25-09-2024, 21:31 - Wörter:
Wie sicher doch ihre Hand in der Seinen lag, als sie zu ihm hochsah und sich auf ihn stützend erhob. Zart verschränkten sich ihre Finger in den seinen, hielten sich an ihm sicher fest. Dankbar nahm sie seine Hilfe an, wollte am Liebsten ihr ganzes Sein in seinen Schutz stellen. So wie sie war, mit allen Sorgen und Nöten, allen Freuden und Strahlen. So verloren war sie, allein und verlassen, bis er in ihr Leben getreten war und all dem Schwindel und Chaos einen unumstößlichen Ankerpunkt gab. In ihrer Miene funkelte die aufkeimende Hoffnung der Zuversicht, die sein Schatten nur noch heller glänzen ließ. Mit einem liebevollen Lächeln nickte sie seinen Worten zu, deren Schwermut sie nicht widerspiegeln konnte. “Nicht immer ist vollkommene Veränderung notwendig. Auch die Beständigkeit ist ein wichtiger Faktor, die erst Möglichkeit für Entwicklung gibt. Der Schlüssel zur Wandlungsfähigkeit liegt in einem unwandelbaren Gefühl dafür, wer wir sind und was wir schätzen. Denn erst wenn wir wissen, was wir bewahren wollen, wissen wir, wo Wandlung nötig ist. In uns selbst und in der Welt.“ drückte sie beherzt seine Hand, ließ sie nicht los, wollte sie auf ewig in der Ihren wissen. Manchmal überraschte es sie selbst, zu welch tiefen Gedanken sie fähig war und sie fragte sich, ob diese schon seit jeher in ihr schlummerten oder sie erst durch seine Fragen in ihr gepflanzt wurden. Wie auch immer, seine herausfordernden Worte waren es, durch die sie ganz neue Gedankenexperimente entdeckte. Auf einmal sah sie die Welt in einem ganz neuen Licht. Wo sie noch vor einigen Tagen in verzweifelnder Trübnis versunken war, machten sich auf einmal neue Wege auf, die zu beschreiten ihre Neugier, aber gleichsam auch ihre Scheu weckte. Solang ihr Belisarius allerdings an ihrer Seite war, strotzte sie vor Zuversicht, dass nichts Böses sie je erreichen könnte. In seinem Schatten sah sie klarer, in seiner Dunkelheit fühlte sie sich beschützt, in seiner Kälte war sie sich ihrer Wärme nur noch bewusster. Wobei… seine Hand fühlte sich unnatürlich heiß an, fast ein wenig verschwitzt. Sollte sie sich Sorgen machen oder war es auch für ihn einfach nur ein anstrengender Tag unter sengender Sonne?
Enger verwob sie ihre Finger mit den seinen. Bestimmung oder Schicksal, sie wusste, dass es einen Grund gab, dass sich ihre Lebenswege gekreuzt hatten, dass sie beide aus dieser Begegnung anders hervorgehen würden. In ihrem Wesen hatte sich bereits ein Wunsch festgesetzt, nicht ihn zu verändern oder ihn zu einem anderen Menschen machen zu wollen, sondern ihn zu ergründen und zu verstehen. Und seine Hand nie wieder zu vermissen. Das zahme Streicheln seines Daumens über ihren Handrücken sandte Wonnestrahlen durch ihren Körper, erfüllte sie mit einer barmherzigen Stärke, die ihr die unsägliche Trauer aus den Gedanken verscheuchte. Fast mochte sie behaupten, sie wäre glücklich, doch zufrieden würde schon ausreichen. “Erst wenn einen die Dunkelheit zu verschlingen droht, lernen wir das Licht zu würdigen, das bedingungslos für jeden scheint und in uns den Funken der Ewigkeit erweckt. Jeder Schatten ist auch ein Wegweiser zum Licht.“ und wieder überraschte sie sich selbst, runzelte leicht beschämt die Stirn, unsicher woher so viel Weisheit auf einmal aus ihr sprudelte, die doch ganz untypisch ihrer jungen Jahre sein müsste. Und doch, er war es, Belisarius, der sie aufrührte und zum Nachdenken brachte, der sie herausforderte und aufforderte die Welt in Frage zu stellen. Fast übermütig keimte in ihr der Wunsch auf, ihn wieder zu umarmen, zurückzukehren in die innige Verschränkung ihrer Körper im Schatten des Wagenrades, in der sie so viel notwendige Ruhe und Geborgenheit gefunden hatte. Doch es gab kein Zurück, es gab nur ein voran. Ihre Reise war festgelegt auf einen einzigen Weg, der nur nach vorn strebte. Hinter ihr war nichts mehr als Verlust, Trauer und ein Leben, das der Realität entrissen wurde. Einzig und allein blieb die ewig wahre Geste ihrer Hände, die Versicherung der gegenseitigen Zuneigung und Verbundenheit war. Während sein Antlitz nun von den letzten Strahlen der untergehenden Sonne in eine himmlische Wärme getaucht wurde, so umgaben eben jene Strahlen Elithea wie ein demütig leuchtender Heiligenschein. Voller anmutiger Milde antwortete sie seinem Lächeln, umfingen ihn mit einer Sanftheit, die nur durch seine Härte gedeihen konnte.
