09-12-2024, 13:05 - Wörter:
Es gab keinen Platz, an dem sie lieber war, als draußen. Hier in diesen Wäldern, die sie ihre Heimat nannte. Als Kind hatte Lia mit ihren Schwestern und ihrem Bruder Tag ein, Tag aus hier draußen gespielt. Sie hatten Verstecke gebaut, Schnecken gesammelt und Karten gemalt, um sich besser zurechtfinden zu können. Ihre Ammen war häufig an den Kindern verzweifelt. Es war eine Zeit, an die Lia sich nur zu gern zurück erinnerte. Erinnerungen, die im Herzen blieben, es einerseits wärmten und andererseits sehr schwer machten. In ihr gab es immer noch diese kindliche, unbeschwerte Seite, doch die vergangenen Schicksalsschläge trübten ihre leichte Seele sehr.
Zeit brauchen, um ihren Beitrag schätzen zu lernen… Brauchte Mathúin Zeit, um sie schätzen zu lernen? Lia schluckte und schob diese Gedanken dann rasch beiseite, weil sie ihr Angst machten. Er war immer höflich und respektvoll, aber auch distanziert und in sich gekehrt. In sich gekehrt war sie selbst auch und häufig war das keine gute Kombination. Oft saßen sie gemeinsam beim Essen am Tisch und schwiegen sich an. Und mit jeder Sekunde des Schweigens wurde die nächste unerträglicher. „Habt ihr viel zu besprechen? Zieht er dich bei Entscheidungen zu Rate?“, hörte die Fürstin interessiert nach. Niemals wäre sie neidisch darauf, viel mehr erhoffte sie sich, dass er Caraghs Rat ebenso zu schätzen wusste wie sie selbst. Caragh war – zumindest nach Lias Auffassung – die mit Abstand wichtigste Beraterin in ihrem Haus und ein etwas rigoroserer Teil in ihr verlangte auch, dass ihr Mann das so annahm.
Als Caragh weiter sprach, ergriff Lia automatisch ihre Hand. Nicht nur, weil der Boden ein bisschen uneben war, sondern auch, weil sie ihr in allem Halt gab – sowohl physisch, als auch metaphorisch gesprochen. Kurz musste Lia schmunzeln. “Ich weiß nicht, was ich ohne dich anstellen würde. Wahrscheinlich in einem Haufen von Wachstafeln untergehen.“ Sie schüttelte den Kopf. Politik war keines der Themen, über die sie gern (oder auch nur ansatzweise gut) sprach, aber wenn, dann mit Caragh. “Ich kriege nicht besonders viel mit, aber letztens habe ich gehört, dass es aktuell wesentlich weniger Bestellungen unserer hiesigen Fischsorten gibt. Normalerweise liefern wir da regelmäßig große Mengen an die Gasthäuser im Süden des Landes. Aber scheinbar haben die wegen der kritischen politischen Situation wesentlich weniger Gäste zu verbuchen als sonst. Sind das die ersten Auswirkungen eines herannahenden Krieges, die wir spüren? Kommt da noch mehr? Oder denkst du, es bleibt nur bei einem schlechten Fisch-Verkauf?“
Zeit brauchen, um ihren Beitrag schätzen zu lernen… Brauchte Mathúin Zeit, um sie schätzen zu lernen? Lia schluckte und schob diese Gedanken dann rasch beiseite, weil sie ihr Angst machten. Er war immer höflich und respektvoll, aber auch distanziert und in sich gekehrt. In sich gekehrt war sie selbst auch und häufig war das keine gute Kombination. Oft saßen sie gemeinsam beim Essen am Tisch und schwiegen sich an. Und mit jeder Sekunde des Schweigens wurde die nächste unerträglicher. „Habt ihr viel zu besprechen? Zieht er dich bei Entscheidungen zu Rate?“, hörte die Fürstin interessiert nach. Niemals wäre sie neidisch darauf, viel mehr erhoffte sie sich, dass er Caraghs Rat ebenso zu schätzen wusste wie sie selbst. Caragh war – zumindest nach Lias Auffassung – die mit Abstand wichtigste Beraterin in ihrem Haus und ein etwas rigoroserer Teil in ihr verlangte auch, dass ihr Mann das so annahm.
Als Caragh weiter sprach, ergriff Lia automatisch ihre Hand. Nicht nur, weil der Boden ein bisschen uneben war, sondern auch, weil sie ihr in allem Halt gab – sowohl physisch, als auch metaphorisch gesprochen. Kurz musste Lia schmunzeln. “Ich weiß nicht, was ich ohne dich anstellen würde. Wahrscheinlich in einem Haufen von Wachstafeln untergehen.“ Sie schüttelte den Kopf. Politik war keines der Themen, über die sie gern (oder auch nur ansatzweise gut) sprach, aber wenn, dann mit Caragh. “Ich kriege nicht besonders viel mit, aber letztens habe ich gehört, dass es aktuell wesentlich weniger Bestellungen unserer hiesigen Fischsorten gibt. Normalerweise liefern wir da regelmäßig große Mengen an die Gasthäuser im Süden des Landes. Aber scheinbar haben die wegen der kritischen politischen Situation wesentlich weniger Gäste zu verbuchen als sonst. Sind das die ersten Auswirkungen eines herannahenden Krieges, die wir spüren? Kommt da noch mehr? Oder denkst du, es bleibt nur bei einem schlechten Fisch-Verkauf?“
