25-05-2025, 05:40 - Wörter:

Keine Zeit verstrich, ohne genutzt zu werden; ein ausgebildeter Assassine sah keine Notwendigkeit darin, seine Schülerin länger als nötig unter dem Schmerz leiden zu lassen, der sich ohne Zweifel durch ihren ganzen Arm zog, bis in ihre Brust strahlte und ihre harte Fassade vor ihm zu Sand gerinnen ließ. Ohne Umschweife kniete er sich hinter sie und besah sich den Winkel der Ausrenkung unter dem Mondlicht, dunkle Haut gehalten von rauen, farblosen Leinen. Er kam ihr näher, als er einen Handballen auf die Schulterspitze legte, sein Atem streifte ihre Haut, während er die andere Hand auf ihr Schulterblatt legte. Den Atem angehalten ertastete er den Winkel fast feinfühlig, wusste doch, dass sie jeden Zentimeter Bewegung spürte. Dann hielt er den Atem an. In einer einzigen Bemühung spannten sich jeder Muskel an, und in einem Ruck gab das Schultergelenk dem Druck nach und schob sich in seine ursprüngliche Position zurück.
Jeder Assassine war sich den Schmerzen bewusst, die innerhalb eines Herzschlages explodierten und im nächsten Herzschlag fast verstummten, ein Aufschrei der Nerven, in Nachwehen dumpf und trotzig gegen die verletzte Stelle pochend. Eine solche Verletzung war nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, wenn man seine Beweglichkeit nicht einbüßen wollte, weshalb sie den beiden Wüstenwanderern heute wohl kaum in die Karten spielte. Mit einem Blick über die Klippe, sachte vom Mondlicht beleuchtet, entfernte sich Devan ein wenig von seiner Schülerin, wickelte den Schal von seinem Hals und knotete daraus eine Schlinge, bevor er sie Zariyah über den Kopf stülpte. In seiner pragmatischen, aber nicht groben Art fächerte er den Stoff über ihre Schulter, nahm den verletzten Arm und legte ihn hinein. Er war sich der Verantwortung bewusst, die er für ihre Schmerzen trug, aber er entschuldigte sich nicht.
“Ruh deinen Arm aus”, merkte er stattdessen an. “Wir klettern mit Anbruch der Dämmerung runter.” Der Wind trug seine Stimme, und doch hatte sie etwas von der Festigkeit der Felsen, geübt im Umgang mit Schülern und wie er Entscheidungen zu übernehmen hatte, wenn er mit Zariyah unterwegs war. Ihres Dickkops und jungen Übermüdigkeit geschuldet würde sie zu ihren Kräutern greifen und den Schmerz betäuben, bis sie unten waren; er kannte sie gut genug dafür. Aber ein betäubter Schmerz war kein Ausgleich für eine geschwächte Schulter, die in einem entscheidenden Moment nachgeben konnte. Was sie brauchte - wie er - war Ruhe, für ein paar Stunden, um Kraft zu sammeln und den Weg nach unten nicht in völliger Lebensmüdigkeit zu bestreiten.
