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We've lost the sun
17.11.1016 - 17:57
Springs Court

Winterland
Sanna Lorenson
Winterland
Alter 22
Beruf Jägerin
Wohnort Rabenrast
Stand Ledig
User Natsch
#1
Valda saß auf dem Bett, die Beine überkreuzt, das Kinn leicht gesenkt, während sie konzentriert mit einer kleinen Holzfigur spielte. Ein Pferd – rau gearbeitet, aber geliebt. Ihre Finger führten es über die Decke, ließen es springen, galoppieren, innehalten. Sanna legte das kleine Schnitzmesser zur Seite und musterte ihr eigenes Werk mit kritischem Blick. Nicht vollkommen, aber solide. Es hatte etwas Tröstliches, wieder mit den Händen zu arbeiten. Die feinen Holzspäne zu spüren, das kontrollierte Ziehen der Klinge, das langsame Entstehen von etwas Greifbarem.
Gedanken hielten sie dabei selten auf, doch heute drängten sie sich auf. Charles Stafford suchte Söldner. Für eine bevorstehende Schlacht. Sie hatte nie einen Krieg erlebt. Nicht wirklich. Nur die Geschichten gehört – und von den Spuren, die er hinterließ. Auf Land, in Menschen. Sanna spürte, wie sich etwas in ihrer Brust zusammenzog. Wieder Unsicherheit. Wieder der Gedanke, dass das Frühlingsland nur ein Zwischenhalt sein könnte. Eine weitere Station, an der man Wurzeln nur bis zur nächsten Entscheidung treiben ließ.

Sie fühlte sich jetzt schon entwurzelt. Verloren im Dazwischen – zwischen dem, was gewesen war, und dem, was vielleicht kommen mochte. Der Gedanke, erneut aufbrechen zu müssen, ließ einen leisen Schmerz in ihr aufsteigen – keinen greifbaren, keinen, der sich in Worte fassen ließ. Es war ein Ziehen, das wie Kälte unter die Haut kroch, sich festsetzte, ohne laut zu klagen.
Immer wieder drängte sich dazwischen ein anderer Impuls: zurückzugehen. Zurück nach Rabenrast. Ein Ort, so unbedeutend, dass nicht einmal eine Karte sich seiner erinnerte. Nur ein paar Häuser, geduckt unter dem Wind, in einem Tal, das niemand suchte. Und dennoch – es war Heimat gewesen. Ein armseliges Stück Welt vielleicht, aber ein Stück, das ihr gehörte. Der Gedanke, dorthin zurückzukehren, war wie ein Flüstern, das immer dann lauter wurde, wenn das Jetzt zu brüchig wurde. Wenn das Morgen zu ungewiss schien.

Sie musste an Eydís denken. An ihre Freundin, deren Stärke so leise war, dass man sie leicht übersehen konnte – und doch unübersehbar war, wenn man genau hinsah.

Eine Spur Verzweiflung legte sich in Sannas Gedanken, während sie sich fragte, wie es der Hebamme erging. Ob ihr Mann sie wieder geschlagen hatte. Ob er sie erniedrigte, wie er es so oft getan hatte – mit Worten, mit Händen, mit Schweigen. Oder ob Eydís einen dieser seltenen Tage hatte, an denen sie durchhielt, unbeirrt, standfest, so taff wie immer. Sanna kannte keine mutigere Frau. Und gleichzeitig war Eydís ihr größtes Mahnmal gewesen.
So hart es klang – sie hatte nie so leben wollen wie sie. Nie in einem Haus gefangen sein, mit einem Mann, der sich das Recht nahm sie zu schlagen, weil er glaubte, es stünde ihm zu. Nie behandelt werden wie Dreck, nur weil man ein Kind hatte, das nicht aus einer Ehe stammte. Eydís hatte all das ertragen. Vielleicht war es das, was sie so stark machte. Vielleicht war es aber auch das, was sie so gebrochen hatte.

