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The Scholar and the Thief
01.10.1016 - 21:00
Spring's Court, Universität
Ciarán Ó Ceallaigh Isabella Rycott

Unregistered
Isabella Rycott
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Beruf
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User
#2
"... Und damit lässt sich in keinster Weise der ethnographisch-historische Nachweis erbringen, dass der in der winterländischen Volkskultur fest verankerte Mythos des mit anthropoiden Zügen dargestellte Schneemenschen, genannt Snjókarl, eine direkte oder indirekte Verwandtschaft zu den in den farynnschen Wäldern verorteten Duilleogan, den aus toten Laub geborenen Trollen, aufweist." flink und mit enthusiastischer Präzision kratzte der Schreibgriffel über die raue Oberfläche des Pergaments, bis er endlich nach einem überschwänglich aufgedrückten Punkt seine Arbeit getan hatte. "Und nun beweis mir das Gegenteil, Miss Superschlau!" lehnte sich Isabella fast schon selbstgefällig in ihren etwas instabilen Stuhl zurück und stellte wohlwissentlich bereits einen Fuß so zur Seite, dass der vorhersehbare Wackelmoment abgefedert wurde. Einmal den Kopf anschlagen hatte ihr vollkommen gereicht, aber dennoch wollte sie den Stuhl einfach nicht aufgeben. Er gehörte ihrem Vater, dessen Büro sie mehr annektiert, als offiziell übernommen hatte, nachdem sich dieser mehr und mehr vom aktiven Professorendasein zurück gezogen hatte. Mit einem überlegenen Lächeln verschränkte sie Arme vor der Brust und betrachtete zufrieden das Werk der letzten... nun... Tage? Wochen? Ach, egal, es hatte sich jeder Augenblick ausgezahlt, wenn sie damit ihrer 'Erzfeindin' Beatrix Kneeborne ihre stupide Engstirnigkeit aufzeigen konnte. Nur weil sie hübsch war und blond und mit einem perfekten Näschen gesegnet, hieß es nicht, dass all ihre unhaltbaren Ansichten einfach immer Zustimmung erfahren mussten. Es war schon genug, dass scheinbar jeder Professor hier von ihren inhaltsleeren, aufgeblasenen Phrasendreschereien Bewunderung zollten, auch jeder Kollege hing an ihren Lippen mit herzverliebten Blicken, als hätte sie die Weisheit mit goldenen Löffeln gefressen. Lächerlich. Beatrix wusste sich gut zu verkaufen und eine intelligente Fassade ohne Fundament oder Argument vorzublenden. Aber eigentlich, eigentlich war da nichts, aber auch gar nichts dahinter, nicht einmal ein Hirn, nur ein gekonnter Wimpernschlag.

Vor Isabella türmte sich ein recht ansehnlicher Stapel an gefalteten Blättern, die sie morgen zum Binden bringen würde, dann könnte sie beim Konversatorium am Ende der Woche ihre Abhandlung auch unter ihren Kollegen diskutieren. Und Beatrix in Grund und Boden debattieren. Hah, darauf freute sie sich schon. Und vergaß in all ihrer Vorfreude, dass es schon später war, als sie dachte. Gerade als in der Ferne das Geläut der Kirchenglocken die fortgeschrittene Abendstunde ankündigte, flackerte die müde Kerze auf dem Schreibtisch, die noch in den letzten Atemzügen der Dunkelheit trotzte. Flugs griff Isabella nach einer neuen Kerze aus der Schublade und entzündete sie an den traurigen Resten der alten. Erst jetzt merkte sie, wie müde sie eigentlich war. Gähnend streckte sie die steifen Glieder. Wenn sie jetzt aufstehen würde, könnte sie jeder buckligen Greisin Konkurrenz machen, so sehr schmerze es sie, den Rücken gerade zu richten. Sie wurde langsam zu alt für so lange Studienstunden, wirklich. Knarzend schob sie den Stuhl zurück, streckte sich erneut, noch breiter gähnend und zwang sich dann doch zum Aufstehen. Wobei, ehrlich gesagt lachte sie die Beistellcouch, die schon dem Vater als Übernachtungsmöglichkeit bequem gedient hatte, schon wirklich sehr einladend an. Nur war sie etwas vollgeräumt, aber das ließ sich ja schnell ändern. Ein Polster und eine Decke waren immer in einer Truhe gleich darnächst, wohl wissend, dass so manche Abende schneller zur Nacht geworden waren, als sowohl Vater als auch Tochter Rycott erkannten. Und bevor man im Stockdunklen den doch manchmal etwas gefährlichen Weg nach Hause antreten musste, war es doch wirklich von Vorteil auch hier eine Schlafstatt zu haben. Diese blöde Couch sieht dich manchmal öfters als ich! klangen die Worte der Mutter in Isabellas Ohren, anklagend, irgendwie, aber doch mit einer verständnisvollen Portion Belustigung versehen. Lieber eine Couch als eine Geliebte, das war immer Mama Rycotts Ansicht gewesen.

