05-04-2025, 10:56 - Wörter:

Das Leben einer Gesellschafterin schmiege sich nun einmal an das Leben einer Prinzessin und nicht immer konnte man allen Wünschen gerecht werden. Wenn man also einer anderen Hofdame Platz machen und in den eigenen Reihen Willkommen heißen musste, weil Naila sich dazu entschieden hatte, dann war das eben so. Die einzige, die sich nicht bewegte, war Naila selbst, auch wenn ihr Lächeln eine Spur wärmer wurde, als Aurora sich neben sie setzte. Nie zu dick aufgetragen, mit der richtigen Mischung aus Offenheit und höflicher Zurückhaltung, glaubte sie neben der offensichtlichen Schüchternheit auch eine Unsicherheit in der Rothaarigen zu erkennen, die ihr nur zu vertraut war. Wer wollte schon gerne aus einem entspannenden Spaziergang in eine Gruppe voll Fremder gedrängt werden? „Es ehrt mich, das aus Eurem Munde zu hören. Ich muss zugeben, ich habe die Balance in meinen Melodien zwischen alter und neuer Heimat noch nicht gefunden“, gab Naila sanft, aber ehrlich zu, selbst nur einen Hauch der Unsicherheit durchscheinen lassend, die ihr höfisches Leben bestimmte. Es war in Ordnung für eine frisch vermählte Prinzessin, sich noch nicht ganz wohl in der neuen Heimat zu fühlen, und Naila wusste, dass sie damit Sympathie erregte, wenn sich diese Herausforderung in den richtigen, ungestörten Momenten bemerkbar machte.
Als hätte sie die Ankunft von Aurora davon abgebracht, sich weiter der Musik hinzugeben, legte sie die Laute von ihrem Schoß neben sich ab und deutete auf die Köstlichkeiten in der Mitte ihrer trauten Gruppe, die hauptsächlich von Rajani genossen wurden. „Bitte, lasst Euch nicht aufhalten, wenn Euch etwas anspricht.“ Im selben Atemzug ging Naila davon aus, dass eine ihrer Gesellschafterinnen zu der Wasserkaraffe greifen und Aurora ein Glas anbieten würde, wie sie es gerne untereinander taten. „Hattet Ihr schon die Freude, meine Gesellschafterinnen kennen zu lernen? Rajani Parikh ist meine langjährige Freundin und Begleiterin aus meiner Heimat, Matariyya.“ Sie wartete, bis sich beide Damen vorgestellt hatten, dann ging sie zu der jungen Frau an ihrer Linken über. „Mit Ehren darf ich ebenfalls Elithea Trakas in meinen Kreisen Willkommen heißen. Vielleicht seid Ihr Euch vor geraumer Zeit bereits am Hof über den Weg gelaufen…?“ Ein kleiner Stups, eine kleine Verbindung zwischen zwei Frauen aus Castandor, und eine wachsame Prinzessin, die dieses Mal nicht durchscheinen ließ, wie gerne sie wissen wollte, ob sie sich bereits eine Vergangenheit teilten. Stattdessen ließ sie ihnen Zeit, miteinander Bekanntschaft zu schließen, ehe sie den Gesprächsfaden wieder aufnahm und geschickt in eine andere Richtung fädelte. „Sagt, was führt Euch allein durch die Gärten, Lady Acilius?“