Dankbar nickte sie ihm zu, zögerte jedoch sich aus der innigen Intimität zu lösen, wäre da nicht ein harsches Räuspern, das vom Kutschbock her schallte. Endymion, wie leicht es doch sowohl der Schwester als auch dem Kriegsdämon fiel, den Prinzen völlig zu vergessen, ihn auszublenden aus der Reinheit ihrer Begegnung. Elithea schmunzelte verlegen, ließ widerwillig ihre Finger aus seinem Griff gleiten und tat ein paar Schritte von dem Schattenfürsten weg. Doch je weiter sie sich entfernte, desto träger wurden ihr die Füße, desto schwerer das Herz. Sie brauchte immer wieder den versichernden Blick zu ihm, bis sie sich gewiss war, dass sie auch allein ihren Weg bestreiten könnte, immer in der Bestätigung seines Rückhalts. Die wenigen Momente des Alleinseins, etwas abseits des Wagens, nutzte sie um zu ergründen, wie es geschehen sollte, dass ein Mensch, den sie kaum kannte, ihr so wichtig werden konnte, ohne dass sie darum gebeten oder es erwünscht hatte. Es war, als hätte ein göttlicher Funke ihr einen Menschen über den Weg gehaucht, der jene lähmende Leere füllen sollte, die durch den Tod des Vaters in ihr Leben gerissen hatte. Seitdem sie Belisarius‘ Nähe spüren konnte, schlug ihr Herz in einem ganz eigenen Rhythmus, stärker und selbstbewusster und doch erfüllt von Hoffnung und dem Glauben an das Gute. Selbst wenn er sich mit Blut und Bosheit vorgestellt hatte, so war dem Heermeister doch viel mehr Tiefsinn und Ambivalenz zu eigen, als reine Finsternis, das erkannte selbst eine so behütete Seele wie Elithea. Sie wollte keine Zukunft erträumen, keinen Hirngespinsten nachhängen und keine Luftschlösser bauen, und trotzdem konnte sie sich nicht vorstellen, ihn nicht mehr in ihrem Umfeld zu wissen. Sie brauchte seinen Schatten, der sie wie ein schützender Mantel umgab. Und sie spürte, dass etwas in ihm ihr Licht brauchte, um nicht nur blind durch die Dunkelheit zu irren. Sie waren füreinander bestimmt. In welcher Art und Weise das auch sein mochte, aber es hatte einen Sinn, dass sie nun Teil der Gegenwart des anderen waren. Es musste einen Sinn haben, dass diese tiefsitzende Verbundenheit und dieses intime Verständnis füreinander sie aneinanderknüpfte. Doch jedes Nachdenken darüber schärfte nur die immer noch pochenden Kopfschmerzen, die sich nun, da sich die Reise eines Endes näherte, mit einer verzehrenden Müdigkeit paarten. “Können wir jetzt endlich weiter? Es wird bald dunkel.“ mahnte sich Endymion wieder in Erinnerung. Offensichtlich folgsam, doch mit einem wachen Funkeln im Blick, der von einem Feuer zeugte, das nun entzündet sich wohl kaum wieder löschen lassen würde, trat Elithea an den Ochsen heran und animierte das monotone Tier zu einem munteren Tritt.