Aber aufs Klo musste sie dennoch. Dagegen war nichts zu machen. Also nahm sie die gerade entzündete Kerze in ihrer Halterung und öffnete die Tür der Studienkammer. War eigentlich noch jemand hier? Irgendwo sollte ein Nachtportier durch die Gänge streifen, nicht wirklich um etwas zu bewachen, sondern einfach um nach dem Rechten zu sehen, falls wieder ein übereifriger Student in der Bibliothek eingeschlafen war oder - so wie sie eben - ein Gelehrter zu lange über den Pergamenten hockte. Außerdem war es immer gut jemanden zu haben, der Alarm schlagen konnte, würden irgendwelche Halbstarken eine Mutprobe versuchen oder vielleicht doch - Heofader bewahre - ein Feuer ausbrechen. Außerdem musste ja jemand darauf achten, dass alles verschlossen war oder anders wieder aufsperren, wenn frühmorgens eine Lieferung für die Mensaküche oder die Putztruppe anklopfte. Ah, schon ein paar Türe weiter bog er um die Ecke "Miss Rycott, ich hatte mir schon gedacht, dass ich sie hier noch antreffe" grinste der stämmige ältere Mann mit kleinem Bierbauchansatz, an dessen Hosenbund ein großer Schlüsselring klimperte. "Walter! Da bin ich beruhigt, dass du da bist. Ja, du kennst mich ja, wenn mich eine Sache einmal packt, dann vergess ich schnell die Zeit." seufzte Isabella fast schon entschuldigend. "Wird aber in letzter Zeit schon fast zur Gewohnheit, Miss." tadelte der Portier mit tief brummender Stimme, was Isabella nur ein Augenrollen entlockte. Ja, mal ehrlich, wer wohnte in ihrem Altern schon gern noch bei den Eltern? "Bleiben sie heute Nacht hier? So spät würde ich ihnen nicht raten noch nach Hause zu gehen alleine" - "Lieb, dass du dir Sorgen machst, aber ja, ich bleibe heute Nacht hier." Isabella hatte keine Angst, gewiss nicht, aber man musste ja das Schicksal auch nicht herausfordern, oder? "Dann wünsch ich ihnen noch eine gute Nacht und ich werd hin und wieder mal vorbei schauen, dass alles in Ordnung ist" nickte Walter und machte sich wieder auf den Weg. "Gute Nacht, Walter, und danke!" - "Und nicht vergessen hinter ihnen immer schön die Kammer abzusperren! Man weiß ja nie!" hallte es noch nach. Jaja, Isabella hatte keine Sorge, dass Walter irgendeinmal unangekündigt vor ihrer Bettcouch stehen würde und ehrlich gesagt bezweifelte sie, dass irgendein anderer Kerl sich gerade in einer Universität ein Opfer zum Sich-dran-vergehen suchen würde. Da gab es weit erfolgversprechendere Orte dafür.

Jetzt musste sie dringend aufs Klo. Warum war Walter immer so gesprächig! Sie mochte ihn, keine Frage, er war die gute Seele der Universität und bei allen hier Angestellten und Lernenden ob seiner Gutmütigkeit beliebt, aber für einen Mann ganz schön redselig!
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The Scholar and the Thief - von Ciarán Ó Ceallaigh - 01-03-2025, 21:19
RE: The Scholar and the Thief - von Isabella Rycott - 05-03-2025, 00:23
RE: The Scholar and the Thief - von Ciarán Ó Ceallaigh - 22-03-2025, 17:08
RE: The Scholar and the Thief - von Isabella Rycott - 08-04-2025, 21:47
RE: The Scholar and the Thief - von Ciarán Ó Ceallaigh - 07-05-2025, 18:34
RE: The Scholar and the Thief - von Isabella Rycott - 08-06-2025, 18:16
RE: The Scholar and the Thief - von Ciarán Ó Ceallaigh - 28-07-2025, 23:24

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