11-03-2025, 21:37 - Wörter:
Orpheus' Kiefer mahlte kaum merklich, während er den Blick seines Vaters erwiderte. Augusto mochte verschmitzt grinsen und sich in seiner nonchalanten Art gefallen, aber Orpheus ließ sich davon nicht täuschen. Dies war keine harmlose Unterhaltung – es war eine Prüfung, getarnt als scheinbar sorgloses Gespräch. Der Prinz ließ den aufbrausenden Monolog seines Vaters über sich ergehen, während sich in ihm ein bitterer Knoten bildete. Es war wie immer. Augusto redete und redete – laut, direkt, ohne Rücksicht auf Zwischentöne oder Feingefühl für das, was zwischen den Worten lag. Alles wurde heruntergebrochen auf Stärke, Verantwortung, Pflicht. Dabei erkannte er nicht, dass in Orpheus' Kopf ein Sturm tobte, den man nicht mit einem Glas Wein oder einem Mädchen besänftigen konnte. Natürlich wusste Orpheus, dass sein Vater von seinem inneren Ringen nur gelangweilt war. Er wollte einen Sohn, der das Leben nahm, wie es kam, der nicht alles hinterfragte. Einen, der ein wenig mehr so war wie er selbst.
Doch Leandros war ihm dann wieder zu ähnlich – das war auch nicht gut. Er verspielte seine Chancen noch, bevor er überhaupt König war, während Augusto wenigstens lange genug in der Lage gewesen war, ein Reich zu regieren und zusammenzuhalten, ehe er sich dem Alkohol verschrieb. Orpheus war sich sicher, dass sein Vater trotz aller Ungeduld und seines Spotts sehr genau verstand, welche Last auf ihnen allen lag. „Ich hinterfrage nicht deinen Intellekt, Vater“, erwiderte er schließlich leise. „Nur deine Prioritäten.“ Seine Haltung blieb steif, als wäre er in Stein gemeißelt, während sein Blick kurz auf dem Weinglas verharrte, das sein Vater so schwungvoll umherwirbelte. Dann atmete er langsam aus.
„Und ich danke dir für deine… väterlichen Sorgen um meine Ehe.“ Der Prinz legte eine kühle Betonung auf das Wort. „Aber du brauchst dir keine Gedanken zu machen. Ich bin mir der Erwartungen bewusst.“ Erwartungen. Nicht Wünsche. Nicht Hoffnungen. Erwartungen. So war es immer gewesen.
Die Bemerkung über seine Braut ließ seine Schultern unwillkürlich anspannen. Oh ja, er hatte verstanden, was von ihm verlangt wurde – ein Bündnis, Erben, Stabilität. Orpheus hatte Naila kaum kennengelernt, doch schon jetzt wurde ihm klargemacht, dass es nicht nur darum ging, sie zu heiraten, sondern sie auch glücklich zu machen. Wie, bitte sehr, sollte das funktionieren? Er, der sich nie leicht tat mit Menschen, sollte plötzlich ein harmonisches Eheleben führen? Wo war die Anleitung dafür? Kein Buch erklärte ihm, wie man das tat. Zephyr hatte ihm geraten, sich und Naila Zeit zu lassen – dann würde sich schon alles ergeben. Aber es fühlte sich an, als balanciere er über eine Schlucht und müsse einfach darauf hoffen, nicht abzustürzen.
Orpheus nickte langsam, als sein Vater weitersprach. Ja, er hatte geahnt, dass Leandros sich nicht gerade wie ein Muster-Schwiegersohn benahm. Doch er hatte gedacht, dass dessen Stellung als zukünftiger Großkönig für sich sprach. Immerhin war es in den besten Familien kein Geheimnis, dass Ehemänner sich Mätressen hielten oder dem Wein zu sehr zusprachen. Dennoch – so schien es – hatten Nailas Eltern nicht nur den Thron, sondern auch das Wohl ihrer Tochter im Sinn. Der Prinz runzelte die Stirn, als sein Vater sich ungeniert über Charles Stafford echauffierte, und unterdrückte einen Seufzer. Es war bezeichnend: In einen Atemzug hielt Augusto eine Rede über die Bedeutung einer glücklichen Ehe, im nächsten verlor er sich in politischen Rachefantasien.
