01-12-2024, 00:39 - Wörter:
Womöglich verfolgte sie ihn schon einige Zeit. Helias hätte es erahnen müssen. Als Jugendlicher hätte dies seinen Tod bedeutet. Genau genommen hätte auch das hier seinen Tod bedeuten können, womöglich würde ihn am Ende nur die Tatsache retten, dass sie einander kannten. Eine gefährliche Garantie - eine, die eigentlich fast nahezu selten war. Und doch erfasste sie ihn im Glauben, dass er es auf sie abgesehen hätte. Helias jedoch ahnte nichts, geschweige denn suchte oder spürte er etwas. Zum Gejagten zu werden, wäre am Hof für ihn eine noch größere Schmach. Und ehrlicherweise war die Aktion auch recht peinlich. So überlegen er sich nämlich in der Stadt fühlte, so unbegabt war er womöglich in der freien Natur. Die Jahre des Adels waren nun auch irgendwie in ihm angekommen.
Wahrlich, als die Schlinge ihn in die Höhe zog, er quasi in die Falle tappte, war sein erster Gedanke Tyra. Er wusste nicht warum, doch er wusste, dass sie ihn womöglich verspottet hätte. Als er am Bein hochgezogen wurde und hinunterhing, erkannte er nicht wirklich ein klares Gesicht. Eine Frauengestalt, ja, und eine Frauenstimme. Sie klang nicht sanft oder zierlich, nein, aber bekannt kam sie ihm auch nicht vor. Es waren immerhin Jahre. Unweigerlich fand sich ein Dolch an seiner Kehle - und dass ein feiner Schnitt reichte, um das Leben aus dem Mann zu tilgen, wusste sie - und machte ihre Bereitschaft deutlich. Helias hat noch nie jemanden getötet - das war wohl ihr Unterschied?
"Ihr ...", verfiel er kurz in einer höflichen Adelsform, um kurz zu husten und doch die Sprache anzupassen: "Du wirst mir wohl kaum glauben, wenn ich sage, dass ich rein zufällig hier bin?" In der Regel war er der Verlierer. Sollte sie ihm alles bis auf die Haut stehlen, Besitz war als Adeliger nur zweitrangig für ihn. An seinem Leben hing er letztlich irgendwo doch. "Du kannst alles in meinen Taschen haben, ich wollte eigentlich nur .. erkunden."
