12-06-2025, 16:37 - Wörter:

Devan konnte es nicht beantworten. Keine der Fragen, die sich aus der Situation ergaben, formten sich zu etwas Klarem, unzufriedenstellend und doch gleichzeitig in perfektem Chaos kaum zu überbieten. Hier, wo er sich in den Schneidersitz niedergelassen hatte, an den Rand der Klippe die Dünen vor sich, während am Horizont ein schwaches, goldenes Licht brannte, als würde Dharan al-Bahr mit den Sternen scheinen; auch hier wusste er nicht, warum er mitgekommen war. Die Zunge lag schwer in seinem Gaumen, während er unter all den Sternen und dem Mond genau das warme Licht fixierte, als wäre es sein Anker auf der Welt. Seine Navigation. Vielleicht auch sein Ziel - oder der Weg, der ihn zu seinem Ziel führte.
“Ich hätte nicht kommen müssen.”
Ruhig war seine Stimme, doch obwohl er Zariyahs Worte nur wiederholte, hatten sie eine völlig andere Intonation. Mit welcher Intonation auch immer - ob er sich nur zu der kühlen Stille der Wüste hingezogen gefühlt hatte, weil in ihr mehr Magie steckte als hinter jeder Ammengeschichte - die Wahrheit steckte im Kern: Sie brauchte ihn nicht. Zariyah hätte ohne Probleme den Felsen bezwungen, wie sie es schon tausende Male getan hatte, wäre er nicht abgerutscht. Auch jetzt schluckte sie kaum merklich, aber für ihn sehr wohl spürbar, den Schmerz herunter, weil sie ihre Arbeitsmoral anlegte wie ein Paar hauchdünner Handschuhe. Alles, was er ihr beibringen konnte, schlummerte tief unter der Hülle, die dem Wetter und der Armut trotzte. Tiefer noch als die Masken, die sie anzulegen wusste, und vielleicht war genau das der Funke, der an seinen Lippen zupfte - der Hauch von Stolz, tiefer vergraben, als dass der Wind ihn wegtragen konnte. Ohne noch etwas zu sagen, schloss er die Augen und fragte sich, ob die Wüste ihm vielleicht heute Antworten schenken würde, bevor sie sich abermals auf den Weg den Felsen hinunter machen würden.