08-04-2025, 21:47 - Wörter:
Isabella gähnte laut und hätte dabei fast die Kerze ausgeblasen. Na das hätte ihr gerade noch gefehlt, dass sie mit hochgerafften Röcken über dem Abort im Dunklen hocken musste. Wenn sie nur besser wäre in den physikalischen Studien der Universität, oder vermutlich waren es eher die alchemistischen Fächer, egal, eines der beiden, also wenn sie eines der beiden besser könnte, dann hätte sie schon längst ein hilfreiches Mittel gefunden, das Feuer ohne viel Mühsal einfach so wie aus dem Nichts erschaffen konnte. Dieses ewige Bangen um die Flammen, die einem Wärme oder Licht brachten in kalten, finsteren Zeiten, das war ja nicht auszuhalten. Und es nahm eindeutig Zuviel Aufmerksamkeit weg von den wirklich wichtigen Dingen im Leben. Wie oft war sie schon fast im Zappendusteren gesessen, nur weil sie die Nase zu tief in den Schriften hatte und nicht auf das Ende des Dochtes geachtet hatte. Und dann die Kerze wieder anzünden zu müssen, war wirklich eine nervige Angelegenheit. Zum Glück brannte in der Universität immer irgendwo ein Licht. Müde wurden ihr die Lider schwer und die Knie weich. Und in Momenten wie diesen, also nicht unbedingt solchen über dem Abort, aber generell solchen, wo sie einfach die Zeit unterschätzt und ihre Wachheit überschätzt hatte, war sie unendlich froh, dass ihr Vater auf das wenn auch spartanisch unbequeme Bett in seinem Kämmerlein bestanden hatte.
Noch ein Gähnen und wiederum ein störrisches Flackern des Kerzenscheins, dann richtete sich Isabella wieder gerade und die Röcke in Ordnung. Und nun den ganzen Weg wieder zurück. Naja, ein wenig Bewegung schadete ihr schon nicht. Sie war den ganzen Tag wahrlich genug gesessen und ihre Muskeln schrien geradezu danach sich nach allen Richtungen strecken zu dürfen. Dennoch hatte sie keine Lust die Füße merklich hoch zu heben und machte sich daher eher schlurfend daran die Gänge zurück zum Studienzimmer zu nehmen. Belanglos blieb ihr Blick eigentlich nirgendwo richtig hängen, ihre Gedanken schwirrten sowieso immer noch um ihren Aufsatz herum, an dem sie gerade geschrieben hatte. Irgendwie war sie mit den Formulierungen auf einmal nicht mehr ganz so zufrieden, die sie doch zuvor noch so scharf und schlagfertig gefunden hatte. Irgendwas fehlte, irgendwelche Argumente fielen ihr sicherlich noch ein und irgendwie musste sie das Ganze noch viel präziser und wasserdichter ausdrücken, sodass auch kein Platz für Gegenargumente blieb. Gedankenabwesend summte sie irgendeine Melodie, die ihr aus unbekannten Gründen im Ohr festsaß. Noch eine Ecke, noch eine Kurze, noch eine Kreuzung. Bald sollte sie wieder zurück sein, sie konnte den weichen Polster und die kuschelige Decke schon ihren Namen rufen hören.
Allerdings...
Da war noch ein anderes Geräusch, dass nun doch ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Augenblicklich blieb Isabella stocksteif mitten im Gang stehen und spitzte die ohnehin schon luchsgleichen Ohren. Jaja, sie lobte sich damit, ein wahres Feingehör zu haben - wenn sie denn wollte - und selbst in einem Wirrwarr an Gemurmel und Gebrabbel einer Konversation in ihrem Umfeld folgen zu können, an der sie gar nicht bewusst teilnahm. Selektives Gehör, hatte mal ein Medizinkollege im Scherz gesagt, aber sie fand das sogar recht passend. Wie eine Katze also lauschte sie angespannt in die Dunkelheit hinein, versuchte sich zu erinnern, woher das Klirren gekommen war und was es wohl ausgelöst haben könnte. Sie meinte irgendwo das leise Reiben von Holz auf Holz zu erkennen, aber sicher war sie sich nicht.
Sollte sie nachsehen? Oder lieber nach Walter suchen und mit ihm die Ursache des Geräuschs erforschen?
Ach so ein Unfug. Vermutlich war nur irgendetwas umgefallen, das passierte doch gern mal und vielleicht war in einem Studierzimmer einfach nur ein Fenster einen Spalt offen gelassen wurde und der Wind hatte etwas umgeblasen. Was sollte denn in der Universität schon an Bedrohung lauern? Die einzige Gefahr war, dass man von herunterfallenden Schriften erschlagen wurde, sich bei zuviel Tintenfinger ablecken eine Vergiftung zuzog oder wegen des Staubs erstickte. Aber sonst hatte man hier kaum etwas zu befürchten. Hier gab es nur altes Zeug, das die meisten Diebe doch wirklich nicht interessierte, nichts davon wirklich so wertvoll, dass man es wirklich gut zu Geld machen konnte.
