14-05-2025, 14:33 - Wörter:
Der Moment, in dem Zariyah sah, wie Devan Halt fand, traf sie wie ein tiefer, erlösender Atemzug nach zu langem Luftanhalten. Die Welt stand für einen winzigen Moment still – eine absurde, lautlose Stille, die ihren pochenden Schmerz übertönte. Ihre Finger, die sich noch verkrampft in den rauen Stein krallten, zitterten. Der Schmerz in ihrer Schulter war überwältigend, pulsierend, brennend, aber es war ein Schmerz, den sie begrüßte wie einen alten Feind, den man beim Namen kannte. Denn er war das Zeichen dafür, dass Devan lebte. Dass es nicht umsonst gewesen war. Sie sog scharf die Luft ein, doch nicht wegen der Pein. Die Erleichterung drohte sie fast zu überwältigen – diese schrecklich rohe, fast brutale Erleichterung, die einem die Beine unter dem Körper wegziehen kann. Sie war kein Freund dieser Art von Emotionen. Und doch konnte sie sich diesem Gefühl nicht entziehen. Nicht jetzt.
Der Vorsprung, der letzte, befand sich nur noch wenige Meter über ihr. Ein Stück zerfurchter, aber breiter Fels, der sich gegen den Nachthimmel abhob, vom Himmelszelt in einen silbrigblauen Schleier getaucht. Dort würde sie sich ausruhen können. Denken. Atmen. Doch erst musste sie es dorthin schaffen. Ihr rechter Arm war nutzlos – ein schlaffer, schmerzender Fremdkörper, der leblos an ihrer Seite hing, während sich ihre gesamte Welt auf die linke Hälfte ihres Körpers verengte. Jeder Griff, jeder Tritt musste nun doppelt bedacht, doppelt ausgeführt werden. Kein Raum mehr für Präzision. Keine Spur von jener mühelosen Eleganz, die ihr sonst beim Klettern anhaftete, wie der Wüstensand an ihrer Haut. Zariyah fluchte nicht. Es gab keinen Platz für so etwas. Sie tat, was sie tun musste.
Mit verbissener Entschlossenheit bewegte sie sich weiter, zentimeterweise. Ihre Finger tasteten blind nach dem nächsten Halt. Ein Knie hob sich, drückte sich gegen den Fels, zog den Körper nach. Die linke Hand glitt immer wieder ab, fand dann wieder Halt – und das Gewicht ihres gesamten Daseins ruhte auf ihr. Der Schmerz in ihrer Schulter war ein Feuer, das bei jeder Erschütterung durch ihre Brust flackerte. Sie biss die Zähne zusammen, schmeckte Blut. Kein Gedanke mehr daran, wie sie aussah. Ob ihre Bewegungen anmutig waren, ob ihre Haltung zeugte von Kraft oder Kontrolle – das zählte nicht. Nur das Ziel. Nur noch dieser letzte Meter.
Endlich spürte sie den flachen Stein unter ihren Fingern. Keine Schräge mehr. Kein Zug nach unten. Ihre Füße fanden Halt, und sie rollte über die Kante wie eine Ertrinkende, die ans Ufer gespült wird. Sie schlug auf dem Fels auf, hart, die Luft wurde ihr aus den Lungen gepresst, und sie blieb reglos liegen – flach auf dem Rücken, Arme ausgestreckt, die verletzte Schulter grotesk verdreht, der Blick starr in den Himmel gerichtet. Keine Worte. Kein Blick zu Devan. Nur der Wind über der Kante, der feinen Staub in ihre Kleidung trieb, die überstrapazierte Stille der Höhe und das schmerzvolle Hämmern ihres Herzens. Sie rang nach Luft, keuchend, als würde jeder Atemzug neu gelernt werden müssen. Der Schmerz war überall – in der Schulter, in den Fingern, in den Oberschenkeln, im Nacken. Aber sie begrüßte ihn. Er war der Preis, den sie bereitwillig gezahlt hatte. Die Jahre des Trainings, der Schmerzbewältigung, der Übungen, all die Lektionen über Disziplin und Körperkontrolle hatten genau zu diesem Moment geführt.
