26-06-2025, 00:26 - Wörter:
Erik neigte den Kopf leicht zur Seite, als wägt er ab, ob er Leif noch weiter reizen sollte. Doch er entschied sich dagegen – so sehr sein Waffenbruder es auch verdient hätte. Heute wollte er sein Glück nicht überstrapazieren, wollte diesen kleinen Sieg für sich behalten. Ein stiller Triumph, der sich süß anfühlte. Erik spürte, wie ein schmaler Funken von Genugtuung in ihm aufflackerte. Ja, es tat gut zu wissen, dass Leif in den letzten Tagen Kummer gespürt hatte. Gerechtigkeit – so nannte man das. Oder er selbst. Sein Lächeln wurde breiter, herausfordernd, während das leise Knirschen von Leifs zusammengepressten Knöcheln die Luft zwischen ihnen erfüllte. Eine stumme Drohung, deutlich und scharf. Doch Erik blieb noch einen Moment unbewegt – ehe er seine Hände wieder sinken ließ.
Erik lachte leise, ein kurzes, scharfes Geräusch, das seine amüsierte Haltung verriet. Reinka als Reinkarnation der weißen Witwe? Ein Bild, das gleichzeitig gruselig und faszinierend war – und ihm auf eine seltsame Weise gefiel. "Dabei habe ich sie gebeten, dass sie dich das nicht so spüren lassen soll", sagte er und schüttelte den Kopf, die Ernsthaftigkeit in seiner Stimme nicht zu überhören. Dann trat er ans Fenster, ließ seinen Blick hinausgleiten, als würde er tatsächlich erwarten, seine Frau dort unten auf dem Platz zu sehen – vielleicht mit einem ihrer Pferde in der Hand, wissend, dass sie gerade Thema ihres Gesprächs war. Und ihn genau das später büßen lassen würde. Doch unten stand keine Reinka und auch keine weiße Witwe. Er wandte sich wieder seinem Waffenbruder zu, durchaus eine Veränderung in dessen Ausstrahlung wahrnehmend, die er jedoch nicht ganz verorten konnte.
„Ich habe eine Tochter, Erik.“
Im ersten Moment schwieg der Fürstensohn, betrachtete seinen besten Freund, als wolle er versuchen zu verstehen, was er gerade gesagt hatte. Er hat eine Tochter. Die Art, wie er das sagte, zeigte Erik, dass es sich nicht um das heranwachsende Leben unter Aleenas Herzen handelte, dass es keine bloße Behauptung war, wie er sie so oft aufgestellt hatte, dass er eine Tochter bekommen würde. Nein, Leif sagte es, als wäre sie bereits Teil seines Lebens, als trüge er sie längst in seinem Herzen. Es war keine beiläufige Erwähnung, kein bloßes Problem, das man schnell abtut – es war etwas, das ihm wirklich etwas bedeutete. Sonst hätte er sie nicht so genannt, hätte er nicht diesen Ton in der Stimme gehabt, der alles sagte, was Worte nicht fassen konnten.
Und mit dieser Erkenntnis drang eine zweite, noch tiefere Wahrheit in seinen Geist. "Wo ist sie?", entwich es ihm, die Stimme vielleicht rau vor einen Hauch Sorge und etwas, das er kaum zugeben wollte – Furcht. Wenn es nach ihm ginge, hätte ein uneheliches Kind niemals Anlass zu solchen Sorgen gegeben. Doch die rauen Gebräuche Norsteadings kannten keine Gnade für Bastarde höherer Herren – das Wort allein schmeckte bitter auf seiner Zunge –, und er wusste, dass manche Menschen hier keine Güte zeigen würden. Allem voran vermutlich Leifs Eltern. Nicht für das Kind. Nicht für den Vater, oder die Mutter. Und die Dunkelheit, die daraus erwachsen konnte, war etwas wovor er seinen Waffenbruder schützen wollte. "Ich mein... du weißt, dass ich deine Familie liebe, aber...", er ließ den Satz unvollendet, die Arme vor der Brust verschränkt und sich leicht gegen das Fensterbrett lehnend. Ihm selbst war es gleichgültig, dass das Kind unehelich war. Es war Leifs Kind – und damit Teil der Familie, die Erik mit seinem Eid beschützt hatte. Für ihn gab es keine Zweifel: Dieses Leben gehörte zu ihnen, und er würde alles tun, um es zu bewahren.