Sanna betrachtete den Talisman in ihrer Hand, ließ die Finger über die vertrauten Einkerbungen gleiten – und seufzte leise. Nicht nur Eydís fand immer wieder ihren Weg in ihre Gedanken. Auch Veith war da. Oft. Sie hatte versucht, ihn aus ihrem Herzen zu verbannen. Hatte sich wochenlang bemüht, jeden Gedanken an ihn zu verdrängen, ihn zu übertönen mit der Wut, die sie im Frühlingsland so erschreckend fest im Griff gehabt hatte. Oder mit der Verzweiflung, die gleich dahinter lauerte.
Sanna wollte nicht fühlen, was sie fühlte. Wollte diesen feinen, nagenden Schmerz nicht spüren, der sich wie ein Schatten zwischen die Tage legte – gepaart mit einer Sehnsucht, die sie nachts wach hielt und tagsüber jeden klaren Gedanken vernebelte. Sie spürte ihn noch immer. Die Spur seiner Lippen auf ihrer Haut. Den Druck seiner Hände an ihrer Taille. Das tiefe, still gewordene Gefühl von Geborgenheit, als sie sich in seine Nähe hatte fallen lassen – für diesen einen, kostbaren Moment, der sich nun so fern und doch so nah anfühlte.

Sie wandte den Blick kurz zu Valda, die völlig in ihrer kleinen Welt versunken war. Ein Teil von ihr beneidete dieses kindliche Vertrauen, dass die Welt – selbst in Momenten wie diesen – einfach weiterging.

Sanna hörte Schritte auf dem Flur und fädelte das Lederband durch die Öse des Talismans. Die Schritte klangen nach Tyra. In den vergangenen Wochen hatte sie sich so sehr an diese Frau gewöhnt, dass der Gedanke, sie wieder gehen zu lassen, schwer auf ihr lag. Tyra war auf ihre ganz eigene Weise eine sanfte Seele – verborgen hinter rauer Fassade und einer Mauer, die sie vor der Welt schützte. Sanna hatte sie durchschaut. Zumindest glaubte sie das. Sie sah es, wenn Tyra mit Valda sprach, wie sich ihr Blick weicher, ihre Bewegungen bedachter formten. Doch so sehr sie sich an sie gewöhnt hatte, Sanna spürte, dass sich ihre Wege bald trennen würden.
Sie hatte es schon vorher bemerkt – in kleinen Gesten, in einer rastlosen Stille zwischen zwei Gesprächen. Tyra war eine Söldnerin. Menschen wie sie zogen weiter. In den Krieg, in ferne Länder, in neue Aufträge. Nicht für Ruhm. Für Gold. Und vielleicht auch, um dem eigenen Herzen immer ein Stück voraus zu sein.

Sie drehte sich um, als die Tür aufschwang, und ihre Augen trafen auf Tyra. Die wenig Ältere wirkte wie immer – gerade, kühl, mit diesem Blick, der mehr sah, als er je preisgab. Sanna musterte sie für einen Moment. Die scharfen Konturen ihres Gesichts, die Härte in ihren Zügen – so gegensätzlich zu ihrer eigenen weichen Art. Und doch war es genau diese Rauheit gewesen, an der sich ihre Sanftheit festgebissen hatte, wie zwei Pole, die nicht voneinander ließen. Gegensätze, die sich berührten, manchmal stießen, doch nie ganz voneinander ließen.
"Tante Tyra!", Valdas Stimme hallte durch den Raum, hell und unbedarft, wie nur Kinder sie tragen konnten – mit einer Freude, die jede Schwere durchbrach. Sanna konnte nicht anders, als schwach zu lächeln, fast schon erleichtert über diesen kurzen Moment der Unschuld. Und auch auf Tyras Gesicht zuckte ein Ausdruck, der fast etwas Weiches hatte – kaum merklich, aber für jene, die sie kannten, deutlich. Valda hüpfte vom Bett, die Holzfigur noch in der Hand, und stürmte auf Tyra zu, als sei ihre Heldin zurückgekehrt. Oder ihre Wölfin. Sannas Blick glitt noch einmal zu dem Talisman, dann stand sie auf. "Und hast du etwas gehört?", vom Krieg, von der Nachricht an die Söldner...
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We've lost the sun - von Sanna Lorenson - 30-06-2025, 20:39

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