Schmerz ist eine Entscheidung. Ein Zustand, den man akzeptiert oder bekämpft. Sie entschied sich für ersteres.
Als sich ihr Atem allmählich beruhigte, schloss sie die Augen. Nur einen Moment. Dann zwang sie sich, die Lider zu öffnen, den Körper zu bewegen. Jeder Muskel schrie. Ihre linke Hand stützte sich auf, sie rollte sich zur Seite und kämpfte sich in eine aufrechte Position, wobei ihr Gesicht bleich war, der Schweiß ihr über die Stirn rann, ihr rechter Arm schlaff wie ein Seil an ihrer Seite baumelte. Dann hob sie den Blick. Devan saß nicht weit entfernt, den Blick in die Ferne gerichtet. Die Silhouette ruhig, fast wie ein Teil des Felsens selbst. Er sprach. Ein einziges Wort, weich, rau und bedeutungsvoll.
Zariyah jedoch blinzelte nur. Und sagte nichts.
Ihre Miene blieb ausdruckslos, doch in ihren Augen flackerte etwas – kein Zorn, auch kein Groll. Nur… Müdigkeit. Und eine bittere Entschlossenheit. Ohne ein Wort ging sie zu ihm hinüber – drei Schritte, jeder wenig geschmeidig, vielmehr wacklig. Sie hob das linke Bein und trat ihn. Nicht mit voller Kraft – dafür fehlte ihr die Energie – aber gezielt, mitten gegen seinen Oberschenkel. Kein Tritt, der verletzen sollte. Aber einer, der schmerzte. Der sprach.
Dann ließ sie sich neben ihn nieder, stützte sich mit der gesunden Hand ab, den verletzten Arm schützend vor sich gehalten, und atmete schwer durch. Noch immer kein Blick zu ihm. Noch immer kein Wort zu seinem Dank. Doch dann – leise, rau, zwischen Zähnen hervorgepresst, mit dem bitteren Nachhall von Pflicht und Notwendigkeit: »Richte sie ein.« Kein Bitte. Kein Tonfall der Schwäche. Nur eine klare, schmerzhafte Anforderung. Sie wusste, dass er es konnte. Er musste es tun. Jetzt. Und sie würde es ertragen. Sie hatte Schlimmeres ertragen. Aber sie würde verdammt sein, wenn sie ihn dafür auch noch mit einem Lächeln belohnte.
Der Vorsprung, der letzte, befand sich nur noch wenige Meter über ihr. Ein Stück zerfurchter, aber breiter Fels, der sich gegen den Nachthimmel abhob, vom Himmelszelt in einen silbrigblauen Schleier getaucht. Dort würde sie sich ausruhen können. Denken. Atmen. Doch erst musste sie es dorthin schaffen. Ihr rechter Arm war nutzlos – ein schlaffer, schmerzender Fremdkörper, der leblos an ihrer Seite hing, während sich ihre gesamte Welt auf die linke Hälfte ihres Körpers verengte. Jeder Griff, jeder Tritt musste nun doppelt bedacht, doppelt ausgeführt werden. Kein Raum mehr für Präzision. Keine Spur von jener mühelosen Eleganz, die ihr sonst beim Klettern anhaftete, wie der Wüstensand an ihrer Haut. Zariyah fluchte nicht. Es gab keinen Platz für so etwas. Sie tat, was sie tun musste.
Mit verbissener Entschlossenheit bewegte sie sich weiter, zentimeterweise. Ihre Finger tasteten blind nach dem nächsten Halt. Ein Knie hob sich, drückte sich gegen den Fels, zog den Körper nach. Die linke Hand glitt immer wieder ab, fand dann wieder Halt – und das Gewicht ihres gesamten Daseins ruhte auf ihr. Der Schmerz in ihrer Schulter war ein Feuer, das bei jeder Erschütterung durch ihre Brust flackerte. Sie biss die Zähne zusammen, schmeckte Blut. Kein Gedanke mehr daran, wie sie aussah. Ob ihre Bewegungen anmutig waren, ob ihre Haltung zeugte von Kraft oder Kontrolle – das zählte nicht. Nur das Ziel. Nur noch dieser letzte Meter.
