16-09-2024, 00:09 - Wörter:
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Je länger Alden auf Grace wartete, desto nervöser wurde er. Es sollte etwas ganz Besonderes für sie beide sein, und er wollte, dass es perfekt wurde – so perfekt, wie Grace in seinen Augen war. Er wusste, dass sie dankbar für jede Gelegenheit war, ihrem „goldenen Käfig“ zu entkommen, das hatte sie ihm immer wieder gezeigt und gesagt. Aber Alden wollte ihr mehr bieten, als nur einen flüchtigen Ausbruch aus ihren Pflichten. Er wollte ihr einen Moment schenken, der so unvergesslich war, dass sie ihn mit all den guten Dingen in ihrem Leben in Verbindung bringen würde.
Während er dort am Bach bei den Haselnussbäumen wartete, drifteten seine Gedanken ab. Je länger er sie kannte, desto mehr wünschte sich Alden, er hätte Grace schon viel früher in seinem Leben getroffen. Auch wenn es unrealistisch war – selbst wenn sie sich früher begegnet wären, hätten sie wohl nie zusammen sein können, allein wegen des Standesunterschieds. Und doch stellte er sich vor, wie anders alles hätte sein können. Er träumte davon, dass es keinen Ehemann gab, der sie in einer unglücklichen Ehe hielt. Manchmal, wenn er seinen Gedanken freien Lauf ließ, malte er sich aus, wie sie beide all ihre Pflichten hinter sich ließen und irgendwo zusammenlebten, wo niemand ihren Hintergrund kannte. Ein Ort, wo sie nur sie selbst sein konnten, frei von der Last ihrer Titel und Verpflichtungen.
Alden hatte gerade versonnen auf den glitzernden Bach geblickt, als er eine Bewegung auf dem Pfad bemerkte. Grace näherte sich ihm, und er konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Sie wirkte so anmutig, als ob die Natur selbst sich um sie legte. Der Wind spielte leicht mit ihrem Kleid und ihren Haaren, und ihre Augen funkelten neugierig. Ihr Anblick ließ sein Herz schneller schlagen, und er wusste, dass es sich richtig anfühlte, sie hier zu sehen – an dem Ort, den er als seine Heimat betrachtete.
Als sie schließlich vor ihm stand und ihm die Hand reichte, nahm er sie sanft in seine und drückte einen flüchtigen Kuss auf ihren Handrücken. „Euer Gnaden“, sagte er mit einem warmen Lächeln, „es ist mir eine Ehre, Euch hier in Hazelbrook zu meinem Lieblingsplatz zu bringen. Heute erwartet Euch eine Überraschung. Ich hoffe, sie wird Euch gefallen.“ Seine Augen leuchteten vor Vorfreude, und er nahm sich einen Moment, um sie einfach nur anzusehen.
Sie beherrschten das Spiel mittlerweile recht gut, die höfliche Etikette zu wahren, solange sie sich noch in der Öffentlichkeit aufhielten oder zumindest neugierige Ohren mithören konnten.
„Darf ich bitten, Euer Gnaden?“ Alden deutete auf sein Pferd und bot Grace an, ihr auf den Sattel zu helfen. Sobald sie sicher saß, schwang er sich hinter sie und legte seine Arme sanft um sie, um die Zügel zu halten. „Haltet Euch gut fest“, flüsterte er ihr zu, und ohne weitere Worte lenkte er das Pferd auf den Pfad, der vom Bach hinüber zu den Feldern führte.
Der Ritt war ruhig, und der sanfte Herbstwind spielte mit den Haaren der beiden, als sie langsam durch die Landschaft ritten. Die goldenen Felder erstreckten sich in alle Richtungen, das Getreide stand reif und schwer, bereit zur Ernte. Überall duftete es nach Heu und Erde, und die warmen Sonnenstrahlen tauchten die Szenerie in ein weiches Licht. Alden zeigte Grace die verschiedenen Abschnitte des Landes, an dem er aufgewachsen war. „Bald wird die Ernte beginnen. Dann wird hier Leben sein. Alle werden zusammenkommen, um die Früchte des Jahres einzuholen.“
Grace lehnte sich leicht gegen ihn, und Alden spürte die Vertrautheit in ihrer Haltung. Er lächelte, auch wenn sie es nicht sehen konnte, und ließ das Pferd weiterlaufen. Als sie die Felder hinter sich ließen und in einen kleinen Wald eintauchten, saß Alden ab und führte Hercules weiter einen Pfad entlang durch die Bäume, bis sich der Wald plötzlich lichtete und ein idyllischer See vor ihnen lag. Das Wasser glitzerte in der sanften Herbstsonne, so klar, dass man bis auf den Grund sehen konnte. Leichte Nebelschwaden hingen über der ruhigen Wasseroberfläche, und Schilf wuchs dicht am Ufer, wo Libellen im Sonnenlicht tanzten. Die Ufer waren von goldgelben Gräsern und vereinzelten Bäumen umgeben, die bereits erste Anzeichen des Herbstes trugen – ihre Blätter schimmerten in warmen Rot- und Orangetönen.
„Hier sind wir“, sagte Alden, als er das Pferd zum Stehen brachte. Dann streckte er die Arme aus, um Grace herunterzuhelfen. Auf einer kleinen Lichtung hatte er eine Decke ausgebreitet, und der Korb mit dem Proviant stand bereit. Ein Stapel weiterer Decken lag daneben und eine Laterne ebenso. „Es ist ein ruhiger Ort, fernab von allem. Ich hoffe, er gefällt dir.“ Seine Augen suchten die ihren, voller Hoffnung, dass dieser Moment all das ausdrückte, was er für sie empfand.
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