18-09-2024, 22:55 - Wörter:
![[Bild: tumblr_nj0ip5wBCQ1s98i4xo3_250.gif]](https://38.media.tumblr.com/c0df5df5e5777569cfd0f6475aef2395/tumblr_nj0ip5wBCQ1s98i4xo3_250.gif)
Alden sprach ein paar wahre Worte über Pferde und die generelle Angst davor und Grace seufzte leise. Es war ihr nicht grundlegend peinlich, dass sie vor Pferden Angst hatte, aber es war an sich keine schöne Eigenschaft, weil das Reiten an sich mit dem Adel in direkter Verbindung statt. Adelige Menschen mussten das Reiten auf Pferden beherrschen, und Frauen sollten dabei noch elegant und edel aussehen. Das war nichts, womit Grace dienen konnte. Eher war sie voller Furcht und Angst, und ihre normale Eleganz konnte sie dabei nicht zeigen, so wie man das von ihr eigentlich erwartete. Wie auch immer, das war nichts, womit sie bei Alden Sorge haben musste; er würde sie für etwaige Fehler in ihrem Charakter bestimmt nicht verurteilen. Und als er ihr anbot, mit ihr morgen ein bisschen zu üben - in Form eines weiteren Ausritts -, lachte sie hell auf und sah ihn mehr als dankbar an. [b]“Das würdest du tun? Dann würde ich dieses Angebot sehr gerne annehmen. Wie kann es sein, dass du schon ein dutzend Mal vom Pferd gefallen bist und nie eine solche Angst wie ich entwickelt hast?”, stellte sie dann eine sehr philosophische Frage und sah ihn, neugierig auf seine Meinung, an. “Lag das wirklich nur daran, dass du immer wieder gleich wieder aufgestiegen bist?”
Als Grace von ihrer eigenen Heimat, das lange auch ihr Zuhause gewesen war, erzählte, war es, als wäre sie direkt dort. Die Weinhügel, die vielen Weinreben und ihr Vater, der immer eifrig darin herum spazierte, um den besten Wein von ganz Walleydor zu produzieren. Ihre Mutter, die ihn oft begleitete, immer mit einem Lachen im Gesicht, hatte ihn oft aber auch wieder zurückgeholt, weil er ansonsten auch draußen geschlafen hätte. Abends waren sie immer zusammen gesessen, jeden einzelnen Tag, und hatten den Tag gemeinsam Revue passieren lassen. Ihren Eltern war es immer so wichtig gewesen, wie es ihr ging… sie war immerhin auch das einzige Kind gewesen. “Meine Mutter interessierte sich sehr für die Natur und die Tierwelt. Von ihr habe ich auch meine Liebe zu der Ornithologie geerbt.” Sie lächelte Alden sanft zu und wusste in dem Moment nicht, dass sie gerade wie ihre Mutter aussah. Dasselbe Lächeln, dieselben Grübchen, dieselben strahlenden Augen. Sie beobachtete eine Weile die Natur selbst, und als sie etwas entdeckte, das sie gesucht hatte, deutete sie mit ihrem Finger genau dorthin. “Sieh mal, dort ist eine Mehlschwalbe. Im Herbst kannst du sie oft in der Nähe von Wäldern beobachten.” Dann sah Grace Alden gespielt böse an. “Und du solltest mir wirklich nicht so viele Komplimente machen, die steigen mir ansonsten ganz schnell zu Kopf.”
Sie freute sich, Alden´s Eltern gut eingeschätzt zu haben, und es erfüllte sie mit Stolz und Liebe, wie sie ihn über die beiden sprechen hörte. Wie schön, dass sie die Möglichkeit gehabt hatte, die beiden kennenzulernen. “Du wirst ihm mehr als gerecht, da bin ich mir sicher. Genauso, wie du Charles stolz machst. Ihr alle. Ihr leistet ganz wunderbare Arbeit, so weit ich das als Frau beurteilen kann.” Sie fuhr kurz über Alden´s Handrücken, als Beruhigung und Bestätigung, dass sie es genau so meinte. Als er ihr sagte, dass er ihr Beschützer war und als solcher agieren würde, schloss sie fast schon peinlich berührt die Augen. Pures Glück floss durch sie hindurch und sie konnte die vielen Gefühle gar nicht beschreiben. Aber alles in ihr leuchtete, strahlte und Alden machte sie einfach nur glücklich. “Ich in sehr froh, dass wir uns kennengelernt haben”, war alles, was sie dazu nur sagen konnte, doch ihre Worte waren voller Zuneigung.
