06-10-2024, 23:31 - Wörter:
![[Bild: 83dd4a8f3a79cc91f354aff083b9c4eba8bbd0cb.gif]](https://64.media.tumblr.com/a0ae5f1bb69935bb14dcd20d36048a21/d87dd94eb649a92b-0a/s400x600/83dd4a8f3a79cc91f354aff083b9c4eba8bbd0cb.gif)
Der Ritter konnte sich nur vage vorstellen, wie es für Grace als Frau aus einer privilegierten Familie sein musste. Zwar musste sie sich nie darum sorgen, ob sie am nächsten Tag etwas zu essen haben würde, doch war sie in anderer Hinsicht stark in ihren Freiheiten eingeschränkt. Trotzdem besaß Alden ein gutes Gespür, und durch das, was er von den adeligen Damen sah und hörte, konnte er sich ein Bild davon machen, in welchem goldenen Käfig eine Frau aus reichem Hause gefangen sein musste. Diese innere Zerrissenheit zwischen Privilegien und Pflichten, zwischen dem Drang nach Freiheit und der Last der Verantwortung, war ihm nicht fremd.
Viele fügten sich in ihre Rolle, fanden vielleicht sogar Gefallen am süßen Nichtstun und machten die Wünsche ihrer Ehemänner zu den eigenen. Ihre persönlichen Sehnsüchte begruben sie längst. Doch dann gab es diejenigen, die in seinen Armen landeten, getrieben von dem Verlangen nach mehr, von dem Gefühl, von den goldenen Käfigstangen erdrückt zu werden. Sie wollten einmal ihre Flügel ausbreiten, nur einen Hauch von Freiheit spüren.
Auch bei Grace sah Alden dieses Bemühen, ein Gleichgewicht zwischen diesen beiden Seiten zu finden. Es erfüllte ihn mit Freude, dass sie ihm so viel Vertrauen entgegenbrachte, um diese wilde, ungezähmte Seite mit ihm auszuleben. Doch da war noch mehr, eine tiefere Verbindung, die so groß war, dass Alden kaum Worte fand, um sie zu beschreiben. Es war nicht nur ein Abenteuer – es war bedeutender, als er ursprünglich gedacht hatte.
Zwar war er oft verliebt gewesen, sein Herz übersprudelnd vor Zuneigung und Verlangen, doch keine dieser Liebschaften hielt lange. Sobald eine andere reizende Dame auftauchte, war Alden erneut verliebt, flatterhaft wie ein Schmetterling, immer auf der Suche nach der einen wahren Liebe, die vielleicht nie kommen würde. Gleichzeitig hatte er diese Freiheit, nicht gebunden zu sein, auch genossen. Seine Heirat mit Eloise war eher ein Akt des Pflichtgefühls gewesen, nachdem sie von ihm schwanger geworden war. Die bittere Wahrheit, dass seine Liebe zu ihr nicht tiefer ging als zu den anderen Frauen, hatte er lange verdrängt.
Doch dann traf er Grace, und sie war anmutig und zart wie eine Elfe, mit einem starken, wilden Herzen, das sich nach Freiheit sehnte, genau wie seins. Und damit war es um den Ritter geschehen. Je mehr Zeit er mit ihr verbrachte, desto klarer wurde ihm, dass er keine andere Frau mehr ansehen oder an seiner Seite haben wollte.
Als sie ihm schließlich zustimmte, die Stute seiner Schwester zu nehmen, erwiderte Alden ihr Lächeln. „Sie wird nichts dagegen haben, da bin ich sicher. Und sie hat auch eine Reithose, die du dir leihen kannst, falls du nicht im Damensattel reiten willst.“ Er zwinkerte ihr zu. Er wusste, dass Grace nicht oft die Gelegenheit hatte, einfach sie selbst zu sein, vielleicht etwas Neues zu wagen, das nicht den strengen Etiketten und Regeln entsprach. Bei ihm konnte sie sich frei fühlen, und dieses Geschenk machte er ihr nur allzu gerne.
„Oh, das war gar nicht so schwer“, fuhr er fort, als sie nach Hercules fragte. „Er ist total auf mich fixiert, schließlich kenne ich ihn, seit er geboren wurde. Als jemand versuchte, auf ihm zu reiten, hat er ihn einfach abgeworfen oder sich keinen Zentimeter bewegt. Das habe ich mir dann zunutze gemacht und ihn darauf trainiert. Ist ziemlich praktisch – so kann mir niemand mein Pferd einfach unterm Hintern wegstehlen.“ Alden lachte und fuhr sich durch die Locken.
Im Gespräch über seine Kindheit erzählte Alden von seiner wilden Natur und wie sehr er seiner temperamentvollen Mutter ähnelte. Als Grace ihre eigene Mutter erwähnte, nickte er verstehend. „Dann hätte sie das Leben, das meine Mutter als junges Mädchen führte, sicher gemocht. Ihr Vater war Händler und zog von Ort zu Ort. Meine Mutter hat früh ihre eigene Mutter verloren und ist quasi auf der Straße aufgewachsen. Sie hat viel von der Welt gesehen und kennengelernt. Ich glaube, mein Vater war von ihrer Wildheit verzaubert, auch wenn sie das genaue Gegenteil seiner ersten Frau war. Es hat lange gedauert, bis sie sich an das sesshafte Leben hier gewöhnt hatte.“
Als Grace vorsichtig auf seinen Vater und die mögliche Strenge in seiner Erziehung zu sprechen kam, veränderte sich Aldens Blick. Er hatte nie wirklich hinterfragt, ob körperliche Züchtigung ungewöhnlich war oder auf Ablehnung stoßen könnte – es war einfach Teil seiner Welt gewesen. Vielleicht lag es auch daran, dass er ein Mann war, während Grace ohne Brüder aufwuchs, um das möglicherweise miterlebt zu haben.
