verriet: „Willkommen auf Sevenwaters, verehrte Familie Henaghan.“
Ohne sein Zutun ballte sich seine Hand zur Faust. Die Kutsche fuhr ein.
Er würde dem Ruf des Drachen nicht folgen können. Er würde… Ja, was eigentlich? Wenn eine adlige Familie geladen war, ein paar Tage auf Sevenwaters zu verbringen, dann geschah das nicht aus Zufall. Dies konnte sich selbst Finn ausrechnen. Er war abbestellt worden, die Besucher zu hofieren, und ganz besonders jene, die lange Beine und weiches Haar hatten. Von seiner besten, von seiner saubersten Seite sollte er sich zeigen. Er sollte sich an seine gute Kinderstube und an seine Manieren erinnern. Ruhm und Ehre, wie sie lediglich Höflinge einzuvernehmen wussten, sollte er für sein Haus erlangen.
Wie viel lieber wäre es ihm, man würde seinen Namen kennen, weil er Ruhm und Ehre durch das Töten eines Drachen erlang hatte?
Die Kutsche hielt. Es kam ihm vor wie ein Urteil. Nicht eines, das in einem Saal, vor einem Tribunal, gesprochen wurde, sondern eines, welches just in dem Moment, in welchem sich die Kutschtür öffnete, vollstreckt wurde. Finn straffte seinen Rücken. Wenigstens musste er nicht knien. Er trug lederne Kleidung, die bei dieser kleinen Veränderung seiner Position leise knirschte. Dann zwang er seine Hand, sich wieder zu öffnen. Mit seinen Fingern fuhr er sich durchs Haar. Eine Geste, die verriet, wie unsicher er war. Er wusste nichts mit sich anzufangen und er wäre versucht gewesen, an den ledernen Absätzen seiner Kleidung zu nesteln. So konnte er seinen Arm jedoch wieder sinken lassen. Lose baumelte er an seiner Seite.
Natürlich war sein Vater nicht zugegen. Das wäre ja noch schöner gewesen. Wie immer überließ er Sevenwaters sich selbst.
Wenigstens, so tröstete sich Finn, konnte er ihm gegenüber dann behaupten, dass er alles in seiner Macht Stehende getan hätte, um den Willen des Vaters zu erfüllen. Alles.
Für den Moment trat er vor und zwang sich ein Lächeln auf die Lippen, als das erste Gesicht an der Tür der Kutsche erschien. Ein Lakai war herangetreten und hatte seine Hand ausgestreckt, weshalb Finn lediglich übrigblieb, sich zu verbeugen, und eine Begrüßung zu säuseln, die nichts von seinen Gedanken und geheimen Wünschen verriet: „Willkommen auf Sevenwaters, verehrte Familie Henaghan.“