Elithea ließ das Tier sie führen, verging sich in ihren Gedanken, die immer wieder durch die quälenden Blitze hinter ihren Schläfen aufblühten. Bald war ihr Ziel erreicht, bald konnten sie in der Taverne Rast finden und wären endlich mit dem Rest der Familie vereint. Die junge Prinzessin straffte die Schulter, passte ihren Schritt dem Gang des Rindviehs an, sehnte sie sich doch auch nach einer Mahlzeit und einem geruhsamen Bett. Wie treffend da doch der Name der Taverne war! Mit einem fast schon engelsgleich vergnügten Lächeln sah Elithea zurück zu Belisarius am Kutschbock. Hopes End… ja, fürwahr, am Ende aller Wege lag die Hoffnung! Über allem und hinter allem stand die Hoffnung. Nichts konnte sie aufhalten, niemandem war sie Untertan. Hoffnung war einem jeden ein Geschenk, selbst wenn man sich an die Verzweiflung verloren glaubte. Hoffnung war ewig und unerschütterlich. Jeder noch so kleine Hoffnungsschimmer konnte den Lebensmut neu entzünden und wankte selbst im Tode nicht. Doch Hoffnung brauchte auch Mut, ihr zu vertrauen und sich ihr gewiss zu sein, nicht der Angst zu gehorchen. Hoffnung war nicht nur ein belangloses Erwarten, sondern die Zuversicht in eine bessere Zukunft. Und manchmal war das Unvorhergesehene der Vorbote der Hoffnung. Hopes End… Ja, Belisarius war die Hoffnung am Ende einer erschütternd grausamen Zeit. Ungeduldig wartete das junge Mädchen neben dem Ochsen auf den Einlass, kraulte das Vieh am Ohr, während sich ihr Blick über die Gebäude und Mauern schlich. Lebhafte Geräusche drangen durch das Tor hinaus, zeugten von einer rege besuchten Taverne. Kaum dass der freundliche Gruß getauscht war, öffnete sich auch schon das schwere Tor und der stinkende Wagen fuhr hindurch. Den Mienen der Wachen war anzusehen, dass sie sich der neuen Kunden nicht unbedingt erfreuten. “Lass den Wagen da gleich ums Eck stehen, irgendwo weg von den Gebäuden. Den Gestank kann ja keiner lang aushalten!“ sprach einer der beiden Wachen die Anweisung in Belisarius‘ Richtung. Endymion wurde unruhig und auch Elithea streckte suchend den Hals, hielt Ausschau nach der Mutter und Schwester. Endlich erspähte sie die hochgewachsene Gestalt der Fürstin, die selbst in der Gewandung einer einfachen Dienerin eine gewisse Würde und Erhabenheit ausstrahlte. “Mutter“ wisperte Elithea erleichtert, unentschlossen, inwieweit eine freudige Umarmung die Charade verraten würde. Doch Endymion sprang behände vom Wagen, froh darüber dem elenden Gülleduft endlich entkommen zu können. Zielstrebig kam er auf die Mutter zu, die er auch sofort nüchtern und kühl begrüßte.
Elithea aber war zwiegespalten, zerrissen zwischen der Vereinigung mit der Familie und der Nähe zu Belisarius, zwischen Vergangenheit und Zukunft, Trauer und Zuversicht, Adelsregeln und Selbstbestimmung. Ihr Blick wanderte von einem zum anderen, unschlüssig darüber, ob sie davoneilen oder auf ihren liebgewonnenen Beschützer warten sollte. Vorsichtige Schritte lenkten sie langsam zur Mutter, wollten sich nicht zu sehr entfernen von jenem Mann, dem sie alle ihre Sicherheit verdankten.