„Mein Vater... ist ein Mann, der großen Wert auf Disziplin legt“, begann Alden langsam, sorgfältig auf seine Wortwahl bedacht. „Aber er war nicht gewalttätig im eigentlichen Sinne.“ Er schüttelte leicht den Kopf, als wolle er ihre Sorge zerstreuen. „Er hat uns auf das vorbereitet, was das Leben von uns verlangen würde. Streng, ja, aber nicht grundlos hart. Manchmal fiel es schwer, aber ich verstehe inzwischen, warum er so handelte.“
Alden machte eine kurze Pause, bevor er fortfuhr, als wolle er seine eigenen Erinnerungen ordnen. „Er wusste sich wohl nicht anders zu helfen, als mir die Rute zu geben, wenn ich zu frech war. Aber es war nie willkürlich, nie aus Wut.“ Ein bitteres Lächeln huschte über sein Gesicht. „Meine Lehrer dagegen... die waren da weniger zimperlich. Für jede Kleinigkeit gab’s eine Tracht Prügel. Manchmal konnte ich tagelang kaum sitzen.“ Er hob die Schultern, als wäre das nichts Außergewöhnliches.
Ihre Frage, wann er ruhiger geworden sei, brachte Alden zum Nachdenken. „Ich denke, es geschah nach und nach. Vielleicht durch meine Erfahrungen im Dienst des Königs, vielleicht auch einfach durch das Erwachsenwerden. Vielleicht durch die Verantwortung, die größer wurde. Man lernt, nicht mehr nur an sich selbst zu denken, sondern an all jene, die auf einen zählen. Das hat mich geformt.“
Als Grace von seiner Schwester sprach, hellte sich Aldens Miene deutlich auf. „Das freut mich zu hören. Lily ist wirklich etwas Besonderes – klug und willensstark. Es tut gut zu wissen, dass du sie so magst. Ich habe gesehen, wie fasziniert sie von dir war, als du angekommen bist. Ich glaube, sie bewundert dich.“ Sein Blick war voller Zuneigung, als er Grace ansah.
Sein frecher Kommentar auf ihre Frage hin ließ Grace erneut hell auflachen, und sie stieß ihn spielerisch mit ihrem Ellbogen an. Alden liebte es, sie zum Lachen zu bringen, sie zu necken und dabei ihre Unsicherheit schrittweise verschwinden zu sehen. Denn mehr als alles andere wollte er, dass Grace sich in seiner Gegenwart geborgen und frei fühlte – ohne den Druck, etwas beweisen zu müssen oder die Angst, einen Fehler zu machen. Es lag ihm am Herzen, ihr zu zeigen, wie schön es sein konnte, sich der wahren Leidenschaft hinzugeben. Und dass sie sich ihm langsam öffnete, erfüllte den Ritter mit stiller Freude. Er wollte, dass sie wusste, dass sie bei ihm ganz sie selbst sein konnte – ohne Masken, ohne Erwartungen – nur sie und die intensive Verbindung, die sich zwischen ihnen entfaltete.
Alden widmete sich geduldig und behutsam den unzähligen Schnüren von Graces Kleid, jede einzelne öffnend, während er den Moment genoss. Ihr Lächeln, das nie verschwand, sprach von mehr als nur Freude – es zeigte Aufregung, Verlangen und tiefe Zuneigung. Die Spannung zwischen ihnen war fast greifbar, doch Alden bewahrte die Ruhe, trotz der Ungeduld, die in ihm aufstieg und sein Blut in Wallung brachte. Es war, als würde er ein wertvolles Geschenk auspacken. Allerdings wollte es sich nicht auspacken lassen, sodass Alden scherzhaft seinen Dolch erwähnte, was Grace ihm aber verbot und ihn stattdessen dazu aufforderte, das Kleid über den Kopf zu ziehen, was er dann auch tat. Da saß sie nun in ihrem Unterkleid vor ihm und sie wirkte mit einem Mal sehr verletzlich. Als ihre Hand fast hilfesuchend die seine fand, umfasste er sie sanft, um ihr das Gefühl von Sicherheit zu geben. Ihre leisen Worte, die Küsse auf seine Knöchel, alles zeigte ihm ihre Zerbrechlichkeit, aber auch ihr Vertrauen. Der stürmische Kuss, der folgte, war voller Leidenschaft, doch gleichzeitig spürte Alden, dass sie Halt suchte, Geborgenheit in diesem Moment, der für sie beide etwas Besonderes war. Als sie schließlich zögerlich das Unterkleid nach oben zog und eine Gänsehaut sich auf ihre Arme legte, nahm er ihre Worte mit größter Ernsthaftigkeit auf.
Alden betrachtete Grace mit einem sanften, bewundernden Blick, seine Augen glitten liebevoll über ihren zarten Körper. „Du bist wunderschön, Grace, und perfekt, so wie du bist. Ich danke dir für dein Vertrauen.“ Seine Stimme war tief und ehrlich, jedes Wort durchdrungen von der Zuneigung, die er für sie empfand.
Ohne Eile griff der Ritter nun an den Saum seines Hemdes und zog es langsam über seinen Kopf, ließ es neben sich auf die Decke fallen. Dann nahm er ihre Hand in die seine, führte sie sanft an seine Brust und legte sie behutsam auf sein Herz. „Fühlst du das, meine Liebste?“ flüsterte er, während sein Blick den ihren suchte. „Jeder Schlag gehört dir.“
