09-06-2025, 14:50 - Wörter:
Moira spürte, wie seine Aufmerksamkeit sich auf sie legte wie der weiche Schatten eines schützenden Baumes. Vollständig. Schwer. Wärmend. Es war kein flüchtiger Blick, keine erzwungene Geste aus Pflichtgefühl – es war sein Lauschen, dieses schweigende, aufrichtige Lauschen, das sie stärker traf als jedes Lob es je könnte. Es war, als würde ihre Stimme, ihr Gedanke, ihre Haltung in seinen Augen Gewicht gewinnen. Er war blind – und doch hatte sie sich selten so gesehen gefühlt wie in diesem Moment.
Ein kaum merkliches Zittern durchlief ihre Fingerspitzen. Es war nicht Schwäche – es war Ergriffenheit. Denn in dieser Stille, in der er sie ganz und gar hören wollte, formte sich ein stolzer, ruhiger Schmerz in ihrer Brust. Er war es, der sie ernst nahm. Er war es, der ihre Worte als mehr empfand als unbedacht geformte Meinungen einer naiven Frau. Sie fühlte sich ihm in diesem Augenblick ebenbürtig, nicht bloß als Schwester, nicht bloß als ein Mädchen im Schatten des Patriarchats. Und als er ihren Vater kurzsichtig nannte – so nüchtern, so beiläufig –, traf es sie wie ein Pfeil, den sie selbst geschossen hatte. Ein leises Auflachen wollte sich aus ihrer Kehle lösen, wurde aber zur Andeutung, kaum hörbar, doch von einem Stolz getragen, der sie innerlich aufrichtete. Besser hätte sie es selbst nicht sagen können.
Sein feines Scherzen über den potenziellen Verstand seiner Zukünftigen war wie ein Seil, das sie abrupt zurückholte. Unsicherheit stach durch den warmen Schleier seiner Zuneigung wie eine kalte Nadel. Ihre Zähne gruben sich sacht in die weiche Haut ihrer Unterlippe, ganz unwillkürlich, als könnte sie damit die Erinnerung an das letzte Treffen mit Aodhán verdrängen – wie sehr sie ihren Freund womöglich in Verlegenheit gebracht hatte, weil sie eben genau diese Frage ohne großartig nachzudenken gestellt hatte. Doch noch war es nicht an der Zeit, Cathal von seiner Antwort zu erzählen. Noch nicht.
Aber seine Geste – diese leichte Berührung an ihrer Wange, so zärtlich und selbstverständlich –, ließ all das in den Hintergrund treten. Moira schloss für einen Moment die Augen, schmiegte sich sacht in seine Handfläche, als wäre sie sein Heim, nicht das aus Stein und Eisen, das die Festung Kenmaras darstellte. Wie oft hatte sie sich gewünscht, dass es genau so bliebe zwischen ihnen – fest, sicher, unerschütterlich. Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, aber sie drang durch sie hindurch wie ein warmer Strom.
Klug. Nie hatte jemand anderes sie so bezeichnet. Nie mit solch unerschütterlicher Klarheit. Nie ohne spöttisches Lächeln, ohne ironische Bemerkung. Seine Worte waren keine Schmeichelei. Sie waren Wahrheit. Und sie trafen auf etwas in ihr, das zu oft im Dunkeln verharrte. Sie wuchs. Aufrecht. Stolz. Nicht in der Haltung, sondern in der Seele.
Seine Hände umfassten ihr Gesicht, hielten sie wie etwas Kostbares – und als seine Lippen ihre Stirn berührten, war es, als hätte jemand eine Krone auf ihr Haupt gesetzt. Keine aus Gold, keine, die die Edlen des Landes anerkennen würden. Aber eine, die sie trug, solange er sie so ansah. Moira blinzelte rasch, unterdrückte die Tränen, die sich dennoch unnachgiebig ihren Weg zu suchen versuchten. Es war kein Weinen aus Traurigkeit. Es war der Moment, den sie sich in ihr Herz meißeln wollte, denn zu viele davon würden sie beiden nicht mehr teilen.
Als er sie in die Arme zog, schloss sie ihre eigenen fest um ihn, versank in dieser Umarmung, die nach Leder, nach Stärke, und nach Heimat roch. Sie sog seinen Duft ein, tief, speicherte ihn wie ein altes Lied, das sie nie vergessen wollte. So wie er sie vergessen würde, sobald ihn seine neuen Pflichten und seine Ehe vereinnahmten. Der Gedanke brannte hinter ihren Lidern. Und obwohl sie ihn nicht aussprach, ließ sie ihn ihn spüren – im Atem, der kurz stockte, im Griff, der sich einen Hauch fester um seine Taille legte. „Manche Dinge“, murmelte sie schließlich, kaum hörbar an seiner Schulter, „kann man nur schweigend sagen.“ Und obwohl sie nicht losließ, bot sie ihm Raum. Raum, zu fragen. Raum, sich abzuwenden. Doch tief in sich wusste sie, dass er verstanden hatte. Denn ihre Stille war für ihn lauter als jedes Wort.