Endlich spürte sie den flachen Stein unter ihren Fingern. Keine Schräge mehr. Kein Zug nach unten. Ihre Füße fanden Halt, und sie rollte über die Kante wie eine Ertrinkende, die ans Ufer gespült wird. Sie schlug auf dem Fels auf, hart, die Luft wurde ihr aus den Lungen gepresst, und sie blieb reglos liegen – flach auf dem Rücken, Arme ausgestreckt, die verletzte Schulter grotesk verdreht, der Blick starr in den Himmel gerichtet. Keine Worte. Kein Blick zu Devan. Nur der Wind über der Kante, der feinen Staub in ihre Kleidung trieb, die überstrapazierte Stille der Höhe und das schmerzvolle Hämmern ihres Herzens. Sie rang nach Luft, keuchend, als würde jeder Atemzug neu gelernt werden müssen. Der Schmerz war überall – in der Schulter, in den Fingern, in den Oberschenkeln, im Nacken. Aber sie begrüßte ihn. Er war der Preis, den sie bereitwillig gezahlt hatte. Die Jahre des Trainings, der Schmerzbewältigung, der Übungen, all die Lektionen über Disziplin und Körperkontrolle hatten genau zu diesem Moment geführt.
Schmerz ist eine Entscheidung. Ein Zustand, den man akzeptiert oder bekämpft. Sie entschied sich für ersteres.
Als sich ihr Atem allmählich beruhigte, schloss sie die Augen. Nur einen Moment. Dann zwang sie sich, die Lider zu öffnen, den Körper zu bewegen. Jeder Muskel schrie. Ihre linke Hand stützte sich auf, sie rollte sich zur Seite und kämpfte sich in eine aufrechte Position, wobei ihr Gesicht bleich war, der Schweiß ihr über die Stirn rann, ihr rechter Arm schlaff wie ein Seil an ihrer Seite baumelte. Dann hob sie den Blick. Devan saß nicht weit entfernt, den Blick in die Ferne gerichtet. Die Silhouette ruhig, fast wie ein Teil des Felsens selbst. Er sprach. Ein einziges Wort, weich, rau und bedeutungsvoll.
Zariyah jedoch blinzelte nur. Und sagte nichts.
Ihre Miene blieb ausdruckslos, doch in ihren Augen flackerte etwas – kein Zorn, auch kein Groll. Nur… Müdigkeit. Und eine bittere Entschlossenheit. Ohne ein Wort ging sie zu ihm hinüber – drei Schritte, jeder wenig geschmeidig, vielmehr wacklig. Sie hob das linke Bein und trat ihn. Nicht mit voller Kraft – dafür fehlte ihr die Energie – aber gezielt, mitten gegen seinen Oberschenkel. Kein Tritt, der verletzen sollte. Aber einer, der schmerzte. Der sprach.
Dann ließ sie sich neben ihn nieder, stützte sich mit der gesunden Hand ab, den verletzten Arm schützend vor sich gehalten, und atmete schwer durch. Noch immer kein Blick zu ihm. Noch immer kein Wort zu seinem Dank. Doch dann – leise, rau, zwischen Zähnen hervorgepresst, mit dem bitteren Nachhall von Pflicht und Notwendigkeit: »Richte sie ein.« Kein Bitte. Kein Tonfall der Schwäche. Nur eine klare, schmerzhafte Anforderung. Sie wusste, dass er es konnte. Er musste es tun. Jetzt. Und sie würde es ertragen. Sie hatte Schlimmeres ertragen. Aber sie würde verdammt sein, wenn sie ihn dafür auch noch mit einem Lächeln belohnte.