Es war also nicht verwunderlich, dass sie daher mit fast schon vergnüglichem Schwung die Tür zu besagter Kammer öffnete, hinter der sie das Klirren vermutete und... erstarrte. Verdammter Madenkack! Da war ja wirklich wer in dem Zimmer! Und der gehörte sicherlich nicht hierher! Nein, Isabella kannte nicht jeden einzelnen Studenten oder Lehrer hier auf der Universität, aber es war offensichtlich, dass dieser Bursch da vor ihr nicht hierher gehörte. Und jetzt? Da bist du ja ganz schön in die Scheiße gehüpft, Isabella! schalt sie sich selbst und überlegte wirklich kurz, die Tür einfach wieder zu zu machen und weiter zu gehen. Aber dann siegte doch irgendwie ihre neugierige Unverfrorenheit, vielleicht auch, weil sie auf einen ersten schnellen Blick keine offensichtliche Waffe ausmachen konnte. Aber das sagte in den Schatten, in denen sie sich befanden, eigentlich so gut wie nichts.
"Kann ich dir helfen?" fragte sie daher recht keck, in der einen Hand die Kerze, in der anderen zur Sicherheit immer noch den Türknauf.
Noch ein Gähnen und wiederum ein störrisches Flackern des Kerzenscheins, dann richtete sich Isabella wieder gerade und die Röcke in Ordnung. Und nun den ganzen Weg wieder zurück. Naja, ein wenig Bewegung schadete ihr schon nicht. Sie war den ganzen Tag wahrlich genug gesessen und ihre Muskeln schrien geradezu danach sich nach allen Richtungen strecken zu dürfen. Dennoch hatte sie keine Lust die Füße merklich hoch zu heben und machte sich daher eher schlurfend daran die Gänge zurück zum Studienzimmer zu nehmen. Belanglos blieb ihr Blick eigentlich nirgendwo richtig hängen, ihre Gedanken schwirrten sowieso immer noch um ihren Aufsatz herum, an dem sie gerade geschrieben hatte. Irgendwie war sie mit den Formulierungen auf einmal nicht mehr ganz so zufrieden, die sie doch zuvor noch so scharf und schlagfertig gefunden hatte. Irgendwas fehlte, irgendwelche Argumente fielen ihr sicherlich noch ein und irgendwie musste sie das Ganze noch viel präziser und wasserdichter ausdrücken, sodass auch kein Platz für Gegenargumente blieb. Gedankenabwesend summte sie irgendeine Melodie, die ihr aus unbekannten Gründen im Ohr festsaß. Noch eine Ecke, noch eine Kurze, noch eine Kreuzung. Bald sollte sie wieder zurück sein, sie konnte den weichen Polster und die kuschelige Decke schon ihren Namen rufen hören.
Allerdings...
Da war noch ein anderes Geräusch, dass nun doch ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Augenblicklich blieb Isabella stocksteif mitten im Gang stehen und spitzte die ohnehin schon luchsgleichen Ohren. Jaja, sie lobte sich damit, ein wahres Feingehör zu haben - wenn sie denn wollte - und selbst in einem Wirrwarr an Gemurmel und Gebrabbel einer Konversation in ihrem Umfeld folgen zu können, an der sie gar nicht bewusst teilnahm. Selektives Gehör, hatte mal ein Medizinkollege im Scherz gesagt, aber sie fand das sogar recht passend. Wie eine Katze also lauschte sie angespannt in die Dunkelheit hinein, versuchte sich zu erinnern, woher das Klirren gekommen war und was es wohl ausgelöst haben könnte. Sie meinte irgendwo das leise Reiben von Holz auf Holz zu erkennen, aber sicher war sie sich nicht.
Sollte sie nachsehen? Oder lieber nach Walter suchen und mit ihm die Ursache des Geräuschs erforschen?
Ach so ein Unfug. Vermutlich war nur irgendetwas umgefallen, das passierte doch gern mal und vielleicht war in einem Studierzimmer einfach nur ein Fenster einen Spalt offen gelassen wurde und der Wind hatte etwas umgeblasen. Was sollte denn in der Universität schon an Bedrohung lauern? Die einzige Gefahr war, dass man von herunterfallenden Schriften erschlagen wurde, sich bei zuviel Tintenfinger ablecken eine Vergiftung zuzog oder wegen des Staubs erstickte. Aber sonst hatte man hier kaum etwas zu befürchten. Hier gab es nur altes Zeug, das die meisten Diebe doch wirklich nicht interessierte, nichts davon wirklich so wertvoll, dass man es wirklich gut zu Geld machen konnte.
Es war also nicht verwunderlich, dass sie daher mit fast schon vergnüglichem Schwung die Tür zu besagter Kammer öffnete, hinter der sie das Klirren vermutete und... erstarrte. Verdammter Madenkack! Da war ja wirklich wer in dem Zimmer! Und der gehörte sicherlich nicht hierher! Nein, Isabella kannte nicht jeden einzelnen Studenten oder Lehrer hier auf der Universität, aber es war offensichtlich, dass dieser Bursch da vor ihr nicht hierher gehörte. Und jetzt? Da bist du ja ganz schön in die Scheiße gehüpft, Isabella! schalt sie sich selbst und überlegte wirklich kurz, die Tür einfach wieder zu zu machen und weiter zu gehen. Aber dann siegte doch irgendwie ihre neugierige Unverfrorenheit, vielleicht auch, weil sie auf einen ersten schnellen Blick keine offensichtliche Waffe ausmachen konnte. Aber das sagte in den Schatten, in denen sie sich befanden, eigentlich so gut wie nichts.
"Kann ich dir helfen?" fragte sie daher recht keck, in der einen Hand die Kerze, in der anderen zur Sicherheit immer noch den Türknauf.