Erik lachte leise, ein kurzes, scharfes Geräusch, das seine amüsierte Haltung verriet. Reinka als Reinkarnation der weißen Witwe? Ein Bild, das gleichzeitig gruselig und faszinierend war – und ihm auf eine seltsame Weise gefiel. "Dabei habe ich sie gebeten, dass sie dich das nicht so spüren lassen soll", sagte er und schüttelte den Kopf, die Ernsthaftigkeit in seiner Stimme nicht zu überhören. Dann trat er ans Fenster, ließ seinen Blick hinausgleiten, als würde er tatsächlich erwarten, seine Frau dort unten auf dem Platz zu sehen – vielleicht mit einem ihrer Pferde in der Hand, wissend, dass sie gerade Thema ihres Gesprächs war. Und ihn genau das später büßen lassen würde. Doch unten stand keine Reinka und auch keine weiße Witwe. Er wandte sich wieder seinem Waffenbruder zu, durchaus eine Veränderung in dessen Ausstrahlung wahrnehmend, die er jedoch nicht ganz verorten konnte.
„Ich habe eine Tochter, Erik.“
Im ersten Moment schwieg der Fürstensohn, betrachtete seinen besten Freund, als wolle er versuchen zu verstehen, was er gerade gesagt hatte. Er hat eine Tochter. Die Art, wie er das sagte, zeigte Erik, dass es sich nicht um das heranwachsende Leben unter Aleenas Herzen handelte, dass es keine bloße Behauptung war, wie er sie so oft aufgestellt hatte, dass er eine Tochter bekommen würde. Nein, Leif sagte es, als wäre sie bereits Teil seines Lebens, als trüge er sie längst in seinem Herzen. Es war keine beiläufige Erwähnung, kein bloßes Problem, das man schnell abtut – es war etwas, das ihm wirklich etwas bedeutete. Sonst hätte er sie nicht so genannt, hätte er nicht diesen Ton in der Stimme gehabt, der alles sagte, was Worte nicht fassen konnten.
Und mit dieser Erkenntnis drang eine zweite, noch tiefere Wahrheit in seinen Geist. "Wo ist sie?", entwich es ihm, die Stimme vielleicht rau vor einen Hauch Sorge und etwas, das er kaum zugeben wollte – Furcht. Wenn es nach ihm ginge, hätte ein uneheliches Kind niemals Anlass zu solchen Sorgen gegeben. Doch die rauen Gebräuche Norsteadings kannten keine Gnade für Bastarde höherer Herren – das Wort allein schmeckte bitter auf seiner Zunge –, und er wusste, dass manche Menschen hier keine Güte zeigen würden. Allem voran vermutlich Leifs Eltern. Nicht für das Kind. Nicht für den Vater, oder die Mutter. Und die Dunkelheit, die daraus erwachsen konnte, war etwas wovor er seinen Waffenbruder schützen wollte. "Ich mein... du weißt, dass ich deine Familie liebe, aber...", er ließ den Satz unvollendet, die Arme vor der Brust verschränkt und sich leicht gegen das Fensterbrett lehnend. Ihm selbst war es gleichgültig, dass das Kind unehelich war. Es war Leifs Kind – und damit Teil der Familie, die Erik mit seinem Eid beschützt hatte. Für ihn gab es keine Zweifel: Dieses Leben gehörte zu ihnen, und er würde alles tun, um es zu bewahren.