Ein kaum merkliches Zittern durchlief ihre Fingerspitzen. Es war nicht Schwäche – es war Ergriffenheit. Denn in dieser Stille, in der er sie ganz und gar hören wollte, formte sich ein stolzer, ruhiger Schmerz in ihrer Brust. Er war es, der sie ernst nahm. Er war es, der ihre Worte als mehr empfand als unbedacht geformte Meinungen einer naiven Frau. Sie fühlte sich ihm in diesem Augenblick ebenbürtig, nicht bloß als Schwester, nicht bloß als ein Mädchen im Schatten des Patriarchats. Und als er ihren Vater kurzsichtig nannte – so nüchtern, so beiläufig –, traf es sie wie ein Pfeil, den sie selbst geschossen hatte. Ein leises Auflachen wollte sich aus ihrer Kehle lösen, wurde aber zur Andeutung, kaum hörbar, doch von einem Stolz getragen, der sie innerlich aufrichtete. Besser hätte sie es selbst nicht sagen können.
Sein feines Scherzen über den potenziellen Verstand seiner Zukünftigen war wie ein Seil, das sie abrupt zurückholte. Unsicherheit stach durch den warmen Schleier seiner Zuneigung wie eine kalte Nadel. Ihre Zähne gruben sich sacht in die weiche Haut ihrer Unterlippe, ganz unwillkürlich, als könnte sie damit die Erinnerung an das letzte Treffen mit Aodhán verdrängen – wie sehr sie ihren Freund womöglich in Verlegenheit gebracht hatte, weil sie eben genau diese Frage ohne großartig nachzudenken gestellt hatte. Doch noch war es nicht an der Zeit, Cathal von seiner Antwort zu erzählen. Noch nicht.
Aber seine Geste – diese leichte Berührung an ihrer Wange, so zärtlich und selbstverständlich –, ließ all das in den Hintergrund treten. Moira schloss für einen Moment die Augen, schmiegte sich sacht in seine Handfläche, als wäre sie sein Heim, nicht das aus Stein und Eisen, das die Festung Kenmaras darstellte. Wie oft hatte sie sich gewünscht, dass es genau so bliebe zwischen ihnen – fest, sicher, unerschütterlich. Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, aber sie drang durch sie hindurch wie ein warmer Strom.
Klug. Nie hatte jemand anderes sie so bezeichnet. Nie mit solch unerschütterlicher Klarheit. Nie ohne spöttisches Lächeln, ohne ironische Bemerkung. Seine Worte waren keine Schmeichelei. Sie waren Wahrheit. Und sie trafen auf etwas in ihr, das zu oft im Dunkeln verharrte. Sie wuchs. Aufrecht. Stolz. Nicht in der Haltung, sondern in der Seele.
Seine Hände umfassten ihr Gesicht, hielten sie wie etwas Kostbares – und als seine Lippen ihre Stirn berührten, war es, als hätte jemand eine Krone auf ihr Haupt gesetzt. Keine aus Gold, keine, die die Edlen des Landes anerkennen würden. Aber eine, die sie trug, solange er sie so ansah. Moira blinzelte rasch, unterdrückte die Tränen, die sich dennoch unnachgiebig ihren Weg zu suchen versuchten. Es war kein Weinen aus Traurigkeit. Es war der Moment, den sie sich in ihr Herz meißeln wollte, denn zu viele davon würden sie beiden nicht mehr teilen.
Als er sie in die Arme zog, schloss sie ihre eigenen fest um ihn, versank in dieser Umarmung, die nach Leder, nach Stärke, und nach Heimat roch. Sie sog seinen Duft ein, tief, speicherte ihn wie ein altes Lied, das sie nie vergessen wollte. So wie er sie vergessen würde, sobald ihn seine neuen Pflichten und seine Ehe vereinnahmten. Der Gedanke brannte hinter ihren Lidern. Und obwohl sie ihn nicht aussprach, ließ sie ihn ihn spüren – im Atem, der kurz stockte, im Griff, der sich einen Hauch fester um seine Taille legte. „Manche Dinge“, murmelte sie schließlich, kaum hörbar an seiner Schulter, „kann man nur schweigend sagen.“ Und obwohl sie nicht losließ, bot sie ihm Raum. Raum, zu fragen. Raum, sich abzuwenden. Doch tief in sich wusste sie, dass er verstanden hatte. Denn ihre Stille war für ihn lauter als jedes Wort.