Enger verwob sie ihre Finger mit den seinen. Bestimmung oder Schicksal, sie wusste, dass es einen Grund gab, dass sich ihre Lebenswege gekreuzt hatten, dass sie beide aus dieser Begegnung anders hervorgehen würden. In ihrem Wesen hatte sich bereits ein Wunsch festgesetzt, nicht ihn zu verändern oder ihn zu einem anderen Menschen machen zu wollen, sondern ihn zu ergründen und zu verstehen. Und seine Hand nie wieder zu vermissen. Das zahme Streicheln seines Daumens über ihren Handrücken sandte Wonnestrahlen durch ihren Körper, erfüllte sie mit einer barmherzigen Stärke, die ihr die unsägliche Trauer aus den Gedanken verscheuchte. Fast mochte sie behaupten, sie wäre glücklich, doch zufrieden würde schon ausreichen. “Erst wenn einen die Dunkelheit zu verschlingen droht, lernen wir das Licht zu würdigen, das bedingungslos für jeden scheint und in uns den Funken der Ewigkeit erweckt. Jeder Schatten ist auch ein Wegweiser zum Licht.“ und wieder überraschte sie sich selbst, runzelte leicht beschämt die Stirn, unsicher woher so viel Weisheit auf einmal aus ihr sprudelte, die doch ganz untypisch ihrer jungen Jahre sein müsste. Und doch, er war es, Belisarius, der sie aufrührte und zum Nachdenken brachte, der sie herausforderte und aufforderte die Welt in Frage zu stellen. Fast übermütig keimte in ihr der Wunsch auf, ihn wieder zu umarmen, zurückzukehren in die innige Verschränkung ihrer Körper im Schatten des Wagenrades, in der sie so viel notwendige Ruhe und Geborgenheit gefunden hatte. Doch es gab kein Zurück, es gab nur ein voran. Ihre Reise war festgelegt auf einen einzigen Weg, der nur nach vorn strebte. Hinter ihr war nichts mehr als Verlust, Trauer und ein Leben, das der Realität entrissen wurde. Einzig und allein blieb die ewig wahre Geste ihrer Hände, die Versicherung der gegenseitigen Zuneigung und Verbundenheit war. Während sein Antlitz nun von den letzten Strahlen der untergehenden Sonne in eine himmlische Wärme getaucht wurde, so umgaben eben jene Strahlen Elithea wie ein demütig leuchtender Heiligenschein. Voller anmutiger Milde antwortete sie seinem Lächeln, umfingen ihn mit einer Sanftheit, die nur durch seine Härte gedeihen konnte.
Dankbar nickte sie ihm zu, zögerte jedoch sich aus der innigen Intimität zu lösen, wäre da nicht ein harsches Räuspern, das vom Kutschbock her schallte. Endymion, wie leicht es doch sowohl der Schwester als auch dem Kriegsdämon fiel, den Prinzen völlig zu vergessen, ihn auszublenden aus der Reinheit ihrer Begegnung. Elithea schmunzelte verlegen, ließ widerwillig ihre Finger aus seinem Griff gleiten und tat ein paar Schritte von dem Schattenfürsten weg. Doch je weiter sie sich entfernte, desto träger wurden ihr die Füße, desto schwerer das Herz. Sie brauchte immer wieder den versichernden Blick zu ihm, bis sie sich gewiss war, dass sie auch allein ihren Weg bestreiten könnte, immer in der Bestätigung seines Rückhalts. Die wenigen Momente des Alleinseins, etwas abseits des Wagens, nutzte sie um zu ergründen, wie es geschehen sollte, dass ein Mensch, den sie kaum kannte, ihr so wichtig werden konnte, ohne dass sie darum gebeten oder es erwünscht hatte. Es war, als hätte ein göttlicher Funke ihr einen Menschen über den Weg gehaucht, der jene lähmende Leere füllen sollte, die durch den Tod des Vaters in ihr Leben gerissen hatte. Seitdem sie Belisarius‘ Nähe spüren konnte, schlug ihr Herz in einem ganz eigenen Rhythmus, stärker und selbstbewusster und doch erfüllt von Hoffnung und dem Glauben an das Gute. Selbst wenn er sich mit Blut und Bosheit vorgestellt hatte, so war dem Heermeister doch viel mehr Tiefsinn und Ambivalenz zu eigen, als reine Finsternis, das erkannte selbst eine so behütete Seele wie Elithea. Sie wollte keine Zukunft erträumen, keinen Hirngespinsten nachhängen und keine Luftschlösser bauen, und trotzdem konnte sie sich nicht vorstellen, ihn nicht mehr in ihrem Umfeld zu wissen. Sie brauchte seinen Schatten, der sie wie ein schützender Mantel umgab. Und sie spürte, dass etwas in ihm ihr Licht brauchte, um nicht nur blind durch die Dunkelheit zu irren. Sie waren füreinander bestimmt. In welcher Art und Weise das auch sein mochte, aber es hatte einen Sinn, dass sie nun Teil der Gegenwart des anderen waren. Es musste einen Sinn haben, dass diese tiefsitzende Verbundenheit und dieses intime Verständnis füreinander sie aneinanderknüpfte. Doch jedes Nachdenken darüber schärfte nur die immer noch pochenden Kopfschmerzen, die sich nun, da sich die Reise eines Endes näherte, mit einer verzehrenden Müdigkeit paarten. “Können wir jetzt endlich weiter? Es wird bald dunkel.“ mahnte sich Endymion wieder in Erinnerung. Offensichtlich folgsam, doch mit einem wachen Funkeln im Blick, der von einem Feuer zeugte, das nun entzündet sich wohl kaum wieder löschen lassen würde, trat Elithea an den Ochsen heran und animierte das monotone Tier zu einem munteren Tritt.