„Zephyr meint, ich solle als Galionsfigur die Truppen anführen. Das werde ich tun, wenn es gewünscht ist und unsere Soldaten motiviert.“ Seine Stimme war ruhig, beherrschter als es in seinem Inneren aussah. „Doch Vater… ich ersuche dich dringend, Leandros zu befehlen, sich mir anzuschließen. Ob er will oder nicht. In diesen Zeiten müssen wir dem Volk zeigen, dass wir als Einheit auftreten – nicht, dass der Kronprinz mit Abwesenheit glänzt.“
Orpheus wurde knallrot, als sein Vater weitersprach. Warum er sich überhaupt beschweren würde? Er hatte ein weiches Bett, Privilegien, ein sorgenfreies Leben. Und natürlich hatte er keine Wahl. Natürlich wusste er das. Doch es so unverblümt ausgesprochen zu hören, ließ es nur umso schwerer wiegen. „Ich verstehe, Vater“, sagte er schließlich, leise, aber deutlich. Es lag keine Rebellion in seiner Stimme, keine Auflehnung – nur die mühsam unterdrückte Schwere eines Gedankens, der sich nicht abschütteln ließ. Ja, er hatte Essen. Ein Dach über dem Kopf. Bildung. Möglichkeiten. Und doch fühlte sich sein Leben nicht an wie ein Segen, sondern wie eine Reihe unsichtbarer Fesseln, die sich mit jedem Tag enger um ihn legten. „Ich bin mir bewusst, was ich für Privilegien habe“, fuhr er fort und senkte den Blick, als könnte er sich darin sammeln. Er wollte nicht undankbar klingen. Nicht wie ein Träumer, der die Wirklichkeit nicht verstand. Aber wie konnte sein Vater nicht sehen, dass er gerade deshalb so viel nachdachte? Dass er nicht aus Trotz zögerte, sondern aus Angst?
Orpheus zuckte zusammen, als sein Vater den Becher auf den Tisch krachen ließ. Der Klang hallte nach – lauter als die Worte, die ihn treffen sollten. Seine Hände blieben ruhig in seinem Schoß, doch innerlich fühlte er sich, als würde ein unsichtbares Band sich immer enger um seine Brust ziehen. „Ich halte niemandem etwas vor die Nase oder bilde mir ein, klüger zu sein als andere.“ Orpheus biss sich auf die Unterlippe, zwang sich zur Ruhe. Die Worte trafen ihn härter, als sie sollten. War das wirklich das Bild, das er abgab? Ein eingebildeter Prinz, der sich für klüger hielt als der Großkönig und alle anderen? Als sein Vater Stafford erneut erwähnte, atmete Orpheus tief ein. Die Bedrohung war real. Ihr Königreich stand am Abgrund. Seine Finger schlossen sich kurz zu einer Faust, bevor er sie wieder lockerte. „Ich werde tun, was nötig ist“, sagte er schließlich. Es war keine Kapitulation. Kein Trotz. Nur die leise Erkenntnis, dass er ohnehin keine Wahl hatte.
Doch Leandros war ihm dann wieder zu ähnlich – das war auch nicht gut. Er verspielte seine Chancen noch, bevor er überhaupt König war, während Augusto wenigstens lange genug in der Lage gewesen war, ein Reich zu regieren und zusammenzuhalten, ehe er sich dem Alkohol verschrieb. Orpheus war sich sicher, dass sein Vater trotz aller Ungeduld und seines Spotts sehr genau verstand, welche Last auf ihnen allen lag. „Ich hinterfrage nicht deinen Intellekt, Vater“, erwiderte er schließlich leise. „Nur deine Prioritäten.“ Seine Haltung blieb steif, als wäre er in Stein gemeißelt, während sein Blick kurz auf dem Weinglas verharrte, das sein Vater so schwungvoll umherwirbelte. Dann atmete er langsam aus.
„Und ich danke dir für deine… väterlichen Sorgen um meine Ehe.“ Der Prinz legte eine kühle Betonung auf das Wort. „Aber du brauchst dir keine Gedanken zu machen. Ich bin mir der Erwartungen bewusst.“ Erwartungen. Nicht Wünsche. Nicht Hoffnungen. Erwartungen. So war es immer gewesen.