Der Waldesee hatte eine ganz eigene Wirkung, viel zu mystisch und verzaubert, und es gab ihnen beiden das Gefühl, die einzigen Menschen auf der Welt zu sein. Alles war so ruhig und schön, Grace hätte es niemandem beschreiben können. “Wenn du möchtest, und sollte es je so weit sein, kann ich bei Charles sicherlich ein gutes Wort für deinen Bruder einlegen”, war das Mindeste, das sie anbieten konnte. “Dir sollte niemals der Zugang zu deiner Heimat verwehrt werden.” Aber sie wusste ja in groben Zügen, wie das mit Land und Lehen war, und wenn Alden´s Vater etwas passierte… nun, dann gab es keine Sicherheit, dass das Land in der Familie blieb. Doch diese schweren Gedanken blieben nicht lange erhalten, weil Grace auf der Decke dazu überging, mit ihren Fingern Alden´s hübsches Gesicht zu erkunden. Wie er hier lag, so nah bei ihr, und sie beide einfach sein konnten; es war unbeschreiblich. Befreiend. Plötzlich war da sein vorwitziger Mund, der ihren Zeigefinger küsste, und sie lachte leise überrascht auf. Er war wirklich ein Charmeur. Und doch konnte sie nichts gegen diesen Charme tun; sie war ihm verfallen, ganz und gar. Der einzige Grund, warum sie ihm noch nicht näher gekommen war, war, dass sie nicht einschätzen konnte, was das für ein Licht auf sie werfen würde. Würde er sie verurteilen, weil sich edle Damen nicht so benehmen? Sie war verheiratet, Himmel nochmal! Und Frauen sollten sich generell nicht so gehen lassen. Dieser Gedanke stimmte sie nachdenklich und sie seufzte lautlos.
“Du solltest das alles nicht sagen”, meinte Grace dann sehr still und verstohlen. “So viele Komplimente, wo soll ich nur hin damit? Ich habe nicht das Gefühl, dass ich diesen ganzen Dingen wirklich entsprechen kann.” Lieber sprach sie dann das mitgebrachte Essen an, um sich irgendwie aus dieser Flut an Gefühlen zu bringen, doch es ging nicht lange gut. Alden machte ein Wortspiel, das sie durchaus verstand, und sie schüttelte mit zusammengepressten Lippen grinsend den Kopf. Er war unmöglich! “Alden!” Ihre Stimme klang jedoch nicht anklagend, nur überrascht. Und alles, was er dann sagte, verflog irgendwie in der Luft, weil er mit seinem Gesicht direkt unter ihr war. Ihr Finger verharrte immer noch an seinem Mundwinkel, und ihre Augen suchten in seinen nach Fragen, Antworten und Bestätigung. Sie beugte sich hinab, langsam und tastend, und ihre andere Hand hielt sich an seinen weichen Locken fest. Machte sie alles richtig? Gab es hier überhaupt ein Richtig und Falsch? Ihr Blick fand schließlich seine Lippen, und als sie sich noch ein weiteres Stück nach unten beugte, legte sie ihren Mund sanft auf seinen. Ihr Finger bewegte sich vom Mundwinkel nach unten Richtung Hals, und sie konnte dort seinen starken, gleichmäßigen Herzschlag spüren. Es war ein kurzer Kuss, und sie entzog sich ihm dann wieder ein wenig, aber nur ein kleines Stück. “War das… in Ordnung?”, fragte sie fast schon schüchtern nach. Doch dann… erinnerte sie sich an ihr Gespräch von zuvor; sollte man Angst nicht damit begegnen, ihr einfach ins Gesicht zu sehen? Sich ihr zu stellen, immer und immer wieder? Also legte die junge Fürstin erneut ihre Lippen auf die des Ritters, und diesmal bewegte sich ihr ganzer Körper mit, von einer Zuneigung geflutet, die sie nicht kannte. Ihre Hand hielt sich an seinen Haaren fest, zogen ein wenig, unbeabsichtigt, aber doch genau richtig, und sie schloss glücklich ihre Augen.
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