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Spoken in embers
06.10.1016 - 10:30
Innenhof von Kenmara
Moira Fraser Aodhán Henaghen

Herbstland
Moira Fraser
Herbstland
Alter 21
Beruf Prinzessin von Kenmara
Wohnort Kenmara
Stand Ledig
User Lia
#5
Moira hob spöttisch die Braue, doch das Zucken ihrer Mundwinkel verriet sie längst. Ihre Stimme blieb ruhig, fast gelassen, als sie erwiderte: „Du überschätzt die Aufmerksamkeit meiner Familie. Mein Vater hat die Küche noch nie von innen gesehen – und meine Stiefmutter kennt den Weg in die Katakomben nicht einmal. Ich glaube kaum, dass sie hier nach mir suchen würden.“ Ein undeutbarer Blick glitt über seine Gestalt, während er sich auf die Tafel schwang. „Und es ist ja nicht so, als wärst du gerade in Begriff, mir meine Tugend zu rauben.“ Ihre Stimme klang wie gewohnt – trocken, mit diesem Hauch von Ironie, der sie stets begleitete –, doch während sie sprach, stieg ihr erneut eine leise Röte in die Ohren. Sie wandte sich rasch ab, als wäre es das flackernde Herdfeuer, das sie in diesem Moment dringender brauchte als seinen Blick.

Natürlich war sie sich seines Körpers bewusst. Seine kräftigen Schultern, die sehnigen Muskeln unter der Haut, die Narben, die von Geschichten erzählten, die sie gehört hatte – sie sah all das. Und sie war zwar jung, aber lange kein Kind mehr. In einem Leben, das ihr kaum Freiheiten ließ, hatte sie zu viel Zeit mit einem Bruder verbracht, der ihre Regungen nicht sah – und einem Vater, der sie nicht wahrnahm. Ihre Stiefmutter richtete ihren Blick ohnehin lieber auf sich selbst und ihren Halbbruder. Niemand hatte je lange genug hingesehen, um Moira in Verlegenheit zu bringen. Bis auf Aodhán und seinen Geschmack nach Freiheit und Leichtigkeit.

Doch sie hielt sich nicht lange mit dem Gedanken auf. Stattdessen begann sie, mit sicherer Hand ein paar Dinge von den Regalen zu sammeln: ein Keramikgefäß mit angesetztem Lavendelöl, saubere Leinenstreifen, ein kleiner Beutel mit getrocknetem Beinwell, den sie rasch in warmem Wasser anweichte, ein scharfes Messer, um ihn anschließend zu zerdrücken. Sie arbeitete zügig, aber nicht gehetzt.

Mit einem kaum merklichen Seufzen stellte sie eine Schale mit lauwarmem Wasser auf den Tisch und trat erneut an Aodhán heran. Ihre hohe Stirn legte sich in Falten, als sie die Wunde genauer inspizierte. War es eine Platzwunde durch den Aufprall? Ihre Finger berührten vorsichtig die Haut um die Schläfe herum. Spürten dem Bluterguss nach, der in wenigen Stunden sein hübsches Gesicht versehren würde. Doch ebenso gut konnte es ein gezielter Schlag gewesen sein. „Nun, es schmerzt mich, es dir mitzuteilen, aber Cathal hat heute noch exzellenter gezielt als sonst“, entkam es ihr in abwesendem Tonfall. Konzentriert beugte sie sich näher, kaute kurz auf der Innenseite ihrer Wange, dann fuhr ihre Zungenspitze zwischen den Lippen hervor, klemmte sich fast unbewusst zwischen ebenmäßge Zahnreihen– ein Tick, den sie selbst nicht bemerkte.

„Das wird jetzt brennen“, kündigte sie an – und tat es trotzdem, ohne seine Zustimmung abzuwarten. Der getränkte Lappen fand seine Stirn, reinigte gründlich, mit sachlicher Präzision. Sie blieb dabei ruhig, ganz in ihrer Arbeit versunken, als könnte sie für einen Moment vergessen, wer vor ihr saß. Erst als sie nach dem Beinwell griff, um ihn vorsichtig auf die gereinigte Stelle zu legen, ihn haltend, damit er seine blutstillende Wirkung entfaltete, sprach sie wieder. Ihre Stimme war leiser, beinahe vorsichtig: „Die Hochzeit rückt näher.“

Ein kurzer Blick aus den Augenwinkeln, prüfend. „Deine Cousine ...“ Der Name kam ihr nicht über die Lippen, zu sehr befürchtete sie, ihn mit Missgunst auszusprechen. Ihre Finger beschäftigten sich weiter mit seiner Wunde, doch ihr Blick glitt nun ganz zu ihm. „Wie ... ist sie so?“ Sie wollte ihn nicht in Verlegenheit bringen. Und dennoch lag ein zarter Ernst in der Frage. Keine bloße Neugier, sondern etwas Tieferes. Etwas, das sich fragte, was Cathal erwartete. Was ihr Bruder zu ertragen hatte. Was ihr Vater ihm vorzusetzen wagte. Und was sie verlieren könnte.
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