Elithea ließ das Tier sie führen, verging sich in ihren Gedanken, die immer wieder durch die quälenden Blitze hinter ihren Schläfen aufblühten. Bald war ihr Ziel erreicht, bald konnten sie in der Taverne Rast finden und wären endlich mit dem Rest der Familie vereint. Die junge Prinzessin straffte die Schulter, passte ihren Schritt dem Gang des Rindviehs an, sehnte sie sich doch auch nach einer Mahlzeit und einem geruhsamen Bett. Wie treffend da doch der Name der Taverne war! Mit einem fast schon engelsgleich vergnügten Lächeln sah Elithea zurück zu Belisarius am Kutschbock. Hopes End… ja, fürwahr, am Ende aller Wege lag die Hoffnung! Über allem und hinter allem stand die Hoffnung. Nichts konnte sie aufhalten, niemandem war sie Untertan. Hoffnung war einem jeden ein Geschenk, selbst wenn man sich an die Verzweiflung verloren glaubte. Hoffnung war ewig und unerschütterlich. Jeder noch so kleine Hoffnungsschimmer konnte den Lebensmut neu entzünden und wankte selbst im Tode nicht. Doch Hoffnung brauchte auch Mut, ihr zu vertrauen und sich ihr gewiss zu sein, nicht der Angst zu gehorchen. Hoffnung war nicht nur ein belangloses Erwarten, sondern die Zuversicht in eine bessere Zukunft. Und manchmal war das Unvorhergesehene der Vorbote der Hoffnung. Hopes End… Ja, Belisarius war die Hoffnung am Ende einer erschütternd grausamen Zeit. Ungeduldig wartete das junge Mädchen neben dem Ochsen auf den Einlass, kraulte das Vieh am Ohr, während sich ihr Blick über die Gebäude und Mauern schlich. Lebhafte Geräusche drangen durch das Tor hinaus, zeugten von einer rege besuchten Taverne. Kaum dass der freundliche Gruß getauscht war, öffnete sich auch schon das schwere Tor und der stinkende Wagen fuhr hindurch. Den Mienen der Wachen war anzusehen, dass sie sich der neuen Kunden nicht unbedingt erfreuten. “Lass den Wagen da gleich ums Eck stehen, irgendwo weg von den Gebäuden. Den Gestank kann ja keiner lang aushalten!“ sprach einer der beiden Wachen die Anweisung in Belisarius‘ Richtung. Endymion wurde unruhig und auch Elithea streckte suchend den Hals, hielt Ausschau nach der Mutter und Schwester. Endlich erspähte sie die hochgewachsene Gestalt der Fürstin, die selbst in der Gewandung einer einfachen Dienerin eine gewisse Würde und Erhabenheit ausstrahlte. “Mutter“ wisperte Elithea erleichtert, unentschlossen, inwieweit eine freudige Umarmung die Charade verraten würde. Doch Endymion sprang behände vom Wagen, froh darüber dem elenden Gülleduft endlich entkommen zu können. Zielstrebig kam er auf die Mutter zu, die er auch sofort nüchtern und kühl begrüßte.
Elithea aber war zwiegespalten, zerrissen zwischen der Vereinigung mit der Familie und der Nähe zu Belisarius, zwischen Vergangenheit und Zukunft, Trauer und Zuversicht, Adelsregeln und Selbstbestimmung. Ihr Blick wanderte von einem zum anderen, unschlüssig darüber, ob sie davoneilen oder auf ihren liebgewonnenen Beschützer warten sollte. Vorsichtige Schritte lenkten sie langsam zur Mutter, wollten sich nicht zu sehr entfernen von jenem Mann, dem sie alle ihre Sicherheit verdankten.
