29-09-2024, 09:07 - Wörter:

Kein Wunder, dass Safiyya solch eine Angst davor hatte, den Löffel zu verlieren.
Kühle, blaue Augen blickten der Löwin entgegen ohne ein Zeichen der Unruhe, denn Keeran hatte, bevor er die Löffel der anderen an sich genommen hatte, den Umgang mit seinem eigenen Löffel perfektioniert. “Ein totes Land?”, wiederholte er ihre Worte und ließ es doch eher wie eine Frage klingen, die sie sich selbst zu stellen hatte. Wäre Matariyya tot, säße er nicht hier am Tisch.
In gewisser Weise war es fast beruhigend, der Eule und dem Ochsen dabei zuzusehen, wie sie sich entgegen der Krisensituation in alten Gewohnheiten verloren und ihr Temperament gegeneinander rieben. Sie beide wussten am wenigsten darüber Bescheid, dass sie einander genauso brauchten, wie sie sich in den Wahnsinn trieben; der Ozean fragte den Mond auch nicht, warum er sich anziehen und abstoßen ließ. Tatsächlich war es Qar, der die beiden aus ihrem Spiel riss und eine wunderbare Ignoranz für die Abneigung übrig, die Safiyya ihm so offensichtlich entgegen brachte. “Und was wir in der Hand haben. Fari, wie viele Sklaven arbeiten im Palast? Wie viele sympathisieren mit uns? Wir haben längst ein Netz um Ridvan gebaut. Alles wartet nur darauf, dass wir es enger ziehen.” Eine Sache musste man ihm lassen, Qar hatte eine ganz besondere Art, Worte zu Kunst zu formen. Und wenn das alles war, was er der Gruppe beisteuern konnte, dann behielt Keeran ihn gerne in seinem Umfeld.
“Wir sollten die Kommunikation zwischen den Ländern abfangen”, überging der Händler die Maßregelung und das Bereuen, die Prinzessin aufs Festland gelassen zu haben. “Ich kümmer mich darum.” Keerans Blick richtete sich auf Safiyya in der stummen Annahme, dass sie die Prozedur bereits kannte. Er brauchte ihre Informationen, um zu wissen, welchen Boten er bestechen oder wessen Familie er bedrohen lassen musste, um die gezielten Ergebnisse zu erzielen. Nur weil Ilyas nicht mit ihnen am Tisch saß - eine Abwesenheit, die er tatsächlich gar nicht als negativ empfand -, mussten sie nicht auf die Kontrolle verzichten, die sie dank ihm über die politischen Geschäfte der Herrscherfamilie ausübten. Und wenn diese Kontrolle Keerans Empfinden nach noch zu wünschen übrig ließ.
