10-06-2025, 20:44 - Wörter:
Cathal spürte, wie sich die Arme seiner Schwester um seine Körpermitte schlossen – fest, vertraut, ohne Zögern. Es war keine Umarmung, die um Erlaubnis bat, sondern eine, die sich nahm, was immer schon da gewesen war: ein Band, gewoben aus Kindheit, geteiltem Schweigen, Streit und Versöhnung. Er legte seine Hand auf ihren Rücken, schwer und still. Kein Wort wurde gesprochen, doch in der Art, wie sie sich an ihn lehnte, lag alles: Trost, Erleichterung, ein stummes "Du bist da" nach einer zu langen Abwesenheit – ob körperlich oder nur in Gedanken.
Für einen Moment schien es, als hielte die Zeit kurz inne. Draußen war es kalt, drinnen roch es nach Stroh und Tier, aber zwischen ihnen war es warm. Wie früher. Als noch alles einfacher war. Er schloss die Augen und atmete tief durch. "Ich hab dich vermisst, Moira", sagte er leise, rau, ohne Pathos. Es war kein Geständnis, nur eine Tatsache.
Sein Gesicht verbarg sich für wenige Herzschläge in ihrem Haar. Der vertraute Geruch stieg ihm in die Nase – warm, ein wenig nach Tinte, ein Hauch von Pergament, wie ein gelebter Tag zwischen Büchern und Gedanken. Es war der Duft von Moira, wie er ihn kannte, seit sie als Kinder im Arbeitszimmer ihres Vaters gesessen und heimlich in den Chroniken geblättert hatten, obwohl sie es nicht durften. Er verharrte so, ließ den Moment einen Atemzug länger bestehen, als es notwendig gewesen wäre. Vielleicht, weil es so selten geworden war. Vielleicht, weil er spürte, dass Worte hier zu wenig und zu viel zugleich gewesen wären.
Als er sich schließlich ein Stück zurückzog, blieben seine Hände an ihren Oberarmen, als wolle er sie einfach nahe bei sich halten. "Du riechst noch immer wie früher", murmelte er, ein leiser Anflug eines Lächelns in seiner Stimme. Dann schüttelte er kaum merklich den Kopf, als wolle er etwas abschütteln, das ihn kurz zu nah an die Vergangenheit geführt hatte.
"Und?" Cathals Stimme war ruhig, doch es klang ein unterschwelliger Spott darin mit. "Hast du dir schon überlegt, wie du es meiner zukünftigen Frau schwer machst? Vielleicht sogar schwerer als nötig?" Er zog eine Braue hoch, als wolle er ihr damit zu verstehen geben, dass er durchaus damit rechnete. Und vielleicht tat er das auch. Es war nicht unbedingt Misstrauen, das ihn zu der Frage trieb – eher eine nüchterne Einschätzung. Moira war nie jemand gewesen, der sich mit halben Wahrheiten oder höflicher Zurückhaltung zufriedengab. Schon gar nicht, wenn es um Menschen ging, die dauerhaft in das Gefüge ihrer Welt eindrangen. Er konnte nicht vorhersagen, wie sie reagieren würde. Ob sie sich feindselig gab, misstrauisch – oder ob sie, ganz im Gegenteil, überraschend offen war, neugierig sogar. Beides war denkbar. Und beides hätte seine eigene Form von Herausforderung bedeutet.
Niamh hingegen... Sein Blick veränderte sich leicht, wurde matter. Niamh war leichter zu durchschauen. Glatt. Nett. Harmlos. Berechenbar bis zur Blässe. Man wusste, woran man bei ihr war – und genau das machte sie für Cathal so farblos. Es fehlte an Tiefe. An Widerstand. An allem, was eine Seele zum Klingen brachte. Er atmete langsam aus.
Für einen Moment schien es, als hielte die Zeit kurz inne. Draußen war es kalt, drinnen roch es nach Stroh und Tier, aber zwischen ihnen war es warm. Wie früher. Als noch alles einfacher war. Er schloss die Augen und atmete tief durch. "Ich hab dich vermisst, Moira", sagte er leise, rau, ohne Pathos. Es war kein Geständnis, nur eine Tatsache.
Sein Gesicht verbarg sich für wenige Herzschläge in ihrem Haar. Der vertraute Geruch stieg ihm in die Nase – warm, ein wenig nach Tinte, ein Hauch von Pergament, wie ein gelebter Tag zwischen Büchern und Gedanken. Es war der Duft von Moira, wie er ihn kannte, seit sie als Kinder im Arbeitszimmer ihres Vaters gesessen und heimlich in den Chroniken geblättert hatten, obwohl sie es nicht durften. Er verharrte so, ließ den Moment einen Atemzug länger bestehen, als es notwendig gewesen wäre. Vielleicht, weil es so selten geworden war. Vielleicht, weil er spürte, dass Worte hier zu wenig und zu viel zugleich gewesen wären.
Als er sich schließlich ein Stück zurückzog, blieben seine Hände an ihren Oberarmen, als wolle er sie einfach nahe bei sich halten. "Du riechst noch immer wie früher", murmelte er, ein leiser Anflug eines Lächelns in seiner Stimme. Dann schüttelte er kaum merklich den Kopf, als wolle er etwas abschütteln, das ihn kurz zu nah an die Vergangenheit geführt hatte.
"Und?" Cathals Stimme war ruhig, doch es klang ein unterschwelliger Spott darin mit. "Hast du dir schon überlegt, wie du es meiner zukünftigen Frau schwer machst? Vielleicht sogar schwerer als nötig?" Er zog eine Braue hoch, als wolle er ihr damit zu verstehen geben, dass er durchaus damit rechnete. Und vielleicht tat er das auch. Es war nicht unbedingt Misstrauen, das ihn zu der Frage trieb – eher eine nüchterne Einschätzung. Moira war nie jemand gewesen, der sich mit halben Wahrheiten oder höflicher Zurückhaltung zufriedengab. Schon gar nicht, wenn es um Menschen ging, die dauerhaft in das Gefüge ihrer Welt eindrangen. Er konnte nicht vorhersagen, wie sie reagieren würde. Ob sie sich feindselig gab, misstrauisch – oder ob sie, ganz im Gegenteil, überraschend offen war, neugierig sogar. Beides war denkbar. Und beides hätte seine eigene Form von Herausforderung bedeutet.
Niamh hingegen... Sein Blick veränderte sich leicht, wurde matter. Niamh war leichter zu durchschauen. Glatt. Nett. Harmlos. Berechenbar bis zur Blässe. Man wusste, woran man bei ihr war – und genau das machte sie für Cathal so farblos. Es fehlte an Tiefe. An Widerstand. An allem, was eine Seele zum Klingen brachte. Er atmete langsam aus.