Die Bemerkung über seine Braut ließ seine Schultern unwillkürlich anspannen. Oh ja, er hatte verstanden, was von ihm verlangt wurde – ein Bündnis, Erben, Stabilität. Orpheus hatte Naila kaum kennengelernt, doch schon jetzt wurde ihm klargemacht, dass es nicht nur darum ging, sie zu heiraten, sondern sie auch glücklich zu machen. Wie, bitte sehr, sollte das funktionieren? Er, der sich nie leicht tat mit Menschen, sollte plötzlich ein harmonisches Eheleben führen? Wo war die Anleitung dafür? Kein Buch erklärte ihm, wie man das tat. Zephyr hatte ihm geraten, sich und Naila Zeit zu lassen – dann würde sich schon alles ergeben. Aber es fühlte sich an, als balanciere er über eine Schlucht und müsse einfach darauf hoffen, nicht abzustürzen.
Orpheus nickte langsam, als sein Vater weitersprach. Ja, er hatte geahnt, dass Leandros sich nicht gerade wie ein Muster-Schwiegersohn benahm. Doch er hatte gedacht, dass dessen Stellung als zukünftiger Großkönig für sich sprach. Immerhin war es in den besten Familien kein Geheimnis, dass Ehemänner sich Mätressen hielten oder dem Wein zu sehr zusprachen. Dennoch – so schien es – hatten Nailas Eltern nicht nur den Thron, sondern auch das Wohl ihrer Tochter im Sinn. Der Prinz runzelte die Stirn, als sein Vater sich ungeniert über Charles Stafford echauffierte, und unterdrückte einen Seufzer. Es war bezeichnend: In einen Atemzug hielt Augusto eine Rede über die Bedeutung einer glücklichen Ehe, im nächsten verlor er sich in politischen Rachefantasien.
„Zephyr meint, ich solle als Galionsfigur die Truppen anführen. Das werde ich tun, wenn es gewünscht ist und unsere Soldaten motiviert.“ Seine Stimme war ruhig, beherrschter als es in seinem Inneren aussah. „Doch Vater… ich ersuche dich dringend, Leandros zu befehlen, sich mir anzuschließen. Ob er will oder nicht. In diesen Zeiten müssen wir dem Volk zeigen, dass wir als Einheit auftreten – nicht, dass der Kronprinz mit Abwesenheit glänzt.“
Orpheus wurde knallrot, als sein Vater weitersprach. Warum er sich überhaupt beschweren würde? Er hatte ein weiches Bett, Privilegien, ein sorgenfreies Leben. Und natürlich hatte er keine Wahl. Natürlich wusste er das. Doch es so unverblümt ausgesprochen zu hören, ließ es nur umso schwerer wiegen. „Ich verstehe, Vater“, sagte er schließlich, leise, aber deutlich. Es lag keine Rebellion in seiner Stimme, keine Auflehnung – nur die mühsam unterdrückte Schwere eines Gedankens, der sich nicht abschütteln ließ. Ja, er hatte Essen. Ein Dach über dem Kopf. Bildung. Möglichkeiten. Und doch fühlte sich sein Leben nicht an wie ein Segen, sondern wie eine Reihe unsichtbarer Fesseln, die sich mit jedem Tag enger um ihn legten. „Ich bin mir bewusst, was ich für Privilegien habe“, fuhr er fort und senkte den Blick, als könnte er sich darin sammeln. Er wollte nicht undankbar klingen. Nicht wie ein Träumer, der die Wirklichkeit nicht verstand. Aber wie konnte sein Vater nicht sehen, dass er gerade deshalb so viel nachdachte? Dass er nicht aus Trotz zögerte, sondern aus Angst?
Orpheus zuckte zusammen, als sein Vater den Becher auf den Tisch krachen ließ. Der Klang hallte nach – lauter als die Worte, die ihn treffen sollten. Seine Hände blieben ruhig in seinem Schoß, doch innerlich fühlte er sich, als würde ein unsichtbares Band sich immer enger um seine Brust ziehen. „Ich halte niemandem etwas vor die Nase oder bilde mir ein, klüger zu sein als andere.“ Orpheus biss sich auf die Unterlippe, zwang sich zur Ruhe. Die Worte trafen ihn härter, als sie sollten. War das wirklich das Bild, das er abgab? Ein eingebildeter Prinz, der sich für klüger hielt als der Großkönig und alle anderen? Als sein Vater Stafford erneut erwähnte, atmete Orpheus tief ein. Die Bedrohung war real. Ihr Königreich stand am Abgrund. Seine Finger schlossen sich kurz zu einer Faust, bevor er sie wieder lockerte. „Ich werde tun, was nötig ist“, sagte er schließlich. Es war keine Kapitulation. Kein Trotz. Nur die leise Erkenntnis, dass er ohnehin keine Wahl hatte.
